Andere Religionen

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Milo
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Andere Religionen

Beitragvon Milo » 01.11.2006, 13:26

Grüß Gott miteinander,


welche der übrigen Religionen in der Welt kommen mit dem Christentum noch am meisten klar? Ich meine, wo gibt es am wenigsten Reibereien, Kriege, Polemik...? Und warum?


unwissender br. milo

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Sebastian
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Re: Andere Religionen

Beitragvon Sebastian » 01.11.2006, 16:34

administrator hat geschrieben:Grüß Gott miteinander,


welche der übrigen Religionen in der Welt kommen mit dem Christentum noch am meisten klar? Ich meine, wo gibt es am wenigsten Reibereien, Kriege, Polemik...? Und warum?


unwissender br. milo


Gute Frage!

Leider habe ich momentan eher weniger Zeit mich näher damit zu befassen, fokusiere es aber mal auf eine der Weltreligionen:

Buddismus

Mal abgesehen, dass hinsichtlich theologischer Fragen in vielen Teilen im wahrsten Sinne des Wortes "Welten" liegen, habe ich dennoch bemerkt, dass sog. Reibereien, Kriege etc. zwischen Christen und Buddisten eher selten sind. Woran liegt dies? Ein möglicher Grund könnte in den verschiedenen geographischen Konzentrierungen liegen. Gibt es darüber hinaus Hinweise im Hinblick auf die Lehre dieser Religion, dass z.B. Gewalt kaum zu Tage tritt?

gespannt

Sebastian

holzi
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Beitragvon holzi » 02.11.2006, 08:52

Lieber Sebastian, liebe Forumsgemeinde,

der Buddhismus unterscheidet sich vom Christentum dahingehend, dass er an sich ja gar keine Religion sein will, sondern zuallererst einmal eine Lebensweise, eine Philosophie sein will, die den Menschen eine Selbsterlösung verschaffen soll. Da Siddharta aber aus dem hinduistischen Umfeld stammte, besitzt auch das philosophische System des Buddhismus viele hinduistisch geprägte Präsuppositionen, wie eben die Lehre der Reinkarnation etc.

Noch kurz ein Wort zu den Kriegen mit Buddhisten: es gab und gibt sehr wohl Kriege zwischen Christen und Buddhisten, man denke an die Gräuel von Vietnam, Kambodscha, auch der Russisch-Japanische Krieg von 1905 war gewissermassen ein Krieg zwischen Christen und Buddhisten. Es wurden halt - und das halte ich für bedeutsam - nie religiöse Fragen als Kriegsgründe missbraucht! Es ging stets um so banale Sachen wie Macht, Einfluss und Geld.

Grüße
Konrad

Milo
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Beitragvon Milo » 02.11.2006, 09:40

Da Siddharta aber aus dem hinduistischen Umfeld stammte, besitzt auch das philosophische System des Buddhismus viele hinduistisch geprägte Präsuppositionen, wie eben die Lehre der Reinkarnation etc.


Hallo Konrad.

Ist es aber nicht so, das Buddhismus vor dem Hinduismuss entstand?
Der Hinduismuss war doch eigentlich eine religiös-emotionale Reaktion auf das "gottlose Gedankensystem" des Siddharta. Oder?
Was du ansprichst betrifft die vedisch-brahmanistische Epoche.

Gruß

Milo

Walter
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Beitragvon Walter » 02.11.2006, 14:30

Hallo Milo!

Milo hat geschrieben:Ist es aber nicht so, das Buddhismus vor dem Hinduismuss entstand?
Der Hinduismuss war doch eigentlich eine religiös-emotionale Reaktion auf das "gottlose Gedankensystem" des Siddharta. Oder?

Hinduismus ist so eine Art Sammelreligion aller Nicht-Moslems, -Buddhisten, -Christen etc. in Indien, deren Ursprung weitaus älter als der Buddhismus ist. Sogesehen ist der Hinduismus vielleicht auch das Beispiel für toleranten Umgang mit anderen Religionsformen, denn die verschiedenen darin zusammengefassten Richtungen sind untereinander wesentlich heterodoxer als die drei großen monotheistischen Weltreligionen.

Wie Sebastian und Konrad denke auch ich, dass der Buddhismus die tolleranteste aller Religionen ist, oder anders ausgedrückt: Siddharta hat Toleranz zur Religion gemacht.

