Römisch-Katholisch vs Orthodox

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Nikolaj
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Römisch-Katholisch vs Orthodox

Beitragvon Nikolaj » 16.10.2013, 10:21

Liebe Brüder und Schwestern,

hat jemand von euch eine Auflistung der theologischen Unterschiede zwischen unserer Orthodoxen Kirche und der Römisch-Katholischen?

Ich denke, das Filioque, die päpstliche Unfehlbarkeit und die Liturgie ja jedem klar sind, aber was kommt weiter? Vielleicht kann auch jemand berichten, der vom Katholizismus zur Orthodoxie konvertierte, was ihn dazu bewegte? Und wer immer noch katholisch ist, warum?

Gruß
Nikolaj

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Mary
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Re: Römisch-Katholisch vs Orthodox

Beitragvon Mary » 16.10.2013, 16:24

Hallo, Nikolaj,
ich bin von rk konvertiert und schreibe Dir gerne, was mich bewog. Muss aber jetzt gleich aus dem Haus... bis morgen
Lg Mary
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Hermann
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Re: Römisch-Katholisch vs Orthodox

Beitragvon Hermann » 17.10.2013, 06:12

Hallo,

ich bin auch von der rk zur Orthodoxie konvertiert. Für mich persönlich war es so, dass ich in der Orthodoxie einen Schatz entdeckt habe, den ich so davor nicht gefunden hatte.

Die einzelnen unterschiedlichen Lehrauffassungen hatten sicher dabei auch eine gewisse Bedeutung, aber sie sind meiner Meinung nach eher ein Symptom eines tiefer liegenden Unterschieds: Die Orthodoxie ist mehr empirisch orientiert, der Katholizismus mehr rational. Um es am Filioque zu zeigen: Vater und Sohn sind wesensgleich. Der Heilige Geist geht vom Vater aus. Da Vater und Sohn aber wesensgleich sind folgt: Wenn der Heilige Geist vom Vater ausgeht geht er auch vom Sohn aus. Das ist grob vereinfacht dargestellt der katholische Zugang zur Theologie. Die Orthodoxie interessiert im theologischen Bereich keine rationalen Schlussfolgerungen sondern das empirisch Erfahrbare: Also was steht in der Bibel, was sagen die Konzilien und vor allem die gottschauenden Väter (und natürlich auch Mütter - auch wenn diese meist nicht extra genannt werden). Dieser Unterschied zwischen Empirie und Rationalismus liegt meines Erachtens auch vielen anderen Differenzen zugrunde - ganz deutlich etwa beim palamitischen Streit. Und deshalb auch die Hochachtung der Orthodoxie nicht nur für die Bibel und die Konzilien sondern vor allem für die Väter - und das in einer Tradition, die nicht um 600 mit Isidor von Sevilla endet sondern bis heute andauert.

Liebe Grüße, Hermann
Sucht zuerst das Reich Gottes, alles andere wird euch hinzugeschenkt.

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Florianklaus
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Re: Römisch-Katholisch vs Orthodox

Beitragvon Florianklaus » 17.10.2013, 07:22

Nikolaj hat geschrieben: Und wer immer noch katholisch ist, warum?

Gruß
Nikolaj


Ganz einfach:

Dies ist die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen (12). Sie zu weiden, hat unser Erlöser nach seiner Auferstehung dem Petrus übertragen (Joh 21,17), ihm und den übrigen Aposteln hat er ihre Ausbreitung und Leitung anvertraut (vgl. Mt 28,18 ff), für immer hat er sie als "Säule und Feste der Wahrheit" errichtet (1 Tim 3,15). Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfaßt und geordnet, ist verwirklicht in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird.

Nikolaj
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Re: Römisch-Katholisch vs Orthodox

Beitragvon Nikolaj » 17.10.2013, 08:24

Lieber Hermann,
wenn ich dich richtig verstehe, sind es keine theologischen Standpunkte, die dich dazu bewegt haben sondern eine persönliche Berufung.

Lieber Florianklaus,
alle diese Punkte könnte man auch auf die Orthodoxie anwenden. Und Petrus hat nicht nur den römischen Sitz sondern auch z. B. Antiochia gegründet. Auch hier sind es keine theologischen Unterschiede, sondern wieder Berufung und Vetrauen in die Kirche.

