Sola Scriptura - eine orthodoxe Betrachtung dazu

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Nassos
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Sola Scriptura - eine orthodoxe Betrachtung dazu

Beitragvon Nassos » 09.10.2013, 14:17

Dieser Strang ergibt sich aus einer Fragestellung in einem anderen Strang. Es ist eine Übersetzung des englischsprachigen Artikels SOLA SCRIPTURA - An Orthodox Analysis of the Cornerstone of Reformation Theology - by Fr. John Whiteford auf oodegr.com, welcher wiederum auf dieser Page basiert.

Da es sich hierbei um einen größeren Artikel handelt, werde ich die Übesetzungen nacheinander einstellen. Ich erlaube mir solange, diesen Strang gesperrt zu lassen bis die Arbeit beendet ist.
Ich möchte hier auch anmerken, dass das ein Danke schön an Miroslav ist, der im o.a. Strang meine Fragerei hat über sich ergehen lassen und sich die Mühe gemacht hat darauf einzugehen.

Nassos
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Re: Sola Scriptura - eine orthodoxe Betrachtung dazu

Beitragvon Nassos » 09.10.2013, 14:20

Vor der Einleitung: ein Wort der oodegr zu diesem Artikel

SOLA SCRIPTURA
Eine orthodoxe Analyse des Ecksteins der Reformationsthelogie
von Vt. John Whiteford [*]

Quelle: http://www.fatheralexander.org/booklets ... teford.htm

Beim Versuch die Bibel nach „die Schrift allein“ auszulegen, glaubten die Reformer sie hätten einen versteckten Schlüssel entdeckt die wahre Bedeutung der Heiligen Schrift zu vestehen. Doch öffneten sie stattdessen Pandoras Büchse und setzten die gnadenlosen Kräfte der Heterodoxie, des Rationalismus und des geistigen Stolzes frei? War ihre Methodologie total mangelhaft? Vater John Whitefords scharfsinniges Essay bietet eine klare und systematische Analyse der Sola-Scriptura-Doktrin aus historischer und theologischer Sichtweise. Vater Whiteford untersucht die zentralen Annahmen, die viele zeitgemäße Annährungen schlichtweg als gegeben hinnehmen. Lehren die Schriften selber, sie seien „absolut ausreichend“ zur Auslegung? Legten die Apostel die Schriften ihrer Tage nach sola scriptura aus? Welche versteckten Vermutungen sind in diesem modernen System eingebaut? Bevor man eine weitere Anleitung „unabhängige Bibelstudie“ erwirbt, ist es man sich selber schuldig Sola Scriptura – eine lebensveränderte orthodoxe Sichtweise auf eine der zentralen hermeneutischen Fragen unserer Zeit zu lesen.

[*] Über den Autor:

Diakon John Whiteford ist ein ehemaliger Nazarenerpfarrer, der zum orthodoxen Glauben konvertierte kurz nachdem er seinen Bachelor in Religion an der Southern Nazarene University in Bethany, Oklahoma, abschloss. Er lernte zunächst die Orthodoxie über seine Beteiligung an der örtlichen pro-life Bewegung, bei der auch Vt. Anthony Nelso von der St. Benedict's Orthodox Church und mehrere seiner Gemeinemitglieder mitmachten. Nach über einem Jahr der Suche nachd en Schriften der frühen Kirche, wurde er in der Heiligen Orthodoxen Kirche aufgenommen. Zur Zeit dient Vt. John am St. Vladimir's Orthodox Church in Houston, Texas, und setzt seine Studien in der New Sarov Pastoral School in Blanco, Texas, fort.

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Re: Sola Scriptura - eine orthodoxe Betrachtung dazu

Beitragvon Nassos » 09.10.2013, 14:31

Einführung

Seit meiner Konversion vom evangelikalen Protestantismus zum orthodoxen Christentum bemerkte ich ein allgemeines Erstaunen unter jenen die orthodox erzogen wurden darüber, dass ein Protestant konvertieren könnte. Das liegt nicht daran, dass die Orthodoxen sich ihres eigenen Glaubens unsicher sind. Gewöhnlich sind sie einfach nur darüber erstaunt, dass irgendetwas durch das geheimnisvolle „dickköpfige“ Beharren eines Protestanten falsch zu liegen durchbrechen könnte!

Was ich letztendlich verstanden habe ist, dass die meisten Orthodoxen eine konfuses und beschränktes Verständnis darüber haben was Protestantismus ist und was seine Anhänger glauben. So kommt es dazu, dass wenn „Wiegenorthodoxe“ auf Protestanten treffen, sie sich im allgemeinen nicht verständigen, weil sie nicht die gleiche theologische Sprache verwenden – sogar wenn sie die selben Worte verwendeten. Anders ausgedrückt haben sie eine kleine gemeinsame theologische Basis auf der man über Unterschiede diskutieren kann. Wenn jemand die ungefähr zwanzigtausend+x unterschiedliche protestantische Gruppierungen in Betracht zieht (mit nur einer gemeinsamen Eigenschaft – dass jede Gruppe für sich in Anspruch nimmt die Bibel korrekt verstanden zu haben), dann fühlt man natürlich schon mit jenen, die dadurch etwas verwirrt sind.

Protestanten auf der Suche nach theologischer Vernünftigkeit, echter Anbetung und dem alten christlichen Glauben pochen praktische an den Türen der orthodoxen Kirche. Sie geben sich nicht mehr zufrieden mit den Widersprüchen und der Launenhaftigkeit des zeitgenössischen protestantischen Amerika. Aber wenn wir Orthodoxe jenen Fragenden die Tür öffnen, dann müssen wir vorbereitet sein: diese Leute haben Fragen! Viele dieser Fragenden sind protestantische Pfarrer oder gehören zu den besser informierten Laien. Sie sind aufrichtige Suchende nach der Wahrheit, doch sie haben viel umzulernen und es wird die Hilfe Orthodoxer mit sehr guten Kenntnissen bedürfen, um ihnen dabei zu helfen durch diese Fragen zu gehen. Orthodoxe müssen die grundlegenden Annahmen der Protestanten verstehen und noch wichtiger: sie müssen wissen an was sie selber glauben!

Während das Verständnis des eigenen Glaubens die erste und grundlegendste Anforderung für jemanden ist, der den Nichtorthodoxen den Glauben kommunizierte, müssen wir auch lernen wie wir den Glauben kommunizieren, so dass er von ihnen auch verstanden wird. Um den Protestanten den orthodoxen Glauben erfolgreich zu vermitten, müssen wir uns selber mit ausreichendem Wissen ausrüsten, mit Verständnis ihres Glaubens und wo die Unterschiede liegen. Um den einzigartigen Glauben jeder einzelnen protestantischen Gruppierung zu verstehen, bedarf es der Kenntnis der Geschichte und Entwicklung der protestantischen Theologie und Verehrung und ein Maß an zeitgenössischer Lektüre, um einige der wichtigeren Trends, die gerade agieren, zu verstehen (solche wie Liberalismus oder Emotionalismus). Sogar mit all dem kann man nicht unbedingt davon ausgehen mit den neuen Gruppierungen, die fast täglich hervorsprießen, mitzuhalten. Also, ich kann es nicht – und ich war selber Protestant! Doch trotz aller ihrer Unterschiede gibt es eine grundlegende und zugrundeliegende Annahme, die all diese unvereinbaren Gruppen in der Kategorie des „Protestanten“ vereint.
Im wesentlichen glauben alle protestantischen Denominationen daran, dass sie die Bibel richtig verstanden haben. Und obwohl sie nicht darin übereinstimmen was die Bibel sagt, stimmen sie im allgemeinen darin überein, wie man die Bibel auslegt: nämlich selber, getrennt von der Kirchentradition. [1]

Sollte man diesen Glauben verstanden haben, warum er falsch ist und wie jemand richtig an die Heiligen Schriften herangehen kann, dann kann man jeden Protestanten jeglicher Denomination für ein verständliches Gespräch über orthodoxes Christentum gewinnen. Sogar solche unterschiedliche Gruppen wie die Baptisten oder die Zeugen Jehovas sind eigentlich nicht so unterschiedlich wie sie nach außen hin erscheinen, sobald man diesen wesentlichen Punkt erfasst hat. Tatsächlich wird man letztendlich feststellen können, dass sie sich einfach unterschiedliche Schriftstellen rauf- und runterzitieren, sollte man die Möglichkeit haben einen Baptisten und einen Zeugen Jehovas bei einer Diskussion über die Bibel zuzuschauen. Sollten sie intelektuell auf Augenhöhe stehen, wird niemand von ihnen in der Diskussion irgendwas erreichen, denn beide stimmen im wesentlichen in ihrer Herangehensweise an die Bibel überein. Und weil niemand die ihnen gemeinsame zugrundeliegende Annahme in Frage stellt noch ihre beiderseitige fehlerhafte Herangehensweise an die Schriften sieht, entsteht das eigentliche Problem überhaupt. Wenn ich sage, dass die Zeugen Jehovas an die Schriften im wesentlichen auf die gleiche Weise herangehen wie die meisten Evangelikalen oder Fundamentalisten, deute ich darauf hin, dass es keinen Unterschied zwischen ihnen gibt? Mitnichten! Tatsächlich ist genau das der Punkt. Es gibt eine ganze Welt von Unterschieden zwischen dem durchschnittlichen Baptisten aus dem Süden [Anm. d. Ü.: der USA], der an die Trinität glaubt, und Jehovas Zeugen, die das nicht tun. Niemand würde je die Orthodoxen bezichtigen die Wichtigkeit der Trinitätsdoktrin herabzuwerten! Es geht einfach darum, dass - wenn die Baptisten und Jehovas Zeugen die gleiche Herangehensweise an die Schriften teilen und sie doch zu so drastisch unterschiedlichen Schlussfolgerungen bezüglich dieser wesentlichen Doktrin kommen - offensichtlich etwas falsch an der Herangehensweise ist.

