Patriarch Kyrill I. für Zusammenarbeit mit Katholiken

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holzi
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Re: Patriarch Kyrill I. für Zusammenarbeit mit Katholiken

Beitragvon holzi » 24.01.2016, 08:50

Łukasz hat geschrieben:Aus Deutschland sind mir solche Probleme mit polnischen Priestern aber nicht bekannt.
was das Finanzgebaren betrifft, sind es Einzelfälle, die aber nicht so krass sind wie du aus Polen beschrieben hast. Die sind es halt nicht gewohnt, dass die Pfarrei eine rechtlich eigenständige Stiftung mit Verwaltungsrat ist (in der Diözese Regensburg ist das zumindest so geregelt) und mit den privaten Geldern des Pfarrers nicht verwechselt werden darf. Und das gibt dann regelmäßig Stunk, weil die Kirchenverwaltung dem Pfarrer dann die Grenzen seiner Kompetenzen zeigen muss. Der Pfarrer hat in der Kirchenverwaltung sowieso eine starke Stellung, aber unbeschränkten Zugriff auf die Gelder ist in keinem Fall drin.

Oft erkennen diese polnischen Priester dann nach Jahren der Streitereien, dass das deutsche System vielleicht dann doch nicht so schlecht ist und dem Priester viele Verwaltungsaufgaben abnimmt und ihm mehr Freiheit für die Seelsorge lassen kann.
Das Christentum nimmt den Menschen, wie er ist, und macht ihn zu dem, was er sein soll. (Adolph Kolping 1813-1865)

Łukasz
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Re: Patriarch Kyrill I. für Zusammenarbeit mit Katholiken

Beitragvon Łukasz » 24.01.2016, 11:41

holzi hat geschrieben:[
Oft erkennen diese polnischen Priester dann nach Jahren der Streitereien, dass das deutsche System vielleicht dann doch nicht so schlecht ist und dem Priester viele Verwaltungsaufgaben abnimmt und ihm mehr Freiheit für die Seelsorge lassen kann.


Ja. In Deutschland machen solche Dinge wie ein Verwaltungsrat natürlich Sinn, wenn man bedenkt wie riesig mittlerweile eine deutsche Pfarrei werden kann. Während eine deutsche Pfarrei mehrere Kirchen und Städte umfasst, ist es in Polen teilweise immer noch so, dass es pro Kirche genau eine Pfarrei gibt. Die Pfarreien in Polen sind also somit sehr viel kleiner. So etwas kennen polnische Priester aus ihrer "Ausbildungszeit" nicht, während deutsche Priesterseminaristen während ihres Theologiestudiums bestimmt schon einige Praktika in solchen Pfarreien leisten mussten und das System dahinter kennengelernt haben.

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Mary
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Re: Patriarch Kyrill I. für Zusammenarbeit mit Katholiken

Beitragvon Mary » 24.01.2016, 11:48

Łukasz hat geschrieben:@ Mary

... In meinen Beiträgen ging es mir nicht darum, die normalen katholischen Laien zu kritisieren, sondern vor allem die Mehrheit ihrer Kirchenvertreter, die Mitschuld am Verfall des christlichen/katholischen/evangelischen Glaubens im Laufe der letzten Jahrzehnte hier in Deutschland tragen.


Lieber Lukasz,
ich habe ja das von Dir berichtete in keiner Weise angezweifelt. Ja, Missstände gibt es. Aber auch: nicht jeder Katholik beurteilt dies gleich.

Du, und auch Thuja, ihr dürft meinetwegen eure Ex-Kirchen absolut zweifelhaft finden. Aber ich meine, dass diese Beurteilungen und Beschreibungen trotzdem nicht in ein öffentliches Forum gehören. Ich will Dir erklären, wie ich es meine:

- wir geben ein denkbar schlechtes Zeugnis ab. Christen sollte "die Welt" doch an der Liebe erkennen, an der Barmherzigkeit, daran, dass sie einander lieben. Und nicht daran, dass sie jeden, der auch nur ein wenig anders denkt, schriftlich zerfleischen.

- die betroffenen Gläubigen und Priester haben keine Möglichkeit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen und ihre Sicht darzulegen - es sei denn, sie geraten zufällig auf diese Forumsseiten. Wäre es nicht viel besser, solche Beobachtungen persönlich, in einem dafür angemessenen Rahmen (also nicht am Fest!!) und mit offenem Herzen vorzubringen?

- auch ich habe meine Ex--- die katholische Kirche--- verlassen. Dies jedoch weniger als eine "weg von" als vielmehr eine "hin zu" Bewegung. Die Orthodoxie war für mich so einladend und strahlend, dass ich den Schritt tun musste. Natürlich sehe ich auch die Unterschiede. Dennoch glaube ich, dass Gott mich genau durch diese meine ehemalige Pfarrei und durch die Menschen dort - und viele weitere auch - an den Punkt geführt hat, wo ich heute stehe. Ich bin darum diesen Menschen dankbar.... und ich beurteile sie nicht öffentlich.

Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag
Maria
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Re: Patriarch Kyrill I. für Zusammenarbeit mit Katholiken

Beitragvon Łukasz » 24.01.2016, 14:08

Mary hat geschrieben:Du, und auch Thuja, ihr dürft meinetwegen eure Ex-Kirchen absolut zweifelhaft finden. Aber ich meine, dass diese Beurteilungen und Beschreibungen trotzdem nicht in ein öffentliches Forum gehören. Ich will Dir erklären, wie ich es meine:

- wir geben ein denkbar schlechtes Zeugnis ab. Christen sollte "die Welt" doch an der Liebe erkennen, an der Barmherzigkeit, daran, dass sie einander lieben. Und nicht daran, dass sie jeden, der auch nur ein wenig anders denkt, schriftlich zerfleischen.


Ah, Ok. Jetzt verstehe ich, was du dich eigentlich stört. Gut, in einem orthodoxen Forum nur über die Missstände in der Katholischen Kirche zu reden, mag einigen wie das herumstechen in fremden Wunden erscheinen. In meinen Augen kann man ruhig über alles diskutieren, auch wenn man nicht zur Gruppe der Betroffenen (mehr) angehört, aber dass muss jeder für sich entscheiden.

Mary hat geschrieben:- die betroffenen Gläubigen und Priester haben keine Möglichkeit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen und ihre Sicht darzulegen - es sei denn, sie geraten zufällig auf diese Forumsseiten. Wäre es nicht viel besser, solche Beobachtungen persönlich, in einem dafür angemessenen Rahmen (also nicht am Fest!!) und mit offenem Herzen vorzubringen?


Richtig, diese Möglichkeit haben sie natürlich nicht. Deswegen habe ich auch hier bewusst keine Namen genannt, von denen ich durchaus noch einige kenne. Sicher könnte man dies, wie du geschrieben hast, meine Beobachtungen in einem besseren Rahmen den geeigneten Verantwortlichen vortragen, aber wie gesagt, ich fühle mich dafür auch gar nicht (mehr) zuständig. Es ist auch nicht meine Absicht anderen Menschen das Leben schwer zu machen, auch dann nicht, wenn diese selber für diese Missstände (mit-)verantwortlich sind. Ich denke, die Katholiken wissen recht gut, wo es überall bei ihnen Probleme gibt und es liegt an ihnen selbst in der Richtung für Ordnung zu sorgen.

Mary hat geschrieben:- auch ich habe meine Ex--- die katholische Kirche--- verlassen. Dies jedoch weniger als eine "weg von" als vielmehr eine "hin zu" Bewegung. Die Orthodoxie war für mich so einladend und strahlend, dass ich den Schritt tun musste. Natürlich sehe ich auch die Unterschiede. Dennoch glaube ich, dass Gott mich genau durch diese meine ehemalige Pfarrei und durch die Menschen dort - und viele weitere auch - an den Punkt geführt hat, wo ich heute stehe. Ich bin darum diesen Menschen dankbar.... und ich beurteile sie nicht öffentlich.


Das kommt mir sehr bekannt vor. Bei mir war es so eine Art Geben und Nehmen. Im Laufe der Jahre habe auch ich mich immer mehr von der katholischen Kirche entfernt, habe zwischenzeitlich auch mit anderen Religionen experimentiert und mich dann anschließend auf die Orthodoxie hin zubewegt. Mein erstes Aufeinandertreffen mit dem orthodoxen Glauben war sogar in einer katholischen Kirche. Dort durfte einmal die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche zu Ostern ihren Gottesdienst abhalten. Mit Ausnahme der Heiligen Kommunion durften auch Katholiken daran teilnehmen, was auch von den meisten Katholiken gern genutzt wurde, da man doch zu neugierig war, wie das so bei den orthodoxen Christen abläuft. Damals bei diesem Gottesdienst habe ich überhaupt erst richtig geistig erfasst, was Gottesdienst und Glaube sein kann. Und schon damals als ich die orthodoxen Ukrainer beobachtet habe, wie sie in diesem Gottesdienst ihren Glauben, auch nach außen hin, bezeugten, hatte ich schon innerlich den Gedanken im Kopf: "Das will ich auch".

Von da an begann auch bei mir die Faszination "Orthodoxer Glaube und orthodoxe Kirche". Was für mich damals zu Beginn natürlich mehr Faszination für das Exotische war hat sich heute zu einem (hoffentlich) richtigen Glauben entwickelt. Ich bin natürlich noch ein totaler Anfänger im orthodoxen Glauben und vermutlich weiß jedes russische Kind in meiner orthodoxen Gemeinde mehr über die Orthodoxie als ich, aber ich bin bereit zu lernen. Und soweit ich den Grundgedanken der Orthodoxie bis heute verstanden habe, geht es ja nicht darum sich mit dem zufrieden zu geben, was man bereits ist, sondern sich als Mensch auf ein Ziel hin zu entwickeln - die Theosis. Ich habe keine Ahnung, ob ich jemals diese Theosis erreichen oder verwirklichen werde, von denen die Heiligen und Kirchenväter gesprochen haben, aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.

