Mein Video des Tages und die aktuelle Flüchtlingsproblematik

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Stephanie
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Re: Mein Video des Tages und die aktuelle Flüchtlingsproblem

Beitragvon Stephanie » 06.09.2015, 11:49

Lazzaro hat geschrieben:2. Liebe Maria, Deutschland hat kein Einwanderungsgesetz. Dadurch nimmt sich der dt. Staat die Möglichkeit zu definieren, welche Personengruppen er (bevorzugt) ins Land holen möchte. Deshalb ist eine bessere Behandlung von Christen (und Jeziden), die ich ebenso befürworte, nicht nöglich. Das ist ein Versäumnis der 90ger Jahre.Lazarus


Naja. Einwanderung und Asylantrag ist ja auch zweierlei. Deutschland hat ein Asylgesetz, dass auf persönlicher Ebene funktioniert. D.h. es werden nicht Menschengruppen asylberechtigt, sondern jeder Mensch kann einen Asylantrag stellen, der dann im Einzelnen geprüft und entweder bestätigt/gewährt oder abgelehnt wird.
Dementsprechend kann auch ein Franzose einen Asylantrag stellen. Er muss nachweisen, dass er persönlich verfolgt wird (vom Herkunftsstaat). Dafür gibt es bestimmte Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit eine Verfolgung als solche anerkannt wird. Dann wird entweder dem Antrag entsprochen oder dieser abgelehnt. Das geschieht allerdins in Deutschland und logischerweise nicht an der Grenze. Das Problem ist, dass diese Verfahren aufgrund von Personalmangel ziemlich langwierig sind und je länger jemand in der Zwischenzeit im Land lebt, desto schwieriger wird die Ausweisung (z.B. Kind mittlerweile seit xy Jahren in Deutschland in der Schule und damit integriert -> Anwalt kann gegen Ausweisung Einspruch erheben).
Eine bessere Behandlung einzelner Menschengruppen wäre Diskriminierung. (Ich nehme an, dass du das anders gemeint hast. Steht aber halt so da.) Es gibt nicht Menschen Klasse a und Menschen Klasse B - selbiges gilt für Staatsbürger. Siehe Grundgesetz.


Lazzaro hat geschrieben:3. Das Dublin III - Abkommen ist schon seit Längerem außer Kraft, weil es einfach nicht praktikabel ist, denn Griechenland und Italien können ihren Teil der Arbeit nicht mehr schaffen. Gerade in den letzten Tage wird einfach improvisiert, ohne die Gesetze zu beachten:
Die Flüchtlinge haben bereits in Griechenland einen Rechtsanspruch ! auf ein Asylverfahren. Um diesen Rechtsanspruch durchzusetzten, müssen sie die EU wieder verlassen, durch den Balkan reisen und die EU in Ungarn wieder betreten. Dort werden sie illegalerweise -der Staat handelt illegal!- nicht registriert, sondern anschließend am Ende der Reise in Deutschland, obwohl sie mit dem Zug anreisend ganz klar und deutlich aus einem sicheren Drittland, nämlich aus Österreich kommen. Damit ist -theoretisch, im Nomalfall auch praktisch- ihr Rechtsanspruch auf Asyl in Deutschland verwirkt.
Rechtliches Chaos, quod erat demonstrandum, menschliches und einfach praktisches sowieso.Lazarus