[1] Einige protestantische Traditionen beanspruchen die Tradition in gewissem Maße zu benutzen, aber unglücklicherweise handelt es sich hierbei nur um ein Lippenbekenntnis. In den meisten Fällen bezieht man sich nur auf die Tradition, wenn es die eigene Ansicht stützt. Zum Beispiel kann man oft Evangelikale vom "historischen christlichen Glauben" sprechen hören, wenn sie mit solchen debattieren, die sie als "Kultisten" betrachten, insbesondern wenn sie die Lehre von der Trinität verteidigen. Wenn sie aber mit einem Aspekt des historischen christlichen Glaubens konfrontiert werden, mit dem sie nicht übereinstimmen, werden die selben Apologeten die Heilige Trinität handwinkend aufgeben und zwar genau so schnell wie es Mormonen oder Zeugen Jehovas tun.

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Re: Sola Scriptura - eine orthodoxe Betrachtung dazu

Beitragvon Nassos » 12.10.2013, 13:52

WARUM DIE SCHRIFT ALLEINE?

Wenn wir verstehen wollen wie Protestanten denken, müssen wir zunächst mal wissen warum sie das glauben was sie glauben. Es ist so, dass wenn wir versuchen uns selber in die Lage der frühen Reformer wie Martin Luther zu versetzen, wir auf jeden Fall ein Verständnis für die Gründe, die Doktrin der Sola Scriptura zu favorisieren, haben müssen.
Wenn man die Korruption der römisch-katholischen Kirche zu jener Zeit bedenkt, die degenerierten Lehren die sie förderte und das verzerrte Traditionsverständnis, das sie verwendete, um sich zu verteidigen – zuzüglich der Tatsache, dass der Westen mehrere Jahrhunderte lang von jeglichem wichtigen Kontakt zu seinem früheren orthodoxen Erbe getrennt worden war – dann ist es schwer sich innerhalb dieser Einschränkungen vorzustellen, wie jemand wie Luther mit etwas erheblich Besserem hätte aufwarten können. Wie hätte sich Luther auf die Tradition berufen können, um diese Mißbräuche zu bekämpfen, wenn die Tradition (wie alle im römischen Westen zu glauben geführt worden waren) durch das Papsttum selber verkörpert wurde, das für die Mißbräuche verantwortlich war?
Für Luther war es die Tradition, die gefehlt [Anm. d. Ü.: „gefehlt“ hier im Sinne von „versagt“] hatte. Und wenn er die Kirche reformieren wollte, dann würde er das mit festem Untermauern durch die Schrift tun müssen.

Jedoch strebte Luther niemals wirklich an die Tradition komplett auszulöschen und bestimmt verwendete er nie die Schrift wirklich "sola". Was er tatsächlich versuchte war die Schrift einzusetzen, um jene Teile der römischen Tradition auszumerzen, die korrumpiert waren. Unglücklicherweise überflügelte seine Redekunst bei weitem seine eigene Praxis und radikalere Reformer brachten die Idee des Sola Scriptura zu ihrem logischen Abschluss.

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Re: Sola Scriptura - eine orthodoxe Betrachtung dazu

Beitragvon Nassos » 12.10.2013, 16:21

Teil 1

SCHWIERIGKEITEN DER SOLA-SCRIPTURA-LEHRE

A. SIE BASIERT AUF FALSCHEN ANNAHMEN

Eine Annahme ist etwas, das wir von vornherein als gewährt betrachten, für gewöhlich unbewußt. So lange eine Annahme wahr und gültig ist, ist alles schön. Aber eine falsche Annahme führt offensichtlich zu falschen Schlüssen. Man sollte denken, dass wenn jemand eine unbewußte Annahme gemacht hat und sich diese als fehlerhaft erweist, er sich selber nochmal Gedanken darüber macht, wo der Fehler eigentlich liegt.

Protestanten mit dem aufrichtigen Anliegen, den derzeitigen Status der protestantischen Welt zu beurteilen, müssen sich zum Beispiel fragen „Sollte die grundlegende Lehre des Protestantismus des Sola Scriptura von Gott sein, warum hat das zur Gründung von über zwanzigtausend unterschiedlichen Gruppen geführt, welche nicht mal in den wesentlichen Aspekten dessen, was die Bibel sagt, übereinstimmen - oder sogar was es überhaupt bedeutet ein Christ zu sein? Wenn die Bibel getrennt von der Heiligen Tradition in sich ausreichend ist, warum kann dann ein Baptist, ein Charismatiker, ein Methodist und sogar ein Zeuge Jehovas beanspruchen daran zu glauben was die Bibel sagt, und doch nicht mal zwei von ihnen darin übereinstimmen über was genau die Bibel spricht?“

Es ist klar, dass wir hier eine Situation haben, in der sich die Protestanten befinden, welche ohne Zweifel in Konflikt mit der Kirche, die wir im Neuen Testament finden, steht. Leider sind die meisten Protestanten bereit die Schuld an diesem traurigen Status allem zu geben außer dem echten Grundproblem.

Es sei darauf hingewiesen, dass das hier das Problem nicht die Integrität der Bibel ist. Die Bibel ist durch den Heiligen Geist inspiriert und wird von der Kirche als Wort Gottes empfangen. Wir diskutieren hier nicht die Inspiration der Schrift, sondern vielmehr ihre richtige Anwendung.

Die Idee des Sola Scriptura ist für den Protestantismus so fundamental, dass sogar ihre Infragestellung gleichbedeutend mit der Ablehnung Gottes ist. Aber wie unser Herr sagte: „Also ein jeglicher guter Baum bringt gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt arge Früchte.“ (Mt 7:17). Wenn wir Sola Scriptura nach seinen Früchten beurteilen, dann kommen wir zu keinem anderen Schluß, dass dieser Baum „...wird abgehauen und ins Feuer geworfen“ (Mt 7:19).

FALSCHE ANNAHME #1: Die Bibel war beabsichtig das letzte Wort zum Glauben, Frömmigkeit und Anbetung zu sein.

a) Lehren die Schriften selber, dass sie „absolute ausreichend“ sind unabhängig von der Kirchentradition?

Die offensichtlichste Annahme die der Sola-Scriptura-Lehre zugrunde liegt, ist dass die Bibel alles beinhaltet, was man zum christlichen Leben braucht – zum echten Glauben, Ausübung, Frömmigkeit und Anbetung (Gottesdienst). Die Stelle die am meisten zitiert wird, um das zu untermauern ist:

Und weil du von Kind auf die heilige Schrift weißt, kann dich dieselbe unterweisen zur Seligkeit durch den Glauben an Christum Jesum. Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit, daß ein Mensch Gottes sei vollkommen, zu allem guten Werk geschickt“ (2. Timotheus, 3:15-17)

Jene, die diese Zeilen verwenden, um Sola Scriptura zu befürworten, argumentieren dass diese Stelle „die Hinlänglichkeit“ der Schrift lehrt – denn „wahrlich, wenn die Heiligen Schriften den frommen Menschen vollkommen machen…, dann gibt es warhlich keine Notwendigkeit einer Tradition um die Vollkommenheit und Perfektion zu erreichen.“ [2] Aber ist es wirklich das, was diese Stelle lehrt?

Als Einstieg sollten wir fragen, über was genau der Apostel Paulus spricht, wenn er von den „Heiligen Schriften“ redet, die der Hl. Timotheus seit seiner Kindheit schon gekannt hat. Wir können sicher sein, dass sich der Hl. Paulus nicht auf das Neue Testament bezieht, denn das Neue Testament war noch gar nicht geschrieben, als Thimoteus ein Kind war. Tatsächlich waren nur einige Bücher des Neuen Testaments geschrieben, als Paulus seinen Brief an Timotheus schrieb. Sie waren bestimmt noch nicht in den Kanon des Heiligen Testaments aufgenommen worden, wie wir ihn heute kennen.
Es ist offensichtlich, dass an dieser Stelle und in den meisten Bezügen auf die Schriften, die wir im Neuen Testament finden, Paulus vom Alten Testament spricht. Wenn also diese Stelle benutzt werden soll, um die Grenzen der inspirierten Autorität aufzuweisen, dann wird nicht nur die Tradition ausgeschlossen sondern diese Stelle selber – und das gesamte Neue Testament!

