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danadoina_3
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KOSOVO

Beitragvon danadoina_3 » 12.02.2007, 20:24

12 February 2007, 10:31
Serbian Church synod: Ahtisaari had rather apply his 'brilliant plan' in his own country than to Kosovo

Belgrade, February 12, Interfax - The Serbian Orthodox Church has urged 'all the responsible leaders of the international community' to prevent UN Secretary General's special envoy Martti Ahtisaari from carrying out 'the dangerous intention of certain circles to forcibly deprive Serbia, one of the oldest states in Europe, of its most precious part' - Kosovo.

'A peaceful future cannot be based on the diktat of bare force but only on recognition of the principle whereby each has the right to his dignity and equal opportunities', the Holy Synod of the Serbian Church states.

The statement stresses that 'God is eternal while every power is transient' and that Kosovo and Metohija have been inhibited by Serbs for over thousand years and 'had been exclusively Serbian before the two great migrations of the Serbian people'.

The region belongs to Serbia by the acknowledged acts of international law including the 1913 Bucharest Treaty and the Paris Agreement signed in 1995, the synod states. However, 'a politician by name of Martti Ahtisaari recognizes not the power of law but the right of power', the Serbian bishops affirm.

They say the Finish ex-president Ahtisaari had rather "apply his 'brilliant plan' to his own country".

Serbian President Boris Tadic also stated after his talks with Ahtisaari in Belgrade that he rejected the proposed plan, already supported by the USA and the European Union, since it 'paves a way to the independence of Kosovo'. He noted however that some proposals for protection of churches and monasteries in the region 'will be studied'.

Patriarch Alexy II of Moscow and All Russia expressed the concern of the Russian Orthodox Church for 'the difficult problem of Kosovo' during his pre-Christmas talk with journalists. He emphasized that this problem has a special importance for the Serbian Church because its main holy places are located in Kosovo.

'We also feel keenly for the fact that churches and monasteries have been destroyed in Kosovo with the connivance of those who should have raised their voices in defense of these holy places', Alexy II said.

danadoina_3
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Beitragvon danadoina_3 » 12.02.2007, 20:29


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theofan
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Beitragvon theofan » 14.02.2007, 15:50

Hallo, Daniela,

psst, psst: Forumregel Nr. 6.

Ansonsten: ein trauriges Kapitel, bei dem es offensichtlich nur Verlierer gibt.

Eine gesegnete Zeit
Hans-Peter

Milo
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Beitragvon Milo » 16.02.2007, 12:38

Liebe Danijela,

danke für den Thread - das brisante Thema Europas aber auch der Welt bzgl. Rechtstaatlichkeit, Gleichberechtigung, Menschenwürde.

Momentan leben dort die Serben wie nirgendswo auf der Welt! Ja es gibt auch wo anderst Terror, Krieg, Leid. Aber nirgendwo wird unter dem UN Protektorat, eine "Minderheit" von über 150.000 Menschen in Enklaven Jahrelang gehalten, die nicht einmal ihr tägliches Brot ausreichend haben. Geschweige den von Bildung, Bewegungsfreiheit, Arbeit, usw.
Geschweige den von der Tatsache das dies Serben sind in ihrem eigenem (international anerkanntem) serbischen Staat!

Oh was für ein Zynismuss! Möge der HErr herabschauen, und bald die Tränen abwischen, nicht nur des dort lebenden Volkes, sondern auch der zahlreichen Mönchsbrüder und Schwestern die täglich im Gebet flehen.

Durch die Gebete Deiner barmherzigen und allreinen Mutter!

Sündiger milo


ps. wenn wir fremdsprachige Texte zitieren, dann wäre es schön das der Artikell in ein paar Sätzen auf Deutsch wiedergegeben wird. Ich bin zB. fremdsprachlich sehr unbegabt. Danke.

Walter
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Katholischer Bischof: Kosovo soll unabhängig werden

Beitragvon Walter » 22.05.2007, 19:07

Falls das Gebiet weiterhin völkerrechtlich bei Serbien bleibe, komme es zum Krieg, ist Bischof Dodë Gjergji von Prizren überzeugt.

München (www.kath.net / KIN) Die Unabhängigkeit des Kosovo ist für den katholischen Bischof in Prizren, Dodë Gjergji, die ?einzige Option?. Das teilte das weltweite katholische Hilfswerk ?Kirche in Not? in München mit.

