Frauenweihe

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Sebastian
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Frauenweihe

Beitrag von Sebastian » 11.09.2006, 21:36

Was gibt es dazu zu sagen?

1. "Theologische Begründung" der Priesterinnenweihe/Bischöfinnenweihe in anderen chr. Gemeinschaften.

2. Gründe der Ablehnung solcher "Ämter".

Ich weiss aus der Hl. Schrift, dass es Frauen gab, die als Jüngerinnen (Tabitha Apg. Kap. 9) bezeichnet wurden, wohl aber nicht als Priesterinnen/Bischöfinnen geschweige denn Apostolinnen.

Grüsse
Sebastian

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Sebastian
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Beitrag von Sebastian » 11.09.2006, 21:57

Walter,

da du von Diakonissen in der Urkirch schriebst im ÖRK Thread, magst du mehr dazu schreiben? Quellen?

Danke

Sebastian

Walter
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Diakoninnen

Beitrag von Walter » 11.09.2006, 22:13

Geschichte

Bereits in der Bibel wird eine Frauen erwähnt, die das Amt eines Diakons ausübt: Phoibe (Phöbe), die Diakonin von Kenchreai, die den Römern den Brief des Paulus überbringt (Röm 16,1). Außerbiblisch erwähnt Plinius um 112 zwei weibliche Diakone. Sowohl Clemens von Alexandria als auch Origenes interpretieren Paulus so, dass es männliche und weibliche Diakone gegeben habe.

Die apostolische Didache sagt:
?Deshalb, o Bischof, sollst du um dich Arbeiter der Gerechtigkeit berufen, die dir lebenslange Helfer sind. Unter allen Leuten sollst du die, die dir gut erscheinen als Diakone wählen und berufen, einen Mann um viele nötige Dinge zu tun und eine Frau für den Dienst an den Frauen. Denn es gibt Häuser, wohin du den Diakon nicht zu Frauen senden kannst wegen der Heiden, sondern du sollst die Diakonin senden. Denn es ist auch in vielen andern Dingen das Amt einer Frau erforderlich.?

Im vierten, fünften und sechsten Jahrhundert werden Diakoninnen von allen führenden Kirchenvätern des Ostens erwähnt, und in den Kirchenannalen werden zahlreiche Diakoninnen namentlich erwähnt. Das weibliche Diakonat galt als ehrenvolles Amt, dem zahlreiche begabte Frauen von hohem Rang angehörten. In der Hagia Sophia gab es unter Justinian I. vierzig Diakoninnen, kleinere Gemeinden hatten bis zu sechs Diakoninnen.

In der byzantinischen Kirche gab es bis zum 12. Jahrhundert Diakoninnen, in der Westkirche, wo sie allgemein weniger vertreten waren, bis zum 8. Jahrhundert.


Ordination

Diakoninnen wurden formell ordiniert und sowohl im kirchlichen als auch im zivilen Recht ebenso wie Diakone zur Geistlichkeit und nicht zu den Laien gezählt.

In der Apostolischen Konstitution werden Diakoninnen nach den Diakonen und vor den Subdiakonen erwähnt. Diakoninnen wurden ordiniert, indem ihnen der Bischof in Gegenwart der Priester und Diakone und Diakoninnen die Hände auflegt. Die Worte des Ordinations-Rituals waren gleich für Diakone und Diakoninnen.

Die ökumenischen Konzilien von Nicea (325) , Chalcedon (451) und Trullo (692) erwähnen die Ordination von Diakoninnen.


Bekannte Diakoninnen

Diakoninnen waren beispielsweise

(Quelle: Wikipedia)
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Walter
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Beitrag von Walter » 11.09.2006, 22:19

Siehe vor allem den Beitrag "Frauendiakonat in der Orthodoxen Kirche" von Vater Peter hier im Forum.
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Walter
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Re: Frauenweihe

Beitrag von Walter » 12.09.2006, 00:09

Sebastian hat geschrieben:Was gibt es dazu zu sagen?

1. "Theologische Begründung" der Priesterinnenweihe/Bischöfinnenweihe in anderen chr. Gemeinschaften.

2. Gründe der Ablehnung solcher "Ämter".
Der Grund zu 1. ist ganz einfach erklärt: Gleichberechtigung von Mann und Frau. Die gilt übrigens auch in der orthodoxen Kirche (s. FRAGE 29 unten).