Wenn der Hl. Paulus darüberhinaus an dieser Stelle gemeint hätte die Tradition auszuschließen, weil sie unnütz sei, dann sollten wir uns wundern, warum er nicht-biblische mündliche Überlieferung in genau diesem Kapitel verwendet. Die Namen Jannes und Jambres sind im Alten Testament nicht zu finden, aber in 2. Timotheus 3:8 bezieht sich Paulus auf sie wie sie Moses widerstehen.
Der Apostel Paulus wendet hier die mündliche Überlieferung an, dass die Namen der zwei bekanntesten ägyptischen Magier in Exodus (Kapitel 7; 8 ) „Jannes“ und „Jambres“ waren. [3] Und das ist auf keinen Fall das einzige mal wo eine nicht-biblische Quelle im Neuen Testament verwendet wird. Das bekannteste Beispiel findet sich im Judasbrief, welche aus dem Buch Henoch zitiert (Judas 14, 15; vgl. Henoch 1:9) .

Das Hauptanliegen der Kirche, eine autoritative Liste der Bücher einzurichten, welche als heilige Schrift empfangen werden sollten, war der Schutz der Kirche vor gefälschten Büchern, welche apostolische Autorenschaft beanspruchten, aber tatsächlich die Werke von Häretikern waren, z.B. das „Thomasevangelium“. Häretische Gruppierungen konnten ihre Lehren nicht auf die Heilige Überlieferung stützen, denn ihre Lehren entsprangen außerhalb der Kirche. Die einzige Möglichkeit für sie, irgendeine autorative Basis für ihre Häresien zu beanspruchen war die Bedeutung der Schriften zu verdrehen und neue Bücher im Namen der Apostel oder der Heiligen des Alten Testaments zu erfinden.

Die Kirche beabsichtigte nicht zu implizieren, dass alles über den christlichen Glauben und alle Information, die für die Anbetung und richtige Ordnung in der Kirche in diesen Schreiben enthalten waren, als sie die autoritative Liste der heiligen Bücher einrichtete, die von allen als göttlich inspiriert und von authentisch alttestamentarischem oder apostolischem Ursprung empfangen wurde. [4] Tatsächlich war die Kirche schon zur Zeit, in der sie den Schriftkanon setzte, was ihren Glauben und Anbetung anging, im wesentlichen nicht von der Kirche späterer Zeiten unterscheidbar. Das ist eine historische Gewißheit. Was die Struktur der Kirchenautorität angeht, waren es die orthodoxen Bischöfe, die sich in mehreren Konzilien versammelten, die die Frage nach dem Kanon festlegten. Die Kirche, wie wir sie kennen, gab es schon bevor es die Bibel, wie wir sie kennen, gab.

[2] George Mastrantonis, trans., Augsburg and Constantinople: The Correspondence between the Tubingen Theologians and Patriarch Jeremiah II of Constantinople on the Augsburg Confession (Brookline, MA: Holy Cross Orthodox Press, 1982), S. 114.

[3] A. F. Walls, "Jannes and Jambres," The Illustrated Bible Dictionary, vol.2 (Wheaton, IL: Tyndale House Publishers, 1980), S. 733-734

[4] Es ist tasächlich so, dass diese LIste nicht mal die Absicht hatte alle Bücher zu umfassen, welche die Kirche aus der Urzeit bewahrt hat und sie als Teil einer großen Überlieferung betrachtet. Das Buch Henoch beispielsweise, obwohl in den kanonischen Büchern zitiert, war selber nicht in den Kanon aufgenommen worden. Ich tu nicht so, also ob ich wüsste warum, aber aus welchen Gründen auch immer: die Kirche hat beschlossen das Buch zu bewahren und doch nicht dazu bestimmt in der Kirche gelesen zu werden oder mit den kanonischen Büchern aufgenommen zu werden.

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Re: Sola Scriptura - eine orthodoxe Betrachtung dazu

Beitragvon Nassos » 13.10.2013, 20:49

b) Was war der Zweck der neutestamentlichen Schreiben?

In protestantischen Bibelkreisen wird gelehrt (und ich glaube richtigerweise), dass wenn man die Bibel liest, man unter anderem auch die literatische Gattung oder Typ einer einzelnen Stelle bedenken muss: verschiedene Gattungen haben verschiedene Anwendungen. Man sollte natürlich auch den Gegenstand und die Absicht des Buches oder der Stelle bedenken.

Im Neuen Testament gibt es grob gesagt vier literarische Gattungen: Evangelien, historische Erzählung (Apostelgeschichte), Briefe (Episteln) und apokalyptische/prophetische Schreiben (Offenbarung). Die Evangelien wurden geschrieben, um Christi Menschwerdung, Leben, Tod und Auferstehung zu bezeugen. Biblische historische Erzählungen erzählen die Geschichte des Volkes Gottes und auch das Leben wichtiger Personen und zeigen Gottes Vorsehung inmitten von allem. Die Briefe wurden hauptsächlich geschrieben, um auf spezifische Fragestellungen einzugehen, die in mehreren Kirchen auftraten; somit wurden Themen, die von allen angenommen und verstanden und nicht als Problem betrachtet wurden, in keinster Weise angesprochen. Themen die Lehre betreffend, die auch angesprochen wurden, waren im allgemeinen Debatten oder mißverstandene Lehren. [5] Angelegenheiten der Anbetung wurden nur dann behandelt, wenn es auch entsprechende Fragestellungen gab (z.B. 1. Kor 11-14). Apokalyptische Schreiben wie die Offenbarung wurden geschrieben um Gottes endgültigen Sieg in der Geschichte zu zeigen.

Interessanterweise beinhaltet keiner dieser literarischen Typen des Neuen Testaments irgendwas über Anbetung als Hauptthema, und keines von ihnen war angedacht irgendwelche Einzelheiten über die Anbetung in der Kirche zu geben. Im Alten Testament gibt es detaillierte, aber in keinem Fall erschöpfende Angaben über die Anbetung in Israel (Exodus, Levitikus und die Psalmen). Im Neuen Testament gibt es nur die dürftigsten Hinweise bezüglich des Gottesdienstes der frühen Christen. Warum aber? Bestimmt nicht weil sie keine Ordnung in ihren Diensten hatten – Liturgiehistoriker haben einwandfrei die Tatsache festgestellt, dass die frühen Christen weiterhin ihre Gottesdienste nach dem Vorbild der jüdischen abhielten, was sie von den Aposteln übernahmen.[6]

Aber sogar die wenigen Referenzen im Neuen Testament, die das Thema der Anbetung in der frühen Kirche tangieren, zeigen auf, dass die Christen liturgisch anbeteten, genau wie ihre Väter es vor ihnen getan hatten: sie hielten die Stunden des Gebets (Apostelgeschichte 3:1); sie beteten im Tempel (Apg 2: 2:46; 3:1; 21:26); und sie beteten in den Synagogen (Apg 18:4).

Wir müssen auch zur Kenntnis nehmen das kein einziger literarischer Typ des Neuen Testamentes umfassende Angaben zur Glaubenslehre zum Anliegen hat. Das Neue Testament beinhaltet weder einen Katechismus noch eine systematische Theologie. Wenn wir als Christen alles was wir brauchen die Bibel alleine ist, warum beinhaltet sie dann keine Art umfassender Äußerungen zur Glaubenslehre? Stellen Sie sich vor, wie einfach so manche Kontroverse hätte gelöst werden können, hätte die Bibel jede Glaubensfrage klar beantwortet. Aber so angenehm das gewesen wäre, so etwas lässt sich nicht in den Büchern der Bibel finden.

Bitte diesen Punkt auf keinen Fall mißverstehen. Nicht davon soll die Bedeutung der Heiligen Schrift schmälern. Gott bewahre! In der Orthodoxen Kirche werden die Schriften als absolut inspiriert, unfehlbar und autoritativ betrachtet. Aber es ist Fakt, dass die Bibel eben nicht zu jedem der Kirche wichtigen Thema eine Lehre enthält.

Wie schon oben angeführt, sagt das Neue Testament sehr wenig über die Anbetung – und das ist bestimmt keine kleine Angelegenheit. Darüberhinaus ist es ja die selbe Kirche, die uns die Schriften übergeben und diese bewahrt hat, die selbe Kirche, von der wir die Gottesdienstordnung erhalten haben. Wenn wir die Treue der Kirche was den Erhalt der apostolischen Anbetung angeht bezweifeln, dann müssen wir auch ihre Treue was den Erhalt der Schriften angeht bezweifeln. [7]

[5] Beispielsweise gibt es keine Stelle, in der die Unfehlbarkeit der Schrift datailliert behandelt wird, eben weil das nie eine Frage zur Diskussion war. Heutzutage ist das mit dem Aufkommen des religiösen Skeptizismus durchaus ein Thema. Und wenn die Episteln heute geschrieben worden wären, wäre dies wohl auch zu einem bestimmten Grad behandelt worden. Es wäre vermessen daraus zu schließen, dass wenn ein Thema nicht spezifisch behandelt wird, dass die frühen Christen nicht gedacht hätten, das wäre unwichtig oder sie hätten nicht daran geglaubt.

[6] Alexander Schmemann, Introduction to Liturgical Theology (Crestwood, NY: St. Vladimir's Seminary Press, 1986), S. 5 ff

[7] Und tatsächlich ist das, was die protestantischen Gelehrten getan haben. Obwohl der Protestantismus auf den Anspruch gründet, dass der Glaube an die Bibel die einzige Autorität für Glaube und Praxis sei, sind heutige protestantische Gelehrten durch Modernisten dominiert, die nicht mehr an die Inspiration oder die Unfehlbarkeit der Schrift glauben. Sie stellen sich selber über die Bibel und wählen nur jene Stellen aus, die ihnen entgegenkommen. Der Rest wird als "primitive Mythologie und Legenden" abgetan. Die einzige Autorität, die für sie übrig geblieben ist, sind sie selber.