Falls das Gebiet weiterhin völkerrechtlich bei Serbien bleibe, komme es zum Krieg und ?einen Krieg wollen wir nicht mehr?, habe der Bischof sein Votum begründet. Die Entscheidung über den völkerrechtlichen Status der südosteuropäischen Region wird noch für Ende Mai erwartet.

Kritisch sieht Bischof Gjergji den Angaben zufolge alle Bestrebungen der serbischen Regierung, die sich gegen die Unabhängigkeit des Kosovos richten. Besonders für die jungen Menschen im Kosovo sei seiner Meinung nach die Entscheidung über den völkerrechtlichen Status sehr bedeutsam.

Wenn alles in der Luft hänge, könne man keine Zukunft planen. Sechzig Prozent der Kosovaren seien jünger als 35 Jahre. Viele junge Erwachsene verließen aufgrund fehlender Perspektiven das Kosovo. Die katholische Kirche hofft laut Bischof Gjergji, dass die Unabhängigkeit dazu beiträgt, junge Menschen im Land zu halten.

Er hoffe auch, dass sich mit der Unabhängigkeit das Klima zwischen Katholischer und Serbisch-orthodoxer Kirche verbessern könne, heißt es in der Mitteilung von ?Kirche in Not?.

Der Kosovo wird seit 1999 von den Vereinten Nationen verwaltet. Die große Mehrheit der 1,9 Millionen Einwohner sind Moslems. Nach Angaben von ?Kirche in Not? gibt es 60.000 Katholiken, meist Albaner, außerdem etwa 100.000 serbisch-orthodoxe Christen.

Bischof Gjergji glaube aber, dass die Zahl der Christen steigen werde. Seiner Einschätzung nach werden viele Moslems, deren Vorfahren unter osmanischer Herrschaft offiziell zum Islam übergegangen, insgeheim aber Christen geblieben waren, zu ihren Wurzeln zurückkehren.

Derzeit seien es noch relativ wenige ?Kryptokatholiken?, die wieder zur Kirche kommen, auf längere Sicht werde diese Zahl stiegen, prognostizierte Bischof Gjerggi nach Angaben von ?Kirche in Not?.

Für die Kirche und ihre Mitarbeiter im Kosovo sei das eine Herausforderung. Sie müsse ?weg von der Sakristei, hin zu den Menschen? und ihnen die Frohe Botschaft verkünden. Die Bevölkerung im Kosovo sei ?bereit, diese Botschaft anzunehmen?, sagte der Bischof. Finanziell ist die katholische Kirche im Kosovo laut ?Kirche in Not? ganz auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen.

Bischof Gjergji möchte die Menschen auch durch Medien erreichen: ?Wir sind stumm geworden und haben außerhalb der Kirchengebäude keine Stimme?, begründete er dieses Anliegen. Einen Vorteil erkennt der Bischof darin, dass er und sein Amt im Kosovo auch bei Muslimen hoch angesehen seien.

Die katholische Kirche nehme eine Mittlerfunktion zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen und Religionen ein. Die Moslems sprächen von Gjergji sogar als von ?unserem Bischof?
, berichtet ?Kirche in Not?.
(Quelle)
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Beitragvon IoannesProselytos » 22.05.2007, 19:41

Xpristos anesti!

Ehrlich gesagt, ich bin nicht dafür, dass der Kosovo abgetreten wird - schon alleine, damit die Albaner nicht übermütig werden.

Ich bin zwar kein Serbe, aber um den Kosovo ist es mir leid und ihn an die Moslems abzugeben, halte ich auch nicht für richtig, eben schon alleine, wegen der historischen Bedeutung des Gebiets. Serbien wird ohnehin immer mehr zerpflückt; wenn sich auch noch die Wojwodina abspaltet bleibt gar nichts mehr übrig. Solche Sezessionstendenzen lehne ich komplett ab, das schwächt nicht nur jeweils die neuen, einzelnen Kleinstaaten, sondern die ganze Region.

protopeter
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Einige Gedanken...

Beitragvon protopeter » 22.05.2007, 19:50

Liebe Mitdiskutanten !

Der genannte Bericht ist wieder einmal ein deutliches Zeichen dafür, wieviel wirklich von sogenannter "Ökumene" zu halten ist, wenn es um tatsächlich essentielle Fragen geht. Natürlich sieht der r.-k. Bischof die Stunde gekommen, unter seinen Landsleuten missionarisch tätig zu werden und aus "Kryptokatholiken" dann offizielle Mitglieder seiner Glaubensgemeinschaft machen zu können.