Prinzipiell kann man daraus ableiten, dass die Zahl der Götter und die persönliche Beziehung zu ihnen eine wichtige Rolle spielt: Da der Buddhismus gar keine Götterpersonen kennt, können diese auch nicht eifersüchtig auf andere sein. Auch Anhänger polytheistischer Religionen haben prinzipiell weniger Probleme, ihrer Götterschar noch andere hinzuzufügen. Monotheismus duldet per Definition keine Konkurrenz.

Eine andere Frage (darauf wolltest Du wohl hinaus) ist, wie die einzelnen Religionen ihren Anhängern vorschreibt, mit Andersgläubigen umzugehen. Ein Gewalt-Ranking zu erstellen, halte ich aber aus zwei Gründen für problematisch:
  1. Neben den von Konrad aufgeführten eher individuellen Kriegsgründen ist (m.E. sogar hauptsächlich) auch Nationalismus und ethnische Verschiedenheit zu nennen. Schon im (religionsneutralen) Tierreich spielt die Behauptung des eigenen Rudels (Dachse, Wölfe) oder Volkes (Ameisen, Termiten) auch gegen über anderen Rudeln/Völkern der gleichen Art oder Rasse eine wichtige Rolle ? allein um das eigene Überleben zu sichern.

    Wie im AT schön beschrieben, schleppten die frühen Völker ihre Götter wie Angehörige oder besser Führer mit und zwangen sie besiegten Völkern wie ihre Herrscher und Gesetze auf ? ganz unahängig von der Religion.

    Die Entwicklung der Philosophie kann auch als Konkurrenzmodell zur (Gott-)Religion gesehen werden: Die Lehren des Konfuzius, der Buddhismus, die griechische Philosophie (auch wenn aus Konfliktvermeidung die Existenz und Ehrwürdigkeit der Götter kaum geleugnet wurde), später im islamischen Sufismus: Diese Unabhängigkeit machte erst eine (friedliche) Verbreitung auf andere Völker möglich. Das Christentum verbindet erstmals eine Philosophie (wenn man die Bergpredigt so versteht) mit dem Glauben an einen sehr persönlichen Gott, im Islam wird zudem ein zwar für damalige Verhältnisse sehr gerechtes Staatsmodell mit eingebunden, was aber natürlich auch zu Gewaltanwendung führen kann (aber nicht zwangsläufig muss).
  2. Nun muss man aber eingestehen: Fast jede Religion birgt einen mehr oder weniger großen Spielraum für Gewalt(rechtfertigung). Ein friedlicher Islam ist also ebenso möglich wie die gewaltsame Mission im Christentum (damit gerechtfertigt, dass Ungetaufte ebenso wie Häretiker und Schwerverbrecher in der Hölle enden, und entsprechend gleich behandelt werden dürfen, wie uns die Geschichte lehrt). Auch der Buddhismus garantiert keine Gewaltfreiheit, denn er ist so tolerant, dass er kaum einen Unterschied zwischen den Leiden macht, die der Mensch sich und anderen zufügen kann.
LG
Walter
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Milo
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Beitragvon Milo » 03.11.2006, 08:31

Hallo Walter!

Hinduismus ist so eine Art Sammelreligion aller Nicht-Moslems, -Buddhisten, -Christen etc. in Indien, deren Ursprung weitaus älter als der Buddhismus ist.


Das kann man so nicht sagen, denn es hat seine gewisse Chronologie und Theogonie in dem ganzen Geschehen der "indischen" Religionen.
Vedismus -> Brahmanismus -> Buddhismus/Jainismus -> und als Reaktíon daruf, durch die Rückbesinnung auf "indische Göttertradition" manifestiert sich der Hinduismus. Was dieser später alles in sich birgt, da hast du Recht was du sagtest.

Zum Thema : Gewalt-Ranking.

Nun ungefähr wollte ich das schon so wissen, aber eher aus diesem "Verständnis von Gott" heraus.
Was empfinden diese Religionen gegenüber den Anderen? Werden sie akzeptiert, oder tolleriert, oder gar bekämpft (in erster Linie durch Lehre/THeorie aber dann auch durch körperliche Gewalt) ?
Hier speziell, was empfinden sie gegenüber dem Christentum?

Auf Weiterdiskusion freuend,

dein Milo


ps. wo warst du segeln bei der Jahreszeit? :wink:

Milo
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Beitragvon Milo » 05.11.2006, 15:53

Also Brüder und Schwestern,

welche Erfahrung habt Ihr persönlich gemacht oder euere Bekannte, wenn Ihr jemandem nichtchristlichen Glaubens begegnet seid? Über Islam haben wir schon etwas mehr gesprochen, aber was ist mit Judentum, HInduismus, Buddhismus, Taoismus...oder Naturreligionen?

