Neues aus dem Patriarchat von Konstantinopel

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songul
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Re: Neues aus dem Patriarchat von Konstantinopel

Beitragvon songul » 25.02.2010, 17:41

Es gibt eine neue Verlautbahrung seiner Allheiligkeit dem ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel:

+ Bartholomaios

durch Gottes Erbarmen Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom,
und Ökumenischer Patriarch dem ganzen Volk der Kirche
Gnade und Friede von Christus, unserem Erlöser,
von uns aber Fürsprache, Segen und Vergebung

Unsere heilige orthodoxe Kirche feiert heute ihr eigenes Fest, und die Mutterkirche von Konstantinopel erteilt von ihrem historischen und durch das Zeugnis des Glaubens bewährten Sitz, unserem Ökumenischen Patriarchat, all ihren gläubigen und der Kirche ergebenen geistlichen Kindern in der ganzen Welt ihren Segen, versichert sie ihrer Sorge und Liebe und lädt sie ein, das Fest in geistiger Verbundenheit mit ihr zu begehen.

Der Name des Herrn sei gepriesen! Alle, die es im Ablauf der Jahrhunderte unternommen haben, die Kirche durch vielfältige offenkundige und verborgene Verfolgungen auszulöschen, sie durch Häresien zu entstellen, sie zum Schweigen zu bringen und ihrer Stimme und ihres Zeugnisses in der Welt zu berauben, sind gescheitert. Die Wolken der Märtyrer, die Tränen der Väter und die Gebete der Heiligen beschirmen sie geistig und beschützen sie, während der Tröster, der Geist der Wahrheit, sie in alle Wahrheit einführt.

Im Bewusstsein seiner Verpflichtung und seiner Verantwortung setzt sich das Ökumenische Patriarchat, das unter den autokephalen orthodoxen Kirchen den ersten Rang innehält, dafür ein, die Einheit der orthodoxen Kirche trotz aller Hindernisse und Schwierigkeiten zu bewahren und zu festigen, damit der orthodoxe Glaube unserer Väter wie zu jeder Zeit, so auch heute mit einem Mund und mit einem Herzen bekannt werde. Denn die Orthodoxie ist kein musealer Schatz, der nur konserviert werden müsste, sondern Atem des Lebens, der weitergegeben werden muss, um die Menschen lebendig zu machen. Die Orthodoxie ist immer aktuell, vorausgesetzt, dass wir sie in Demut verkünden und sie auslegen im Hinblick auf die Fragen und existentiellen Nöte des Menschen einer jeden Epoche in seinem kulturellen Kontext.

Zu diesem Zweck muss sich die Orthodoxie in einem dauernden Dialog mit der Welt befinden. Die orthodoxe Kirche fürchtet den Dialog nicht, ebenso wie auch die Wahrheit ihn nicht fürchtet. Im Gegenteil: Wenn sich die Orthodoxie in sich selbst verschließt und das Gespräch mit den Außenstehenden verweigert, wird sie nicht nur ihrer Sendung untreu, sondern sie wird sich von jener „katholischen“ und „über die Ökumene ausgebreiteten“ Kirche, die sie ist, in eine introvertierte und selbstgenügsame Sekte, in ein „Ghetto“ am Rande der Geschichte verwandeln. Aus diesem Grund haben die großen Väter unserer Kirche den Dialog mit der geistigen Umwelt ihrer Epoche nie gefürchtet, nicht einmal den mit den die Götzen anbetenden Philosophen ihrer Zeit, und haben auf diese Weise die Kultur ihrer Epoche beeinflusst und gestaltet und uns eine wahrhaft ökumenische Kirche überliefert.

Ebendiesen Dialog mit der Außenwelt fortzuführen, ist die Orthodoxie auch heute berufen, um wiederum ihr Zeugnis zu geben und damit zugleich auch den lebenspendenden Atem des Glaubens zu verbreiten. Dieser Dialog kann aber nicht zu denen, die draußen sind, gelangen, wenn er nicht zuerst von denen getragen wird, die den Namen „Christen“ tragen. Es ist notwendig, dass zunächst wir Christen miteinander sprechen und unsere Differenzen ausräumen, damit unser Zeugnis gegenüber der Außenwelt glaubwürdig sei. Das Bemühen um die Einheit der Christen ist der Wille und das Gebot des Herrn, der vor seinem Leiden zum Vater gebetet hat, „dass alle (seine Jünger) eins seien, damit die Welt glaube, dass Du mich gesandt hast“ (Jo 17,21). Es ist nicht möglich, dass der Herr sein Leben für die Einheit der Christen gibt und wir demgegenüber indifferent bleiben. Das wäre ein verbrecherischer Verrat und ein Bruch seines Gebotes.