Dagegen weiß man allerdings auch, was bei einem unabhängigen Kosovo für die Orthodoxe Kirche zu erwarten ist - nichts anderes als die "Vollendung" dessen, was seit nunmehr 8 Jahren unter UNO-Ägide betrieben wird: Vertreibung, Vernichtung und Auslöschung der orthodoxen Zivilisation. Wo ist jetzt die "christliche Solidarität", wo ist man jetzt bereit zu erkennen, daß die einzige "Kirche in Not" in dieser Weltgegend die Orthodoxie ist ? Wenn der r.-k. Bischof auf die Tatsache verweist, daß die Kosovoalbaner ursprünglich Christen waren, sollte er allerdings die Tatsache nicht vergessen, daß der überwiegende Teil eben orthodox war.

Man macht den Serben - wieder einmal - den Vorwurf, nationalreligiös-revanchistisches Gedankengut zu verbreiten, fordert sie gleichzeitig dazu auf, die "Zeichen der Zeit" zu erkennen und ein vollkommen unabhängiges Kosovo zu akzeptieren und dem Untergang einer jahrhundertealten Zivilisation tatenlos zuzusehen. Der Gipfel des Zynismus mag darin gesehen werden, daß Serbien von Mächten dazu gezwungen wird, die im Wesentlichen auch noch heute in ihren Gesellschaften (zumindest "oberflächlich-offiziell") ein Wertesystem hochhalten, das in wesentlichen Teilen auf christlichen Grundlagen ruht.

Aber - so ist das eben mit der Globalisierung der Welt:Offensichtlich ist man bereit, dem Utilitaritätsprinzip ohne mit der Wimper zu zucken ganze Völker und Kulturen zu opfern, wenn sie einer vorgeblich "neuen Ordnung" widerstehen könnten. Schändlich nur, daß sich eben auch Amtsträger christlicher Bekenntnisse (zumindest indirekt) zum Sprecher und Unterstützer solcher Barbareien machen lassen !

Nachdenkliche Grüße sendet
Erzpr. Peter

Rene

Beitragvon Rene » 22.05.2007, 22:12

Lieber Vater Peter,

ich schließe mich Ihren Ausführungen voll und ganz an!
Im letzten Schmalen Pfad fanden sich auch einige sehr interessante Beiträge in bzw aus Richtung Serbien, sehr zu empfehlen! Ich muss gestshen, dass ich erschrocken war über einige Tatsachen, die man in der hiesigen Presse natürlich nicht liest...

einige Beiträge aus dieser Ausgabe:
- Gedenken der Neumärtyrer Serbiens
- Bischof Artemije Die gegenwärtige Situation im Kosovo
- Archimandrit Nektarios (Serfes) Besuch im Kosovo
- Gemeinschaft des Hl. Berges Athos Offener Brief
- Archimandrit Justin Popović Humanistischer Ökumenismus
- Archimandrit Nektarios (Serfes) Im Gedenken an die 50. Millionen Opfer des Holocausts an den orthodoxen Christen im 20. Jh.
freundlichst Rene

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theofan
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Re: Einige Gedanken...

Beitragvon theofan » 24.05.2007, 10:17

protopeter hat geschrieben:...Dagegen weiß man allerdings auch, was bei einem unabhängigen Kosovo für die Orthodoxe Kirche zu erwarten ist - nichts anderes als die "Vollendung" dessen, was seit nunmehr 8 Jahren unter UNO-Ägide betrieben wird: Vertreibung, Vernichtung und Auslöschung der orthodoxen Zivilisation. Wo ist jetzt die "christliche Solidarität", wo ist man jetzt bereit zu erkennen, daß die einzige "Kirche in Not" in dieser Weltgegend die Orthodoxie ist ? ...


Lieber Vater Peter, liebe Diskutanten,
bei aller Zurückhaltung in diesem heiklen Thema (es ist ein Rühren in offenen Wunden) mag ich das doch nicht ganz so unhinterfragt stehen lassen, auch wenn das Geschriebene dem allgemeinen orthodoxen Weltbild leider wohl entspricht.