Die zweite Frage ist auch recht kurz zu beantworten (wenn auch theologisch nicht ganz befriedigend): Es wäre ein mit 1. nicht nicht zu begründender Bruch mit der Tradition der Kirche, für den es zudem keinerlei Notwendigkeit gibt (s. FRAGE 30 unten).

Hätte Christus in Seiner Kirche Apostelinnen, Bischöfinnen und Priesterinnen ausdrücklich gewollt, hätte er wohl in den Kreis der Zwölf mindestens eine wenn nicht gar sechs Frauen aufgenommen.

Die unten angeführten Textauszüge zur Begründung stammen aus dem orthodoxen Glaubensbuch Christus in euch: Hoffnung in Herrlichkeit.
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Walter
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Beitrag von Walter » 12.09.2006, 00:14

FRAGE 29: Zur Erschaffung des Menschen gehört nach orthodoxer Lehre auch seine Erschaffung als Mann oder Frau. Wie ist die geschlechtliche Verschiedenheit der Menschen zu interpretieren?

ANTWORT: Während bei den Vätern der lateinischen Kirche, wie z.B. Augustinus und Thomas von Aquin, die Frau infolge ihres stärkeren Verhaftetseins an die Leiblichkeit kein so vollwertiges Abbild Gottes darstellt wie der Mann, sind nach orthodoxer Auffassung Mann und Frau als Abbild und Ähnlichkeit Gottes gleichwertig, und zwar nicht nur in Blick auf den Urstand, sondern auch auf ihre Erlösung. Darum sagt auch Paulus in bezug auf die in Christus Erlösten: ?Denn ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben an Christus Jesus. Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann noch Frau; denn ihr alle seid in Christus.? Wie hier auch der Frau das Sohnsein und damit Mündigkeit vor Gott zugestanden wird, so spiegelt nach orthodoxer Tradition auch der Mann in seiner Seele Eva und Maria, die verführte Verführerin und die gehorsame Gottesgebärerin, ab. Beide, Mann und Frau, haben also in gleicher Weise Anteil an Adam und Eva, an Christus und der Gottesgebärerin, trotz ihrer naturbedingten Verschiedenartigkeit.

Die Orthodoxe Kirche hat sich deshalb auch immer gegen die Leibfeindlichkeit des Gnostizismus gewandt, durch die sich in frühchristlicher Zeit eine Verachtung der Frau zusammen mit einer Menschwerdung Christi aus der Gottesgebärerin auch in gewisse kirchliche Kreise eingeschlichen hat. Darum ist nach orthodoxer Auffassung die geschlechtliche Verschiedenheit zwischen Mann und Frau nicht als Verschiedenwertigkeit, sondern als Verschiedenartigkeit zu verstehen. [...]


Frage 30: Wie kommt es, dass gerade auch in der Orthodoxen Kirche von einer Gleichberechtigung von Mann und Frau in bezug auf die kirchlichen Ämter nicht die Rede sein kann?

ANTWORT: Zunächst muss man sich klar machen, dass nach orthodoxer Auffassung das kirchliche Amt zu den Gnadengaben im Leibe Christ (den Charismata) gehört, nicht zu den natürlichen, schöpfungsmäßigen Lebensäußerungen des Menschen. Daher kann es kein Rechtsanspruch auf das kirchliche Amt geben, zumal das Amt nicht Herrschaft, sondern Dienst beinhaltet. mag auch in manchen Fällen die Unterdrückung der Frauen durch die Männer von der kirchlichen Hirarchie begünstigt worden sein, so wird das dahinterstehende missbräuchliche Amtsverständnis nicht dadurch korrigiert, dass Frauen sich der kirchlichen Ämter bemächtigen, um damit ihre Gleichberechtigung zu realisieren oder zu dokumentieren. Wer auf diese Weise, d.h. um sich selbst zu bestätigen, nach einem kirchlichen Amt greift, oder ein solches annimmt, ist von vornherein dafür nicht geeignet, d.h. unwürdig (anaxios). Das gilt im übrigen für Männer und Frauen.

