Was ist unsere orthodoxe Antwort zu diesen Aussagen ?

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Matwej
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Was ist unsere orthodoxe Antwort zu diesen Aussagen ?

Beitragvon Matwej » 13.07.2010, 18:45

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„Einheit zu 97 Prozent erreicht“

Die Kircheneinheit zwischen katholischen und orthodoxen Christen ist nach den Worten des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller „zu 97 %“ erreicht. Es gebe keine Differenzen im Bekenntnis, bei Sakramenten und Ämtern, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofkonferenz in Regensburg. Ein Problem stellten unterschiedliche Mentalitäten und historische Verwerfungen im Zuge des Ost-West-Konflikts dar. Vor allem unter russischen Bischöfen und Theologen seien anti-westliche Vorurteile stark verbreitet.
Letztes theologisches Hindernis seien Unterschiede im Verständnis des Papstamtes, erläuterte Müller. „Meines Erachtens wird die Primatslehre des Ersten und Zweiten Vatikanischen Konzils von der orthodoxen Seite nicht richtig aufgefasst.“ Eine gewisse Schwierigkeit stelle für die Orthodoxen das in der lateinischen Theologie ausgeprägte römische Rechtsdenken dar. Hier gebe es aber kleine Fortschritte, zuletzt bei einem Spitzentreffen zwischen katholischen und orthodoxen Theologen vor wenigen Wochen auf der griechischen Insel Rhodos.

Müller sagte, bei voller Kirchengemeinschaft spräche nichts dagegen, dass die orthodoxen Patriarchen gleichberechtigt mit den katholischen Kardinälen auch den Papst wählten. Ziel des ökumenischen Dialogs sei nicht der Konfessionswechsel, sondern „die vorhandene Communio voll zum Ausdruck zu bringen“.-
Der Bischof äußerte sich vor theologischen Gesprächen der Deutschen Bischofskonferenz mit dem Moskauer Patriarchat vom 7. bis 10. Dezember 2009 im niederbayerischen Kloster Weltenburg.

aus: „Der Christliche Osten“ LXV/2010/1 S:58
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Was ist unsere orthodoxe Antwort auf die Aussagen dieses römisch- katholischen Bischofs ?
Was können wir im Dialog mit den röm.Katholiken diesem Text entgegenhalten ?
Was ist eine angebrachte Reaktion ?

peter
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Re: Was ist unsere orthodoxe Antwort zu diesen Aussagen ?

Beitragvon peter » 13.07.2010, 20:10

Liebe Freunde,

erst wenn der Papst sich wieder als "Patriarch des Westens" oder Abendlandes begreift, und nicht als stellvertretendes Oberhaupt der gesamten Christenheit, wird die Einheit mit der konziliar verfaßten Orthodoxie erwägenswert. Daß die Kardinäle in der Pyramide der global agierenden Römer den frei gewählten Patriarchen mit ihrer Zuständigkeit gleichgestellt werden, ist eine ekklesiologische Anmaßung, mit dem von alters her bekannten Ziel, legitime Amtsinhaber zu verdrängen, auszutauschen (zu "latinisieren"). Von den dogmatischen Differenzen ist hier noch gar nicht die Rede. Mich wundert immer wieder, wie unfähig römische Katholiken sind, die listigen Machtstrategien ihres Apparates zu erkennen, bzw. wie willig und stolz sie sich in dieses "böse" Spiel einfügen.

peter
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Nassos
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Re: Was ist unsere orthodoxe Antwort zu diesen Aussagen ?

Beitragvon Nassos » 13.07.2010, 20:11

Das lahangeeee Warten hat jetzt Schluß! Wählen Sie gleichberechtigt den Papst mit, liebe orthodoxe Bischöfe.
Zum Sommerschlussverkauf haben sie nicht ein, nicht zwei, nein, Sie haben sogar drei Stimmen.

Ist das nicht fantastisch?