Gibt es denn reele Unterschiede in der Lehre der Kirchen?

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Mary
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Re: Römisch-Katholisch vs Orthodox

Beitragvon Mary » 17.10.2013, 10:25

Nikolaj hat geschrieben:Vielleicht kann auch jemand berichten, der vom Katholizismus zur Orthodoxie konvertierte, was ihn dazu bewegte?


Ich versuche mal, die lange Geschichte kurz darzulegen.

Mein Hauptproblem mit dem christlichen Glauben, in den ich geboren worden bin (rk), war immer die Frage:
Warum braucht ein barmherziger Gott, der doch vergeben will, trotzdem Satisfaktion durch Blut? Wenn er nicht alle für ihre Sünden bestraft, warum braucht er dann doch das eine Opfer? Man hat mich dann gelehrt, dass Gott selbst sich in seinem Sohn geopfert hat. Aber das war erst recht unverständlich. Wie kann ein Teil Gottes auf Satisfaktion bestehen (der Vater), wenn zugleich der Sohn sich den Menschen zuwenden, sich opfern und den Weg zur Vergebung öffnen kann? Ist Gott in sich selbst uneins?

Die Orthodoxie hat mir endlich die Antwort auf diese Frage geschenkt. Die Lehre, dass die Menschwerdung, das Leben, der Tod, die Auferstehung und Himmelfahrt als GANZES es sind, was uns den Weg zum Vater neu eröffnet, ... und dass der Vater nicht das stellvertretende Leiden des Sohnes anordnet, sondern das freiwillige Opfer akzeptiert, hat mir neue Dimensionen eröffnet.

In der Orthodoxie bekomme ich die Menschenliebe Gottes nicht nur gelehrt, sondern ich erfahre sie täglich im Leben der Kirche.

In der Orthodoxie erfahre ich die Grösse Gottes, seine Unerforschlichkeit, seine Nicht-Vorhersehbarkeit.
Der "römische Gott", man verzeihe mir den Ausdruck, scheint dagegen klein und eingeschränkt. Natürlich lehrt auch die RK, dass Gott unendlich gross und anders ist. Dennoch weiss man sehr genau, wie Gott denkt und lenkt. Ob wohl Gott den römischen Katechismus auch zum Lesen bekommen hat?

Weiter schätze ich, dass die orthodoxe Lehre dem Geheimnis, oder Mysterium, grossen Raum gibt. So glauben wir daran, dass unser Kelch wahrhaft den göttlichen Leib und das kostbare Blut unseres Herrn enthält. Wie das geschieht, darüber liegt das Mysterium. Wir müssen nicht alles Handeln Gottes bin in die Details hinein verstehen.

An lehrmässigen Unterschieden kommt mir, neben dem schon von Dir Genannten, vor allem die Theologie der Sünde und die Lehre darüber, was nach dem Tod geschieht, in den Sinn. Beides hängt natürlich zusammen.
Die Lehre von der vererbbaren Urschuld, und daraus die Notwendigkeit, dass die Jungfrau Maria ohne Erbsünde empfangen sei.
Die Lehre vom Fegefeuer, davon dass auch vergebene Sünden noch eine "zeitliche Strafe" nach sich ziehen, die Ablasslehre, wo die Bedinungen für den Nachlass dieser zeitlichen Strafen in den Händen der Kirche liegt, die Aufteilung von Sünde in schwere und lässliche Sünden. All dies zeigt mir einen rechnenden und abrechnenden Gott.

Darüber hinaus bin ich sehr froh, dass viele Dinge des kirchlichen Lebens, die mir früher Bauchweh bereiteten, in der Orthodoxie anders gehandhabt werden.
Ich denke da an die Priesterehe, an den Umgang mit gescheiterten Ehen, die Kommunion für Kinder, die Stellung des Priesters in der Gemeinde, die Nähe zum Bischof, die Ernsthaftigkeit und Sichtbarkeit, mit der der Glaube im Alltag gelebt wird, die Art und Weise, wie Heilige "verherrlicht" werden und nicht zuletzt die "Körperlichkeit" des Glaubens, die Wichtigkeit meiner von Geist, Seele UND Körper.

Reichts das erstmal??
Lg Mary :)
Let Your mercy, O Lord, be upon us, as we hope in You.