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Re: Sola Scriptura - eine orthodoxe Betrachtung dazu

Beitragvon Nassos » 21.10.2013, 10:19

c) Ist die Bibel in der Praxis tatsächlich „absolut aureichend“ für Protestanten?

Protestanten behaupten sehr oft, dass sie „nur an die Bibel glauben“, aber es stellen sich einige Fragen, wenn man ihre tatsächliche Anwendung der Bibel untersucht. Warum, beispielsweise, schreiben Protestanten so viele Bücher über die Lehre und generell das christliche Leben, wenn tatsächlich alles was nötig ist, die Bibel selber ist? Wäre die Bibel in sich selber ausreichend um verstanden zu werden, warum geben dann Protestanten nicht einfach die Bibel aus und belassen es dabei? Und falls sie „absolut aureichend“ ist, wie sie sagen, warum glauben dann Protestanten nicht alle das selbe?

Was ist der Sinn der Sonntagsschule oder dass Protestanten die Bibel studieren, wenn alles, was man braucht, die Bibel selber ist? Warum geben sie Traktate und anderes Material aus? Warum lehren oder predigen sie überhaupt – warum lesen sie den Leuten nicht einfach die Bibel vor? Obwohl sie es für gewöhnlich nicht zugeben werden, wissen sie instinktiv, dass die Bibel in sich alleine nicht verstanden werden kann. Und tatsächlich hat jede protestantische Sekte ihre eigenen Traditionen, obwohl sie diese wiederum nicht so nennen.

Es ist kein Zufall, dass rechtgläubige Presbyterianer alle das selbe glauben, und Vereinigte Pentekostale im allgemeinen jeweils auch das selbe glauben, aber orthodoxe Presbyterianer und Vereinigte Pentekostale glauben bezeichenderweise nicht das selbe. Diese beiden kommen mit ihren Ideen nicht jeweils einzeln aus einer unabhängigen Studie der Bibel her. Es ist eher so, dass allen in jeder Gruppe gelehrt wird, auf eine bestimmte Art zu glauben – aus einer gemeinsamen Tradition heraus.

Somit ist die Frage nicht, ob wir nur der Bibel glauben oder ob wir auch die Tradition anwenden. Die eigentliche Frage ist, welche Tradition wir anwenden, um die Bibel zu interpretieren? Welcher Überlieferung kann vertraut werden – der Apostolischen Tradition der historischen Kirche oder den modernen und ungleichartigen Überlieferungen des Protestantismus, deren Wurzeln nicht weiter reichen als bis zum Auftreten des protestantischen Reformation?

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Re: Sola Scriptura - eine orthodoxe Betrachtung dazu

Beitragvon Nassos » 21.10.2013, 11:18

FALSCHE ANNAHME #2: Die Schrift war die Grundlage der frühen Kirche, wohingegen die Überlieferung einfach eine menschliche Korrumpierung ist, die viel später auftrat

Insbesondere unter den heutigen Evangelikalen und Charismatikern ist das Wort „Überlieferung“ ein abschätziger Begriff. Etwas die „Tradition“ anzuheften ist ungefähr das gleiche wie „fleischlich“, „geistig tot“, „zerstörend“ oder „legalistisch“. Da Protestanten das Neue Testament lesen, scheint ihnen klar zu sein, dass die Bibel die Tradition stets als der Schrift entgegengesetzt verurteilt. Die Annahme ist, dass die frühen Christen ungefähr genau so waren wie die heutigen Evangelikalen oder Charismatiker, nur eben mit Bart und Toga.
Dass die Christen des ersten Jahrhunderts eine liturgische Anbetung gehabt hätten, oder Bischöfe, oder dass sie überhaupt irgendeiner Überlieferung anhingen, ist unvorstellbar. Nur später, „als die Kirche korrumptiert wurde“, kann man sich vorstellen, dass solche Sachen in die Kirche eintraten.

Es ist für solche Protestanten wie ein Schlag (genau so ging es auch mir), wenn sie tatsächlich die frühe Kirche und Schriften der frühen Väter studieren und anfangen ein eindeutig anderes Bild zu sehen, als das was sie gelernt hatten sich auszumalen. Man findet zum Beispiel heraus, dass die frühen Christen eben nicht jeden Sonntag die Bibel in die Kirche mittrugen. Es war dermaßen schwierig überhaupt an eine Kopie oder überhapt Teile der Schrift zu kommen, wegen der Zeit und den Resourcen die die Erstellung einer Abschrift benötigte, so dass nur wenige Einzelpersonen ihre eigenen Abschriften hatten. Stattdessen wurden Kopien der Schrift von ernannten Personen in der Kirche oder an Stätten aufbewahrt, an denen sich die Kirche zum Gottesdienst versammelte (woraus hervorgeht, dass die Schrift gemeinsam gelesen wurde).

Außerdem besaßen die meisten Kirchen keine vollständige Kopie aller Bücher – nicht mal des Alten Testaments und noch weniger des Neuen Testaments, welches bis zum Ende des ersten Jahrhunderts noch nicht komplettiert war und bis zum Ende des vierten Jahrhunderts auch nicht in seiner endgültigen kanonischen Fassung stand. Das heißt nicht, dass die frühen Christen die Schrift nicht lasen – sie taten es aufrichtig, aber immer in der Gruppe, nie individuell. Und während des ersten Jahrhunderts waren Christen meistens auf das Lesen der Schriften des Alten Testamentes beschränkt. Wie kannten sie also dann die Wahrheit des Evangeliums, das Leben und die Lehren Christi, wie man anbetet, was bezüglich der Person und Naturen Christi zu glauben ist? Sie hatten die Überlieferung, die von den Aposteln übergeben worden war.

Sicherlich hörten viele in der frühen Kirche diese Sachen direkt von den Aposteln selber, aber noch viel mehr eben nicht. Spätere Generationen hatten Zugriff auf die Schreiben der Apostel durch das Neue Testament, aber die frühe Kirche war in ihrem Wissen an den christlichen Glauben fast vollständig auf mündliche oder liturgische Tradition angewiesen.

Diese Abhängigkeit von der Überlieferung wird im Neuen Testament selber ersichtlich. Beispielsweise ermahnt Paulus die Thessaloniker: „So stehet nun, liebe Brüder, und haltet an den Satzungen, in denen ihr gelehrt seid, es sei durch unser Wort oder Brief.“ [Anm. d. Ü.: Luther nennt die Traditionen „Satzungen“, in der Elberfelder wird „Überlieferungen“ verwendet] (2 Thes 2:15)

Das hier verewendete Wort „Tradition“ kommt vom griechischen Wort parádosis. Das Wort selber bedeutet buchstäblich „das was übertragen oder geliefert, überlassen wird.“ Es ist das selbe Wort, das verwendet wird, wenn man auf die falschen Überlieferungen der Pharisäer verweist (Markus 7:3, 5, 8 ) und auch wenn man auf die autoritative christliche Lehre verweist (1. Kor 11:2; 2. Thes 2:15).

Was macht also die Überlieferung der Pharisäer falsch und die der Kirche wahr? Die Quelle!

Christus machte deutlich, was die Quelle der Überlieferung der Pharisäer war, als er sie „Überlieferung der Menschen“ nennt (Mk 7:8 ). Paulus wiederum sagt bezüglich der christlichen Überlieferung „Ich lobe euch aber, daß ihr in allem meiner eingedenk seid und die Überlieferungen [paradoseis], wie ich sie euch überliefert habe [paredoka, Verbalform der paradosis], festhaltet.“ (1. Kor 11:2). Woher erhielt Paulus aber diese Überlieferungen selber? „Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich auch euch überliefert habe [paredoka]“ (1. Kor 11:23).

Worauf sich die Orthodoxe Kirche bezieht, wenn sie von Apostolischer Tradition spricht ist „für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben“ (Judas 3). Seine Quelle ist Christus und wurde von Ihm selberden Aposteln übergeben durch alles was er sagte und tat – was, wäre alles niedergeschrieben worden, „selbst die Welt die geschriebenen Bücher nicht fassen“ (Joh 21:25) könnte. Die Apostel übergaben ihrerseits diese Überlieferung der ganzen Kirche. Und die Kirche, die diesen Schatz aufbewahrt, wurde so „der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit.“ (1. Tim 3:15).

Das Zeugnis des Neuen Testaments ist hierzu eindeutig: die frühen Christen hatten sowohl mündliche wie auch schriftliche Überlieferung, die sie von Christus durch die Apostel erhielten. Was schriftliche Überlieferung angeht, so hatten sie zunächst nur Teile – eine Ortskirche hatte eine Epistel, eine andere vielleicht ein Evangelium. Allmählich wurden diese Schreiben in Sammlungen zusammengetragen, und schließlich, unter der Führung des Heiligen Geistes in der Kirche, wurden sie zum Neuen Testament. Und woher wussten diese frühen Christen, welche Bücher authentisch waren und welche nicht – denn (wie schon angeführt) gab es zahlreiche gefälschte Epistel und Evangelien, von Herätikern, die behaupteten, sie seien von den Aposteln geschrieben? Es war die Apostolische Überlieferung, die der Kirche half, diese Entscheidung zu treffen.