Profitieren Sie von einer schnellen Anmeldung und erhalten Sie das limitierte Geschenk für Schnellentschlossene: eine Privataudienz. Mit mir.
Schismatiker? Häretiker? Dahas war gestern, liebe Zuschauer! Nach der WM-Euphorie und dem jüngsten aller Propheten, dem in vielen spanischen Städten und Dörfern zum Ehrenbürger ernannten Paul, wollen wir alle gemeinsam feiern.

... Wir unterbrechen jetzt für ein spannendes Abenteuerspiel ("Reise nach Jerusalem") und melden uns gleich wieder zurück, also: schalten Sie nicht um....

holzi
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Re: Was ist unsere orthodoxe Antwort zu diesen Aussagen ?

Beitragvon holzi » 13.07.2010, 21:13

@Nassos: BRÜLLOS MAXIMOS!!! :lol:
@alle: Da hat mein Bischof sich wieder ein bisschen arg weit aus dem Fenster gelehnt. Jeder weiß doch, daß es eine Annäherung erst dann geben kann, wenn vorher der Papst und alle Kardinäle jeweils zehn Jahre die Latrinen von Athosklöstern geschrubbt haben... :roll:
Das Christentum nimmt den Menschen, wie er ist, und macht ihn zu dem, was er sein soll. (Adolph Kolping 1813-1865)

Mops
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Re: Was ist unsere orthodoxe Antwort zu diesen Aussagen ?

Beitragvon Mops » 13.07.2010, 21:54

besser ich schweige... :shock:
wenn ich sowas lese, fällte es mir sehr schwer respektvoll zu bleiben... aber Holzi hat es schon mit etwas Humor versehen :angle:
dabei belassen wir es lieber..

Ehemaliger

Re: Was ist unsere orthodoxe Antwort zu diesen Aussagen ?

Beitragvon Ehemaliger » 14.07.2010, 12:04

@ Nassos: Volltreffer! danke :c8l:

Bei aller Fröhlichkeit erschüttert mich immer wieder mal zwischendurch wie wenig römische Geistliche von den Gegebenheiten innerhalb der Orthodoxie wissen. Man stelle sich mal den Aufschrei innerhalb der Orthodoxie vor, gingen die Patriarchen wirklich nach Rom um dort, (ach wie geangenähert) den römischen Papst mitwählten...
Dass das solch an sich kluge Köpfe wie der des Bischofs Müller überhaupt zum Besten geben zeugt nicht nur von Unverstand sondern von Unwissen. Ich raff' es nicht.

Kann das denn wirklich so plump gemeint sein, dass ein solcher Schritt die Quasi-Anerkennung (durch die Hintertür) des von uns wahrhaft seit Jahtausenden nicht gefundenen 'Petrusamtes' bedeutete? Ebenso wie die plumpen Einladungen von JP II sich am GEspräch 'über das Petrusamt' zu beteiligen?? Oder hat es keiner gemerkt, dass nur Rom und sonst niemand das Petrusamt kennt..... so wie man nur bei den Protestanten das sola sonstwas kennt?

ICH FASS ES NICHT!

Es gibt Orhtodoxie auch jenseits aller Bücher und Würdenträgertreffen ! Liebe Katholiken, versucht das doch mal euren Bischöfen beizubiegen

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Re: Was ist unsere orthodoxe Antwort zu diesen Aussagen ?

Beitragvon Andromachi » 14.07.2010, 13:56

Matwej hat geschrieben:Die Kircheneinheit zwischen katholischen und orthodoxen Christen ist nach den Worten des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller „zu 97 %“ erreicht.

Dieses Zitat erinnerte mich an etwas, was ich gelesen habe (Entschuldigung für den folgenden groben Vergleich): Das DNA des Menschen ähnelt zu 98% mit dem des Affen. Aber die restlichen 2% machen den Unterschied. Nun ...

holzi
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Re: Was ist unsere orthodoxe Antwort zu diesen Aussagen ?

