Thomas Bremer, Assaad Elias Kattan, Reinhard Thöle: "Orthodoxie in Deutschland"

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Igor
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Thomas Bremer, Assaad Elias Kattan, Reinhard Thöle: "Orthodoxie in Deutschland"

Beitragvon Igor » 13.11.2016, 17:22

Thomas Bremer, Assaad Elias Kattan, Reinhard Thöle: "Orthodoxie in Deutschland"
Aschendorff Verlag, Münster, 2016
Das Buch, zu dem 23 Autorinnen und Autoren Beiträge lieferten, enthält in seinem ersten Teil eine facettenreiche Darstellung der Geschichte der Orthodoxie in Deutschland. Geschildert werden zunächst die Bildung russischer orthodoxer Gemeinden im 19. Jahrhundert und die komplexen jurisdiktionellen Verhältnisse, die das Leben der Gesamtheit der russischen Gemeinden in Deutschland zur Zeit der durch die Oktoberrevolution von 1917 ausgelösten Emigration beeinflusst haben. Über die Jahre nach 1945 bis in die Gegenwart findet der Leser eingehende Informationen unter besonderer Betonung der inzwischen erreichten kanonischen Gemeinschaft. Ergänzt werden diese Abschnitte durch Angaben über orthodoxe Serben und christliche Syrer in Deutschland.
Zahlreiche orthodoxe Christen aus weiteren orthodox geprägten Ländern fanden den Weg nach hier. Die sich daraus ergebende größere ethnische Vielfalt bedeutet heutzutage aber kein loses Nebeneinander mehr. Denn es zeichnen sich eine Festigung und sogar Verwurzelung ab. Als sichtbares Zeichen hierfür kann die 2010 erfolgte Gründung der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD) angesehen werden, in der die in Deutschland vertretenen orthodoxen Diözesen in definierten Bereichen zusammenarbeiten, um „die Einheit der Orthodoxen Kirche sichtbar zu machen“. Zur Erreichung dieses Zieles ist noch eine Reihe von Problemen zu lösen. So werden Schwierigkeiten aufgezeigt, die sich aus dem Spannungsverhältnis zwischen den in orthodoxen Ländern üblichen und den deutschen Traditionen, aus dem Miteinander verschiedener christlichen Kirchen, aus dem Nebeneinander verschiedener Sprachen in der Liturgie und im häuslichen Bereich oder für die Übersetzung liturgischer Text in die deutsche Sprache ergeben.
Lösungsansätze für die aufgeworfenen Fragestellungen werden insbesondere in den Sachthemen des zweiten Teils des Buches angedeutet. Es wird eingegangen auf den Stand und die Grundsätze des orthodoxen Religionsunterrichtes in Deutschland, auf die zahlreichen guten ökumenischen Beziehungen und deren Gestaltung zwischen der Römisch-Katholischen und der Evangelischen Kirche einerseits und der Orthodoxen Kirche andererseits. Beeindruckend ist ein Bericht über die vielseitigen Aktivitäten und Veröffentlichungen im orthodoxen Medienbereich. Kommunikation wird gerade im Zeitalter der Digitaltechnik ein wichtiges Thema im Leben der Kirche bleiben. Aber an der Beantwortung der zum Ende der Sachthemen aufgeworfenen Frage, ob durch diese Technik die lokalen Gemeinden als Ort der Eucharistiefeier gefährdet seien, wird sich wohl jeder orthodoxe Christ beteiligen müssen.
Das Werk wird im dritten Teil mit Bemerkungen über die Altorientalischen Kirchen abgeschlossen.
Die Lektüre dieser Sammlung von Beiträgen bereichert durch die Fülle der fundierten Fakten und bedenkenswerten Gesichtspunkte. Offensichtlich hat die Orthodoxe Kirche in Deutschland die Basis gefunden, um in Zukunft mit einer Stimme sprechen zu können. So kann sie auch im ökumenischen Gespräch als gleichberechtigter Partner gelten.
Rezension: Elmar Kalthoff
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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

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