Keine Verschmelzung der russischen Diözesen

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stefan1800
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Keine Verschmelzung der russischen Diözesen

Beitrag von stefan1800 » 07.01.2011, 10:43

Laut Erzbischof Mark ist an eine Verschmelzung der beiden russischen Diözesen der ROKA und des MP auf deutschem Boden derzeit nicht zu denken. Dies sagte er anläßlich des orthodoxen Seminars am 28. Dezember in München. Mark habe vor zwei Jahren noch eine deutlich positivere Haltung bezüglich dieser Frage gehabt: siehe

http://www.bogoslov.ru/de/text/1339390/index.html

Was meint Ihr dazu ?

ElvisVrinic
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Re: Keine Verschmelzung der russischen Diözesen

Beitrag von ElvisVrinic » 07.01.2011, 11:17

CHRISTUS IST AUFERSTANDEN


ich frage mich da, welche vorraussetzungen gegeben werden sollen. :denker:


Entstand die trennung, nicht deswegen, wa der damalige Patriarch kommunistenfreundlich war, oder irre ich mich jetzt hierbei. :detektiv:

Gruß

Elvis
Am Anfang war das Wort und das Wort war bei GOTT und GOTT war das Wort. Dieses war im Anfang bei GOTT. Alles ist durch es geworden, und ohne es ist nichts Geworden. Was geworden ist - in IHM war das Leben, und das Leben war das Licht des Menschen und das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht ergriffen (begriffen, erfasst). (EVANGELIUM nach Johannes)

Ehre Sei dem Vater und den Sohn und den Heiligen Geist.
Jetzt und immerdar und in alle ewigkeit. Amen

IC XC
NI KA

danadoina
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Re: Keine Verschmelzung der russischen Diözesen

Beitrag von danadoina » 07.01.2011, 13:41

stefan1800 hat geschrieben:Laut Erzbischof Mark ist an eine Verschmelzung der beiden russischen Diözesen der ROKA und des MP auf deutschem Boden derzeit nicht zu denken. Dies sagte er anläßlich des orthodoxen Seminars am 28. Dezember in München. Mark habe vor zwei Jahren noch eine deutlich positivere Haltung bezüglich dieser Frage gehabt: siehe

http://www.bogoslov.ru/de/text/1339390/index.html

Was meint Ihr dazu ?

Lieber Stefan,
Als orthodoxer Christ kann man nur sagen: Gotteswille geschehe !
grüße,
daniela

stefan1800
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Re: Keine Verschmelzung der russischen Diözesen

Beitrag von stefan1800 » 07.01.2011, 13:49

@ElvisVrinic:
Es hat mit Deiner Frage zu tun: Die Trennung war aufgrund des kommunistischen Systems in Rußland und der Einflußnahme des atheistischen Staats auf die Kirche. Die Exilrussen im Ausland gründeten ihre eigenen Gemeinden. Die eigenständige Verwaltung geht auf ein Dekret des Patriarchen Tichon zurück, eine eigene Notverwaltung zu gründen. Die Wiedervereinigung der beiden Teilkirchen ist jetzt dreieinhalb Jahre her. Offenbar ist die anfängliche Euphorie etwas verflogen, weil die Ausgangspunkte der Exilrussen und der Moskowiter somindest politisch und kirchenpolitisch doch recht unterschiedlicher Natur sind.
Dazu auch die Ausgabe 06/2010 der Zeitschrift "Der Bote" der ROKA. Hier befaßt man sich auf den Seiten 17-20 sehr kritisch mit den derzeitigen Vorgängen in Rußland. Eine Klarstellung, die ich mir schon lange Zeit erhofft hatte. Deo gratias !
Wobei das MP diesbezüglich offenbar gespalten ist und die ROKA sich bemüht, eher die Politik anstatt das Patriarchat zu kritisieren.

stefan1800
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Re: Keine Verschmelzung der russischen Diözesen