Mary hat geschrieben:Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag
Maria


Ich dir auch. :wink:

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Re: Patriarch Kyrill I. für Zusammenarbeit mit Katholiken

Beitragvon PascalBlaise » 24.01.2016, 15:07

Die Orthodoxie hat in Deutschland noch den großen Vorteil, dass sie immer noch im "Schatten" der Protestanten und Katholiken steht und öffentlich um Vergleich so gut wie nicht wahrgenommen wird. Insbesondere die katholische Kirche wird von den Medien, eigentlich aber von großen Teilen der gesamten Bevölkerung jeden Tag verbal regelrecht "beschossen" - nicht zuletzt aufgrund der "hoffnungslos veralteten" Ansichten im Bereich Lebensschutz, Homosexualität, Ehe usw. , die sie zumindest offiziell noch vertritt. Ich wünsche es euch nicht, aber ihr werdet euch noch wundern, wenn ihr (nicht zuletzt aufgrund wachsender Zahlen an Gläubigen) stärker in die öffentliche Wahrnehmung rückt. Auch die Säkularisation wird euch zumindest ein Stück weit kriegen, macht euch nichts vor. Ich wünsche es keinem, aber so ist es realistisch betrachtet, zumindest in der nächsten Zukunft.

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Re: Patriarch Kyrill I. für Zusammenarbeit mit Katholiken

Beitragvon Igor » 24.01.2016, 19:12

Łukasz hat geschrieben:Von da an begann auch bei mir die Faszination "Orthodoxer Glaube und orthodoxe Kirche". Was für mich damals zu Beginn natürlich mehr Faszination für das Exotische war hat sich heute zu einem (hoffentlich) richtigen Glauben entwickelt. Ich bin natürlich noch ein totaler Anfänger im orthodoxen Glauben und vermutlich weiß jedes russische Kind in meiner orthodoxen Gemeinde mehr über die Orthodoxie als ich, aber ich bin bereit zu lernen. Und soweit ich den Grundgedanken der Orthodoxie bis heute verstanden habe, geht es ja nicht darum sich mit dem zufrieden zu geben, was man bereits ist, sondern sich als Mensch auf ein Ziel hin zu entwickeln - die Theosis. Ich habe keine Ahnung, ob ich jemals diese Theosis erreichen oder verwirklichen werde, von denen die Heiligen und Kirchenväter gesprochen haben, aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.


:guterbeitrag:
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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

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Re: Patriarch Kyrill I. für Zusammenarbeit mit Katholiken

Beitragvon Mary » 25.01.2016, 00:17

Łukasz hat geschrieben:.... Und schon damals als ich die orthodoxen Ukrainer beobachtet habe, wie sie in diesem Gottesdienst ihren Glauben, auch nach außen hin, bezeugten, hatte ich schon innerlich den Gedanken im Kopf: "Das will ich auch".

Von da an begann auch bei mir die Faszination "Orthodoxer Glaube und orthodoxe Kirche". Was für mich damals zu Beginn natürlich mehr Faszination für das Exotische war hat sich heute zu einem (hoffentlich) richtigen Glauben entwickelt. Ich bin natürlich noch ein totaler Anfänger im orthodoxen Glauben und vermutlich weiß jedes russische Kind in meiner orthodoxen Gemeinde mehr über die Orthodoxie als ich, aber ich bin bereit zu lernen. Und soweit ich den Grundgedanken der Orthodoxie bis heute verstanden habe, geht es ja nicht darum sich mit dem zufrieden zu geben, was man bereits ist, sondern sich als Mensch auf ein Ziel hin zu entwickeln - die Theosis. Ich habe keine Ahnung, ob ich jemals diese Theosis erreichen oder verwirklichen werde, von denen die Heiligen und Kirchenväter gesprochen haben, aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.

Danke für Dein schönes Zeugnis, Lukasz :thanks:
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Re: Patriarch Kyrill I. für Zusammenarbeit mit Katholiken

Beitragvon Mary » 25.01.2016, 00:32

PascalBlaise hat geschrieben:aber ihr werdet euch noch wundern, wenn ihr (nicht zuletzt aufgrund wachsender Zahlen an Gläubigen) stärker in die öffentliche Wahrnehmung rückt.

Pascal, weisst Du... ich hoffe sehr, dass die Orthodoxen bald nicht länger als exotische Aussenseiter, sondern als ernstzunehmende Grösse im öffentlichen Leben wahrgenommen werden. Hierzulande sind wir auf einem guten Weg dahin. (mein Profilbild zeigt die alljährliche öffentliche Wasserweihe zu Theophanie im Zürichsee, über die jedes Jahr in der Presse und Lokalfernsehen durchaus positiv berichtet wird)
Es ist natürlich klar, dass es aneckt, wenn eine kirchliche Gemeinschaft sich nicht nach den Normen der säkularen Gesellschaft richten will. Es ist auch gar nicht unser Ziel, dass die öffentliche Meinung sich mit der orthodoxen Moral deckt. Wir können da schon was aushalten --- und trotzdem unsern Weg gehen.
PascalBlaise hat geschrieben: Auch die Säkularisation wird euch zumindest ein Stück weit kriegen, macht euch nichts vor. Ich wünsche es keinem, aber so ist es realistisch betrachtet, zumindest in der nächsten Zukunft.