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Re: Sola Scriptura - eine orthodoxe Betrachtung dazu

Beitragvon Nassos » 23.10.2013, 11:11

Protestanten reagieren sehr heftig auf die Idee der Heiligen Tradition, einfach weil die einzige Art davon, denen sie eigentlich begegnet sind, das verzerrte Traditionsauffassung in der römisch-katholischen Kirche ist. Im Gegensatz zur römischen Sicht auf die Tradition – welche durch den Papst personifiziert wird und neue Dogmas ohne apostolische Grundlage entwickelt, so wie die päpstliche Unfehlbarkeit – glauben die Orthodoxen nicht daran, dass sich die Tradition ändert oder „entwickelt“.

Gewiss ist die Kirche gezwungen den Unterschied zwischen Wahrheit und Fehler zu definieren, wenn sie einer Häresie gegenüber steht, aber die Wahrheit selber wird nie geändert. Man kann sagen, die Tradition wächst oder reift, aber nur in dem Sinne, wie die Kirche durch die Geschichte wandelt und sie ihre Erfahrungen auf diesem Weg nicht vergisst. Sie gedenkt ihrer Heiligen und sie erhält die Schreiben jener, die ihren Glauben genau festgelegt haben. Aber der Glaube selber war der „ein für alle Mal den Heiligen überliefert“ (Judas 3).

Wie können wir eigentlich wissen, dass die Kirche die Apostolische Tradition in ihrer Reinheit bewahrt hat? Die kurze Antwort ist, dass Gott sie in der Kirche bewahrt hat, da er genau dies versprochen hat. Christus sagte Er baute Seine Kirche und die Pforten der Hölle würden sie nicht überwältigen (Mt 16:18). Christus selber ist das Haupt der Kirche (Eph 4:15, 16), die Kirche Sein Leib (Eph 1:22, 23) und Er versprache mit ihr zu sein „bis ans Ende der Welt“ (Mt 28:20). Christus versprach nicht, dass es Seiner Kirche immer gut gehen oder sie die größte der Religionen sein würde; tatsächlich versprach er genau das Gegenteil (Mt 7:13, 14; 10:22; Joh 15:20). Auch versprach Christus nicht, es gäbe keine Sünder in der Kirche (Mt 13:47-50), oder dass sie nicht mit falschen Hirten oder Wölfen im Schafsfell fertig werden müsse (Joh 10:1, 12, 13). Aber Christus versprach eine bleibende und letztendlich triumphierende Kirche, in der Er beständig präsent wäre, und in der ganzen Wahrheit durch den Heiligen Geist geführt würde (Joh 16:13). Würde die Kirche die Reinheit der Apostolischen Tradition verlieren, dann würde die Wahrheit aufhören Wahrheit zu sein – denn die Kirche ist der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit (1. Tim 3:15)

Die gemeinsame protestantische Auffassung der Kirchengeschichte – dass die Kirche seit Konstantin bis zur Reformation in die Apostasie fiel – macht bestimmt diese und viele andere Schriftenstellen bedeutungslos. Hätte die Kirche auch nur für einen Tag nicht bestanden, dann hätten die Pforten der Hölle sie an jenem Tag überwältigt. Wäre dies der Fall, als Christus das Wachsen der Kirche in Seiner Parabel des Senfkorns beschrieb (Mt 13:31, 32), dann hätte Er von einer Pflanze sprechen sollen, die anfing zu wachsen aber dann zerquetscht würde, und an ihrer Stelle später dann ein ein neues Korn entspröße. Stattdessen verwendete Er das Gleichnis des Senfkorns, das klein anfängt, aber stetig zur größten Gartenpflanze wächst.

Was jene angeht, die postulieren, dass es irgendeine Gruppe aufrecht glaubender Protestanten gab, die tausend Jahre lang in irgendwelchen Höhlen lebten: wo ist der Beweis für die Existenz solch einer Gruppe? Die Waldenser [8], die von jeder Sekte von den Pfingstlern bis zu den Zeugen Jehovas als Vorfahren geltend gemacht werden, existierten bis vor dem 12. Jahrhundert gar nicht. Es ist, gelinde gesagt, etwas überzogen zu glauben, dass diese aufrecht Glaubenden mutig unter der heftigen Verfolgung der Römer gelitten haben sollen, um dann wieder hervorzukommen sobald das Christentum eine rechtsgültige Religion würde. Sogar dies scheint möglich verglichen mit der Auffassung, dass solch eine Gruppe tausend Jahre überleben konnte, ohne irgendeine Spur geschichtlichen Beweises zu hinterlassen, um zu belegen, dass sie jemals existiert hat.

An dieser Stelle könnte man einwenden, dass es tatsächlich Beispiele in der Kirchengeschichte gab, wo Leute Sachen lehrten, die im Gegensatz zu dem standen, was andere lehrten; also wer kann dann noch sagen, was Apostolische Tradition ist? Und außerdem: wenn eine korrumpierte Praxis entstand, wie konnte sie dann später von der Apostolischen Tradition unterschieden werden?

Protestanten stellen diese Fragen, weil in der römisch-katholischen Kirche neue und korrumpierte Traditionen entstanden. Dies passierte aber, weil der lateinische Westen zuerst sein Verständnis vom Wesen der Tradition änderte.

Das orthodoxe Verständnis, das früher im Westen herrschte und in der Orthodoxen Kirche erhalten wurde, ist im Grunde, dass die Tradition im wesentlichen unverändert ist und an seiner Allgemeingültigkeit oder Katholizität erkannt wird. Echte Apostolische Tradition basiert auf den historischen Konsens der Kirchenlehre. Finde das, was die Kriche immer geglaubt hat, durchgehend in der Geschichte und überall, und du wirst die Wahrheit gefunden haben. Wenn irgendein Glaube aufgezeigt werden kann, der nicht von der Kirche in ihrer Geschichte aufgenommen wurde, dann handelt es sich bei ihm um Häresie.

Aber es sei zu beachten, dass wir von der Kirche sprechen, nicht von schismatischen Gruppen. Es gab Schismatiker und Häretiker, die schon während der Periode des Neuen Testaments abfielen, und seitdem gab es fortwährenden Nachschub an ihnen. Denn wie der Apostel sagt „Denn es müssen auch Parteiungen unter euch sein, auf daß die Bewährten unter euch offenbar werden.“ (1 Kor 11:19).

[8] Die Waldenser waren eine Sekte, die im 12. Jahrhundert von Peter Waldo gegründet wurde, die auf ihre Weise der protestantischen Reformation vorausging. Aufgrund der Verfolgung durch die Katholische Kirche überlebte diese Sekte hauptsächlich in den Gebirgsregionen des italienischen Nordwestens. Mit dem Aufkommen der Reformation kamen die Waldenser unter dem Einfluß der reformierten Bewegung und vereinigten im Prinzip ihre Kräfte mit ihr. Viele frühe protestantische Historiker behaupteten, die Waldenser stellten das Überbleibsel der "echten" Christen dar, die vor Konstatin gelebt hatten. Obwohl heute kein glaubwürdiger Historiker solch eine unbegründete Behauptung aufstellen würde, beanspruchen viele Fundamentalisten und Kulte wie die Zeugen Jehovas ihre Abstammung von der frühen Kirche über die Waldenser - trotz der Tatsache, dass die Waldenser bis heute noch existieren und sie sicherlich nicht behaupten Zeugen Jehovas zu sein.

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Re: Sola Scriptura - eine orthodoxe Betrachtung dazu

Beitragvon Nassos » 26.10.2013, 13:02

FALSCHE ANNAHME #3: Christen können die Schrift allein interpretieren, ohne die Hilfe der Kirche

Obwohl manche Protestanten an den in der Annahme gewählten Worten Anstoß finden könnten, ist das im wesentlichen die Haltung die vorherrschte, als die Reformer zunächst die Lehre der Sola Scriptura verfochten. Die Begründung war, dass die Bedeutung der Schrift so ausreichend klar ist, dass sie jeder verstehen könnte, indem man sie für sich selber liest, und die Hilfe der Kirche überflüssig ist.

Diese Haltung wird eindeutig von den Tübinger Lutherischen Gelehrten eingenommen, die mit Patriarch Jeremias II von Konstantinopel ungefähr dreißig Jahre nach Luthers Tod Briefe austauschten: vielleicht wird jemand sagen, dass einerseits die Schrift absolut fehlerfrei ist; aber andererseits wurde sie durch viel Verworrenheit verschleiert, so dass sie ohne die Auslegungen der gotttragenden Väter nicht klar verstanden werden können. Aber derweil ist auch wahr, dass das, was in manchen Stellen der Schrift kaum wahrnehmbar gesagt worden ist, genau diese Sachen an anderer Stelle in der Schrift explizit und ganz klar ausgeführt werden, so dass sogar die einfachste Person sie verstehen kann [9]

Obwohl diese Lutherischen Gelehrten behaupteten, sie verwendeten die Schriften der Heiligen Väter, argumentierten sie damit, dass diese Schriften unnötig wären, und dass dort, wo ihrer Meinung nach die Heilige Schrift und die Heiligen Väter sich widersprachen, die Heiligen Väter zu ignorieren seien.