Aus ebendiesen Gründen führt das Ökumenische Patriarchat mit Zustimmung und Teilnahme aller orthodoxen Ortskirchen seit vielen Jahrzehnten offizielle panorthodoxe theologische Dialoge mit den größeren christlichen Kirchen und Bekenntnissen. Zweck dieser Dialoge ist es, alle die Christen voneinander trennenden Unterschiede, seien es Unterschiede des Glaubens, der Organisation oder des Lebens der Kirche, im Geist der Liebe zu diskutieren.

Diese Dialoge und jegliches Bemühen um friedliche und brüderliche Beziehungen der orthodoxen Kirche zu den anderen Christen bekämpfen gegenwärtig leider, und das mit einem für das orthodoxe Ethos unakzeptablen Fanatismus, gewisse Kreise, die für sich selbst den Titel des Eiferers und des Verteidigers der Orthodoxie exklusiv in Anspruch nehmen – als ob alle Patriarchen und Synoden der orthodoxen Kirchen, die einstimmig beschlossen haben, diese Dialoge zu führen, und sie unterstützen, nicht orthodox wären. Die Feinde jedes Versuches einer Wiederherstellung der Einheit unter den Christen erheben sich selbst über die Bischofssynoden der Kirche und nehmen dabei die Gefahr von Spaltungen innerhalb der Orthodoxie in Kauf.

Jene, die versuchen, die Wiederherstellung der Einheit der Christen zu kritisieren, haben keine Hemmungen, in ihrer Polemik die Wirklichkeit zu verdrehen, um das gläubige Volk irrezuführen und aufzuwiegeln. So verschweigen sie den Sachverhalt, dass die theologischen Dialoge auf der Basis der einstimmigen Entscheidung aller orthodoxen Kirchen durchgeführt werden, und greifen ausschließlich das Ökumenische Patriarchat an. Sie verbreiten fälschlich, die Vereinigung der römisch-katholischen mit der orthodoxen Kirche stehe unmittelbar bevor, während sie doch wissen, das die Unterschiede, die im theologischen Dialog zwischen diesen Kirchen diskutiert werden, noch zahlreich sind und dass dieses Gespräch einen langen Zeitraum erfordert; ebenso dass Bischofssynoden und nicht die die Dialoge führenden Kommissionen über die Einheit befinden werden. Sie behaupten, der Papst werde sich die Orthodoxen unterwerfen, weil diese mit den Katholiken in einen Dialog eingetreten sind! Sie klagen alle, die diese Dialoge führen, als „Häretiker“ und „Verräter“ der Orthodoxie an, und das aus keinem anderen Grund als dem, daß sie mit Nicht-Orthodoxen sprechen und diesen den Reichtum und die Wahrheit des orthodoxen Glaubens darlegen. Sie sprechen geringschätzig über jeden Versuch der Versöhnung zwischen den getrennten Christen und der Wiederherstellung ihrer Einheit, indem sie dies als „Panhäresie des Ökumenismus“ verunglimpfen, ohne auch nur ein einziges Argument dafür anführen zu können, dass die orthodoxe Kirche bei ihren Begegnungen mit den Nicht-Orthodoxen die Dogmen der Ökumenischen Konzilien und der Väter unserer Kirche preisgegeben oder verleugnet habe.


Brüder und im Herrn geliebte Kinder,

die Orthodoxie bedarf zu ihrem Schutz weder des Fanatismus noch der Unduldsamkeit. Wer glaubt, dass die Orthodoxie die Wahrheit habe, fürchtet sich nicht vor dem Dialog, denn die Wahrheit wurde noch nie durch den Dialog in Gefahr gebracht. Ganz im Gegenteil: Wenn heute alle versuchen, ihre Differenzen im Dialog zu klären, kann die Orthodoxie ihren Weg nicht mit Unduldsamkeit und Fanatismus gehen. Habt volles Vertrauen in Eure Mutterkirche! Diese hat die Orthodoxie durch die Jahrhunderte hin unverfälscht bewahrt und sie an die anderen Völker weitergegeben. Dieselbe Kirche kämpft auch heute unter widrigen Umständen dafür, die Orthodoxie lebendig und angesehen in der ganzen Welt zu erhalten.

