Gespräch mit Freunden - Allgemeine Themen

Forumsregeln
Forumsregeln Impressum
rln
Beiträge: 4
Registriert: 28.12.2012, 23:20
Religionszugehörigkeit: russisch-orthodox

Gespräch mit Freunden - Allgemeine Themen

Beitragvon rln » 19.01.2013, 11:50

Hallo,

ich habe heute ein Gespräch mit zwei Freunden gehabt ( Katholik K/ Freikirche F), dabei hat mit dem Gottesdienst angefangen und dann ging es über zu allen möglichen Themen, für die ich keine Antwort oder Begründung hatte... könntet ihr die Themen vielleicht erläutern. Ich habe sie leider nicht im Forum gefunden.

(1) Warum halten wir so an unsere Gottesdienstform fest? Mir wurde gesagt, das es stumpfsinnig ist nur in die Kriche zu gehen (oder irgend etwas zu machen) nur weil es Tradition ist. Der Freikirche wurde sie so angepasst, das es ein "lebendiger Gottesdienst" ist. Ich habe ihnen dann erzählt das die Anpassung eine Anpassung an die Weltlichkeit darstellt... die Formulierung finde ich persönlich etwas hart, zumal sie mich nicht wirklich verstanden haben.

(2)K: Warum geht man in die Kriche, bzw. Warum braucht man den Leib und das Blut Christi? Ich wollte ihnen jetzt nicht sagen, dass man das spürt und fühlt wenn man an der Eucharistie teilgenommen hat, ich dachte die wollen eher "handfeste" Erklärungen.

(3) F:Warum segnet der Priester das Abendmal, warum geht das nicht selber (zuhause)?

с праздником!

bogoslov05
Beiträge: 20
Registriert: 17.07.2011, 21:43
Religionszugehörigkeit: serbisch-orthodox

Re: Gespräch mit Freunden - Allgemeine Themen

Beitragvon bogoslov05 » 19.01.2013, 16:46

Alle drei Fragen können mit einem Wort erklärt werden: KIRCHE!

(Bevor ich weitermache muss ich jedoch eingestehen, dass ich dir die drei Fragen NICHT 100% erklären kann. Das Christentum ist keine Lehre es ist eine Lebenseinstellung und egal wie viel man darüber liest und hört kann man sie nicht bis zum Schluss verstehen. Ebenso kann man sich nicht mal auf den Weg machen die Kirche zu verstehen, wenn man selbst nicht dahingeht [so auch deine Freunde])

Hier ein Zitat aus Wikipedia:

(von griech. κυριακή ἐκκλησία kyriaké ekklesia „Versammlung des Herrn bzw. dem Herrn gehörige Versammlung“


Wenn man die Kirche geschichtlich analysieren Will mithilfe der Bibel (speziell für F), dann erkennen wir dass sie der Leib Christi ist. Hier was Paulus darüber schrieb:

1 Kor 12,12-26:12 Denn wie der Leib einer ist und [doch] viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind, so auch (der) Christus. 13 Denn wir wurden ja auch durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und wurden alle mit einem Geist getränkt. 14 Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele. 15 Wenn der Fuß spräche: "Weil ich keine Hand bin, gehöre ich nicht zum Leib.“; so gehört er deswegen trotzdem zum Leib 16 Und wenn das Ohr spräche: "Weil ich kein Auge bin, gehöre ich nicht zum Leib“; so gehört er deswegen trotzdem zum Leib. 17 Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo bliebe das Gehör? Wenn er ganz Gehör wäre, wo bliebe der Geruch? 18 Nun aber hat (der) Gott die Glieder eingesetzt, ein jedes von ihnen im Leib, so wie er wollte. 19 Wenn aber alle ein Glied wären, wo bliebe der Leib? 20 Nun [sind es] zwar viele Glieder, aber [es ist] ein Leib. 21 Es kann aber nicht das Auge zur Hand sagen: "Ich brauche dich nicht!“; oder andererseits der Kopf zu den Füßen: "Ich brauche euch nicht!“. 22 Vielmehr sind gerade die Glieder des Leibes, die schwächer zu sein scheinen, um so notwendiger. 23 Und den [Gliedern] des Leibes, die wir für weniger ehrbar halten, denen erweisen wir besondere Ehre; und so erhalten unsere unanständigen [Glieder] besondere (Wohl-)Anständigkeit; 24 unsere anständigen [aber] haben das nicht nötig. Aber Gott hat den Leib [so] zusammengefügt, dass er dem geringeren Glied besondere Ehre gab, 25 damit keine Spaltung sei im Leibe, sondern die Glieder einträchtig für einander sorgen. 26 Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit.