Was sie jedoch tatsächlich argumentierten war, dass wenn die Lehren der Heiligen Väter mit ihrer eigenen privaten Meinungen zur Schrift in Konflikt traten, ihre eigene Meinung als autoritativer zu betrachten seien als die Lehren der Kirchenväter. Anstatt auf die Väter zu hören, die sich als recht und heilig erwiesen hatten, gaben sie lieber dem menschlichen Urteil des Einzelnen den Vorrang. Das ist die selbe menschliche Ratio, die die meisten einflußreichen Lutherischen Bibelgelehrten der letzten hundert Jahre dazu geführt hat, viele der wesentlichen Lehren der Schrift zurückzuweisen, und sogar die Inspiration der Schrift selber – das eigentliche Fundament auf dem die frühen Lutheraner beanspruchten, ihren gesamten Glauben zu stützen!

Im Antwortschreiben hob Patriarch Jeremias II. klar den Charakter der persönlichen Auslegung hervor:
Lasst uns alsdann die Überlieferungen der Kirche mit einem aurichtigen Herzen annehmen und nicht mit einer Vielzahl an Rationalisierungen. Denn Gott erschuf den Menschen aurecht zu sein; doch stattdessen begehrten sie nach unterschiedlichen Ränken des Rationalisierens (Prediger 7:29). Lasst uns nicht dazu kommen eine neue Art des Glaubens zu lernen, die von der Überlieferung der Heiligen Väter verdammt ist. Denn der göttliche Apostel sagt „So jemand euch Evangelium predigt anders, denn das ihr empfangen habt, der sei verflucht! (Gal 1:9). [10]

[9] Mastrantonis, S. 115.

[10] Mastrantonis, S. 198.

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Re: Sola Scriptura - eine orthodoxe Betrachtung dazu

Beitragvon Nassos » 31.10.2013, 21:36

B. DIE LEHRE DES SOLA SCRIPTURA WIRD IHREN EIGENEN KRITERIEN NICHT GERECHT

Man kann sich vorstellen, dass solch ein Glaubenssystem wie der Protestantismus, dessen Hauptregel ist, dass die Schrift allein autoritativ bezüglich Glaubensangelegenheiten sei, als erstes versuchen würde zu beweisen, dass diese Hauptregel ihren eigenen Kriterien gerecht wird. Man würde wahrscheinlich erwarten, dass Protestanten in der Lage wären, hunderte von Belegen aus der Schrift vorzuweisen, um diese Lehre zu untermauern – auf welcher alles, was sie glauben, fundiert. Zumindest würde man sich zwei oder drei solide Texte erhoffen, welche diese Doktrin eindeutig lehren – gemäß dessen was die Schrift selber sagt: „so soll in zweier oder dreier Zeugen Mund bestehen allerlei Sache“ (2. Kor 13:1)

Genau wie der Junge aus der Fabel, der darauf aufmerksam machte, dass der Kaiser keine Kleider trug, muss ich sagen, dass es nicht eine einzige Stelle in der gesamten Heiligen Schrift gibt, die die Doktrin des Sola Scriptura lehrt. Nicht mal ansatzweise. Oh ja, es gibt zahlreichen Stellen in der Bibel, die von ihrer Inspiration sprechen, ihrer Autorität und ihres Nutzens – aber es gibt eben keine Stelle in der Bibel, die lehrt, dass die Schrift allein für Gläubige autoritativ ist. Hätte es solch eine Lehre auch nur implizit gegeben, dann hätten sicherlich die frühen Kirchenväter dies auch so gelehrt. Aber welcher der Heiligen Väter lehrte jemals so etwas? Somit zerstört sich die grundlegendste Lehre des Protestantismus selber, da sie sich selber widerspricht.

Es ist aber nicht nur so, dass die Lehre des Sola Scriptura gar nicht in der Schrift gelehrt wird, sondern wird tatsächlich ausdrücklich von der Schrift widerlegt (was wir schon besprochen haben), welche lehrt, dass die Heilige Überlieferung für die Christen auch bindend ist (2. Thes 2:15, 1. Kor 11:2)

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Re: Sola Scriptura - eine orthodoxe Betrachtung dazu

Beitragvon Nassos » 06.11.2013, 22:06

C. PROTESTANTISCHE HERANSGEHENSWEISEN ZUR AUSLEGUNG, DIE NICHT FUNKTIONIEREN

Gar seit den frühesten Tagen der Reformation waren Protestanten gezwungen, sich mit der Tatsache auseinanderzusetzen, dass nur mit der Bibel und der Macht der Logik alleine, die Menschen sich nicht auf die Bedeutung vieler der grundlegendsten Fragen der christlichen Lehre einigen konnten. Zu Luthers Zeit waren schon Dutzende verschiedener Gruppen aufgekommen, die vorgaben „nur die Bibel zu glauben", aber untereinander nicht darin übereinstimmten, was die Bibel sagte. Zum Beispiel stand Luther selber tapfer vor dem Wormser Reichstag mit der Herausforderung nichts zu widerrufen von dem was er gelehrt hatte, wenn er nicht durch die Schrift oder durch einfache Logik überzeugt würde. Aber als später die Wiedertäufer aufkamen, die mit den Lutheranern in vielen Punkten unterschiedlicher Meinung waren, einfach die selbe Nachsichtigkeit forderten, wurden sie zu Tausenden von den Lutheranern abgeschlachtet. [11]

So viel zur Phrase bezüglich dem Recht des Individuums für sich selber die Schrift zu lesen.

Trotz des offensichtlichen Problems der rapiden Zersplitterung des Protestantismus, den die Lehre des Sola Scriptura aufzeigte, und nicht willens die Niederlage gegenüber dem Papst einzugestehen schlossen die Protestanten statt dessen daraus, dass das Problem bei denen lag, die nicht mit übereinstimmten. Anders gesagt, jede andere Sekte als die eigene las die Bibel nicht richtig. Somit wurde eine Anzahl Annäherungen biblischer Auslegung als Lösungen dieses Problems in Gang gebracht.

Natürlich muss die Näherungsweise, die all diese endlose Verfielfältigung der Schismen umkehrt erst noch erfunden werden. Und trotzdem suchen Protestanten immer noch nach dem schwer fassbaren methodologischen „Schlüssel“, der ihre Probleme lösen wird. Untersuchen wir die bekanntesten Näherungsweisen, die bisher ausprobiert wurden – jede einzelne immer noch durch die eine oder andere Gruppe unterstützt.

[11] "Obwohl er [Luther] der Verbrennung von Wiedertäufern durch Lutheraner ablehnte, stimmte er letztendlich der Todesstrafe für sie widerwillig zu, mit der Begründung sie seien der Aufwiegelung und der Blasphemie schuldig" Kenneth Scott Latourette, A History of Christianity, Vol. II: Reformation to the Present (New York: Harper & Row, 1975), S. 730, cf. pp. 779f.
Siehe auch F. L. Cross und E. A. Livingstone, "Anabaptists," The Oxford Dictionary of the Christian Church (Oxford: Oxford University Press, 1974), S. 47.

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Re: Sola Scriptura - eine orthodoxe Betrachtung dazu

Beitragvon Nassos » 19.11.2013, 20:44

ANNÄHERUNG #1: Nehmen Sie die Bibel einfach wortwörtlich – die Bedeutung ist klar

Diese Herangehensweise war zweifelsohne die erste, die von den Reformern angewandt wurde, obwohl sie sehr früh darauf kamen, dass das alleine eine unzureichende Lösung für die Probleme war, die bei der Lehre des Sola Scriptura auftraten. Obwohl diese Weise von Anfang an versagte, ist sie immer noch die gängigste, die man unter minder gebildeten Fundamentalisten, Evangelikalen und Charismatikern findet.

„Die Bibel sagt, was sie meint und meint, was sie sagt“ ist ein oft gehörte Phrase. Aber wenn es zu Schrifttexten kommt, bei denen die Protestanten nicht übereinstimmen – solche wie als Christus den Aposteln die Macht gab zu vergeben (Johannes 20:23) oder wenn er über die Eucharistie sagte „Dies ist mein Leib…Dies ist mein Blut!" (Mt 26:26, 28) oder als Paulus lehrte, Frauen hätten ihr Haupt in der Kirche zu bedecken (1. Kor 11:1-16) – dann sagt die Bibel plötzlich nicht mehr was sie meint. „Nun, jene Verse sind nicht wörtlich zu nehmen!“

ANNÄHERUNG #2: Der Heilige Geist schafft das rechte Verständnis

Bei so vielen Gruppen, die unter dem Banner der Reformation aufkamen und welche sich nicht auf die Interpretation der Schrift einigen konnten, schlugen die protestantischen Gelehrten als nächstes die Lösung die Behauptung vor, dass der Heilige Geist die frommen Protestanten bei der rechten Auslegung der Bibel leiten würde. Aber bei jedem, der bezüglich der Doktrin nicht übereinstimmte, konnte möglicherweise nicht vom selben Geist geleitet sein. Dies führte dazu, dass jede Gruppe dazu tendierte, alle anderen mit unterschiedlicher Meinung das Christentum abzusprechen.