Jupp. Und da ist Deutschland mal ganz gepflegt selbst schuld. Seit mehr als 15 Jahren rufen die Mittelmeeranreinerstaaten um Hilfe, weil sie unmöglich mit der Situation alleine fertig werden können. Man war in D, UK, FR usw. taub auf beiden Ohren und hat es nicht für nötig befunden, sich gemeinsam an den Tisch zu setzen und nach Lösungen zu suchen. Wie immer. Und jetzt kann man nur noch hilflos reagieren. Dass Staaten wie Griechenland gegenwärtig noch weniger als noch vor 10 Jahren in der Lage sind, die Situation zu regeln, ist ja irgendwie selbstredend. Deshalb winken die Staaten die Flüchtlinge auch durch. Wie sich das auf die Anträge auswirken wird, wird jetzt gegenwärtig wohl ausgekaspert werden. Eigentlich ist jeder, der in der Türkei sich aufgehalten hat, bereits in einem sicheren Drittland und damit nicht einreiseberechtigt. Aber wie gesagt...angesichts der Menschenmassen und entsprechender Versäumnisse, lässt sich dies nicht auf die Schnelle feststellen und muss erst in langwierigen Verfahren geklärt werden.
Übrigens... das nur als Randnotiz: Wenn jemand als Flüchtling anerkannt wurde, irgendwann hier leben und arbeiten darf und damit Bürgerrechte erhält, so kann man ihn zwar innerhalb der EU gerne ansiedeln wo man will, da aber in der EU Freizügigkeit herrscht, ...wenn sie dort nicht bleiben wollen, werden sie dort nicht bleiben. Es gibt kein Gesetz, dass mich zwingen kann am Ort, im Land xy, zu leben (innerhalb der EU). Also auch solche Ideen sind rechtlich nicht umzusetzen. Oder die Gesetze der EU müssen geändert werden.

Lazzaro hat geschrieben:4. Der christliche Aspekt:
"Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben ..." die Bibelstelle ist bekannt. Wenn wir möglicherweise unsere zukünftigen Feinde aufnehmen werden? "Liebet eure Feinde und tut denen Gutes, die euch hassen" sagt der Herr selbst.
Also das Neue Testament ist da sehr eindeutig.Lazarus

Mmh. Das denke ich mir auch schon die ganze Zeit. Wir mögen persönlich bedenken haben diese oder jene Menschen aufzunehmen (geht ja mir auch nicht anders), sind aber durch das NT angehalten, alle Menschen auf-/anzunehmen, nicht nur jene, die wir lieber auf-/annehmen wollen.

Lazzaro hat geschrieben:5. Der religionspolitische Aspekt:
Grundsätztlich ist mir die Einwanderung orientalischer Christen wesentlich lieber, aber der Durchschittsdeutsche kommt gar nicht auf die Idee, das Assyrer Christen sein könnten, genausowenig wie ein Durchschnittsrusse auf die Idee kommt, ein Deutscher könnte Orthodox sein.
Eine theologische Bereicherung und Stärkung des Christentums in Deutschland werden wir vergessen können. Es lebe der Ethnophiletismus!Lazarus

Das mag ja stimmen, spielt aber doch für die Gewährung von Asyl keine Rolle.

Das meine ich ja. Es ist schwierig sachliche Diskussionen zu führen, wenn ständig die Ebenen gewechselt werden. Ich persönlich kann natürlich Gefühle, Bedenken usw. haben (und die habe ich auch, aber das ist eben ein ganz anderes Thema).
Aber der Staat kann nicht nach emotionalen Kategorien agieren, er hat gesetzliche Grundlagen, nach denen er handeln muss. Und die Einreise von Flüchtlingen ist nicht automatisch die Bewilligung eines Antrages, das sollte man auch nicht vergessen. All die Menschen vom Balkan, die gegenwärtig einreisen, sind keine Flüchtlinge. Sie erhaltne auch keinen Status als Flüchtling, es sei denn der Einzelne kann nachweisen, dass er ganz persönlich von seinem Staat verfolgt wird. Das Recht einen Asylantrag zu stellen hat er aber. Und diesen Antrag muss Deutschland überprüfen. Genauso wie bei dem vorher von mir genannten imaginären Franzosen.
Das Willkommensspektakel einzelner Bürger an den Bahnhöfen sehe ich ohnehin als sehr bedenklich an. Es sind Übersprungshandlungen aufgrund einer total emotional betriebenen "Berichterstattung" und Pseudodiskussion. Die gleichen Bürger, die aus reinen momentanen Gefühlen heraus Willkommen rufen, sind die gleichen Bürger, die später das Gegenteil schreien. Jeder darf seine ganz persönlichen Meinungen und Gefühle haben. Öffentliche Berichterstattung und politische Diskussionen bzw. Handlungen müss(t)en aber nicht Affekten folgen, sondern der Ratio und den Gesetzen - das andere ist dann Willkür.

