Meine Freundin, die Nonne

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Matwej
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Meine Freundin, die Nonne

Beitragvon Matwej » 23.01.2011, 20:32

Vor einigen Tagen habe ich das Buch: "Meine Freundin, die Nonne" fertiggelesen.
Nun meine Frage an euch: Wer hat das Buch schon gelesen ? und wie hat es euch gefallen ?

Mich persönlich hat das Buch sehr bewegt auch wenn ich etwas traurig über die
Schlussfolgerungen der Autorin bin....

Aber jetzt schreibt ihr erst mal was eure Gedanken sind. :buch:

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Elias
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Re: Meine Freundin, die Nonne

Beitragvon Elias » 23.01.2011, 21:54

Matwej hat geschrieben:Vor einigen Tagen habe ich das Buch: "Meine Freundin, die Nonne" fertiggelesen.
Nun meine Frage an euch: Wer hat das Buch schon gelesen ? und wie hat es euch gefallen ?

Mich persönlich hat das Buch sehr bewegt auch wenn ich etwas traurig über die
Schlussfolgerungen der Autorin bin....

Aber jetzt schreibt ihr erst mal was eure Gedanken sind. :buch:


Die Autorin soll jetzt das geistliche Kind von der Äbtissen sein. Das Buch habe ich leider noch nicht gelesen werde es aber wohl auch mal tun :)

Sinaitis
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Re: Meine Freundin, die Nonne

Beitragvon Sinaitis » 24.01.2011, 00:43

... Kinder- und Schulfreundin der Gerontissa.
Im Märzheft wird im Andreasboten eine ausführliche orthodoxe Buchbesprechung erscheinen. Dann kann ab Ende Februar der Text auch ins internet, bislang ist er noch gesperrt.
Jedenfalls ist das Buch lesenswert, weil es die existentielle Dimension der Orthodoxie sucht und weil es literarisch gut gemacht ist - eine extreme Seltenheit im orthodoxen Büchermarkt.

Nassos
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Re: Meine Freundin, die Nonne

Beitragvon Nassos » 25.01.2011, 22:06

Dem kann ich zustimmen, auch wenn mich div. Verhaltensweisen der Konvertitin und ihres geistlichen Vaters manchmal irritiert haben. Sie kamen mir ... etwas neben der Kappe vor.
Aber das Buch ist empfehlenswert, weil es alles behandelt, einschließlich der nachvollziehbaren Ängste ihrer Familie.

Am beeindruckensten fand ich den ersten Kontakt zur Orthodoxie. Das ist sehr sehr gut beschrieben!

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Re: Meine Freundin, die Nonne

Beitragvon Igor » 24.04.2011, 21:41

Eine Rezension gibt es übrigens auch auf der Seite der Sendung Radiofeuilleton des DeutschlandradioKultur.
Bild
Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

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Buch "Meine Freundin, die Nonne"