Ich glaube, es hat nie eine Zeit gegeben, in der sich Christen nicht gegen weltliche Einflüsse in ihrer Gemeinschaft hätten abgrenzen müssen. Schon Paulus hat seinen Gemeinden in diesem Sinn geschrieben.... und die Einleitung der Offenbarung ist da auch ziemlich deutlich mit den Sendschreiben an die sieben Gemeinden. Die Mönchsväter, allen voran Antonius, haben sich nicht von ungefähr in die Wüste zurückgezogen. Oder denk an das kommunistische Regime in Russland... denk an die türkischen Einflüsse im Mittelalter.
Es hat immer wieder Zeiten gegeben, wo einzelne Lehrer oder ganze Gemeinden in die Irre gingen. Immer haben aber auch Menschen den Glauben durch schwere Zeiten durchgetragen, und hat Gott in die jeweilige Situation hinein seine Lehrer und Propheten geschickt. ER hat versprochen, seine Kirche nicht zu verlassen, diesem Wort vertraue ich und traue Gott zu, die Kirche zu bewahren. Ich bin da sehr gelassen...

Und, ehrlich gesagt, glaube ich, dass die Kirche heute viel dringlichere Probleme hat, bsp in Syrien, wo es um Leib und Leben geht!

liebe Grüsse
Mary
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Re: Patriarch Kyrill I. für Zusammenarbeit mit Katholiken

Beitragvon PascalBlaise » 25.01.2016, 09:03

Mary hat geschrieben:
PascalBlaise hat geschrieben:aber ihr werdet euch noch wundern, wenn ihr (nicht zuletzt aufgrund wachsender Zahlen an Gläubigen) stärker in die öffentliche Wahrnehmung rückt.

Pascal, weisst Du... ich hoffe sehr, dass die Orthodoxen bald nicht länger als exotische Aussenseiter, sondern als ernstzunehmende Grösse im öffentlichen Leben wahrgenommen werden. Hierzulande sind wir auf einem guten Weg dahin. (mein Profilbild zeigt die alljährliche öffentliche Wasserweihe zu Theophanie im Zürichsee, über die jedes Jahr in der Presse und Lokalfernsehen durchaus positiv berichtet wird)
Es ist natürlich klar, dass es aneckt, wenn eine kirchliche Gemeinschaft sich nicht nach den Normen der säkularen Gesellschaft richten will. Es ist auch gar nicht unser Ziel, dass die öffentliche Meinung sich mit der orthodoxen Moral deckt. Wir können da schon was aushalten --- und trotzdem unsern Weg gehen.
PascalBlaise hat geschrieben: Auch die Säkularisation wird euch zumindest ein Stück weit kriegen, macht euch nichts vor. Ich wünsche es keinem, aber so ist es realistisch betrachtet, zumindest in der nächsten Zukunft.

Ich glaube, es hat nie eine Zeit gegeben, in der sich Christen nicht gegen weltliche Einflüsse in ihrer Gemeinschaft hätten abgrenzen müssen. Schon Paulus hat seinen Gemeinden in diesem Sinn geschrieben.... und die Einleitung der Offenbarung ist da auch ziemlich deutlich mit den Sendschreiben an die sieben Gemeinden. Die Mönchsväter, allen voran Antonius, haben sich nicht von ungefähr in die Wüste zurückgezogen. Oder denk an das kommunistische Regime in Russland... denk an die türkischen Einflüsse im Mittelalter.
Es hat immer wieder Zeiten gegeben, wo einzelne Lehrer oder ganze Gemeinden in die Irre gingen. Immer haben aber auch Menschen den Glauben durch schwere Zeiten durchgetragen, und hat Gott in die jeweilige Situation hinein seine Lehrer und Propheten geschickt. ER hat versprochen, seine Kirche nicht zu verlassen, diesem Wort vertraue ich und traue Gott zu, die Kirche zu bewahren. Ich bin da sehr gelassen...

Und, ehrlich gesagt, glaube ich, dass die Kirche heute viel dringlichere Probleme hat, bsp in Syrien, wo es um Leib und Leben geht!

liebe Grüsse
Mary


Natürlich passieren in Syrien furchtbare Dinge, die Christen dort haben ganz andere und viel schwerere Probleme.
In Deutschland bleibt die Säkularisation aber mit Sicherheit das größte Problem.
Wie es euer Bischof Mark durchaus treffend gesagt hat: "WIR MÜSSEN NUR EINES FÜRCHTEN – DIE GEMEINSCHAFT MIT GOTT ZU VERLIEREN"
Ich bin überzeugt, es wird immer Menschen geben, sowohl orthodox, als auch katholisch, die versuchen und denen
es gelingt (!), auch in einer modernisierten und glaubensfeindlichen Welt Gottes Gebote zu halten und Gottes Reich
schon in diesem Leben sehr nahe zu kommen.

ABER: Das werden immer weniger, das Christentum verliert in Deutschland die Mitte der Gesellschaft.
In diesem Sinne macht es schon Sinn, zu überlegen, was man gemeinsam unternehmen kann, um diesen Trend zumindest zu verlangsamen -
das müsste schließlich im Interesse aller drei großen Konfessionen liegen.
Wobei ich auch keine Ahnung habe, was "Zusammenarbeit" denn konkret bedeuten könnte - das ist alles und nichts.
Am Ende sind vielfach die Zurückhaltung und Vorbehalte stärker. Ich will das gar nicht verurteilen,
es ist in der Vergangenheit einfach zu viel passiert und läuft immer noch schief und man hat auf beiden Seiten - auch zurecht -
Angst, etwas Wesentliches im Glauben zu verlieren, oder etwas vom wertvollen Erbe, von der Tradition aufgeben zu müssen.