Vom heiligen Zentrum der Orthodoxie, dem historischen Ökumenischen Patriarchat, grüßen wir Euch brüderlich, segnen Euch alle väterlich, Brüder und Kinder im Herrn, und beten darum, dass Ihr gesund und in heiliger Andacht die Zeit der Tugenden und geistlichen Kämpfe der großen vierzigtägigen Fasten besteht und gewürdigt werdet, mit allen frommen und gläubigen orthodoxen Christen in der ganzen Welt die allreinen Leiden und die herrliche Auferstehung Christi, unseres Erlösers, zu verehren.

Herrentag der Orthodoxie 2010

+ Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel
Euer aller inständiger Fürbitter bei Gott


+ Konstantinos von Derkoi
+ Evangelos von Perge
+ Kallinikos von Lystra
+ Michail von Austria
+ Alexios von Atlanta
+ Joseph von Proikonnesos
+ Demetrios von Sevasteia
+ Eirenaios von Myriophytos und Peristasis
+ Chrysostomos von Myra
+ Emmanuel von Frankreich
+ Makarios von Gortyne und Arkadia
+ Amphilochios von Neuseeland

Quelle:

LG Songul

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Re: Neues aus dem Patriarchat von Konstantinopel

Beitragvon Anastasis+ » 01.06.2010, 05:36

Panorthodoxes Konzil 2011?

http://www.kath.net/detail.php?id=26894
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meine Zuflucht der Sohn,
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Re: Neues aus dem Patriarchat von Konstantinopel

Beitragvon Nemanja » 01.06.2010, 05:49

Wow, das ich das noch erleben darf :) Das kann uns nur gut tun, ich freue mich darauf:)

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Re: Neues aus dem Patriarchat von Konstantinopel

Beitragvon Andromachi » 01.06.2010, 09:14

Wo steht das vom panorthodoxen Konzil? Ich verstehe dieses Schreiben als eine Antwort auf die, die dem Patriarchen seine Treffen und Gespräche mit Katholiken und Protestanten übel nehmen. Er sagt, dass ihm die anderen orthodoxen Kirchen die Vollmacht zu solchen Gesprächen erteilt haben. Oder habe ich das falsch verstanden?

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Re: Neues aus dem Patriarchat von Konstantinopel

Beitragvon Andromachi » 01.06.2010, 09:18

Ah, ihr habt Recht. Eben habe ich das bei Romfea gelesen.

"Αποφασίσαμε να επιταχύνουμε την διαδικασία της Αγίας και Ιεράς Συνόδου όλων των Ορθοδόξων Εκκλησιών», δήλωσε μεταξύ άλλων ο Οικουμενικός Πατριάρχης".

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Re: Neues aus dem Patriarchat von Konstantinopel

Beitragvon Nemanja » 15.06.2010, 00:20

Wird auf diesem "Panorthodoxen" Konzil auch die Frage mit dem Kalender geklärt? Weiß man das schon ?

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Re: Neues aus dem Patriarchat von Konstantinopel

Beitragvon Nassos » 15.06.2010, 00:41

So wie ich es vernommen habe, ist das auch auf der Tagesordnung.

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Re: Neues aus dem Patriarchat von Konstantinopel

Beitragvon Nemanja » 16.06.2010, 02:49

Danke dir.

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Re: Neues aus dem Patriarchat von Konstantinopel

Beitragvon Anastasis+ » 27.08.2010, 14:08

Meine Hoffnung ist der Vater,
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Re: Neues aus dem Patriarchat von Konstantinopel

Beitragvon Anastasis+ » 15.10.2010, 17:54

Türkei: Bartholomaios I. sieht Hoffnung für Ökumenisches Patriarchat


http://www.ots.at/mobile/presseaussendu ... 2_OTS0054/
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Re: Neues aus dem Patriarchat von Konstantinopel

Beitragvon Heike » 20.04.2011, 18:35

Sehr interessanter Thread. Einiges davon war mir bis dato gar nicht bekannt. Da kann ich wohl noch einiges lernen.

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Re: Neues aus dem Patriarchat von Konstantinopel

Beitragvon Priester Alexej » 20.04.2011, 19:11

Also, erstmal herzlich willkommen im Forum!