Beitrag von stefan1800 » 08.01.2011, 09:29

Hier die Verlautbarung aus der Ausgabe 6/2010 der Zeitschrift "Der Bote" für die Diskussion:
"Von der Redaktion:
Nach den Jahren des Nationalsozialismus befand sich die deutsche Diözese der Russischen Auslandskirche in dem Teil Deutschlands, der vom Hitlerschen Totalitarismus befreit war, in unmittelbarer
Nachbarschaft mit dem Teil, der noch 40 Jahre sowjetischen Totalitarismus zu ertragen hatte. Stets bewegten uns die Fragen der geschichtlichen Aufarbeitung und Klärung, was die Ursachen und Folgen der menschenfeindlichen Regime Hitlers und Stalins betrifft.
Im gleichen Sinne wirkte A. I. Solschenizyn, der um Aufarbeitung bemüht war, und zu dem wir in den 1970er Jahren engen Kontakt hatten; dessen dreibändiges Werk „Archipel GULag“ so wichtig war für das russische Volk und die anderen Völker. Von 1993 an schufen wir in einem aktiven Dialog mit den Vertretern des Moskauer Patriarchats die Bedingungen für die Einheit in der Russischen Kirche – nicht zuletzt vermittels der gemeinsamen Durchleuchtung der russischen Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts. In den gleichen 1990er Jahren leistete die „Orthodoxe Hl.-Tichon Humanistische Universität“ (PSTGU) eine gigantische Arbeit auf dem Feld der Kirchengeschichte und dem Gedenken der Neumärtyrer, und leistet sie weiterhin. Auch hier pflegten wir den Kontakt. Aber all das ist nur ein kleiner Teil dessen, was zu einer tiefgreifenden Gesundung der zeitgenössischen russischen Gesellschaft nötig ist. Die Zeugen dieser grausamen Epoche verlassen allmählich diese Welt. Die Geschichtsschreibung Russlands aber wird durch eine Art inoffizieller Zensur ihrer Stimme beraubt. Es ermangelt der Bedingungen für tiefergehende Forschung.
Schon sind 20 Jahre seit der Zeit des Zusammenbruchs der kommunistischen Regimes vergangen. 1990 kam es zur Wiedervereinigung Deutschlands. Sofort stand die Frage nach den Archiven der Stasi auf der Tagesordnung. Schritt für Schritt nahmen die osteuropäischen Länder dieselben Fragen in Angriff. Ebenso könnte auch die wissenschaftliche Diskussion in Russland vorankommen zur Erkenntnis dessen, was mit uns allen geschehen ist. Aber zwei Jahrzehnte sind ins Land gegangen, und nichts Derartiges wurde bei uns in Russland unternommen – ist wohl auch weiters nicht vorgesehen.
Wie die beiden nachstehend publizierten Texte bezeugen, steht es schlecht um die Vergangenheitsbewältigung im zeitgenössischen Russland. Nicht ohne Schwierigkeiten kann man im Archiv der Staatssicherheit die Akte des eigenen einst verfolgten und hingerichteten Verwandten zur Einsicht erhalten. Schon bei der Frage nach dem Kopieren von Material gibt es neue Probleme. Gilt doch schon der Erhalt der Akte als äußerstes Entgegen kommen. Entgegenkommen von wem? Und wieso eigentlich? Nun, über die Vergangenheit herrschen diejenigen, die an der Verfügungsgewalt über die Vergangenheit interessiert sind. Gar zahlreich und vielgestaltig sind die Schutzmauern; und so bleiben die russischen Archive faktisch verschlossen.
Hinter einem derartigen geistigen „eisernen Vorhang“ macht sich inzwischen die schleichende Rehabilitierung des verlogenen Sowjetsystems breit. In der letzten Zeit wird das immer offenkundiger. Die Scham ist dahin, wenn sie denn je vorhanden war. Doch sollten alle wissen: die Quelle dieser Lüge ist der Hass gegen Gott. Diese Verlogenheit richtet sich gegen das Ebenbild Gottes im Menschen. Und die entsprechenden Einschränkungen helfen dem Teufel beim Verbergen seiner Fratze und seiner Klauen. Russland braucht die Wahrheit. Stattdessen versinkt es in neuer Lüge, die die alte Lüge ist.
„Geschichtsverfälschung“ – so schreien lauthals die, welche die einstige sowjetische Geschichtsverfälschung bewahren, sie für unantastbar erklären und Russland den freien Atem abwürgen, womit sie nur Schimpf und Schande über unser Vaterland bringen vor den anderen Völkern. Das ist der Grund, weshalb S. E. Agapit, der Bischof von Stuttgart, und der Sekretär unserer Diözese, Erzpriester
Nikolai Artemoff, sich mit folgendem Text an eine Historiker-Konferenz wandten, die die Geschichtsverfälschung zum Thema hatte (15.-16.10.2010) und vom Moskauer Patriarchat mitgetragen wurde. Der Aufruf wurde in der Konferenz verlesen und in Russland publiziert. Zu diesem Aufruf, der im Namen unserer Diözese erfolgte, fügen wir den Aufruf zweier in Russland maßgeblicher Historiker hinzu. Auch sie setzten die Frage der Öffnung der Achive auf die Tagesordnung. Wir hoffen, dass dieses wichtige Problem unter dem Einfluss der russischen Öffentlichkeit in Angriff genommen und schließlich gelöst wird.
Eines ist klar: Die Angst vor der Wahrheit ist unserer geistlichen Grundlagen unwürdig. – die Red."