Wäre diese Herangehensweise gültig, wären wir auf eine protestantische Gruppierung gekommen, die die Schrift richtig ausgelegt hätte. Aber welche der Tausenden Denominationen könnte dies sein? Die Antwort hängt davon ab, mit welchem Protestanten man gerade redet. Man kann sich einer Sache sicher sein – jene, die so argumentieren sind unerschütterlich der Überzeugung, dass es ihre Gruppe ist.
So wie sich Denominationen auf Denominationen stapelten, wurde es entsprechend zu einem größeren Spagat für jeden von ihnen aufrecht zu behaupten, dass nur sie recht hätten. So wurde es immer mehr zur Gewohnheit, die Unterschiede zwischen den Denominationen zu bagatellisieren und einfach jene Differenzen zu schließen, auf die es wenig ankommt. „Vielleicht hat jede Gruppe einen Teil der Wahrheit, aber keine von uns hat die ganze Wahrheit.“

ANNÄHERUNG #3: Lasst die klaren Stellen die unklaren erklären
Das muss nach der perfekten Lösung des Problems ausgesehen haben, wie man die Bibel durch sie selber auslegt – lasst die einfach zu verstehenden Stellen jene auslegen, die nicht klar sind. Die Logik dieser Weise ist simpel. Obwohl eine Stelle eine Wahrheit nur vage darlegt, wird sicherlich die selbe Wahrheit an einer anderen Stelle in der Schrift klar aufgeführt. Benutzt also die eindeutigen Stellen als Schlüssel, und man wird die Bedeutung der vagen Stellen entschlüsselt haben.

So argumentierten die Tübinger lutheranischen Gelehrten in ihrem ersten Briefwechsel mit Patriarch Jeremias den II:

Daher kann es nie einen besseren Weg geben, um die Schrift zu interpretieren, als den, in dem die Schrift durch die Schrift ausgelegt wird, also anders gesagt durch sich selber. Denn die gesamte Schrift wurde durch den einen und selben Geist diktiert, der am besten Seinen eigenen Willen versteht und am besten geeignet ist, Seine eigene Meinung darzulegen.[12]

So vielversprechend diese Methode auch aussieht, stellte sie sich bald als ungenügende Lösung des Problems des protestantischen Chaos und der Teilung. Der Punkt an dem diese Herangehensweise versagt, ist das Festlegen der klaren und der vagen Passagen.

Jene Protestanten, die glauben, es sei für einen Christen unmöglich seine Erlösung zu verlieren, siehe im folgenden eine Anzahl an Stellen, von denen sie behaupten, sie würden die Lehre der ewigen Sicherheit lehren: „Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen.“ (Rm 11:29), und „Denn meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie; und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben; und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen.“ (Johannes 10:27, 28)

Aber wenn Protestanten auf Stellen stoßen, die den Verlust der Erlösung zu lehren scheinen, so z.B. „Und du, Menschenkind, sprich zu deinem Volk: Wenn ein Gerechter Böses tut, so wird's ihm nicht helfen, daß er fromm gewesen ist; und wenn ein Gottloser fromm wird, so soll's ihm nicht schaden, daß er gottlos gewesen ist. So kann auch der Gerechte nicht leben, wenn er sündigt.“ (Hesekiel 33:12) und „…Wer aber bis an das Ende beharrt, der wird selig.“ (Mt 10:22), dann benutzen sie ihre Stellen die „eindeutig“ sind, um diese wegzuerklären, die „uneindeutig“ sind.

Arminianer, die glauben, dass der Mensch seine Erlösung verlieren kann, wenn er Gott den Rücken zukehrt, finden keine Uneindeutigkeit in solchen Warnungen. Im Gegenteil, für sie ist das absolut eindeutig!

[12]Mastrantonis, S. 115

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Re: Sola Scriptura - eine orthodoxe Betrachtung dazu

Beitragvon Nassos » 16.12.2013, 13:18

ANNÄHERUNG #4: Historisch-kritische Exegese

In einem See der subjektiven Meinung und der Teilung ertrinkend, griffen die Protestanten schon recht bald nach jeder intellektuellen Methode mit einem Hauch an Objektivität. Wie die Zeit verstrich und sich die Teilungen vermehrten, wurden Wissenschaft und Ratio zunehmend der Standard, von dem sich die protestantischen Theologen erhofften, er würde Konsistenz in ihre biblische Interpretationen bringen.

Die „wissenschaftliche“ Herangehensweise, die nun die protestantische Gelehrtenschaft dominiert, und in diesem Jahrhundert sogar angefangen hat, die römisch-katholische Gelehrtenschaft zu dominieren, wird im allgemeinen als „historisch-kritische“ Exegese bezeichnet. Mit der Dämmerung der sogenannten „Aufklärung“ schien die Wissenschaft befähigt alle Probleme der Welt zu lösen. So begann die protestantische Gelehrtenschaft die Philosophie und Methodologie der Wissenschaften auf die Theologie und die Bibel anzuwenden.

Seit der Aufklärung haben protestantische Gelehrte jeden Aspekt der Bibel analysiert: ihre Geschichte, Manuskripte und Sprachen. Als ob die Heilige Schriften eine archäologische Ausgrabung wären, versuchten jene Gelehrte jeden Knochen und jedes Fragment mit dem Besten und Aktuellsten, was die Wissenschaft zu bieten hatte, zu analysieren. Der Fairness halber, kam dabei durchaus nützliches Wissen durch diese Gelehrtenschaft hervor. Aber als Mittel der Auslegung und in ihren Anstrengungen Einheit zu schaffen taugte diese Methode nicht.

Wie die anderen Herangehensweisen, versucht die historisch-kritische Methode die Bible zu verstehen, während sie die Kirchentradition ignoriert. Es ist der selbe Fehler, auf einem pseuco-wissenschaftlichen Niveau.

Obwohl es keine einzigartige protestantische Methode der Exegese gibt, haben sie alle „lass die Schrift für sich selber sprechen“ als Ziel. Niemand, der von sich behauptet Christ zu sein, könnte gegen das sein, was die Schrift „sagen“ würde, würde sie tatsächlich durch diese Methoden „für sich selber sprechen“ würde. Das Problem ist, dass jene die sich selber als Sprachorgan der Schrift hinstellen, diese mit ihren eigenen persönlichen Annahmen filtern.

Während sie vorgeben objektiv zu sein, interpretieren sie die Schrift eher gemäß ihrem eigenen Satz an Traditionen und Dogmata, seien es Fundamentalisten oder liberale Rationalisten. Es sei mir erlaubt Albert Schweitzer zu zitieren: „Protestantische Gelehrte haben in den Brunnen der Geschichte geschaut, um die Bedeutung der Bibel zu finden, und sie haben ganz brilliant Buch auf Buch diesbezüglich geschrieben, aber unglücklicherweise haben sie nur ihre eigenen Reflexionen gesehen.“

Darüberhinaus ist eine der eklatantesten Inkonsistzen der historisch-kritischen Exegese ihr unbiblischer Charakter. Sehr schnell wird dem durchschnittlichen protestantischen Bibelstudienanfänger klar, dass die Apostel keine guten Exegeten waren – denn es ist ziemlich klar, dass sie nicht den Methoden der kritischen Exegese folgten. Daraus müsste man schließen, das entweder die Protestanten die Bibel besser verstehen als die Apostel (ein Anspruch, der trotz seiner offensichtlichen Überheblichkeit öfter gestellt wird als man sich vorstellen könnte) oder dass die von Protestanten angewandte Annäherung fundamental fehlerhaft ist und in Abweichung zum apostolischen Verständnis der Schrift.

Trotz aller Ambitionen, sind diese Methoden mitnichten neutrale Werkzeuge der Wissenschaft. Moderne Gelehrte sind stolz auf ihre eigene Fähigkeiten, die Annahmen und kulturellen Vorurteile der Denker früherer Zeiten kritisch zu analysieren; aber in ihrem modernen Stolz sind sie selber blind für die Art, wie ihre eigenen Annahmen ihr eigenes Denken mit Vorurteilen durchsetzt.

Die Methoden der historischen Kritik wurzeln im naturalistischen Reduktionismus, Individualismus und Relativismus. Wissenschaftlicher Empirismus wird als letztendliche Instanz angesehen, obwohl die Tatsache, dass empirische Methoden nur jene Dinge behandeln können, die beobachtet oder erfahren werden und somit Theologie per Definition ungeignet ist in die Grenzen der Sicht des Empirismus gequetscht zu werden. Protestantische Bibelgelehrte haben es geschafft ihr Werk als unausweichliche Schlussfolgerung der objektiven „wissenschaftlichen“ Untersuchung der Bibel erscheinen zu lassen, während sie es versäumt haben die Grenzen der historisch-kritischen Methodologien zu erkennen und die Lücken mit gelehrtem Geplaudere und persönlicher Meinung als Beweis verkleidet zu füllen.[13]
Unglücklicherweise ist die unausweichliche Schlussfolgerung aus der Anwendung empirischer Methoden an theologischen Themen ist, dass es nicht viel gibt, was wir darüber wissen können. Nur jene Fragen, die ihre Methoden beantworten, gelten als wert gestellt zu werden und nur jene Stellen aus der Bibel, die ein ganzes Arsenal an skeptischer Brutalität überleben können, werden als authentisch betrachtet.[14] Konservative Protestanten waren glücklich weniger konsistent in ihrem Rationalismus zu sein. Sie haben in sich eine Verehrung der Schrift und einen Glauben an ihre Inspiration erhalten. Dennoch ist ihre Herangehensweise – sogar unter den verbissensten Fundamentalisten – immer noch wesentlich im gleichen Geist des Rationalismus verwurzelt wie bei den Liberalen.