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Stephanie
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Re: Mein Video des Tages und die aktuelle Flüchtlingsproblem

Beitragvon Stephanie » 06.09.2015, 11:56

@ Mirjanin.

Sehe ich ganz ähnlich und es gibt so einige (Reporter, Wissenschaftler), die das vorher immer wieder mal thematisiert haben. Es wurde ihnen aber nicht Gehör gewährt. Versäumnisse auf gesellschaftlicher oder politischer Ebene rächen sich leider immer. Und es ist ja nun wirklich nicht so, dass all das aus heiterem Himmel über uns kommt.

Mit emotionaler Diskussion kann man zwar seinem Ärger (oder seiner Freude, je nachdem) Luft machen, aber realistische Lösungen für ernsthafte und schwierige Probleme nicht finden. Und außerdem...vergallopiert man sich schnell mal, zumindest mir geht das so (und gucke ich in die gegenwärtige Berichterstattung, will es mir scheinen, dass ich damit nicht die einzige bin ;-))

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Re: Mein Video des Tages und die aktuelle Flüchtlingsproblem

Beitragvon MariaM » 06.09.2015, 12:03

Mirjanin, sehr treffend der Artikel... leider. Habe ihn weiter geteilt...

Was könnten/sollten wir als orthodoxe Christen in dieser Situation am besten tun?
Helfen, da wo es gebraucht wird, aber zugleich auch warnen? Versuchen unseren Glauben lebendig den Menschen, die gekommen sind, nahezubringen? Wie kann das konkret gehen...? Beten wir um Erleuchtung und Führung, was und wie zu tun ist.

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Re: Mein Video des Tages und die aktuelle Flüchtlingsproblem

Beitragvon Thuja » 06.09.2015, 15:22

Ihr Lieben,

jetzt nur kurz, bin "auf'm Sprung":

Der Artikel von Mirjanin eingstellt, ist wichtig!!!
Ich denke, dass diese "Willkommenseuphorie" ausgebrochen ist, um den Ankommenden ein positives Deutschlandbild zu zeigen, dass es nicht alles ist, wie vorher die auch in den Medien breitgetretenen Hass-/Angriffs-Taten auf Asylbewerberheime etc. ein nur negatives Bild verbreiten... dass mal wieder alles ins andere Extrem übergeschwappt ist, ist mal wieder leider so...
Das ist, denke ich, aber nicht die "reale" Einstellung der Bevölkerung insgesamt, wird im Moment nur am lautesten kommuniziert...
Weiteres später...

Liebe Grüße
Thuja
Господи помилуй мя!

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Wie gezielt helfen? "Orthodoxe Caritas"...???

Beitragvon MariaM » 07.09.2015, 18:19

Hallo, nochmal zu der Flüchtlings-/Migrantenproblematik:
Ich wüsste gerne, ob es so etwas wie eine "orthodoxe Caritas" bzw. Initiativen gibt, wo orthodoxe Christen beteiligt sind und mit denen gezielt wirklich verfolgten Menschen (Christen, Jesiden, aber auch anderen...) geholfen wird? Wo man helfen oder spenden könnte und dabei weiss, dass es wirklich dem "guten Zweck" dient?
Am besten wäre natürlich, wenn ihr persönlich so etwas kennt oder macht. Danke!

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Re: Mein Video des Tages und die aktuelle Flüchtlingsproblem

Beitragvon Thuja » 07.09.2015, 19:31

Liebe Maria,

ich weiß nur hiervon:
http://www.orthodiakonia.de/de/

Aber das bezieht sich wohl nicht auf Flüchtlinge, sondern schwerkranke Kinder, denen eine Behandlung in Deutschland ermöglicht wird, die Organisatoren sind hier wohl in erster Linie Jugendliche, bzw. junge Erwachsene, von denen die Initiative ausgeht...