Das ist traurig, aber ich kann dem Gedanken einiges abgewinnen, dass eine wirkliche Annäherung vllt. einer Endzeit vorbehalten ist
und ohne Gottes Hilfe ohnehin nicht zu erreichen.

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Re: Patriarch Kyrill I. für Zusammenarbeit mit Katholiken

Beitragvon Łukasz » 25.01.2016, 12:12

Hier mal ein Beispiel aus den USA, wie z.B. eine Zusammenarbeit zwischen katholischen und orthodoxen Christen aussehen könnte:

22 Januar 2016, 16:00
USA: 'March for Life' mit katholischen und orthodoxen Bischöfen

Anlass ist der 43. Jahrestag der Entscheidung des Supreme Court im Fall "Roe versus Wade", mit der die Abtreibung "liberalisiert" wurde - Gemeinsame Erklärung der katholischen und orthodoxen Bischöfe

Washington (kath.net/KAP) Zum ersten Mal werden die katholischen und die orthodoxen Bischöfe der USA am Freitag, 22. Jänner (um 12 Uhr Ortszeit), gemeinsam den "March for Life" (Marsch für das Leben) in Washington anführen. Anlass ist der 43. Jahrestag der bis heute umstrittenen Entscheidung des Obersten Gerichtshofs (Supreme Court) im Fall "Roe versus Wade", mit der 1973 die Abtreibung "liberalisiert" wurde. Bereits am Donnerstagabend hatte eine offizielle Delegation der Versammlung der kanonischen orthodoxen Bischöfe der USA an der Eröffnungsmesse der Nationalen Gebetsvigil für das Leben in der Washingtoner National-Shrine Kirche teilgenommen.

Die katholischen und orthodoxen Bischöfe der USA veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung unter dem Titel "Auf der Suche nach Leben, Barmherzigkeit und Heilung", in der es wörtlich heißt: "Angesichts des festen Glaubens unserer Gemeinschaften an die Heiligkeit des Lebens bedauern die gläubigen Christen - zusammen mit vielen Menschen aus anderen religiösen Traditionen und Menschen guten Willens - die gesetzlichen Umstände, die die Abtreibung erleichtern und das kulturelle Klima, das die Abtreibung als einzige Entscheidungsmöglichkeit für werdende Mütter in schwierigen Bedingungen darstellt. (...) Wir erinnern die Welt an unsere gemeinsame Lehre, dass das Leben in den frühesten Augenblicken der Empfängnis beginnt und dass das Leben in allen Phasen seiner Entwicklung heilig ist." Die Bischöfe verurteilen weiters "die Beendigung eines Lebens als Antwort auf unerwünschte Schwangerschaften oder als eine Methode zur Bewältigung sozialer und ökonomischer Herausforderungen."

Die Erklärung ist unterzeichnet von Erzbischof Demetrios (Trakatellis), dem Vorsitzenden der Versammlung der kanonischen orthodoxen Bischöfe der USA, von Metropolit Savas (Zembillas) von Pittsburgh, dem Verantwortlichen des Komitees für Kirche und Gesellschaft der Versammlung, von Erzbischof Joseph E. Kurtz, dem Vorsitzenden der katholischen US-Bischofskonferenz, und von Kardinal-Erzbischof Timothy M. Dolan, dem Vorsitzenden des Lebensschutz Komitees der Bischofskonferenz.

Kardinal Dolan erklärte, dass bei "aller Trauer über die Tragödie der Abtreibung in den USA" aus dem Übel auch Gutes erwachsen kann: "Unsere von Zusammenarbeit und Gebet getragenen Anstrengungen mit unseren orthodoxen Brüdern und Schwestern sind ein Zeichen der Hoffnung für den Aufbau einer Kultur des Lebens". Metropolit Savas betonte die Notwendigkeit des Gebets nicht nur für jene, die "derzeit an eine Abtreibung denken", sondern auch für die, "die sich einer Abtreibung unterzogen haben und an Gottes Liebe und Barmherzigkeit verzweifeln".


Quelle: Kath.net

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Re: Patriarch Kyrill I. für Zusammenarbeit mit Katholiken

Beitragvon PascalBlaise » 25.01.2016, 13:07

Łukasz hat geschrieben:Hier mal ein Beispiel aus den USA, wie z.B. eine Zusammenarbeit zwischen katholischen und orthodoxen Christen aussehen könnte:

22 Januar 2016, 16:00
USA: 'March for Life' mit katholischen und orthodoxen Bischöfen

Anlass ist der 43. Jahrestag der Entscheidung des Supreme Court im Fall "Roe versus Wade", mit der die Abtreibung "liberalisiert" wurde - Gemeinsame Erklärung der katholischen und orthodoxen Bischöfe

Washington (kath.net/KAP) Zum ersten Mal werden die katholischen und die orthodoxen Bischöfe der USA am Freitag, 22. Jänner (um 12 Uhr Ortszeit), gemeinsam den "March for Life" (Marsch für das Leben) in Washington anführen. Anlass ist der 43. Jahrestag der bis heute umstrittenen Entscheidung des Obersten Gerichtshofs (Supreme Court) im Fall "Roe versus Wade", mit der 1973 die Abtreibung "liberalisiert" wurde. Bereits am Donnerstagabend hatte eine offizielle Delegation der Versammlung der kanonischen orthodoxen Bischöfe der USA an der Eröffnungsmesse der Nationalen Gebetsvigil für das Leben in der Washingtoner National-Shrine Kirche teilgenommen.