[13] Wie Thomas Oden beobachtet: "Schriftkritik is heute sicher mehr Gefangene ihres modernen (naturalistischen, narzissistischen, individualistischen) Zeitgeists als der Augustinianismus jemals des Platonismus oder der Thomismus des Aristotelianismus war. Gefangen in modernen Vorurteilen gegen vormodernen Bewustseinsformen, zeigte sich die reduktionistische Exegese nur als eine Neigung zur Spekulation wie es die extremistischen Formen des Gnostizismus waren und genauso unkritisch gegenüber ihrer eigenen Voraussetzungen wie supralapsarischer protestantischer Scholastizismus " (Thomas Oden, Agenda for Theology: After Modernity What? [Grand Rapids, MI: Zondervan, 1990], S. 111).

[14] Protestantische Bibelgelehrte setzen weiterhin die Methoden der Literaturanalyse ein, die vor langem in anderen Feldern der Literaturanalyse als "fruchtlos und spekulativ" abgesetzt wurde (Thomas Oden, The Word of Life, Systematic Theology: Vol. 2 [New York: Harper & Row, 1989], S. 223).

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Re: Sola Scriptura - eine orthodoxe Betrachtung dazu

Beitragvon Nassos » 31.01.2014, 00:48

Ein wesentliches Beispiel dazu findet sich unter den dispensationellen Fundamentalisten, die an einer ausgefeilten Theorie halten, nach der postuliert wird, dass Gott in verschiedenen Zeitpunkten der Geschichte mit dem Menschen gemäß unterschiedlicher „Dispensationen“ verfahren ist (solche wie die „Akademische Dispensation", die „Noah’sche Dispensation“, die „Mosaische Dispensation“, die „Davidische Dispensation“ usw.) Man kann sehen, dass in dieser Theorie ein gewisser Grad Wahrheit steckt, aber abseits dieser Alte-Testament-Dispensationen lehren sie, dass wir zur Zeit unter einer anderen Dispensation sind, als es die Christen des ersten Jahrhunderts waren. Obwohl es durch die Zeit des Neuen Testaments hindurch stets Wunder gab, geschehen sie heute nicht mehr. Zusätzlich zum Fehlen jeglicher Schriftbasis, erlaubt diese Theorie den Dispensationalisten die Wunder der Bibel zu bestätigen, während sie ihnen gleichzeitig auch erlaubt im alltäglichen Leben Empiristen zu sein [Anm. d. Ü.: d.h. Erkenntnis, die ausschließlich auf Sinneserfahrung beruht].

Obwohl die Diskussion über diese Annäherung auf den ersten Blick so aussieht, als ob sie nur von akademischem Interesse und weit entfernt von der Realität des Umgangs mit dem durchschnittlichen Protestanten ist, bleibt aber tatsächlich auch der durchschnittlich strenggläubig konservative protestantische Laie nicht von dieser Art Rationalismus unberührt.
Obwohl sich konservative Protestanten selber als fast komplett zum protestantischen Liberalismus entgegengesetzt sehen, benutzen sie im Wesentlichen die gleiche Art Methoden in ihrem Studium der Schriften. Und mit diesen Methoden kommen ihre darunterliegenden philosophischen Annahmen einher. Somit ist die Differenz zwischen den Liberalen und den Konservativen in Wahrheit keine Differenz grundlegender Annahmen, sondern eher ein Unterschied in wie weit sie diese ihren innewohnenden Schlussfolgerungen zuführen.

Der große Irrtum in dieser sogenannten wissenschaftlichen Annäherung an die Schriften liegt in der falschen Anwendung der empiristischen Annahmen auf das Studium der Geschichte, der Schrift und der Theologie. Empirische Methoden funktionieren gut, wenn sie richtig auf die Naturwissenschaften angewandt werden, aber wenn sie auf etwas angewandt werden, wo sie möglicherweise versagen, wie auf Geschichte (die nicht wiederholt werden kann oder an der man keine Experimente durchführen kann), dann können sie weder konsistente noch präzise Ergebnisse erzeugen. [15] Wissenschaftler müssen erst noch ein Teleskop entwickeln, mit dem man in die geistliche Welt schauen kann, und doch bestehen viele protestantische Gelehrte darauf, dass im Lichte der Wissenschaft die Idee einer Existenz von Dämonen oder Teufeln widerlegt ist. Man sucht jedoch vergeblich nach der wissenschaftlichen Studie, die letzteres beweist. Obwohl sich solche Empiristen ob ihrer „Offenheit“ brüsten, sind sie durch ihre Annahmen dermaßen erblindet, dass sie nicht das erkennen können, was nicht in ihre Vorstellung von Wirklichkeit passt.

Würden alle Methoden des Empirizismus konsistent angewandt, dann würde alles Wissen (einschließlich des Empirizismus) unglaubwürdig werden, aber der Empirizismus darf inkonsistent sein gemäß jenen, die zu ihm halten „weil seine gnadenlose Beschneidung der menschlichen Erfahrung ihm solch eine hohe Ernsthaftigkeit verleiht, dass sein Ansehen sich über seine Schadhaftigkeit seiner eigenen Fundamente hinwegsetzt.“[16] Wäre protestantische Exegese wirklich wissenschaftlich, wie sie sich selber darstellt, dann würden ihre Ergebnisse Konsistenz haben. Wären ihre Methoden bloß unvoreingenommene „Technologien“ (wie sie von vielen betrachtet werden), dann würde es nicht darauf ankommen, wer sie andwendet; sie würden für jeden gleich funktionieren. Aber was finden wir vor, wenn wir den derzeitgen Status protestantischer Bibelstudien untersuchen? Nach Schätzung der „Experten“ selber befindet die protestantische Bibelgelehrsamkeit in einer Krise. [17] Tatsächlich wird diese Krise am besten durch das Eingeständnis eines anerkannten protestantischen Gelehrten des Alten Testaments, Gerhard Hasel, veranschaulicht, dass während der 1970er fünf neue Alte-Testament-Theologien aufgekommen waren, „aber nicht eine einzige in Annäherung und Methode irgend einer anderen gleicht.“ [18]

… Mit was wir es hier zu tun haben, ist ein Feld, das sich selber als objektive Wissenschaft darstellt, das aber in Wirklichkeit eine Pseudowissenschaft ist, das eine Vielfalt von philosophischen und theologischen Ansichten vorenthält. Es handelt sich um eine Pseudowissenschaft, weil – bis Wissenschaftler Instrumente entwickeln, die fähig sind Gott zu untersuchen und zu verstehen – eine objektive wissenschaftliche Theologie oder biblische Interpretation eine Unmöglichkeit ist.

Das heißt nicht, dass es nichts gibt, was authentisch gelehrt ist oder für protestantische Bibelstudien brauchbar. Aber unabhängig davon, wie sie durch die rechtmäßigen Aspekte des historischen und linguistischen Lernens getarnt und durch die Nebelmaschinen und Spiegel der Pseudowissenschaften getarnt sind, entdecken wir in Wahrheit, dass protestantische Methoden der biblischen Interpretation sowohl das Erzeugnis wie auch der Diener der protestantisch theologischen und philosophischen Annahmen sind.[19]

Mit einer Subjektivität, die jene der meisten spekulativen Freudianer übertrifft, selektieren protestantische Gelehrte die „Tatsachen“ und den „Beweis“, die am besten zu ihrer Agenda passen aus und schreiten dann mit ihren Schlussfolgerungen wesentlich vorherbestimmt durch ihre grundlegende Annahmen fort, um ihre Methoden auf die Heilige Schrift anzuwenden – und sich die ganze Zeit selber für sachliche Wissenschaftler halten. [20]

Und da moderne Universitäten keine Doktortitel an jene herausgeben, die nur die unverfälschte Wahrheit weitergeben, versuchen die Gelehrten sich gegenseitig mit immer neuen „kreativen“ Theorien zu übertrumpfen. Das ist das eigentliche Wesen der Häresie: Neuheit, arrogante persönliche Meinung und Selbsttäuschung.

[15] Siehe Anhang zu einer Diskussion über empiristische Annahmen in der protestantischen Gelehrsamkeit.
[16] Rev. Robert T. Osborn, "Faith as Personal Knowledge," Scottish Journal of Theology 28 (Februar, 1975), S. 101-126.
[17] Gerhard Hasel, Old Testament Theology, Basic Issues in the Current Debate (Grand Rapids, MI: Eerdmans Publishing Company, 1982), S.9.
[18] Ibid., S. 7.
[19] Ich habe vom liberalen Protestantismus nur gesprochen, um die Irrtümer der "historischen" Exegese aufzuzeigen. Für einen orthodoxen Christen ist es viel wahrscheinlicher durch einen konservativen Fundamentalisten oder einem Charismatiker konfrontiert zu werden, einfach weil sie ihren Glauben ernst genug nehmen, um zu versuchen andere zu konvertieren. Liberale protestantiche Denominationen haben alle Hände voll zu tun, ihre eigenen Gemeindemitglieder zu halten, und werde nicht für ihren evangelistischen Eifer berühmt.
[20] Für eine tiefere Kritik an den Exzessen der historisch-kritischen Methode, siehe Thomas Oden, Agenda for Theology: After Modernity What? (Grand Rapids, MI: Zondervan, 1990), S. 103-147.


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