Nikolaj
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Re: Römisch-Katholisch vs Orthodox

Beitragvon Nikolaj » 17.10.2013, 12:40

Liebe Mary,
vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht - zeigt, dass du dich stark mit den Details befasst hast.
Daraus kann man schlussfolgern, dass die Unterschiede wohl in den feinen Details liegen und um das zu verstehen muss man sich stark in das jeweilige Thema einarbeiten.

Gruß
Nikolaj

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Thuja
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Re: Römisch-Katholisch vs Orthodox

Beitragvon Thuja » 17.10.2013, 14:09

Und wenn ich jetzt noch mal schnell 'was, vielleicht etwas überspitzt, von der Ex-evangelisch-lutherischen Seite einfügen darf, vielleicht ist auch das bei den Katholiken z. T. so, abgesehen von den theologischen Details, sondern der "Alltagspraxis":
Die Gottesdienste sind sehr "trocken" und "wortlastig" (wobei ich natürlich auch sehr gute und anregende Predigten da gehört habe, die ich sehr schätze, nicht nur, grob ausgedrückt, "bloßes Wortgeklingel"), die Gesangbuchlieder im allgemeinen schon 300 Jahre alt und in Sprache und Melodie kaum noch "zeitgemäß" (bis auf das aktuelle ev. Gesangbuch in Bayern, da ist viel verbessert, aber auch viel "Durcheinander"), so dass sie nicht sehr "ansprechen", jedoch Tradition auch nur eine eher "theoretische"/"historische" Bedeutung hat, weniger im Alltag gelebt, der Heilige Geist ist eher "im Hintergrund"... Die Kirchenstruktur und -ausrichtung ist eher ein "sozialpolitischer Verein" denn "gläubige Kirche" (und damit sehr "lauwarm" im Empfinden) - und die Verehrung Gottes und damit die "Anbindung" des Menschen eher "modern und locker". Ich hab' das so empfunden, als stünde Jesus sozusagen auf einer Stufe mit den Menschen, man könnten ihn "anstupsen" und sagen "Hei, Kumpel...", mensch hat aber dafür auch sehr viel mehr Eigenverantwortung, auch "nach außen", für die Situation der Welt und steht "unabhängiger"...viel "Freiraum", wo man sich selbst erst die "Linie" suchen muss, ist aber auch viiiiiel anstrengender für den Menschen.
In der Orthodoxie ist die Tradition lebendig (im Kirchenslawischen, den alten und immer noch modernen Gesängen, der Liturgie...), die Intensität bei allem (auch aufgrund der zeitlichen Länge der Gottesdienste, die z. T. "Mantra-artigen" Wiederholungen von Gebeten, Ikonen, Weihrauch) viel größer und mensch steht auf einer ganz anderen Stufe als Gott, er steht im Gottesdienst und verneigt sich mit Ehrerbietung vor dem Herrn, das "mal-eben-anstupsen" funktioniert nicht, sondern viel mehr Vertrauen in die Allmacht und Güte (!) des Herrn, das "kindliche" Untergeordnet-Eingebundensein entlastet und die größere Achtsamkeit auf die eigenen Fehler und Sünden und die Ausrichtung auf das eigene Seelenheil (sowie die Ohrenbeichte und klare "allgemeine Regeln", denen ich mich freiwillig unterordne, weil ich den Sinn sehe/erfahre), das alles spricht mich anders an, intensiviert meine Beziehung zu Gott sehr und stärkt mich mehr, zumal ich ehrliche "MitstreiterInnen" dabei habe (früher die Heiligen, aktuell meine orthodoxen Mitmenschen), die ihren Glauben ebenso spürbar zu leben sich bemühen.

Liebe Grüße
Thuja
Господи помилуй мя!

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Mirjanin
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Re: Römisch-Katholisch vs Orthodox

Beitragvon Mirjanin » 22.10.2013, 19:25

Ihr vergesst, die Römisch-Katholisch Kirche ist aus vielerlei Gründen sehr vielfältig, m. E. wesentlich vielfältiger ausgeprägt als die Orthodoxie. Ob das Segen oder Fluch ist, lassen wir mal außen vor. (Auch wenn die Mehrheit hier eine eindeutige Meinung haben dürfte)

Man findet also von "lauwarmen-Jesus-Kumpels" beim Charismatiker-Treffen bis hin zur tiefgläubigen, traditionellen Gemeinde alles. Entsprechend werden auch "Tradition" und "Alltagsspiritualität" anders gehandhabt. Vielfältiger. Es gibt sehr wohl R-K Gemeinden, wo z.B. am Vorabend eines Hochamts eine würdige Vesper gefeiert wird. Da ist dann auch jene "Intensität" beim meditativen Rosenkranzgebet zu spüren, die vielen Konvertiten in ihrer NOM Messe am Sonntagmorgen fehlte. Das nur als kurzer Einschub.