Beitragvon holzi » 14.07.2010, 16:46

Vermutlich war der Hintergrund dieser Aussagen, dass sich Bischof Müller im Dezember noch als möglicher Nachfolger für den damals kurz vor der Pensionierung stehenden Kardinal Walter Kasper als Vorsitzender der Kommission für die Einheit der Christen in Erinnerung rufen wollte. Nun ist aber der Basler Bischof Kurt Koch dazu ernannt worden und Bischof Müller bleibt in Regensburg. :(
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Re: Was ist unsere orthodoxe Antwort zu diesen Aussagen ?

Beitragvon Ehemaliger » 14.07.2010, 17:31

Lieber Holzi,

wenn es ja nicht so traurig wäre...

es mag sein, dass Bischof Müller sich auszeichnen wollte, aber dann war das entweder undurchdacht oder sehr durchdacht.

Denn wenn die Orthodoxie auf irgendeine auch noch so harmlos und liebevoll erscheinende Art den Papst den Bischof von Rom und (was er nicht mehr ist) den westliche Patriarchen 'legitimieren' würde, dann ist beim übernächsten Male das Herz des lieben Heiligen Vaters in Rom sooo weit, dass auch der Erzbischof von Canterbury und der Ratsvorsitzende der Lutheraner 'eingeladen' wären (denn schliesslich muss der liebe Heilige Vater für alle da sein). Und in 200 Jahren hiesse es dann: Was habt ihr euch so, dass der Papst für uns alle spricht (lies: Primat), ihr habt ihn doch mitgewählt...... Und wir alle hätten eben das durch die normative Kraft des Faktischen geschaffen, dass wir endlich "eine Verbindung" mit dem Petrusnachfolger haben :welcome1: :oopsp:

Ich sag ja, wenn es nicht so traurig wäre, man könnte fast vor Wonne mit den Augen zwinkern ob der Schlitzäugigkeit.
Glaub mir, das können bei solch einem Thema in der Orthodoxie die allerwenigsten

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Re: Was ist unsere orthodoxe Antwort zu diesen Aussagen ?

Beitragvon holzi » 14.07.2010, 19:54

Benedikt hat geschrieben:Lieber Holzi,

wenn es ja nicht so traurig wäre...

es mag sein, dass Bischof Müller sich auszeichnen wollte, aber dann war das entweder undurchdacht oder sehr durchdacht.
Beides: wer ihn näher kennt, weiß daß er sehr intelligent ist und daher manchmal auch dumme Sachen sagt. :P
Das Christentum nimmt den Menschen, wie er ist, und macht ihn zu dem, was er sein soll. (Adolph Kolping 1813-1865)

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Re: Was ist unsere orthodoxe Antwort zu diesen Aussagen ?

Beitragvon Florianklaus » 15.07.2010, 10:41

Andromachi hat geschrieben:
Matwej hat geschrieben:Die Kircheneinheit zwischen katholischen und orthodoxen Christen ist nach den Worten des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller „zu 97 %“ erreicht.

Dieses Zitat erinnerte mich an etwas, was ich gelesen habe (Entschuldigung für den folgenden groben Vergleich): Das DNA des Menschen ähnelt zu 98% mit dem des Affen. Aber die restlichen 2% machen den Unterschied. Nun ...



Die Orthodoxie mit Affen zu vergleichen, weil sie nicht zu 100% mit der römischen Kirche übereinstimmt, finde ich höchst unpassend.

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Re: Was ist unsere orthodoxe Antwort zu diesen Aussagen ?

Beitragvon Florianklaus » 15.07.2010, 13:07

peter hat geschrieben:Liebe Freunde,

erst wenn der Papst sich wieder als "Patriarch des Westens" oder Abendlandes begreift, und nicht als stellvertretendes Oberhaupt der gesamten Christenheit, wird die Einheit mit der konziliar verfaßten Orthodoxie erwägenswert. Daß die Kardinäle in der Pyramide der global agierenden Römer den frei gewählten Patriarchen mit ihrer Zuständigkeit gleichgestellt werden, ist eine ekklesiologische Anmaßung, mit dem von alters her bekannten Ziel, legitime Amtsinhaber zu verdrängen, auszutauschen (zu "latinisieren"). Von den dogmatischen Differenzen ist hier noch gar nicht die Rede. Mich wundert immer wieder, wie unfähig römische Katholiken sind, die listigen Machtstrategien ihres Apparates zu erkennen, bzw. wie willig und stolz sie sich in dieses "böse" Spiel einfügen.

peter


Mich wundert immer wieder, daß orthodoxe Christen Annäherungsversuche von Katholiken als "listige Machtstrategien" mißverstehen. Dieses tief sitzende Mißtrauen kann man wohl nur noch durch ein historisches Elefantengedächtnis erklären. In der heutigen Zeit entbehrt es jeder Grundlage.