Der/das Kosovo hatte eine relativ weitgehende Autonomie seit 1974. Bis 1991 ist dann der Anteil der Kosovo-Albaner von über 70 auf fast 90 % angestiegen - ohne VN.
Wieso sind denn die Serben lieber weggezogen aus dem Armenhaus Jugoslawiens? Wieso kommen denn Anfang der 90er Jahre auf 1 serbisches, vielleicht orthodoxes, Baby 10 albanische??
Von welcher orthodoxen Zivilisation reden wir denn ???

Die Gründe für solche Konflikte findet man IMMER in der Vergangenheit, in der Zeit vor dem Konflikt. Eine Projektion auf irgendwelche Dritte, die dann mehr oder weniger geschickt dazwischengehen, wenn es schon zu spät ist, bringt wenig.

Es gibt übrigens auch eine aufblühende albanische orthodoxe Kirche. Übergriffe der Albaner auf deren Einrichtungen sind im letzten Jahrzehnt nicht bekannt. Ich behaupte daher, dass auch in einer Republik Kosovo die Reste der "orthodoxen Zivilisation" nicht notwendig so leiden müssten, wie sie es im Zuge des serbischen Milosevic-Nationalismus heute tun.


Sorry,
Hans-Peter

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einige Ergänzungen zum Thema

Beitragvon protopeter » 24.05.2007, 11:16

Lieber Hans-Peter !

Ich möchte schon im Vorhinein um Vergebung bitten, sollte ich etwas schreiben, das Sie möglicherweise allzu persönlich nehmen könnten, aber ich meine auch, daß sehr vielen selbsternannten "Kennern", die sich zu diesem Themenkomplex äußern, wirklich anzuraten wäre: "Si tacuisses, philosophus mansisses !".

Die bevölkerungspolitische Entwicklung im Kosovo ist ein Resultat der titoistischen Politik; zur inneren Autonomie kam es unter anderem, weil die lokalen Kommunistenführer (alle kosovoalbanischer Herkunft) schon nach 1965 mit Sezession und Anschluß an das (angeblich von der ganzen Welt isolierte) Albanien des Enver Hoxha drohten. Darüberhinaus lag es durchaus auch im Interesse Titos und seiner Getreuen, Serbien zu schwächen - auch im geistlichen Sinne. Während etwa der römische Katholizismus eine durchaus mit Privilegien ausgestattete Stellung im sozialistischen Regime genießen konnte, wurden Vertreter der Orthodoxen Kirche zum Teil massiv bedrängt und die Tätigkeit der Kirche auf ein Minimum beschränkt.

Wenn Sie auf Konflikte der Vergangenheit zwischen Serben und Albanern hinweisen, soll nur daran erinnert werden, daß das Kosovo nach der sogenannten Großen serbischen Wanderung von 1690 durch moslemische Albaner, die den osmanischen Machthabern loyal waren, neu besiedelt wurde. Zum überproprtionalen Anwachsen des albanischen Bevölkerungsteils nur soviel: Gerade eben durch die Tatsache, daß zwischen 1954 und 1989 sowohl Exekutive als auch Verwaltung in albanischer Hand waren, wurde den Serben die Lebensbedingungen in diverser Weise erschwert - es ist wohl verständlich, daß es infolgedessen zu Migrationsbewegungen kommen mußte. Die "Geburtenpolitik" der kosovoalbanischen Bevölkerung wurde zudem von den regionalen Behörden massiv unterstützt - gerade auch mit dem Ziel, das Kosovo dem serbischen Einfluß vollends zu entziehen. Gleiches droht heute in Makedonien zu geschehen: Vor einigen Jahren riefen die dortigen politischen Führer der albanischen Minderheit dazu auf, durch Geburten innerhalb von 25 Jahren den Anteil von 20 % auf 80 % zu steigern, um so den albanischen Anspruch deutlich werden zu lassen.