Meines Erachtens werden die Unterschiede umso marginaler, je weiter man den "Zoom" zurückdreht. D.h. je mehr ich gesamtgesellschaftlich Milieus betrachte, desto näher sind Orthodoxe / Römisch-Katholische Positionen im Grunde. Das soll keine (!) Nivellierung beschriebener theologischer Unterschiede sein, aber manche Leute sollten die Kirche im Dorf lassen. Ansonsten artet das immer in so "Vereinsmeierei" aus ("Mein Club ist besser als deiner!") und das ist dann auch der Zeitpunkt an dem man sich am besten aus Diskussionen zurückzieht.

Wer sich ernsthaft objektiv für das Thema interessiert, dem kann ich diesen Link hier empfehlen. Leider Englisch, aber ich empfand die Gegenüberstellung Orthodox - Protestanten - Römisch-Katholisch hilfreich. Allerdings von Katholiken zusammengestellt, d.h. ggf. sind einige Dinge 'katholisch' ausgedrückt.
Was sie nicht verstehen können, ist das wir keine politische Partei bekämpfen, sondern die Mörder der spirituellen Kultur.

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Radoslav
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Re: Römisch-Katholisch vs Orthodox

Beitragvon Radoslav » 26.11.2013, 01:08

Hi,

Als polnischer Ex-Katholik kenne ich sowohl den liberalen Katholizismus hier in Deutschland als auch den sehr traditionellen Katholizismus in Polen. Die Unterschiede zwischen Orthodox und Römisch-Katholisch kann ich dir jetzt aber so nicht auflisten, da meine Kenntnisse über die Orthodoxie de facto nicht vorhanden sind. Wenn du mir aber konkrete Fragen stellst, wie man z.b. DIES und DAS im katholischen Glauben sieht, dann kann ich dir gut darauf Antwort geben und du kannst es dann selber für dich dem orthodoxen Glauben gegenüberstellen. Zu einem Punkt, den schon ein anderer User hier bereits erwähnt hat, muss ich sagen, dass es nicht nur so scheint, sondern, dass es auch wirklich so ist: Im deutschen Katholizismus ist kaum noch Spiritualität (etwas was dein Herz im Innersten berührt) vorhanden. Die meisten katholischen Gottesdienste wirken mittlerweile wie eine schlechte Kopie evangelischer Gottesdienste - sie sind stinklangweilig und eine Zumutung. Der deutsche Katholizismus ist wirklich sehr kopflastig und gibt gerne vor sehr rational zu sein - leider haben die deutschen katholischen Theologen das Kind mit der Badewanne ausgeschüttet bzw. den christlichen Glauben de facto aufgeben. Nur so zu Warnung vorab.

Gruß
Radoslav

mariamariamaria
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Re: Römisch-Katholisch vs Orthodox

Beitragvon mariamariamaria » 06.01.2014, 13:33

Warum bin ich orthodoxe Christin......."Christentum, so lehren unsere heiligen orthodoxen Väter, ist keine Religion. Christentum ist auch keine Philosophie und keine Lehre. Christentum ist Jesus Christus selbst – Er ist der Weg, in Seine Nachfolgerschaft sind wir berufen – so zu sein, wie Er ist."....

Als orthodoxe Christin, bin ich das was ich bin, eine Sündnerin, die weiß, daß ich mich in einem lebenslangem Prozes befinde,
und nur durch Umkher komme ich auf den Weg mit Gott, und nur wenn ich meine schwache menchliche Natur erkenne und bekenne, und mich Christus ganz gebe, dann kann ich den Weg der Nachfolge Christi eintreten und gehen. Gott gibt alles mir alles was ich brauche, egal was es ist, dadrauf kann ich mich verlassen. Gott sei es Dank!