Die katholischen und orthodoxen Bischöfe der USA veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung unter dem Titel "Auf der Suche nach Leben, Barmherzigkeit und Heilung", in der es wörtlich heißt: "Angesichts des festen Glaubens unserer Gemeinschaften an die Heiligkeit des Lebens bedauern die gläubigen Christen - zusammen mit vielen Menschen aus anderen religiösen Traditionen und Menschen guten Willens - die gesetzlichen Umstände, die die Abtreibung erleichtern und das kulturelle Klima, das die Abtreibung als einzige Entscheidungsmöglichkeit für werdende Mütter in schwierigen Bedingungen darstellt. (...) Wir erinnern die Welt an unsere gemeinsame Lehre, dass das Leben in den frühesten Augenblicken der Empfängnis beginnt und dass das Leben in allen Phasen seiner Entwicklung heilig ist." Die Bischöfe verurteilen weiters "die Beendigung eines Lebens als Antwort auf unerwünschte Schwangerschaften oder als eine Methode zur Bewältigung sozialer und ökonomischer Herausforderungen."

Die Erklärung ist unterzeichnet von Erzbischof Demetrios (Trakatellis), dem Vorsitzenden der Versammlung der kanonischen orthodoxen Bischöfe der USA, von Metropolit Savas (Zembillas) von Pittsburgh, dem Verantwortlichen des Komitees für Kirche und Gesellschaft der Versammlung, von Erzbischof Joseph E. Kurtz, dem Vorsitzenden der katholischen US-Bischofskonferenz, und von Kardinal-Erzbischof Timothy M. Dolan, dem Vorsitzenden des Lebensschutz Komitees der Bischofskonferenz.

Kardinal Dolan erklärte, dass bei "aller Trauer über die Tragödie der Abtreibung in den USA" aus dem Übel auch Gutes erwachsen kann: "Unsere von Zusammenarbeit und Gebet getragenen Anstrengungen mit unseren orthodoxen Brüdern und Schwestern sind ein Zeichen der Hoffnung für den Aufbau einer Kultur des Lebens". Metropolit Savas betonte die Notwendigkeit des Gebets nicht nur für jene, die "derzeit an eine Abtreibung denken", sondern auch für die, "die sich einer Abtreibung unterzogen haben und an Gottes Liebe und Barmherzigkeit verzweifeln".


Quelle: Kath.net


Danke Lukasz!
Super, sowas kann man machen! Da gibt es keine zwei Meinungen und die Gefahr ist gering,
dass man sich wegen theologischer Fragen in die Haare kriegt.
Es bleibt zweifelhaft, wieviel das am Ende effektiv "bringt".
Auf der anderen Seite hat es sich schon gelohnt, wenn auch nur ein Leben gerettet wird.

Man darf sich auch nicht täuschen: Die Einigkeit in solchen fundamentalen Dingen bedeutet natürlich
für die bestehenden Differenzen theologischer, deutungshoheitlicher und liturgischer Natur wenig bis nichts.

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Re: Patriarch Kyrill I. für Zusammenarbeit mit Katholiken

Beitragvon Mary » 25.01.2016, 23:00

PascalBlaise hat geschrieben:In Deutschland bleibt die Säkularisation aber mit Sicherheit das größte Problem.
Wie es euer Bischof Mark durchaus treffend gesagt hat: "WIR MÜSSEN NUR EINES FÜRCHTEN – DIE GEMEINSCHAFT MIT GOTT ZU VERLIEREN"

Ja, sicher.
Aber wir verlieren ja nicht die Gemeinschaft mit Gott, wenn die Welt um uns herum unsere Werte nicht teilt. Oder verstehe ich da irgendwas grad völlig falsch?
PascalBlaise hat geschrieben:Das werden immer weniger, das Christentum verliert in Deutschland die Mitte der Gesellschaft.
In diesem Sinne macht es schon Sinn, zu überlegen, was man gemeinsam unternehmen kann, um diesen Trend zumindest zu verlangsamen -

Ich glaube, dass man diesen Trend... dass Deutschland - oder sagen wir Nord- und Mitteleuropa - sich nicht mehr offen an christliche Werte halten, nicht umkehren kann. Nicht mit Menschenkraft und Menschenideen.
Was wir können: Unseren christlichen Glauben öffentlich leben, unsere Werte öffentlich bekennen. Das wird zwar Spott und Unverständnis auslösen, aber doch auch den einen oder anderen anrühren...
Und wie schon gesagt, ich traue Gott da viel zu! Nur handelt ER in grösseren Zeiträumen als wir ungeduldigen Menschen :wink:
PascalBlaise hat geschrieben:Wobei ich auch keine Ahnung habe, was "Zusammenarbeit" denn konkret bedeuten könnte - das ist alles und nichts.