Andererseits ist zuzugestehen, dass in der Alten Kirche im gottesdienstlichen Leben die Frauen oftmals auch öffentlich eine vielfältigere Rolle gespielt haben als heute, so dass sie beispielsweise nicht nur als geweihte Witwen und Jungfrauen, sondern auch als Diakonissen und Prophetinnen dienten, allerdings ? so viel wissen wir ? nicht als Priesterinnen. Ob von diesen Ämtern in Zukunft wieder das ein oder andere zu neuem Leben erweckt werden wird oder gar neue hinzukommen, ist eine Frage danach, ob die Gemeinden dessen bedürfen und ob solche Ämter aus theologisch legitimen Gründen wünschbar sind. Das Bischofs- und Priesteramt hat in der Orthodoxen Kirche in bewusstem Gegensatz zu heidnischen Kulten der Antike und häretischen Strömungen wohl nie eine Frau inne gehabt. Die Abgrenzung gegen heidnische Kulte, die mit Sexualität vermischt waren, ist also einer der wesentlichen Gründe dafür, dass der öffentliche Gottesdienst der frühen Christenheit die Dienst der Frau nicht zuließ.

Ein anderer Grund war die Analogie zur jüdischen und römischen Familie, wo der pater familias die häusliche Gemeinschaft rechtlich repräsentierte. Da die Christen sich als familia Dei verstanden, übernahm beim Gottesdienst ein von dem Gemeindegründer (Apostel) eingesetzter Presbyter (Altester) oder Eiskopos (Aufseher) den Vorsitz. Dies wurde vor allem nötig, als gnostizistische Häresien die Einheit der Gemeinden zu zerreißen drohten. Die hierarchischen Strukturen der Kirche sind daher auch historisch bedingt. Doch muss man sich auch hier vergegenwärtigen, dass die hierarchischen Ämter nicht aufgrund einer Deligation von besonderen Funktionen aus dem allgemeinen Priestertum des Volkes Gottes entstanden sind, sondern in Wahrnehmung einer speziellen Berufung in der Amtsnachfolge von Bischöfen, die durch Apostel eingesetzt wurden. Denn das bischöfliche Amt ist nicht primär vom allgemeinen Priestertum abzuleiten sondern von der Berufung der Apostel durch Christus selbst.

Zudem kann man nach orthodoxer Auffassung die historisch gewachsene Organisation der Kirche und ihrer Gottesdienste nicht einfach auswechseln wie ein aus der Mode gekommenes Kleid. Gott ist nicht nur Herr und Schöpfer der Natur, sondern auch der Geschichte. Damit sind geschichtliche Strukturen zwar nicht schlechterdings unwandelbar, aber ? sofern sie wesentliche Dinge betreffen ? nur durch einen Konsens der ganzen Kirche im Heiligen Geist zu verändern. Für eine solche Änderung bedürfte es also ein panorthodoxes Konzils, das als solches nicht nur einberufen, sondern auch von den orthodoxen Gläubigen ganzen Ökumene rezipiert werden müsste. In bezug auf die Zulassung von Frauen zum Priester- oder Bischofsamt ist ein positiver Konsens in der Orthodoxen Kirche nicht in Sicht, vielmehr scheint man weithin darin übereinzustimmen, dass es für eine solche Neuerung keine theologisch legitimierten schwerwiegenden Gründe gibt. Die orthodoxen Frauen streben eine solche Neuerung auch nicht an. [...]
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Milo
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Re: Frauenweihe

Beitrag von Milo » 12.09.2006, 08:34

Walter hat geschrieben:
Sebastian hat geschrieben:Was gibt es dazu zu sagen?

1. "Theologische Begründung" der Priesterinnenweihe/Bischöfinnenweihe in anderen chr. Gemeinschaften.

2. Gründe der Ablehnung solcher "Ämter".
Der Grund zu 1. ist ganz einfach erklärt: Gleichberechtigung von Mann und Frau. Die gilt übrigens auch in der orthodoxen Kirche (s. FRAGE 29 unten).

Die zweite Frage ist auch recht kurz zu beantworten (wenn auch theologisch nicht ganz befriedigend): Es wäre ein mit 1. nicht nicht zu begründender Bruch mit der Tradition der Kirche, für den es zudem keinerlei Notwendigkeit gibt (s. FRAGE 30 unten).