Sicherlich kann man darüber streiten, ob man eine so radikale Vergangenheitsbewältigung wie in Deutschland betreiben sollte. Dennoch stehe ich offenbar mit meiner Auffassung, die Resowjetisierung in Russland kritisch zu sehen, nicht allein.

danadoina
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Re: Keine Verschmelzung der russischen Diözesen

Beitrag von danadoina » 08.01.2011, 12:36

stefan1800 hat geschrieben:...........
Dennoch stehe ich offenbar mit meiner Auffassung, die Resowjetisierung in Russland kritisch zu sehen, nicht allein.
...Stefan, das ist gar nicht die Frage, sondern dass, selbst wenn dieses geschehen sollte, dieses Thema in keinem Zusammenhang mit der Orthodoxie oder das orthodoxe geistige Leben die wir führen sollten steht...das ist der Punkt;
für die Resowjetisierung Russlands kann ich mir vorstellen dass es politische Foren gibt wo du eher diskussionslustige Partner finden würdest...

stefan1800
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Re: Keine Verschmelzung der russischen Diözesen

Beitrag von stefan1800 » 08.01.2011, 14:42

Liebe Daniela,
daß dieses politische Problem innerhalb der russischen Kirche sehr wohl diskutiert wird und die politische Dimension mit der religiösen verknüpft ist, wie ich bereits mehrfach ausführte, siehst Du an den Ausführungen der Redaktion des "Boten" der ROKA, für die Vater Nikolai Artemoff verantwortlich ist.
Zitat:
"....die Quelle dieser Lüge ist der Hass gegen Gott. Diese Verlogenheit richtet sich gegen das Ebenbild Gottes im Menschen. Und die entsprechenden Einschränkungen helfen dem Teufel beim Verbergen
seiner Fratze und seiner Klauen."
Vater Nikolai bestätigt mir also, daß ich hier nicht fehl am Platze bin !

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Re: Keine Verschmelzung der russischen Diözesen

Beitrag von stefan1800 » 08.01.2011, 14:46

Ergänzung: Was mich ärgert, ist diese "Kopf-in-den-Sand-steck"-Mentalität bezüglich der Vorgänge in Russland, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Andromachi
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Re: Keine Verschmelzung der russischen Diözesen

Beitrag von Andromachi » 08.01.2011, 15:18

Wer ein Kind großgezogen hat, weiß, wie bitter es für Kinder ist, wenn sie Streit zwischen ihren Eltern miterleben müssen. Genauso ist es bei uns einfachen Gläubigen. Wir können es nicht aushalten, wenn von innerkirchlichem Streit die Rede ist. Wir haben so viele wichtige Themen zu besprechen, die mit unserem Retter und der eigenen Rettung zu tun haben. Bitte!

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Re: Keine Verschmelzung der russischen Diözesen

Beitrag von stefan1800 » 08.01.2011, 15:51

@Andromachi:
Ich stimme Dir prinzipiell zu - gebe aber zu bedenken, daß wir dafür verantwortlich sind, gegen die Lüge aufzustehen und daß sich eine atheistische Diktatur nicht wiederholt. Es gehen dann erst recht viele Seelen verloren.