Kennt ihr zB. religiöse Mischeehen? Wie funktionieren diese?


Grüßend....

milo

Nassos
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Beitragvon Nassos » 15.12.2007, 01:31

Hallo Milo,
liebe Forumsbesucher,

zu später Stunde noch ein kurzer Bericht von mir. Ich hatte die Gelegenheit, beruflich einige Länder zu besuchen, mit den verschiedensten Religionen.
So war ich zum Beispiel in Indien, in Japan und in Südkorea. Natürlich war der Kontakt zu den Leuten hauptsächlch beruflicher Natur, aber speziell in Indien hatte ich am meisten Kontakt in dieser Hinsicht. Die Kollegen nahmen sich die Zeit, mich über das Wochenende auszuführen, und natürlich waren da Besuche von Tempeln in Bangalore und Mysore angesagt.

Gegenüber Christen, denke ich, läuft das in geregelten Bahnen, immerhin sind 10% der Inder christlich (katholisch?), wenn ich recht informiert bin (man erkennt einen Christen an den etwas einfacher auszusprechenden Namen :wink: ). Die Leute waren immer begeistert, wenn ich mit ihnen einen Tempel besuchte (so wie wenn ich begeistert wäre, ihnen eine Kirche zu zeigen). Man erzählte mir immer sehr viel über Krishna, Ganesha, ... Interessant fand ich die Aussage einer Kollegin, wonach es wohl ein Buch gibt, in dem das Schicksal jedes Menschen beschrieben steht. Sie hat den Ort aufgesucht, und sich über sich selber informiert. Mir lief es kalt den Rücken rauf und runter.
Ich muß hier zugeben, dass mir die Religiosität der Inder sehr gefallen hat. Die Religion ist sehr im alltäglichen Leben integriert, aber es resultiert hier auch eine gewisse Schicksalergebenheit.
Anekdote: es war eine zeitlang eine indische Kollegin hier tätig. Jeden Morgen, während der Rechner hochlief, versank sie in absolute Stille, die Augen zu. Ich fragte sie einmal, ob alles in Ordnung mit ihr sei, und sie sagte mir, sie bete jeden Tag vor der Arbeit. Ich schämte mich ob meiner Frage, ich hätte es mir denken können - und außerdem hatte ich sie dabei gestört.
Auf den Rückflug über Bombay (Mumbay) sind mir die sehr vielen bewaffneten Patroullien auf dem Flughafen aufgefallen. Es waren Sicherheitsmaßnahmen vor terroristischen Anschlägen, die man aus Pakistan befürchtet. Das Verhältnis der zwei Staaten sowie der religiöse Hintergrund ist wohl bekannt.

In Japan sowie in Korea gibt es auch christliche Minderheiten, mir sind jedoch keine Reibungspunkte bekannt. Zwar wurden in Japan vor Jahrhunderten wohl einige christliche Missionare hingerichtet (ich glaube sogar durch Kreuzigung), aber heutzutage gibt es da wohl durchaus sehr viel Toleranz.

In Südkorea hat einer meiner koreanischen Kollege - ein sehr lieber Freund von mir - seinen Sohn christlich taufen lassen (ich fragte allerdings nicht nach der Konfession). Erstaunt hat mich das schon etwas, da beide Elternteilen Nichtchristen sind.
Außerdem gibt es sehr sehr viele Kirchen in Südkorea. Leider hatte ich nie die Zeit und Gelegenheit eine orthodoxe Kirche aufzusuchen, denn in Korea waren meine Arbeitszeiten weit über dem, was man in Deutschland gewohnt ist.
Nordkorea war natürlich nie im Programm, aber soviel ich weiß, gibt es in Pyeong-yang eine orthodoxe Kirche.

Mein Eindruck war - und ich denke das ist nichts Neues - wie stark der Glaube doch geprägt ist von der Kultur und der Mentalität der Völker.

Generell bin ich in diesen Ländern stets warm und herzlich aufgenommen worden - aber wie gesagt, da ich nicht dort lebe, habe ich keine Alltagserfahrung machen können. Ich habe auch nie eine religiöse Diskussion angestoßen, nur Informationen erfragt.

Mein Eindruck ist daher: große Toleranz gegenüber dem Christentum.

Annyoenghi kesseyo :wink:
Nassos


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