Ich glaube nicht, dass der Patriarch da an offizielle Zusammenarbeit gedacht hat. Eher daran, dass alle Kirchen je in ihrem eigenen Kontext Zeugnis für die Wahrheit ablegen.
(vor allem war es auch eine Rechtfertigung der orthodox-katholischen Dialoge, die in dem zitierten Interview von einer Jugendorganisation in Frage gestellt wurde. Ich würde deshalb die Aussage auch eher als internes Statement werten und nicht so sehr als Appell an die Katholiken...)

Lg Mary
Let Your mercy, O Lord, be upon us, as we hope in You.

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Re: Patriarch Kyrill I. für Zusammenarbeit mit Katholiken

Beitragvon Drea » 26.01.2016, 03:04

@ Lukas, so was meinte ich doch! Bei dem Marsch für das Leben in Berlin ist vielleicht MaK ei Weihbischof dabei, dort sind sich Christen, zumindest in dem Punkt einig.

Bin katholisch und möchte es auch bleiben....aber was du scbreibst, dein Zeugnis, ist schön!
Ich wäre nicht in diesem Forum, wenn ich kein Interesse an der Orthodoxie hätte...., und keinen so grossen Respekt zu dieser Kirche!
Den habe ich aber auch vor meiner.....zumal ich, Dank sei dem Herrn, immer mehr tolle Priester und Geschwister kennen lernen darf!

@pascalBleise, ich mach mir da nix vor. Würde dir echt gern widersprechen..... kann aber nicht.
Nur ist nicht gerade Zusammenarbeit gefragt?...Um was betete Jesus im Johannesevangelium als letztes? An unserer amiebe zueinander soll man uns erkennen!
Erkennt man uns daran?

Ich bin sehr für poetisches und soziales Engagement, aber das wichtigste, wir sind ein Leib, und dies erkennbar zu machen ist heute wichtiger als je zuvor!

Und da hat euer Patriarch Recht, so wie der Papst, dem dies ja auch ein Anliegen ist!

Das war mir das wichtigste, zur deutschen Kirche nut eine Bemerkungen an @ Holzi, wir haben wojk beide unsere Nischen gefunden, ich hält woanders....v.a. Nightfever Team, deren Gebets Kreise..... alle auch sehr Rom treu....

Mir fällt das schreiben von Handy sehr schwer, deshalb gehe ich auf vieles nur so kurz und oberflächlich ein....entschuldigt bitte!

Alles Liebe,

Der Herr. segne euch

Andrea

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Re: Patriarch Kyrill I. für Zusammenarbeit mit Katholiken

Beitragvon Łukasz » 26.01.2016, 09:33

PascalBlaise hat geschrieben:Die Orthodoxie hat in Deutschland noch den großen Vorteil, dass sie immer noch im "Schatten" der Protestanten und Katholiken steht und öffentlich um Vergleich so gut wie nicht wahrgenommen wird. Insbesondere die katholische Kirche wird von den Medien, eigentlich aber von großen Teilen der gesamten Bevölkerung jeden Tag verbal regelrecht "beschossen" - nicht zuletzt aufgrund der "hoffnungslos veralteten" Ansichten im Bereich Lebensschutz, Homosexualität, Ehe usw. , die sie zumindest offiziell noch vertritt. Ich wünsche es euch nicht, aber ihr werdet euch noch wundern, wenn ihr (nicht zuletzt aufgrund wachsender Zahlen an Gläubigen) stärker in die öffentliche Wahrnehmung rückt. Auch die Säkularisation wird euch zumindest ein Stück weit kriegen, macht euch nichts vor. Ich wünsche es keinem, aber so ist es realistisch betrachtet, zumindest in der nächsten Zukunft.


In dem Punkt stimme ich dir vollkommen zu. Also, was die ständigen Angriffe der Medien gegen katholische Positionen wie Lebensschutz, Zölibat, Ehe, Homosexualität etc. angeht. Als romtreuer bzw. gläubiger Katholik muss man in Deutschland manchmal schon echt ein dickes Fell (im psychologischen Sinne) haben, um all die medialen Angriffe gegen den eigenen Glauben ertragen zu können. Vor allem, weil es ja so schwer ist sich persönlich, falls man gläubiger Katholik ist, dagegen (gegen all die Falschdarstellungen) zu wehren. Die Massenmedien ergießen ihre Angriffe gegen den christlichen Glauben über alle möglichen Kanäle (TV, Radio, Zeitungen, Internet etc.), während der gläubige Katholik als Privatperson gar nicht die Mittel hat, um dagegen (in gleicher Weise) anzugehen. Wenn man ständig wegen seines Glaubens angegriffen wird, aber nicht im Stande ist sich dagegen zu verteidigen (weil die Angreifer für einen nahezu unerreichbar sind), dass kann schon echt frustrierend sein. Da fühle/leide ich mit den Katholiken mit, denn die meisten katholischen Positionen zu den obigen Themen sind auch orthodoxe Positionen bzw. allgemein christliche Positionen.