Die Kirche ist die Gemeinschaft der Gläubigen, die zu Gott betten und Ihm Danken. Die Eucharistie ist dabei unsere Opfergabe an den Herren - sie symbolisiert Das Leib Christi, welches für uns geopfert wurde und geteilt wird um alle zu eins zu verbinden (Frage 2). Wir geben dem Herrn "seines seiner" und erlangen damit den Leib Christi. Mit der Eucharistie (Kommunion) werden wir ein Teil des Leibes Christi, seine Brüder.

(Frage 3) Da die Kirche also eine Gemeinschaft von Christen ist, kann die Eucharistie nur in der Kirche (Gemeinschaft) stattfinden. Die Eucharistie ist ein kirchliches Sakrament, welches zwar vom Klerus (Priester, Bischof) zusammengestellt wird, dabei ist das liturgische Gebet eine Zusammenarbeit ALLER Christen. Der Diakon (oder Priester) Sagen die Fürbitte auf und wir antworten auf diese Bitten: "Lasset in Frieden zum Herren uns beten" "Herr erbarme dich"; "Denn Dein ist das Reich und die Kraft und Herrlichkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit!" "Amen!". Daher ist die Liturgie ein GEMEINSAMES BETEN ALLER CHRISTEN. Dies beweisen auch alle Gebete der Liturgie, welche eben in der wir-Form geschrieben sind.

Natürlich kann UND MUSS ein Christ auch alleine beten, doch zu meinen, dass die Liturgie überflüssig sei ist falsch. Solch eine Bemerkung bezeugt das die Person keine Bindung zur Kirche hat. Es ist eins einfach zu Gott zu beten, doch es ist was anderes Ihn lebendig zu erleben in der Eucharistie.

Und was es mit der "stumpfsinnigen" Liturgie auf sich hat (Frage 1), so beweist das wiederum mein obrige Aussage. Die Liturgie wurde während der Jhr. schon öfters verändert und weiterentwickelt. Doch was symbolisiert die Göttliche Liturgie? Es ist das Andenken an die Heilsgeschichte des Herrn Jesu Christi und ein Vorblick auf das göttliche Himmelreich. Wir treffen in der Liturgie auf Gott selbst und allen Heiligen. Oder wie man es auch sagen kann: Wir sind für einen kurzen Augenblick im göttlichen Himmelreich.

Wie gesagt, viel kann dir das nicht helfen. Diese Frage eröffnet weitere Fragen welche man nicht theoretisch erklären kann. Wenn sie wirklich antworten auf diese Fragen bekommen wollen, dann nimm sie mit zur Liturgie und sie sollen nicht enttäuscht sein, wenn sie nach der ersten Liturgie nicht alle Antworten bekommen. Es gibt ihnen nicht eine 100% wissenschaftliche Antwort, aber es ist vielleicht ein Anfang.

So lieben Gruß und ich hoffe die anderen können es besser erklären als ich. Ansonsten versuch mal die Heiligen Kirchenväter und Heilige unserer Zeit. Die hatten sich auch schon mit dieser Frage befasst.

rln
Beiträge: 4
Registriert: 28.12.2012, 23:20
Religionszugehörigkeit: russisch-orthodox

Re: Gespräch mit Freunden - Allgemeine Themen

Beitragvon rln » 26.01.2013, 00:22

Vielen Dank,

für die Antwort! Nach dem Lesen wurde ich richtig erleichtert, da ich mich von solchen Fragen irgendwie bedrängt fühle und dabei meine eigene Ahnungslosigkeit sehe.