"Umkehr – „Metanoia“ – die tiefe und radikale Veränderung und die Umkehr des gesamten Denkens des Menschen, seiner Wahrnehmungen, seines Sinnes ist der allererste Schritt auf dem Weg der Nachfolge Christi ins Himmelreich, das unter uns und in uns ist, und ist gleichzeitig der lebenslange Prozess. In diesem Prozess wird unsere Seele gereinigt und geläutert – und Gott erfüllt sie, so viel, wie sie es nur fähig ist zu empfangen...
...Das ist der Weg der Liebe, wie der hl. Gregor von Nyssa schreibt: „Die Erkenntnis verwandelt sich in die Liebe“ ."....auch von Erzpriester Ignatius++

Ich liebe Jesus Christus und folge ich Ihm. Unsere heiligen orthodoxen Väter lehren uns: Nichts gehört mir und bis ende meiner Tage hier auf der Erde, bin ich nur am Umfallen und Aufstehen....deswegen auch Beten ohne Unterlass ... Jesusgebet gibts echt unter Schwestern und Brüdern in Christi, in der Einfachheit der orthodoxe Kirche. (Gospodi, Jesusie Christie, Synie Boży, pamiłuj mnia griesznuju)

Gesegntes Neues Jahr 2014 für Alle
und gesegnetes Weihnachtsfest

in Liebe mit Christus
maria *+*

"Die große Versuchung
“Jesus aber, voll Heiligen Geistes, kehrte vom Jordan zurück und wurde durch den Geist in der Wüste vierzig Tage umhergeführt und von dem Teufel versucht. Und er aß in jenen Tagen nichts; und als sie zu Ende waren, hungerte ihn. Und der Teufel sprach zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so sprich zu diesem Stein, dass er Brot werde. Und Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben: »Nicht vom Brot allein soll der Mensch leben.« Und er führte ihn auf einen hohen Berg und zeigte ihm in einem Augenblick alle Reiche des Erdkreises. Und der Teufel sprach zu ihm: Dir will ich alle diese Macht und ihre Herrlichkeit geben; denn mir ist sie übergeben, und wem immer ich will, gebe ich sie. Wenn du nun vor mir anbeten willst, soll das alles dein sein. Und Jesus antwortete ihm und sprach: Es steht geschrieben: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.« Und er führte ihn nach Jerusalem und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so wirf dich von hier hinab; denn es steht geschrieben: »Er wird seinen Engeln über dir befehlen, dass sie dich bewahre und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stößt.« Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es ist gesagt: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.« Und als der Teufel jede Versuchung vollendet hatte, wich er für eine Zeit von ihm” (Lk 4).

In dieser Geschichte sehen wir ganz genau, was unterscheidet die Kirche Christi von einer Versammlung des Teufels – auch wenn diese Versammlung der Kirche Christi in den äußeren Formen sehr ähnlich sein kann. Die Versuchung Christi ist gleichzeitig die Versuchung jeden einzelnen von uns und jeder einzelnen Gruppe von Menschen, die Christus nachfolgen wollen.

Denn was der Teufel anbietet, ist nichts anders als drei Wege um eine erfolgreiche Religion zu gründen. An diese Stelle müssen wir vielleicht sagen, dass das Christentum, so lehren unsere heiligen orthodoxen Väter, ist keine Religion. Christentum ist auch keine Philosophie und keine Lehre. Christentum ist Jesus Christus selbst – Er ist der Weg, in Seine Nachfolgerschaft sind wir berufen – so zu sein, wie Er ist.

Der erste Weg ist den Menschen das Brot zu geben – sie mit den materiellen Gütern zu sättigen. Wer das macht, wird sicherlich viele Anhänger finden. Sie werden aber natürlich ihm nur solange folgen, solange er ihnen das Brot geben kann. Wenn er nichts mehr hat und nichts mehr geben will, werden sie sofort ihn verlassen und neue Orte und Versammlungen suchen, wo sie das Brot essen können.

Der zweite Weg ist der Weg der weltlichen Macht, der weltlichen Ruhm, der Weg der Freundschaft mit der Welt und mit dem Staat. Dieses großes Unglück geschah in der christlichen Kirche im vierten Jahrhundert, als das Christentum zur offiziellen Religion des römischen Reichs erhoben wurde. Genau dieses großes Übel verursachte, dass tausende von Menschen die Stadt und die Welt verlassen haben und wollten lieber in der Wüste leben – das war der Anfang des Mönchstums.