Sehr wichtig ist, dass der Dialog zwischen den einzelnen Kirchen stattfindet. Dass gemeinsame Probleme gelöst werden. Übrigens, bei allen Konzilen gilt, dass die Vorbereitung für ein Konzil nicht weniger wichtig sind, als das Konzil selbst. Nur mit einer guten Vorbereitung kann ein Konzil fruchtbringen werden. Das ist auch der Grund dafür, warum es seit neuestem in Russland eine Institution gibt, die sich sich Problemen der Kirche widmet und diese dem Konzil präsentiert. Gibt es in anderen Lokalkirchen ähnliches?
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.

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Re: Neues aus dem Patriarchat von Konstantinopel

Beitragvon Igor » 20.04.2011, 20:19

Alexej hat geschrieben:Übrigens, bei allen Konzilen gilt, dass die Vorbereitung für ein Konzil nicht weniger wichtig sind, als das Konzil selbst. Nur mit einer guten Vorbereitung kann ein Konzil fruchtbringen werden. Das ist auch der Grund dafür, warum es seit neuestem in Russland eine Institution gibt, die sich sich Problemen der Kirche widmet und diese dem Konzil präsentiert.


Übrigens, etwas mehr zur Vorbereitung des Panorthodoxen Konzils gibt's :arrow: in diesem Strang.
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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

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Hirtenbrief: Beginn der heiligen großen vierzigtägigen öster

Beitragvon Igor » 25.02.2012, 18:14

Hirtenbrief

Beginn der heiligen großen vierzigtägigen österlichen Fastenzeit
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+ Bartholomaios

durch Gottes Erbarmen Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom,

und Ökumenischer Patriarch dem ganzen Volk der Kirche

Gnade und Friede von Christus, unserem Erlöser,

von uns aber Fürsprache, Segen und Vergebung

„Freudig lasst uns, Gläubige, empfangen, des Fastens gottgegebene Kunde.“

Geliebte Brüder und Kinder im Herrn,

in der jüngsten Zeit zeigt sich allenthalben eine zunehmende Beunruhigung. Wir sehen uns mit einer Fülle von Problemen konfrontiert. Die Welt leidet und verlangt Hilfe. Tatsächlich durchleben wir eine generelle Krise. Einige nennen sie eine Krise der Wirtschaft, andere eine Krise der Politik. Für uns handelt es sich um eine Entgleisung des geistlichen Lebens. Und dafür gibt es eine Therapie. Es werden viele Lösungen angeboten und viele Auffassungen geäußert. Doch die Probleme bleiben. Der Mensch fühlt sich alleingelassen und einsam. Er verkennt sein eigenes Wesen. Er verharrt in einer von Unklarheit und Verzweiflung hervorgerufenen Niedergeschlagenheit.

Die vorgeschlagenen Lösungen, in welche Richtung sie auch gehen, zu welchem Resultat sie auch führen mögen, erlösen den Menschen nicht, denn sie befreien ihn prinzipiell nicht aus der Gefangenschaft der Verwesung und des Todes. Die Kirche ist der gottmenschliche Herr, der Befreier unserer Seelen. Wenn der Mensch den Raum der Kirche betritt, tritt er ein in ein Klima der göttlichen Tröstung, der Versöhnung des Himmels mit der Erde. Er kommt nach Hause. Sein Geist wird ruhig. Er findet die Schönheit des Himmels und eine geistliche Reife, „die die ganze Welt mit göttlichem Wohlgeruch erfüllt“. Die Kirche kennt alle unsere Leiden. Und sie hat die Kraft, uns von ihnen zu befreien. Sie ruft uns zur Umkehr. Sie beschönigt nicht die Lüge, sie leugnet nicht die Abgründe. Sie sagt uns die ganze Wahrheit. Und sie hält uns dazu an, uns der Wirklichkeit zu stellen, wie sie ist, und uns dessen bewusst zu werden, dass wir Staub und Asche sind.

Im Großen Kanon des hl. Andreas von Kreta ist die Rede von den Tränen der Umkehr, von den Tränen der Traurigkeit und vom Schmerz der Wunden. Aber dem folgen die Ruhe der Seele und die Gesundheit des Geistes. Unser Schöpfer und Erlöser lebt. Er hat uns um der Fülle seines Erbarmens willen unseren Platz genau in der Mitte zwischen Sterblichkeit und Unsterblichkeit gegeben. Er hat uns nicht verlassen. Er ist gekommen und hat uns erlöst. Er hat durch sein Kreuz den Tod vernichtet. Er hat uns die Unsterblichkeit des Fleisches geschenkt.