Hätte Christus in Seiner Kirche Apostelinnen, Bischöfinnen und Priesterinnen ausdrücklich gewollt, hätte er wohl in den Kreis der Zwölf mindestens eine wenn nicht gar sechs Frauen aufgenommen.

Die unten angeführten Textauszüge zur Begründung stammen aus dem orthodoxen Glaubensbuch Christus in euch: Hoffnung in Herrlichkeit.
Lieber Walter,

ich stimme mit deinen Antworten hier über ein, aber...
Du hast, denke ich, sicher übersehen, das die Frage1 folgendes beinhaltet: "Theologische Begründung" der Priesterinnenweihe/Bischöfinnenweihe ?
Nicht also Frage nach Diakonissenweihe! Dem nach widerspricht diene Antwort dann zur Orthodoxen Lehre, bzw, zum Text den du angibst aus dem Buch: Christus in Euch- Hoffnung auf Herrlichkeit.

Eine theologische Begründung habe ich in dortiger Antwort auch kurz angeschnitten, damit die Antwort zu Frage 2, bzw. FRAGE30, etwas "befriedigender" dar steht.

Hoffe du nimmst mir meine "Haarspalterei"nicht übel, um der Wahrheit willen musste ich schreiben.

Christus unter uns,

unwissender milo

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Einige zusätzliche Gedanken zur "Frauenfrage"

Beitrag von protopeter » 12.09.2006, 10:40

Liebe Brüder in Christus !

Der vorliegende Themenbereich berührt verschiedenste Aspekte weiblicher Identität innerhalb der Orthodoxen Kirche; im Rahmen diverser Forumsdiskussionen wurde (wie ich meine, nicht immer unbedingt gelungen) I Kor 14,33 - 35 zitiert - jene Perikope, in der der Apostel sagt: "Eure Frauen mögen in den Kirchen schweigen". Nach orthodoxer Exegese dieser Stelle, die sich auf kirchenväterliche Autoritäten (so unter anderem auf Johannes Chrysostomos, Theodoretos von Kyros und Theophylaktos von Ohrid) stützt, nimmt das Mahnwort des Paulus auf einen konkreten Vorfall, der in der Gemeinde für Unruhe sorgte, Bezug; da dieser nun offenbar von Frauen verursacht wurde, kam es zur bekannten Aussage. Entscheidend nach Kenntnisnahme der Schriftoffenbarung und des entsprechenden kirchenväterlichen Konsenses scheint mir die Erkenntnis, daß es nicht im Sinne der orthodoxen Lehre ist, hieraus ein allgemeingültiges Gesetz zu machen und so innerhalb der Kirche eine Spaltung auf Grundlage der Geschlechtszugehörigkeit zuzulassen.

Eine damit verknüpfte und in die Diskussion immer wieder eingebrachte Frage betrifft die "Gleichberechtigung" von Mann und Frau: Dieser juristisch anmutende Terminus scheint im Kontext christlicher Anthropologie nicht unbedngt glücklich gewählt; wenn Johannes Chrysostomos in seinen diesbezüglichen Ausführungen von "isotimia" - "gleiche Würde" - spricht, so ergibt sich daraus eine ungleich weitere Perspektive. In der Exegese der Schöpfungsgeschichte weist dieser Kirchenvater darauf hin, daß der "Mensch" (von ihm als Oberbegriff gesetzt) aus "männlichen" und "weiblichen" (dies ist für ihn eine Bestimmung sekundärer Ordnung), einander ergänzenden Personen besteht. Von diesen Prämissen ausgehend zeigt er zwar eine Aufgabenteilung der beiden Geschlechter, wertet diese in ihrer Bedeutung jedoch nicht.

Die Weihe von Frauen ist - so mag man den Eindruck gewinnen - für eine große Zahl heterodoxer christlicher Bekenntnisse abendländischer Prägung in der Hauptsache eine Frage von "up-to-date-Sein" und ein Gradmesser, wie zeitgeistig und "liberal" diese Gemeinschaften zu sein haben; welche Rolle dabei die Orientierung an Werten der Überlieferung spielt, sei dahingestellt. Wenn jedoch innerhalb der Orthodoxen Kirche mit Blick auf den Frauendiakonat im umgekehrten Sinne dies als "unerlaubte Neuerung" erfaßt wird und die Aussage des griechischen Theologen P. Trembelas: "Viele stellen in Abrede, daß es einen solchen Weihegrad gab" Gültigkeit besitzt, ist auch zu fragen, inwieweit sich diese Kreise der umfassenden orthodox-kirchlichen Tradition bewußt sind oder überhaupt sein wollen.