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Re: Keine Verschmelzung der russischen Diözesen

Beitrag von Mirjanin » 08.01.2011, 17:06

Meiner bescheidenen Meinung nach ist das Thema zu wichtig, als es unter-den-Tisch-zu-kehren. Ein Eindruck der sich, obwohl vielleicht falsch, aufdrängt. Insofern muss ich stefan1800 hier beipflichten. Andromachi hat vollkommen recht, wenn sie von den vielen (wichtigen!) Themen spricht, dennoch sollten wir gerade im Hinblick auf die geschichtlichen Erfahrungen - auch der Orthodoxie - die Augen öffnen und die Ohren spitzen. Mag sein, als im Nachkriegs-Deutschland sozialisierter Mensch ist man sensibler bei dem Thema. Es gibt aber m. E. keine Gründe, warum die Archive unter Verschluss bleiben und die Diskussion unterbunden werden müsste. Außer jenen, die Täter zu schützen und die Fassade eines angeblich "menschlicheren Systems" (O-Ton Sozialisten) aufrecht zu erhalten. Das viele Täter noch in hohen Positionen sitzen, ist kein Geheimnis. Gleichzeitig verhindert diese Heile-Welt-Fassade des Sowjetstaats den Abschluss dieses Kapitels und ein Anknüpfen an Russland, welches lt. Solshenitzyn keineswegs mit der Sowjetunion gleichzusetzen ist, und ab 1917 und in den Folgejahren so grausam verstümmelt und mißhandelt wurde. Vater Nikolai Artemoff & co. haben meinen tiefen Respekt und Anerkennung für ihr mutiges Vorgehen, denn ihnen wird ein rauher Wind entgegen wehen !
Was sie nicht verstehen können, ist das wir keine politische Partei bekämpfen, sondern die Mörder der spirituellen Kultur.

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Re: Keine Verschmelzung der russischen Diözesen

Beitrag von phanie » 12.01.2011, 22:20

Nabend...

Ich kann mich der Meinung von Stefan und Mirjanin nur anschließen, dieses Thema ist sehr bedeutend für die Orthodoxe Kirche und ich finde es sollte viel offener darüber gesprochen werden. Ich kann da nur aus eigener Erfahrung sprechen.
Als vor ein paar Jahren diese Wiedervereinigung anstand war es für mich eine schwierige Sitution muss ich gestehen. Da find ich das Beispiel des Kindes das zwischen streitende Eltern kommt sehr passend, denn genauso war es für mich damals, denn unser Priester war gegen diese Vereinigung und Erzbischof Mark der oft bei unserer Gemeinde zu Besuch war eben dafür. Beide Personen spielten seit meiner Kindheit ein wichtige Rolle in meinem Leben. Sie waren immer Vorbild für mich und durch diese Trennung muss ich gestehen wurde ich verunsichert und ich denke das es vielen ähnlich ging. Dazu muss ich sagen, dass sobald ich versucht hab beide Standpunkte zu verstehen nicht weiter kam, weil mir Informationen dazu fehlten und wenn ich doch welche fand sie sehr wiedersprüchlich waren:( Deswegen meine Frage ob ihr für mich vielleicht ein paar Links, Artikel etc. habt wo ich weitere Informationen finden kann wie es überhaupt erst zur Trennung der Diözesen dann zur Wiedervereinigung und nun zu dem stocken dieser Vereinigung kam?

Verzeiht mir meine Unwissenheit:(

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Igor
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Re: Keine Verschmelzung der russischen Diözesen

Beitrag von Igor » 13.01.2011, 22:52

phanie hat geschrieben:Deswegen meine Frage ob ihr für mich vielleicht ein paar Links, Artikel etc. habt wo ich weitere Informationen finden kann wie es überhaupt erst zur Trennung der Diözesen dann zur Wiedervereinigung und nun zu dem stocken dieser Vereinigung kam?
Liebe phanie,

schau mal bitte hier: Die Russische Orthodoxe Kirche in Deutschland. Geschichte und Gegenwart. Der Artikel beinhaltet auch viele Literaturhinweise.

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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

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