Sie kritisieren auch den Ausdruck "orthodoxe Zivilisation" in diesem Zusammenhang; Tatsache ist jedoch, daß gerade eben im umfassenden Bewußtsein hier eine Kontinuität existieren sollte - es erscheint mir etwas seltsam, daß im Kontext dieses Begriffes die historische Dimension keine Geltung haben sollte, während Sie sie für die politische Entwicklung sehr wohl anmahnen. Was die autokephale Orthodoxe Kirche Albaniens betrifft, so konnte sie tatsächlich seit ihrer Reorganisation vor nunmehr 15 Jahren dynamische Fortschritte erzielen; allerdings spricht auch sie sich ganz dezidiert gegen jene Geschehnisse aus, die in den letzten Jahren darauf abzielen, die Orthodoxe Kirche endgültig aus dem Kosovo zu verbannen. Ich weiß nicht, ob Sie die Situation aus eigenem Augenschein kennen - es wäre vielleicht nicht verfehlt, sich hiermit einmal konkret persönlich auseinanderzusetzen (oder zumindest mit den Flüchtlingen in Südserbien, die ja vor der Weltöffentlichkeit kollektiv als Täter, weil als vorgebliche Anhänger des "Milosevic-Nationalismus" gelten) !

Möge die Gnade Unseres Herrn mit Ihnen sein !
Erzpr. Peter

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Beitragvon Milo » 24.05.2007, 11:46

Christus unter uns!

Ein kleiner Hinweis auf die große demographische Entwicklung in Kosovo-Metohia:
http://en.wikipedia.org/wiki/Demographi ... _of_Kosovo

Frage an die Allgemeinheit:
Löst man das Problem des respektvollen und friedlichen Lebens miteinander, in dem man die Geburtrate erhöht um das Gleichgewicht der Macht herzustellen ?
Ich glaube nicht!

Nachdenklich etwas...

Milo

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Beitragvon IoannesProselytos » 24.05.2007, 16:37

Eine serb.-orth. Kultur im Kosovo gab es sicherlich im Kosovo - wo die hinverschwunden ist? Mit den Serben vertrieben und abgewandert ...

Das Beispiel Vater Peters bzgl. Makedonien zeigt auch, dass die großalbanischen Träume noch nicht ausgeträumt sind und ihre "Schläfer" durchaus darauf hoffen können, dass sie in absehbarer Zeit in Erfüllung gehen ...

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theofan
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Beitragvon theofan » 24.05.2007, 22:10

Ehrwürdiger Vater Peter,

Ihre Antwort widerspricht meiner Sicht der Dinge nicht wirklich.

Mich störte ja nur: zum Einen die pauschale Schuldzuweisung an die VN. Selbstverständlich sind auch viele Dinge kritikwürdig, die im internationalen Krisenmanagement da gelaufen sind, und, wie es so schön heißt, wo eine Leiche liegt, versammeln sich auch die Geier. Ich bin beruflich Teil dieses Systems und habe oft mit Menschen zu tun, die da unten das in den Brunnen gefallene Kind über Wasser halten, und ich meine daher einschätzen zu können, dass dieses System zwar vielleicht nicht die partiellen Interessen der serbischen Orthodoxie so unterstützt, wie Sie oder ich sich das vielleicht wünschen, aber bestimmt auch nicht ein Groß-Albanien. Ich könnte meinen Job wohl nicht tun ohne die Überzeugung, dass der Einsatz im Kosovo insgesamt notwendig und vernünftig ist.

Zum Anderen: dass die Orthodoxie nun wieder vor den Karren der Politik gespannt wird. Genau wie in der Ukraine.
Dass die Orthodoxie unter Tito zu leiden hatte, ist korrekt, aber dass die Serben auch in der Opferrolle waren, hätte ich nicht gedacht. Die demografische Schlacht wurde jedenfalls schon früher verloren, das haben Sie ja überzeugend dargestellt, und wie auch immer, kann man jetzt nur noch das Schlachtfeld aufräumen. Dies versucht Europa zumindest. Und friedliche Zeiten sind doch auch für die "orthodoxe Zivilisation" ein übergeordnetes Gut - sonst würden wir nicht in jeder Liturgie darum beten.

Zu biblischen Zeiten war ein verlorener Krieg ein deutliches Zeichen für Ungnade Gottes und nötige Reue.
Das Volk Gottes hatte seinen Anspruch auf das verheißene Land verspielt, und war doch auch in Babylon - erst recht- Gottes Volk geblieben. Auch die orthodoxe Zivilisation kann und darf sich nicht davon abhängig machen, ob sie Herrin über das Amselfeld ist oder nicht.
Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen - gelobt sei der Name des Herrn.

Ich versuche ja, ein guter orthodoxer Christ zu sein und an die von den Vätern favorisierte symphonia von Kirche und weltlicher Macht zu glauben - sie mag im oströmischen Imperium manchmal funktioniert haben, aber auf nationalstaatlicher Ebene empfinde ich sie öfter als großes Unglück für unsere Kirche.