Wenn man von Erneuerung, Wiederbelebung oder gar "panorthodoxer Annahme" des Frauendiakonates spricht, ist man allzu oft veranlaßt, den diversen gesellschaftlich-kulturellen Entwicklungen des entsprechenden orthodoxen Umfeldes Tribut zu zollen - so zeigten Umfragen, daß die Akzeptanz weiblicher Diakone in Nordamerika oder Westeuropa wesentlich größer sein würde als in den "traditionell" orthodoxen Gesellschaften Südost-, und Osteuropas. Eine interessante Ausnahme stellt hierbei eben Griechenland dar (dies gründet sich unter anderem auf die große Wertschätzung des Hl. Nektarios von Ägina, der dieser Idee neuen Schwung verlieh) - im Jahre 2004 beschloß die Synode der Kirche von Hellas, das Diakoninnenamt als ständige hierarchische Institution zu reaktivieren.

Mit meinen besten Segenswünschen und brüderlichen Grüßen,
Erzpr. Peter

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Bibel-Zitat Ja wir sind gleich, brauchen aber kein Amt dafür

Beitrag von talitaNeu » 12.09.2006, 16:45

Meine Lieben,
also wie Walter sagt, finde ich die Stelle im Brief an die Galater schon recht eindeutig

Galater 3, V. 28
Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.

Um aus diesem Zitat nicht einen Anspruch auf ein Priesteramt von Frauen erheben zu wollen, füge ich hinzu, dass ich persönlich nicht danach strebe. Es sei denn, Gott würde es eindringlich von mir verlangen. Ehrlich gesagt ich kann es mir nicht vorstellen.

Da sage ich einfach: es heißt doch: die Kleinsten werden im Reich Gottes die Größten sein. Deswegen Frauen, unsere Zeit wird kommen ;-) Bin heute gerne klein :-)

Nun mal ohne Witz: Vor Gott brauche ich mich ja nicht zu beweisen. Kann nicht sagen, dass ich viel wert bin vor Gott, dafür kann ich aber sagen, dass ich Ihn sehr liebe :-)

(Ich wüßte aber nicht, was gegen einen Dienst als Diakonin sprechen würde. Der Beitag von Vater Peter dazu ist sehr interessant und bestättigt, dass es durchaus möglich war Diakonin zu werden).
Zuletzt geändert von zoki am 12.09.2006, 17:19, insgesamt 1-mal geändert.
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Herr Gott mein Vater, (Psalm 61. V.5)
ich m?chte weilen in deinem Zelt in Ewigkeit, mich bergen im Schutz deiner Fl?gel.

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kleiner Nachtrag zum Thema

Beitrag von protopeter » 12.09.2006, 17:11

Brüder und Schwestern (die in diesem Fall ganz besonders zu grüßen sind) im Herrn !

Sebastian hat mit seiner Eingangsanmerkung über die Jüngerin Tabitha gemäß der Schriftoffenbarung natürlich recht, doch bezeichnet die Orthodoxe Kirche beispielsweise die Hl. Maria Magdalena mit dem besonderen Ehrentitel "Apostelgleiche"; späterhin werden unter anderem die Hl. Nino von Georgien oder die Hl. Olga von Kiev so benannt - dies geschah, um ihre Bemühungen zur Verbreitung des orthodoxen Glaubens in ihren jeweiligen Ländern besonders herauszuheben.

Das von Talita in die Diskussion eingebrachte Galaterbriefzitat gibt darüberhinaus noch eine wesentliche Richtung vor - alle auf den Namen des Dreieinen Gottes Getauften - Männer wie Frauen - werden mit besonderer Verantwortung ausgestattet: Nach orthodoxer Auffassung ist ein jedes Glied der Kirche dazu berufen, Bewahrer der Heiligen Überlieferung zu sein - darin definiert sich unser aller Würde, im wahrhaften Wortsinne "Christusträger" zu sein.

Brüderliche Grüße,
Erzpr. Peter

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Beitrag von Walter » 12.09.2006, 17:43

Es sind in allen christlichen Gemeinschaften die Frauen, d.h. Mütter, die hauptsächlich den Glauben weitergeben. Nicht nur an ihre eigenen Kinder.
Apg 18,26 hat geschrieben:Und dieser fing an, freimütig in der Synagoge zu reden. Als aber Aquila und Priscilla ihn hörten, nahmen sie ihn zu sich und legten ihm den Weg Gottes genauer aus.
Ungewöhnlich für das NT ist sicherlich auch, dass dieser Aquila immer nur zusammen mit seiner Frau Priscilla (auch Priska) erwähnt wird - als ob er allein nicht reden könnte. :roll:

So viel zum Thema "Das Schweigen der Frauen". ;)
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Beitrag von Milo » 13.09.2006, 06:48

Guten Morgen, Christus unter uns!

Nun, da mich das Gefühl nicht verlässt das wir etwas "umherreden",
möchte ich hiermit ganz betont nachfragen, und erhoffe eine eindeutige Antwort darauf.

Ist es historisch (auf Grund apostolischer Überlieferung), ekklisiologisch (Kirchenlehre) und liturgisch (Gottesdienstlehre) annehmbar das Frauen das Priesteramt in der OK besetzen können? Dabei betone ich nochmals, Diakonat ist nicht Priesteramt!

Ich bitte hier nicht um Hypothesen, sondern um nachweisliche Praktiken der Urkirche aufzuzeigen. Danke.

Euer unwürdiger br. milo

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Beitrag von Sebastian » 13.09.2006, 07:54

Hallo lieber Milo,

ich sehe dies als nicht gegeben. Wenn es anders sein sollte hätte Jesus Christus dies doch explizit uns aufgezeigt, oder?

Von der Priesterinnenfrage abgesehen hoffe ich natürlich auf eine starke "Frauenpower" in der Gemeindearbeit.

Grüsse
Sebastian

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Beitrag von protopeter » 13.09.2006, 11:27

Lieber Br. Milo !

Im Versuch, einer Antwort auf Ihre Frage etwas näher zu kommen, hier meine (möglicherweise etwas weitschweifige) Erläuterung zu einigen bereits angesprochenen Themen; es läge mir sehr am Herzen,vielleicht doch auch klärend wirken zu können.

Nach orthodoxem Verständnis sind die Zelebranten der Mysterien Bischöfe und Priester - ihnen ist die Vollmacht zur Verwaltung des liturgischen und sakramentellen Lebens der Kirche überantwortet. Diakone vollziehen seit alters her einen "Assistenzdienst" - entsprechend einer Überlieferung sind sie "zum Dienst des Bischofs bestellt", wurden auch "Auge und Ohr des Bischofs", dem sie "anzeigen, was zu tun nötig ist", genannt. Es war daher nur natürlich, daß sich aus diesem Umstand oftmals ein großes Vertrauensverhältnis entwickelte und (besonders in den ersten Jahrhunderten) ein Diakon zum Nachfolger seines Bischofs gewählt wurde - eines der bekanntesten Beispiele hierfür ist der Hl. Athanasios d. Große von Alexandria.

Wenn Sie - wie ich aus Ihren Ausführungen zu lesen glaube - einen grundsätzlich-substantiellen Unterschied zwischen Priestern und Diakonen (in dem Sinne, daß das Eine vom Anderen durch vollkommene Eigenständigkeit des Amtes getrennt wäre) wahrnehmen wollen, dann ist das so nicht ganz richtig. Die Orthodoxe Kirche kennt drei Stufen des hierarchischen Priestertums: 1. Bischof, der die Gesamtvollmacht des (wie es im kirchlichen Sprachgebrauch heißt) "hohepriesterlichen Dienstes" oder "Erzhirtenamtes" innehat; 2. Priester, dessen Aufgabe es ist, in Gemeinschaft und in "Vertretung" des Bischofs der Tätigkeit als Zelebrant, Hirte und Lehrer nachzukommen und 3. Diakon, dem von alters her eben der schon genannte "Beistand", der vor allem in katechetisch-caritativen Tätigkeiten zum Ausdruck kommen sollte, übergeben war - dieser spezifische Aufgabenbereich wurde eben gerade auch von Diakoninnen abgedeckt.

Ein Erweis, daß nun die verschiedenen Stufen des priesterlichen Dienstes (ich gebrauche hier dieses Wort in seiner umfassendsten Bedeutung !) auf einen gemeinsamen Ursprung, ein einander verbindendes Amtsverständnis zurückzuführen sind, ergibt sich aus dem bis heute in der Orthodoxen Kirche üblichen Weiheritus: Die Chirotonie (Handauflegung) aller drei hierarchischer Ämter findet im Altarraum, am Altar statt; die Weiheformel ist (bis auf die jeweilige unterschiedliche Amtsbezeichnung) vollkommen ident. In der typologischen Deutung der verschiedenen Dienste, wie sie beispielsweise der Hl. Symeon von Thessaloniki zum Ausdruck bringt, wird die Bischofswürde den 12 Aposteln, das Priesteramt den 70 Jüngern und der Diakonat den 7 Diakonen der Urgemeinde zugeordnet.

Aus diesen Vorgaben ist eine eindeutige Trennung der Amtsfunktionen, die jedoch auf einen gemeinsamen Ursprung zurückzuführen sind, zu erkennen. Auf den Diakonat bezogen ist allerdings zu sagen, daß diese Tätigkeit in den slawisch-orthodoxen Traditionen einen gewissen Bedeutungswandel durchmachte - in der Praxis scheint es oftmals, daß die diakonale Funktion lediglich als "Übergangsstadium" gesehen wird; ein Diakon wäre gemäß einer solchen (möglicherweise daraus abzuleitenden) Fehlinterpretation also ein "unvollständiger" Priester. Diese Sichtweise ist (wieder einmal) auf abendländische Einflüsse zurückzuführen - es ist bekannt, daß im römischen Katholizismus über lange Jahrhunderte der Diakonat lediglich als "Zwischenstation" auf dem Weg zum Priesteramt gesehen wurde; erst im II. Vatikanum vor gut vier Jahrzehnten besann man sich dort wieder auf die dieser Funktion zukommende Eigenständigkeit.

Gestatten Sie mir zum guten Schluß noch eine persönliche Anmerkung, die vielleicht auch als Beantwortung Ihrer Frage gelten kann: Angesichts möglicher Mißverständnisse erscheint es mir durchaus nicht unwesentlich, wenn in der laufenden Diskussion auch grundsätzliche Fragen anthropologischer Dimension zum Tragen kommen. So besteht meines Erachtens sehr wohl ein Unterschied in der orthodoxen Argumentation gegen die Ausübung der Weiheämter eines Bischofs oder Priesters seitens einer Frau, wenn man diese mit dem (vollends zutreffenden) Verweis auf das Fehlen entsprechender Evidenzen in der biblisch-patristischen Überlieferung und das dementsprechend nicht vorhandene "Charisma" (im Sinne von I Kor 12) stützt; demgegenüber wäre jedoch eine Diskussion über die Unannehmbarkeit weiblicher Bischöfe und Priester aufgrund eines vorgeblichen substantiellen Defizites von Frauen in ihrem "Wert" und ihrer persönlichen Würde mehr als kontraproduktiv.

Mit den besten Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter
Zuletzt geändert von Anonymous am 13.09.2006, 12:18, insgesamt 1-mal geändert.

Walter
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Beitrag von Walter » 13.09.2006, 12:14

administrator hat geschrieben:Ist es historisch (auf Grund apostolischer Überlieferung), ekklisiologisch (Kirchenlehre) und liturgisch (Gottesdienstlehre) annehmbar das Frauen das Priesteramt in der OK besetzen können? Dabei betone ich nochmals, Diakonat ist nicht Priesteramt!

Ich bitte hier nicht um Hypothesen, sondern um nachweisliche Praktiken der Urkirche aufzuzeigen.
Bist Du der Ansicht, Christen sei alles erst einmal alles verboten, was nicht ausdrücklich in Bibel und anderen Gesetzbüchern (als erlaubt) erwähnt wird?

Das dürfte in manchen Situationen zu Schwierigkeiten führen, denn die meisten Gesetzbücher (so auch die Bibel) gehen den umgekehrten Weg: Es ist erlaubt, was nicht verboten ist.
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