Warum sollten wir uns, die wir Glieder des Leibes Christi sind, grundlos beunruhigen lassen? Warum nehmen wir unsere Zuflucht nicht zu Ihm? Die Kirche schert sich nicht um die Verwesung, noch überlässt sie uns ihr. Sie kennt die tiefsten Sehnsüchte des Menschen und kommt zu uns als unser Beistand und Erlöser. Wir bedürfen der Nahrung. Doch „der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ (Mt 4,4). Wir brauchen ein geistliches Erkennen, doch wir sind nicht wie die Körperlosen. In der Kirche finden wir die Fülle des Lebens und der Erkenntnis in Gestalt einer gottmenschlichen Balance. Fern von Gott wird der Mensch untauglich und geht zugrunde. Wo die materiellen Güter im Überfluss vorhanden sind und die Verschwendung herrscht, gedeihen die Versuchungen der Skandale und die Verwirrung durch die Verfinsterung des Geistes.

Wo der Mensch in der Furcht Gottes lebt und alles mit Danksagung und Dankbarkeit empfängt, wird alles geheiligt. Das Wenige wird gesegnet, dass es genügt, und das Vergängliche empfängt das Licht der Unvergänglichkeit. Der Mensch empfängt das Zeitliche als Gabe Gottes. Und er wird schon von heute an mit dem Unterpfand des künftigen Lebens ernährt. Die Probleme werden nicht einfach nur gelöst; vielmehr verwandeln sich die Qualen der Heimsuchungen in Lebenskraft und werden zum Anlass für Lobpreis. Wenn das in uns geschieht, wenn der Mensch seine persönliche Ruhe und Erlösung dadurch findet, dass er Christus, seinem Gott, alles anheimstellt, dann wird sein Geist erleuchtet. Dann erkennt er sich selbst und die ganze Welt. Dann hat er Vertrauen zur Liebe dessen, der die Macht hat. Dieser Prozess festigt den Gläubigen selbst. Zugleich bestärkt er durch eine unsichtbare Ausstrahlung auch all jene, die hungern und dürsten nach der Wahrheit.

Die ganze Welt bedarf der Rettung durch ihren Schöpfer und Bildner. Die ganze Welt bedarf der Gegenwart des Glaubens und der Gemeinschaft der Heiligen. Lasst uns unserem Herrn und Gott auch in dieser heiligen Fastenzeit für alle seine Wohltaten danken.

Siehe, jetzt ist die willkommene Zeit, siehe jetzt ist die Zeit der Umkehr.

Lasst uns das Meer des Fastens mit Reue und dem Bekenntnis unserer Sünden befahren, um so zur nicht endenden Freude der Auferstehung unseres Herrn und Gottes und Erlösers Jesus Christus zu gelangen. Ihm gebührt alle Herrlichkeit, Ehre und Anbetung von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Heilige Große Fastenzeit 2012

Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel

Euer aller inständiger Fürbitter bei Gott

Quelle: http://www.orthodoxie.net/
Bild
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Nassos
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Re: Panorthodoxes Konzil

Beitragvon Nassos » 15.05.2012, 11:36

Eine Nachricht anderer Natur aus dem Patriarchat...

Am Sonntag gewann die Mannschaft von Piräus in einem hochspannenden Finale des final four (champions league des Basketball) in Konstantinopel das Finale gegen CSKA Moskau.

Eine größere Dramatik hätte kein Regisseur schreiben können. Im gesamten Spiel lag Moskau vorne, bis zu 19 Punkten Unterschied. Im letzten Viertel drehte Piräus auf und schaffte quasi mit dem Schlusspfiff den Siegtreffer (62-61).

Eigentlich ein Wunder, vor allem nach der “Hinrichtung“ durch den bei den Moskauern spielenden Serben Teodosic mit seinen drei aufeinanderfolgenden Dreipunktewürfen...

Vor dem Abflug nach Griechenland besuchte die Mannschaft das Ökumenische Patriarchat, was vor allem ein Anliegen der Vorsitzenden (zwei Brüder) war. Nach dem 20-minütigen Besuch ging es dann auch schon zum Flughafen.

Hier ein Foto, wo der Kapitän der Mannschaft, Spanoulis, Seiner Allheiligkeit die Hand küsst.

Bild

Dritter wurde übrigens Barcelona und vierter Athen.


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