Glaub mir, ich habe so etwas auch selber schon oft erlebt. Vor meiner Zeit als orthodoxer Christ, also bevor ich überhaupt angefangen habe mich mit der Orthodoxie zu beschäftigen, meinten immer irgendwelche neunmalklugen Schlaumeier aus meinem damaligen schulischen/beruflichen Umfeld, sie müssten mich als Polen (der ja nur katholisch sein kann und es demzufolge auch nicht besser wissen kann) "belehren", was alles an "meinem christlichen Glauben" so falsch sei. Als ich mich aber gekonnt (also argumentativ) dagegen zu Wehr gesetzt habe, und ihnen gesagt habe, warum wir als Christen glauben, was wir glauben (ihnen also Argumente dafür und nicht dagegen geliefert habe), waren die total baff. Sie waren es gar nicht gewohnt, dass man gegen deren liberalen Positionen zu den obigen Themen überhaupt argumentieren kann bzw. es auch nur wagt, dagegen zu widersprechen. Interessanterweise haben diese kleinen Auseinandersetzungen mich oft erst dazu gebracht, mich genauer mit dem christlichen Glauben auseinanderzusetzen.

Was man dabei auch noch beachten sollte, ist, dass ich damals, als ich (zumindest offiziell) noch Katholik war, ich nie damit in die Öffentlichkeit ging. Mein Umfeld wusste zwar, dass ich damals katholisch (Kirchensteuerzahler) war, aber ich habe selbst weder privat noch beruflich damit irgendwo bei irgendwem geworben. Weder habe ich für die katholische Kirche gearbeitet noch war ich in irgendeiner Art und Weise missionarisch tätig. Aber das allein (das man überhaupt zu dieser Kirche dazugehört) scheint schon vielen Liberalen und Linken in Deutschland ein Dorn im Auge zu sein.

Was ich besonders jämmerlich/erbärmlich an so einem Verhalten gegen gläubige Christen (egal welcher Konfession) finde, ist, dass sich diese liberale Religions- oder Kirchenkritik nur gegen den christlichen Glauben oder die unterschiedlichen Kirchen richtet. Versuch aber mal dich kritisch gegen andere Religionen und deren Probleme (z.B. Christenverfolgung oder Frauenunterdrückung im traditionellen/fundamentalistischen Islam) zu äußern, da fallen all diesen Kirchenkritikern (auch in den Massenmedien) gleich die Eier ab - man "dürfe ja schließlich nicht verallgemeinern. Bei Christen und den Kirchen sei das natürlich was ganz anderes", meinten sie immer. Darauf ich: "Klar sicher, ein Christ haut dir nicht gleich eine aufs Maul oder versucht dich abzustechen, wenn du seinen Glauben beleidigst und man muss keine Angst haben, dass er sich in der ersten Zeitungsredaktion, die sich negativ gegen seinen Glauben äußert, in die Luft sprengt oder versucht dort alle Menschen abzuknallen."

Und das ist von meiner Seite auch der wichtigste Kritikpunkt gegen all diese Angriffe gegen genuine christliche Positionen oder gegen die Arbeit der Kirchen: All die Christentum- und Kirchenkritiker können gegen uns Christen, unseren Glauben oder unsere Kirchen behaupten, schreiben und so viel beleidigen oder lügen wie sie wollen, denn diese Leute wissen eh ganz genau, dass das keine negativen Konsequenzen für sie haben wird - weder juristisch noch für ihre Gesundheit. Sie werden sich vermutlich sogar noch für besonders intellektuell halten oder sich dafür noch als "Helden" in der Öffentlichkeit feiern lassen. Aber wenn sie wissen, dass sie mitunter negativen Folgen rechnen müssen, wie es z.B. leider den Journalisten von "Charlie Hebdo" ergangen ist, dann war es das meistens mit dem journalistischen Wagemut und dem Kampf für Frieden, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit.

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Re: Patriarch Kyrill I. für Zusammenarbeit mit Katholiken

Beitragvon Mary » 26.01.2016, 10:10

Lieber Lukasz,

aus deinen Zeilen spricht viel Frust.
Aber ... hat nicht schon der Psalmist darüber geklagt, dass es den Gottlosen vermeintlich so gut ging und er selbst so gelitten hat? Es ist also eine uralte Erfahrung, dass wir Kränkungen erfahren, nicht verstanden werden, auch vielleicht mal den Gedanken haben, wozu wir uns so abmühen...

Mir ging grad ein Gedanke durch den Kopf... ha, und wenn ich mich recht erinnere, hat mein Beichtvater schon ähnliches zu mir gesagt...
Kann es nicht sein, dass der Widersacher uns noch so gern auf solche Schlachtfelder ruft, wo Diskussionen und Streitgespräche stattfinden. Wir meinen, unserem Glauben dadurch zu helfen - und verlieren durch solche Ablenkungen unsere eigentliche Aufgabe, die Theosis, aus den Augen.
Dabei würde vermutlich das Vorbild, das gelebte Christsein viel mehr strahlen als sämtliche Argumente?

Vielleicht sollten wir es machen wie der Psalmist: Unseren Frust Gott klagen. Ihn fragen "Herr, wie lange noch?" Und dabei in Treue unser christliches Leben leben und im eigenen Umfeld helfen, dass Menschen uns nach unserer Hoffnung fragen... mich persönlich trösten solche Gedanken und bringen mich regelmässig auf den Boden zurück...
lieben Gruss
Maria
Let Your mercy, O Lord, be upon us, as we hope in You.


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