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Re: Was ist unsere orthodoxe Antwort zu diesen Aussagen ?

Beitragvon Anastasis+ » 15.07.2010, 13:56


Mich wundert immer wieder, daß orthodoxe Christen Annäherungsversuche von Katholiken als "listige Machtstrategien" mißverstehen. Dieses tief sitzende Mißtrauen kann man wohl nur noch durch ein historisches Elefantengedächtnis erklären. In der heutigen Zeit entbehrt es jeder Grundlage.


Lieber Florianklaus,

Solange solche Aussagen von hohen Würdenträgern der Katholiken getätigt werden und als Annäherungsversuch gemeint sein sollen, sehe ich wenig Möglichkeiten für die röm. - kath. Kirche für eine Einheit mit der Orthodoxie.

Umkehr ist der Weg zu Gott und zur Einheit Seiner, der einen, Kirche.
Meine Hoffnung ist der Vater,
meine Zuflucht der Sohn,
mein Schutz der Heilige Geist.
Heilige Dreiheit, Ehre sei dir.

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Re: Was ist unsere orthodoxe Antwort zu diesen Aussagen ?

Beitragvon Florianklaus » 15.07.2010, 14:10

Anastasis+ hat geschrieben:

Mich wundert immer wieder, daß orthodoxe Christen Annäherungsversuche von Katholiken als "listige Machtstrategien" mißverstehen. Dieses tief sitzende Mißtrauen kann man wohl nur noch durch ein historisches Elefantengedächtnis erklären. In der heutigen Zeit entbehrt es jeder Grundlage.


Lieber Florianklaus,

Solange solche Aussagen von hohen Würdenträgern der Katholiken getätigt werden und als Annäherungsversuch gemeint sein sollen, sehe ich wenig Möglichkeiten für die röm. - kath. Kirche für eine Einheit mit der Orthodoxie.

Umkehr ist der Weg zu Gott und zur Einheit Seiner, der einen, Kirche.



Lieber Anastasis,

da will ich Dir nicht widersprechen. Aber muß man der anderen Seite immer gleich unlautere Motive unterstellen?

Ehemaliger

Re: Was ist unsere orthodoxe Antwort zu diesen Aussagen ?

Beitragvon Ehemaliger » 15.07.2010, 14:12

Lieber Florianklaus,


da muss man gar kein solch ein Elefantengedächtnis haben und beim 4. Kreuzzug anfangen. Je nach Interpretation ist die Situation zwischen Orthodoxie und Rom sehr leicht miss- oder auch (freundlich betrachtet) variabel zu interpretieren.

Allein der Ansatz:
Entweder JP II mit der Einladung über etwas zu reden, was es unserer Meinung seit 2000 Jahren nicht gibt und damit eine 'Quasi-Anerkennung' zu erreichen. Was ist daran misszuverstehen, wenn man nun die von römischer Seite so hoch theologisierte Primatsstellung des Bischofs von Rom im Hinterkopf hat?

Oder jetzt, die Einladung den Bischof von Rom mitzuwählen? Ja warum denn um Alles in der Welt? Was hat denn der Patriarch von Serbien oder Moskau mit der Wahl des Bischofs von Rom zu schaffen ? (wenn es nicht der 'Legitimisierung' des Papst'amtes' dienen soll?)

Ich kann dem Ganzen keinen ökumenischcen Charme abgewinnen, da ich von der Harmlosigkeit der 'Angebote' nicht so recht überzeugt bin.

Lieben Gruss
Benedikt


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