Nach jedem Gespräch mit den Anderen kommen aber auch immer wieder neue Fragen auf, die für mich eigentlich als selbstverständlich gelten und keiner Frage bedürfen. Beispielsweise wurde ich heute dann auch gefragt, weshalb man überhaupt Heilige braucht. Was der Sinn davon ist ("..Jeder ist doch heilig"). Und da war ich froh sowas im Forum gefunden zu haben http://www.orthodoxes-forum.de/viewtopic.php?f=7&t=2553, dass die Fragen dazu erläutert.

Ein wichtiges Zitat (von Igor) aus diesem Thread würde ich gerne auch hier rein posten:

Ich möchte als Beantwortung Deiner Frage kurz aus einem von mir hochgeschätzten Buch zitieren, wo ich eine sehr passende Antwort fand – am Ende sind auch einige Bibelstellen mit Bezug dazu aufgeführt. Erzpriester Sergius Heitz schreibt dazu in "Christus in euch: Hoffnung auf Herrlichkeit":

FRAGE 89: Wer sind und was bedeuten die Heiligen für die Orthodoxe Kirche

ANTWORT: In der Eucharistischen Liturgie ruft der Zelebrant vor der Brotbrechung: "Das Heilige den Heiligen!" und die Gläubigen antworten: "Einer nur ist heilig, Einer nur Herr: Jesus Christus in der Herrlichkeit Gottes des Vaters, Amen." Von ,Heiligen' kann man in der Kirche also nur reden, weil der Herr der Kirche heilig ist und durch Seine Herrschaft die heiligt, die Er Sich auserwählt hat. Das aber bedeutet, dass grundsätzlich jeder Getaufte ein Heiliger ist, weil er in der Taufe Christus angezogen hat und fortan Ihm gehört. Denn nur in diesem Sinne ist Heiligkeit dem sündhaften Menschen überhaupt zuzuschreiben: nicht als eigene Qualität, sondern als gnadenhartes Anteilerhalten an der Heiligkeit des Dreieinen Gottes. Aber nicht alle Gläubigen lassen in gleicher Weise die Heiligung an sich geschehen; nicht alle vermögen gleichermaßen in dieser Heiligkeit ihres Herrn zu stehen und sie auszustrahlen. Diejenigen aber, die so von der Gemeinschaft und Heiligkeit Christi erfüllt sind, dass sie diese ausstrahlen wie die Erde nach einem Sonnentag im Sommer die Wärme, die werden in der Kirche als Heilige verehrt. Das aber heißt: ihrer wird in besonderer Weise gedacht, in Dank und Liebe zur Ermutigung der Gläubigen, die der "großen Wolke von Zeugen" bedürfen, um "mit Ausdauer zu laufen in dem Wettkampf, der vor ihnen liegt" (Hebr 12,1).

Die orthodoxen Gläubigen kämen sich ohne die erfahrbare Gemeinschaft mit den Heiligen in der Kirche überfordert, allein und einsam vor. Sie sind daher dankbar für das Band der gegenseitigen Fürbitte im Leibe Christi, das sie nicht nur mit den lebenden, sondern auch mit den durch den Tod hindurchgegangenen Heiligen verbindet. Denn der Tod hat seit Christi Tod und Auferstehung nicht mehr die Macht, die Liebesgemeinschaft im Leibe Christi, wo die stärkeren für die schwächeren Glieder eintreten, zu unterbinden. In der Erfahrung dieses gegenseitigen vor Gott Einstehens wird sichtbar, dass der Tod entmachtet ist. Es gilt nur immer wieder darauf zu achten, dass nicht die Gemeinschaft der Glieder untereinander die Gemeinschaft mit ihrem Haupte, Christus, vergessen macht oder zurücktreten lässt. Denn nur in der Gemeinschaft mit Christus ist die Gemeinschaft der Heiligen in der Kirche keine Illusion.

Biblische Begründung: 1 Kor 12,12-27; Kol 3,12-16, Eph 6,18.



Bestimmt werden im Folgenden auch weitere Fragen auftauchen

Dank nochmals und Grüße,
rln


Zurück zu „Verhältnis zu anderen Konfessionen“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste