Panorthodoxes Konzil

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Luka Filipp Kiriak
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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitragvon Luka Filipp Kiriak » 23.06.2016, 20:28

Ich mag die kleinen Kirchen sehr. Ich war erst vor knapp zwei Wochen wieder in der tschechischen Kirche zur Liturgie. Dennoch darf es doch nicht sein, dass ein paar Bischöfe einer kleinen Kirche hunderte Bischöfe einer großen Kirche in einem Mehrheitsbeschlusssystem praktisch handlungsunfähig machen können. Deswegen ist bei der derzeitigen Konstellation auf Kreta ein Mehrheitsbeschlusssystem nicht tragbar. Ich hoffe, dass man dieses auf Kreta nicht auch noch einführen wird.

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MariaM
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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitragvon MariaM » 23.06.2016, 22:27

Luka, wenn ich mal neugierig fragen darf :wink: - in welche tschechische Kirche gehst/fährst du denn zur Liturgie?
Womöglich ins Kloster Tesov in Westböhmen (grob in der Nähe von Cheb/Eger und Marienbad), oder...? Da bin ich auch manchmal, wohne aber woanders... Gruss aus CZ :) , M.

Luka Filipp Kiriak
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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitragvon Luka Filipp Kiriak » 25.06.2016, 11:01

Hallo Maria. Ich war mit einigen Freunden aus meiner Gemeinde in Dresden im Februar in Rumburk zur Liturgie. Das ist ja nicht so weit von Dresden, gleich hinter der Grenze. So wie ich weiß, gibt es einige Orthodoxe im Dresdner Raum, die dorthin in regelmäßigen Abständen zu Gottesdiensten fahren. Am Sonntag vor Pfingsten war ich in der tschechischen Stadt Tabor zur Liturgie. Der Name dieser Stadt hat ja schon etwas für sich. Dann gibt es in dieser Stadt auch noch ein Staubecken mit dem Namen Jordan. :) Wir waren in der Nähe von Tabor zu Besuch. Daher bot es sich an, nach Tabor zu kommen. Wir wurden sehr herzlich in der Gemeinde dort aufgenommen. Der Priester hat im Anschluss an die Liturgie sogar eine kleine Ansprache für die noch Anwesenden gehalten, in der er seine Freude darüber zum Ausdruck brachte, wie schön es ist, dass wir aus Dresden nach Tabor gekommen sind und dass wir Orthodoxe alle mit einander verbunden sind, egal ob russische, tschechische Kirche usw. Der Priester selbst ist glaube ich Serbe, auch wenn er jetzt für die tschechische Kirche dient. Er war wirklich sehr nett. Er hat uns dann auch noch eine wirklich riesige Prosphore geschenkt. Das war eine besondere Vorfreude auf das Pfingstfest.

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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitragvon ARI » 26.06.2016, 00:50

wie lange soll den diese Konzil stattfinden ??

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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitragvon Mary » 26.06.2016, 17:27

ARI hat geschrieben:wie lange soll den diese Konzil stattfinden ??


Heute ist es zu Ende gegangen. Wie geplant, und wie ganz leicht in 5 sec rausfindbar.

Man ist auseinandergegangen, nachdem man in den Dokumenten eigentlich den status quo bekräftigt hat. Die wirklich heissen Theman waren ja in den Entwürfen gar nicht enthalten.
Also: kein Weltuntergang passiert, keine bahnbrechende Neuerung, keine häretischen Beschlüsse.

Was draus wird, wird die Zeit zeigen....
Let Your mercy, O Lord, be upon us, as we hope in You.

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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitragvon SebastianS » 26.06.2016, 18:51

Naja, ganz so Friede-Freude-Eierkuchen ist doch nicht alles.

Auf dem Konzil selbst gab es sehr fragwürdige Aussagen. Bei einer theologischen Diskussion zwischen den Metropoliten Hierotheos Vlachos und Johannes Zizioulas sagte der Patriarch von Alexandria wohl so etwas wie: "Wir sind keine Studenten der Theologie, dass wir hier belehrt werden müssen" und dass man sich doch auf praktische Themn stützen sollte und die Einheit wäre das wichtige. Darauf applaudierte die Mehrzahl der anwesenden Bischöfe. Hätten die Bischöfe auf dem ersten Ökumenischen Konzil so wenig für theologisch wichtige Diskussionen übriggehabt, dann wären die Arianer noch Teil der Kirche (es ging damals nur um ein Iota).

Das Dokument zum Verhältnis zu den Heterodoxen wurde auch nur wenig entschärft und ruft immer noch große Fragezeichen bei Einigen hervor. Ich bin gespannt, was noch für Antworten darauf kommen.

Was die Aussagen bei den Pressekonferenzen anbelangt, so wurden dort auch sehr fragwürdige Aussagen getätigt. Der Konzilsprozess wurde da ganz unverhohlen mit Wahlen in einem Staat verglichen und es wurde weiterhin stur behauptet, dass alle Kirchen unterschrieben hätten (mittlerweile gibt es bereits mehrere Klarstellungen aus der Kirche von Antiochien) und dass das Konzil natürlich bindend sei.

Es hat ja keiner erwartet, dass jetzt die dort Anwesenden direkt mit den Katholiken fusionieren, aber es wurden dennoch einige fragwürdige Sachen dort besprochen und beschlossen, die mehr als Fragezeichen hinterlassen. Es wird noch spannend, wie die bisherigen Kritiker der Dokumente nun reagieren, und auch, wie die nicht anwesenden Kirchen mit den Dokumenten umgehen.

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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitragvon Lazzaro » 26.06.2016, 19:31

Lieber Sebastian!
Woher weißt Du denn diese ganzen Details. Die Sitzungen waren nicht öffentlich, deine Kirche nicht anwesend und die Dokumente sind auch noch nicht veröffentlicht :?: :?: :?:
OK die Pressekonferenz des Erzbischofes Hiob war öffentlich. :wink: Aber ich glaube du hast den Herrn Erzbischof nicht ganz verstanden.
Radio Vatican schreibt:
Unruhe kam in der Pressekonferenz von Kreta auf, als die Korrespondentin eines russischen TV-Senders fragte, wie das Konzil denn allgemeingültig sein könne, wo doch vier orthodoxe Kirchen – darunter die russische – nicht vertreten seien. Erzbischof Job antwortete darauf mit einer, wie er sagte, „ganz einfachen Frage“: „Ich vermute mal, Sie kommen aus einem demokratischen Land, in dem jeder wählen kann. Aber leider nimmt in einem demokratischen Land nicht jeder an der Wahl teil. Bedeutet das aber, dass diese demokratische Wahl deswegen ungültig wäre?“
http://de.radiovaticana.va/news/2016/06 ... ht/1239760

Viele Grüße
Lazarus
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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitragvon SebastianS » 26.06.2016, 19:38

Naja, es gibt halt wohl doch so ein paar Beobachter, die sich danach teilweise verplappern. Außerdem haben auch einige Delegationen abends Interviews gegeben. Ist dann natürlich nicht 100%ig sicher. Aber was Wahres wird schon dran sein.

Und wenn Du mir schon ans Bein pinkeln willst, dann solltest Du vielleicht besser bescheid wissen, dass die Dokumente schon längst auf der Webseite stehn ;-)

https://www.holycouncil.org/official-documents

Und jetzt bin ich doch mal gespannt, wie Du mir erklären willst, was der Erzbischof eigentlich gemeint hat. Natürlich hat er nicht gesagt, das Konzil sei eine demokratische Wahl. Aber er hat eine solche als Analogie herangezogen. Wenn er nicht eine gewisse Verwandschaft annimmt, dann macht eine solche Analogie keinen Sinn. Und wie gesagt, ich glaube nicht, dass die russische Kirche es nicht so sieht, dass irgendeiner dieser Beschlüsse für sie bindend ist. Warum auch? Natürlich könnte die Russische Kirche im Nachhin die Entschlüsse annehmen, aber bisher ist es doch etwas kühn und stur, die ganze Zeit zu behaupten, dass das Konzil für alle bindend sei...

Ich bin wirklich sehr gespannt, wie die vier ferngeblienbenen Kirchen nun reagieren werden.

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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitragvon Mary » 26.06.2016, 20:35

SebastianS hat geschrieben: Es wird noch spannend, wie die bisherigen Kritiker der Dokumente nun reagieren, und auch, wie die nicht anwesenden Kirchen mit den Dokumenten umgehen.

Eben.
Das habe ich mit meinem Satz, dass die Zeit zeigen werde, was draus wird, gemeint....
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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitragvon Lazzaro » 26.06.2016, 20:45

Sebastian hat geschrieben: ...Und wenn Du mir schon ans Bein pinkeln willst, dann solltest Du vielleicht besser bescheid wissen, dass die Dokumente schon längst auf der Webseite stehn ;-) ...

Lieber Bruder, ich habe Dir nicht ans Bein gepinkelt -ich bin kein Hund- ich habe lediglich nach Deinen Quellen gefragt. Ich denke, daß das ein Unterschied ist.
Und auch vielen Dank für den Link! An den hatte ich gar nicht gedacht. :)
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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitragvon SebastianS » 26.06.2016, 20:52

Vielleicht habe ich etwas überreagiert. Das tut mir leid...

Aber dennoch würde mich noch brennend interessieren, wie man denn die Worte des Erzbischofs Hiob verstehen sollte.

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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitragvon Christian » 27.06.2016, 17:26

Hier eine abschließende Stellungnahme der deutschsprachigen Orthodoxen Bischofskonferenz in Österreich:

"In den nun folgenden Wochen, Monaten und Jahren sind alle Orthodoxen, Kleriker und Laien, aufgefordert, die verabschiedeten Konzilsdokumente zu rezipieren und sie anzunehmen. Denn erst durch ihre Annahme von der Gesamtheit der orthodoxen Kirche kann diese pan-orthodoxe Synode von Kreta eines Tages als Konzil bezeichnet werden, so wie es die orthodoxe und konziliare Tradition der Apostel und Kirchenväter vorsieht."

http://www.orthodoxe-kirche.at/site/hom ... e/590.html ("Pan-orthodoxe Synode mit feierlicher Liturgie beendet")

LG Christian

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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitragvon Igor » 28.06.2016, 07:11

Hier noch ein Interview von Metropolit Augoustinos über das orthodoxe Konzil :arrow: "Die Tür ist nicht zugeschlagen" .
Bild
Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitragvon Lazzaro » 28.06.2016, 11:47

SebastianS hat geschrieben:Vielleicht habe ich etwas überreagiert. Das tut mir leid...
Aber dennoch würde mich noch brennend interessieren, wie man denn die Worte des Erzbischofs Hiob verstehen sollte.

Hallo Sebastian,
hier ein paar Gedanken dazu, nicht vollständig, nicht unbedingt in einer logischen Reihenfolge:

- Erzbischof Hiob hat schlagfertig auf eine recht provokative, warscheinlich auch so gemeinte Frage antworten müssen / wollen. Unhabhängig davon hat die Frage durchaus ihre Berechtigung, siehe weiter unten.
- Die Fragestellerin hat quantitativ argumentiert, er mit einem quantitativen Argument geantwortet.
- Erzb. Hiob kennt durchaus den Unterschied zwischen einer parlament. Demokratie und der synodalen Struktur der Kirche und ist in diesem Punkt absolut nicht konfliktscheu. Da er eine Zeitlang mein Bischof war, darf ich dir, ohne Details von diözesanen Querelen an die Öffentlichkeit zerren zu wollen, versichern, daß er diese Analogie in der unterstellten Form nicht sieht. Er hatte selbst genug mit (gegen?) solchen Personen zu tun, die solchen Ansichten nahe standen.

- Meine private Sicht der Dinge, ich veruche es zu beschreiben:
Ich gehe davon aus, daß ein heiliges Ökumenisches Konzil nicht nur eine organisatiorische Veranstaltung, sondern auch die sichtbare Manifestation der unsichtbaren Kirche ist; daß es auch einen mystischen oder sakramentalen Charakter hat. Daß es vergleichbar mit der Eucharistie, aber dennoch auf einer anderen Ebene, die gesammte Kirche, also auch die pysisch Abwesenden und die Verstorbenen und Heiligen representiert.
A) Unter dieser Voraussetzung ist das Fehlen einiger Ortskirchen wegen inhaltlicher Bedenken sehr problematisch, entweder für das Konzil oder für die Ortskirchen.
B) Es wurde für die Verabschiedung der Dokumente Einstimmigkeit aller Ortskirchen beschlossen, wenn nicht alle Ortkirchen anwesend waren, war das Konzil überhaupt beschlußfähig? (Oder gelten nur die Dokumente als beschlossen, die im Nachinein vonallen Ortskirchen unterschrieben werden?)
C) Ich hätte die Frage warscheinlich auch gestellt, aber theologisch, nicht bevölkerungspolitisch argumentiert.

Zum Letztem: Der Rezeptionsprozess hat noch gar nicht begonnen: Von daher ist diese Frage selbst heute, zwei Tage nach der Beendigung des Konziles, eigentlich völlig überflüssig.

Lazarus
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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitragvon holzi » 28.06.2016, 14:09

War eigentlich diese eine Sitzungswoche schon das ganze Konzil? Die historischen Konzile dauerten ja oft Jahre, mit mehreren Sitzungsperioden. Auch das letzte Konzil der Römisch Katholischen Kirche dauerte gute drei Jahre.
Das Christentum nimmt den Menschen, wie er ist, und macht ihn zu dem, was er sein soll. (Adolph Kolping 1813-1865)


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