Ein Christ kann nicht der Welt dienen oder mit der Welt zusammen arbeiten – der Christ ist nicht von der Welt. Und die wahre Kirche Christi war und bleibt immer eine verfolgte Kirche. Einmal in den Jahren des Kommunismus in der UdSSR fragte ein ausländischer Journalist einen Bischof, ob die Kirche in der UdSSR verfolgt ist. Der Bischof antwortete: “Die Kirche ist immer verfolgt”.

Der dritte Weg schnell viele Anhänger zu finden ist ihnen eine Sensation zu bieten, sie mit den Wundern zu begeistern, sie in den Zustand einer Massenhysterie oder Hypnose zu bringen. Menschen betrügen einander und sich selbst sehr gerne und machen das mit einer erstaunlichen Hartnäckigkeit, auch wenn die Wahrheit klar erkannt und gesehen werden kann. Aber die Menschen glauben natürlich viel lieber, viel schneller und viel einfacher an eine Lüge als an eine Wahrheit.

Es ist viel bequemer in einer Illusion und in einer Lüge, im Selbstbetrug zu leben als sich mit der Wahrheit auseinandersetzen zu wollen. Menschen glauben an die Wunder, auch wo keine Wunder geschehen. Das ist bemerkenswert, dass es in den Evangelien an keiner Stelle das Wort “Wunder” gebraucht wird, auch wenn viele Bibelübersetzungen dieses Wort irrtümlicherweise verwenden. Das Wort das in den Evangelien gebraucht wird bedeutet immer ein “Zeichen” und kein “Wunder”. Christus ist kein Wundertäter, wie viele New Age Leute Ihn gerne sehen wollen. Christus macht keine Wunder. Er setzt Zeichen, damit die Menschen, die Augen und Ohren haben, erkennen können, dass das Himmelreich Gottes tatsächlich nah ist.

Heute, sehr viele Kirchen, so scheint es mindestens, sind allen drei Versuchungen unterlegen. Sie kaufen Menschen mit dem Brot, sie üben die weltliche Macht aus und sie berauschen sie mit (in den meisten Fällen pseudo) Wundern. Aber wer Christus folgt, der braucht all das nicht. Denn er lebt nicht nur vom Brot allein, er ist nicht von der Welt und er braucht keine Wunder – denn er ist zu Christus gekommen und das Himmelreich Gottes schon in seinem Herzen ist."

Von Erzpriester Ignatius++

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Re: Römisch-Katholisch vs Orthodox

Beitragvon Nemanja » 07.01.2014, 23:29

Nikolaj hat geschrieben:Liebe Brüder und Schwestern,

hat jemand von euch eine Auflistung der theologischen Unterschiede zwischen unserer Orthodoxen Kirche und der Römisch-Katholischen?

[...]


Dazu kann ich dir auf Deutsch die orthodoxe Zeitschrift "Der schmale Pfad" empfehlen. Genau gemeint ist Band 13 aus dem Jahre 2005; September. Hier der Link: http://www.orthlit.de/inhalte2.html . Da sind die Unterschiede gut aufgelistet und erklärt. Das Büchlein kostet 10 € und man kann es online bestellen. Ich selber habe es mir vor ein paar Jahren zugelegt, auch auf die Empfehlung von einem Bruder hier!

Liebe Grüße!

Nassos
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Re: Römisch-Katholisch vs Orthodox

Beitragvon Nassos » 19.01.2014, 20:37

Wenn man sich etwas mehr als Stichworte und ein paar wikipedia-Einträge antun will, dann kann ich auch das hier empfehlen. Da geht es tiefer in die Ekklesiologie und vermittelt ein recht gutes Bild, wie ich finde.

Nikolaj
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Re: Römisch-Katholisch vs Orthodox

Beitragvon Nikolaj » 20.01.2014, 11:18

Vielen Dank, Nassos!
Habe mir die Datei soeben heruntergeladen und an meinen Ebook-Reader geschickt.

Nassos
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Re: Römisch-Katholisch vs Orthodox

Beitragvon Nassos » 20.01.2014, 12:25

Ich wünsche interessante Lektüre. Wenn Du fertig bist, dann gib doch mal ein kurzes Feedback. Ich fand es sehr interessant!


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