Liebe Grüße
Thuja
Господи помилуй мя!

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Re: Wie gezielt helfen? "Orthodoxe Caritas"...???

Beitragvon Mary » 20.09.2015, 08:44

MariaM hat geschrieben:Hallo, nochmal zu der Flüchtlings-/Migrantenproblematik:
Ich wüsste gerne, ob es so etwas wie eine "orthodoxe Caritas" bzw. Initiativen gibt, wo orthodoxe Christen beteiligt sind und mit denen gezielt wirklich verfolgten Menschen (Christen, Jesiden, aber auch anderen...) geholfen wird? Wo man helfen oder spenden könnte und dabei weiss, dass es wirklich dem "guten Zweck" dient?
Am besten wäre natürlich, wenn ihr persönlich so etwas kennt oder macht. Danke!


Vielleicht suchst Du das hier?

http://aramaicrelief.com/aramaic-relief-international/

Hilfe vor Ort, damit die Menschen gar nicht oder nicht noch weiter flüchten müssen, ist das Ziel.
Let Your mercy, O Lord, be upon us, as we hope in You.

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"Flüchtlinge" kampieren auf Friedhof... :-(

Beitragvon MariaM » 25.09.2015, 17:08

Jetzt stelle ich es auch hier nochmal ein, da es evtl, besser passt:

... noch etwas zur Flüchtlingsproblematik. Ich schrieb ja schon früher etwas zum Dilemma, einerseits wrklich Bedürftigen helfen zu wollen, andererseits den Eindruck zu haben, dass das was geschieht, irgendwie nicht mehr "normal" ist und dass da etwas in Gang gesetzt wurde (von wem und warum?), was ziemlich gefährlich werden kann und wo der Sicherheitsaspekt nicht zu vernachlässigen ist.

Aber jetzt konkret - vor ein paar Tagen gab es hier einen Bericht über Flüchtlinge/"Flüchtlinge"/Migranten, die über die Balkanroute kommen. Und da hat mich schockiert, dass sie an der kroatisch-serbischen Grenze auf christlichen Friedhöfen kampieren, Feuer machen, auf Gräbern schlafen und ich will gar nicht wissen, was sonst noch alles - schaut mal das Video an - krass, oder????

http://zpravy.idnes.cz/chorvatsko-srbsko-uprchlici-dig-/zahranicni.aspx?c=A150923_145445_zahranicni_aha

Also sorry, angebliche "hilfsbedürftige Flüchtlinge" - so respektlos benehme ich mich doch nicht in einem Land, wo ich Gast bzw. auf der Durchreise bin und froh bin, in Sicherheit zu sein!!!! Und es lag NICHT daran, dass dort nicht auch woandedrs Platz gewesen wäre. Es ist einfach ein totales Missachten, Mitfüssentreten der hiesigen Kultur und Religion. Und solche Leute lässt man massenhaft nach Europa???? Ich fass es nicht... was sagt ihr dazu??? :shock:

UNd dass sie es evtl. nicht wussten, glaube ich nicht! Man informiert sich doch über die Länder, wo man hinreist und weiss i.dR., wie ein Friedhof aussieht (und spätestens wenn man Grabsteine sieht, wo ein Name und dann zweimal ein Datum steht - das müsste eigentlich jeder kapieren!) - und andere Informationen haben sie ja anscheinend auch gefunden - z.B. über die sog- "Willkommenskultur" in Deutschland,oder allgemein war man ja meist super "informiert", wie paradieseisch es in Europa sei. -

Was sagt ihr dazu? Gruss, M.
P.S. Und warum hat sie eigentlich niemand daran gehindert, da zu kampieren??? Hat man schon so eine Angst vor denen...? :(

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MariaM
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Ich habe eine Orthodoxe Hilfsorganisation gefunden...

Beitragvon MariaM » 26.09.2015, 21:53

... hier:

http://www.iocc.org/countries/countries_syria.aspx

Kennt sie jemand?

Gruss, M.


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