Guten Abend
Hans-Peter

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Beitragvon protopeter » 25.05.2007, 15:30

Lieber Hans-Peter !

Ich kann nicht umhin, Ihnen auf Ihren letzten Beitrag zu antworten - gerade auch, weil es darum gehen sollte, gewisse medial kolportierte Stereotypen (an deren Verbreitung internationale Organisationen ganz gewiß nicht unbeteiligt waren !) differenzierter zu betrachten.

1. Wenn ich den Begriff der orthodoxen Zivilisation verwende, so handelt es sich dabei keineswegs um ein staatspolitsch begründetes System; ich darf daran erinnern, daß Archimandrit Justin Popovic (dessen geistig-geistliches Erbe gerade heute von zentraler Bedeutung sein sollte) völlig zu Recht erklärte, daß dem gottmenschlichen Charakter der Kirche Christi kein politisch-weltanschauliches System entsprechen kann. Die Kirche ist jenseits aller dieser Kategorisierungen; dementsprechend ist eben auch eine aus dem orthodoxen Glauben kommende Zivilisation aufzufassen. Die symphonia oder synallilia war letztendlich (nach den Worten Vater Justins) auch eine große Versuchung für die Kirche - verbunden mit der Gefahr, in den "weltlich breiten Weg" abzugleiten; meiner persönlichen Ansicht nach ist sie nicht unbedingt als Leitmotiv zu empfehlen.

2. Davon ausgehend kann und darf kirchliches Wirken keinen politischen Charakter - im Sinne von Parteilichkeit und strategischen Überlegungen haben; allerdings ist die Kirche sehr wohl dazu gerufen, das orthodoxon ethnos - die als orthodoxes Volk bezeichnete Gesamtheit ihrer Gläubigen (unabhängig von sämtlichen ethnisch-kulturellen Anbindungen) und ihre Zivilisation zu verteidigen. Im Falle des Kosovo ergibt sich eben als Faktum, daß dieses orthodoxe Volk nahezu ausschließlich aus Serben besteht - damit mag es für die Betroffenen natürlich auch konsequent sein, territoriale Ansprüche geltend zu machen und sich dabei (auf welche Weise auch immer) die Unterstützung von Kirchenvertretern zu erhoffen - gerade auch, weil die Politik über all die Jahre hin kläglich versagte.

3. Es ist allerdings auch eine Tatsache - mit der man im Übrigen immer wieder auf verschiedene Weise konfrontiert ist - daß die Orthodoxie per se als Störfaktor begriffen wird, weil a. ihre weltanschauliche Grundkonzeption eben so gar nicht dem "humanistischen Christentum" heterodoxer Prägung mit seiner zeitgeistigen Selbstverliebtheit entspricht und b. diese Überzeugungen eben auch geltend gemacht werden. Mit anderen Worten: Das Ziel einer "geistigen Globalisierung" kann mit der Orthodoxen Kirche niemals erreicht werden; so hebt man dann eben gerne hervor, daß unsere Kirche (nicht als durchaus existente Fehlerscheinung, sondern als fundamentales Grundprinzip) "nationalreligiös" (und ich kenne diesbezüglich auch andere, viel weniger schmeichelhafte Ausdrücke) orientiert sei.

Als bekennender orthodoxer Christ sollte man sich bewußt sein, zum Diener welcher Sache man sich macht; dies galt zu allen Zeiten, fordert aber auch gerade heute von uns ein umfassendes Zeugnis für die Wahrheit - vor allem im Hinblick auf das Wort des Herrn bei Mt 6,24.

Sehr nachdenklich grüßt
Erzpr. Peter

Nassos
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Beitragvon Nassos » 28.11.2007, 19:23

Pater evlojison,

ich kann mich zum Kosovo nicht äußern, da ich hier zu subjektiv und zu wenig involviert bin.

Aber ich wollte mich bedanken für Ihren Beitrag, denn der Punkt 3 ist immens wichtig - unabhängig von jeglicher Politik.
Ist aber auch in sich logisch. Ändere ich mein Verhalten, um mich jemandem anzubiedern, dann habe ich Verrat an meiner eigenen Person/Persönlichkeit begangen. Ich bin nicht mehr ich.

Nochmals vielen Dank für diese wichtigen Worte.

Ihnen und allen einen schönen Abend,
Nassos


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