Beitragvon Thuja » 15.01.2012, 17:56

Ihr Lieben,

ich hab' ein, wie ich finde, interessantes und gut geschriebenes Buch gelesen, vielleicht kennt Ihr es ja auch?? Und wie ist Eure Meinung??
Von Ilka Piepgras (ulkiger Name!!): "Meine Feundin, die Nonne" (Droemer-Knaur-Verlag), in der sie (mein Alter) den Werdegang ihrer Freundin (aus Kinder- und Jugendtagen in Deutschland) beschreibt, die bei einem Stipendium für einen kurzen Studienaufenthalt in Griechenland die griechisch-orthodoxe Kirche per "Zu-Fall" (nein, ich weiß, es gibt keine Zufälle!) "beschnuppert", angezogen wird, das "Wesentliche" wieder in Deutschland überdenkt, dann in Berlin das Studium abbricht, nach Griechenland zieht, Griechisch lernt, konvertiert zur griechisch-orthodoxen Kirche und dort sehr schnell Nonne wird (dabei auch das dt. Kunststudium noch abschließt, orthodoxe Theologie studiert und später in Frankreich auch noch Jura auf Betreiben ihres "geistlichen Vaters"), beim Aufbau von Klöstern mithilft und inzwischen dort Äbtissin ist. Zwischenzeitlich hatten die beiden keinen Kontakt mehr, aber die Autorin (Journalistin) interessiert sich nun dafür, was in der Freundin "abgelaufen" ist und sie zu diesem radikalen Schritt bewogen hat, so dass sie wieder in Kontakt kommen und sie sie in Griechenland besucht, mit ihr spricht, Eindrücke auf sich wirken lässt, reflektiert...
Vieles kommt mir bekannt vor von ihren Eindrücken von der Orthodoxie in Griechenland (selbst wenn ich nie in Griechenland war, nur jetzt von meinen Eindrücken der russisch-orthodoxen Kirche ausgehe), da sind die beiden orthodoxen Kirchen ja nicht weit auseinander... und wenn die Sowjetunion damals kein atheistischer Staat gewesen wäre, sondern eine ungebrochene kirchliche Tradition gehabt hätte, wie das in Griechenland wohl der Fall war, dass diese Freundin dort so schnell "eintauchen" konnte, könnte ich mir vorstellen, dass mir manches vielleicht im Verlaufe meiner Russisch-Begeisterung, in den 80er-Jahren dort vor Ort ähnlich gegangen wäre... doch die Umstände waren total anders!
Aber Gottseidank ist die russisch-orthodoxe Kirche ja nun wiederbelebt und "lebendiger", erobert sich "altes Terrain" zurück und baut neu auf...

Viel Spaß beim Lesen!

Viele Grüße
Thuja
Господи помилуй мя!

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Re: Buch "Meine Freundin, die Nonne"

Beitragvon Mops » 15.01.2012, 18:32

Hallo,

stimmt, angenehm zu lesen das Buch und auch sehr angenehme Brüder und Schwestern dort in den Klöstern.

beste Grüße
G.

Mops
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Re: Meine Freundin, die Nonne

Beitragvon Mops » 16.01.2012, 10:01

Ilka Piepgras, Meine Freundin, die Nonne, München: Droemer, 2010, 297 Seiten, ISBN 978-3-426-27502-3.
Rezension von π. Martinos Petzolt

In bemerkenswerter literarischer Qualität gibt es bislang noch kein Buch über die Orthodoxie, das über das Mönchtum, das geistliche Leben und die Fragen, die ein Nichtorthodoxer an die Orthodoxie hat, handelt, vielleicht von Erich Kästners Stundentrommel abgesehen, welche allerdings ziemlich an der Oberfläche der Episoden bleibt und Romantik mit Tiefe verwechselt. Frau Piepgras hat ein literarisches Werk geschaffen, das zugleich, möglicherweise sogar ohne es zu beabsichtigen oder gar zu wissen, eine kleine Einführung in die Orthodoxie für kirchenferne moderne Zeitgenossen darstellt. Auf der Suche nach ihrer besten Freundin aus Kindertagen und dem ehrlichen Bemühen, ein wenig zu verstehen, warum diese von Deutschland wegging und in Griechenland eine orthodoxe Nonne geworden ist, stellt sie ehrliche und wesentliche Fragen und gelangt ins Herz der Orthodoxie selbst. Weil sie unbestechlich fragt und sich nicht mit vorschnellen, stereotypen oder halbwahren Antworten zufrieden gibt und immer auf die existentielle Mitte abzielt, entsteht ein Bild der Orthodoxie, das echt und geprüft, hinterfragt und kritisch beleuchtet ist, einer Orthodoxie, die mit dem Menschen und dem Wesen des Glaubens zu tun hat.
Selbstverständlich wechselt sie nicht die Perspektive, sondern bleibt auf der Seite der kritisch Fragenden, der Bezweifelnden, der sogar im Protestantismus nur wenig verwurzelten Skeptikerin. Aber umso interessanter und aufschlussreicher sind ihre Sicht der Orthodoxie, ihre Fragen an die Orthodoxie, ihre Erlebnisse und Wahrnehmungen orthodoxer Lebenswirklichkeit. Da das Buch von der ersten bis zur letzten Seite existentiell ist und nicht bloß äußerlich Erlebtes referiert oder gut recherchierte Informationen journalistisch aufarbeitet, können sowohl Nichtorthodoxe sich mit ihren Fragen, Unverständnissen, Irritationen wiederfinden als auch Orthodoxe diese Außensicht und Perspektive kennenlernen. Und beiden, Orthodoxen wie Nichtorthodoxen, wird der Blick auf die wesentlichen Fragen der Orthodoxie gelenkt, auf das, was im Kern die Orthodoxie ausmacht. Inhaltliche Fragen des Glaubens, also Glaubensaussagen, Dogmatik, die Lehre der Kirche, stehen nicht im Mittelpunkt des Blicks und des Interesses, aber die Art und Weise, wie Orthodoxe glauben, wird eindrücklich und authentisch in Worte gebracht. Denn die viel wichtigere Frage als bloßes Katechismuswissen ist, was das alles mit dem eigenen persönlichen Leben zu tun hat und wie es wirklich gelebt werden kann. Frau Piepgras geht dem nach, und deshalb ist das, was sie gesucht und auch gefunden hat, existentiell und wesentlich, glücklicherweise in einer Sprache mit literarischer Qualität und in einer erzählerischen Form, die Struktur hat und mit Freude zu lesen ist.
Man sieht dem Werk die professionelle Handschrift und das journalistische Handwerk an, aber die Journalistin hält sich nicht außerhalb des Geschehens, sondern bezieht sich mit ein, ist sogar eigentlich der Mittelpunkt aller Überlegungen, denn sie ist es, die ihre Freundin verstehen, wiederfinden oder neu entdecken will. Es sind ihre eigenen Fragen, für die sie Antworten sucht, ihre Lebenswelt, mit der sie die fremde Wirklichkeit vergleicht, ihre eigene Biographie, deren Brüchen sie nachspürt um zu verstehen, wie anders ihre Freundin ihr eigenes Leben orientiert hat. Und was sie als Antworten schreibt, ist zwar gelernt, erfahren, mitgeteilt, gehört, aufgeschnappt bei ihrem eigenen Klosteraufenthalt als Besucherin, steht aber im Horizont ihres eigenen Verstehens, ist konfrontiert mit der eigenen Lebenserfahrung, ist ohne Patina und Staub von Jahrhunderten, orientiert sich nicht an Heiligen und
stützt sich nicht auf das Zitieren höherer Autoritäten. Denn sie will nichts schreiben, was sie nicht verstanden hat oder sogar für plausibel und glaubhaft halten kann.
Vielfach und in immer neuen Facetten spiegelt sich das Leben der Nonne und ihrer Lebensentscheidung in den Augen der Eltern, der Geschwister, der Freunde, der engsten Freundin, der Mitschwestern und schließlich auch des geistlichen Vaters der Gemeinschaft, des Archimandriten Dionysios, und hinter allem steht unbeirrt die entschiedene und authentische Verkörperung orthodoxen Glaubens und Lebens in der Person der Äbtissin Diodora, die als Charlotte Stapenhorst in Deutschland aufgewachsen ist, während des Kunststudiums auf Naxos die Orthodoxie kennenlernte, Nonne wurde und über Jerusalem und Theben nach Karditsa in Thessalien kam, wo sie heute einem Klosterverband mit Nonnen aus vielen Nationen vorsteht und Pionierarbeit leistet.
Die Recherchen sind erstaunlich, sehr detailliert und kenntnisreich, als wäre Piepgras immer dabei gewesen, obwohl sie 20 Jahre lang keinen Kontakt mit ihrer Freundin Charlotte hatte. Sie zitiert aus alten Briefen an Verwandte, kennt Reaktionen und Antworten aus der Kinder- und Studienzeit, beschreibt Emotionen der Eltern angesichts des eigenen und unverständlichen Weges der Tochter, beschreibt die psychologische Verfasstheit Charlottes in ihren verschiedenen Stadien. Dabei erstaunt nicht nur manches Detail, sondern auch die sehr locker gehandhabte Diskretionsgrenze. Denn immerhin handelt es sich um das Portrait einer Zeitgenossin und nicht um eine historische Studie. Dasselbe gilt auch für sehr persönliche Details, etwa Werdegang, Vorlieben und Charaktereigenschaften mancher Schwestern im Kloster, die auf beigefügten Fotos sogar namentlich gekennzeichnet sind. Vielleicht haben sich die Zeiten und auch die Diskretionsgrenzen angesichts von Social Networks geändert, aber im monastischen Leben steht - wie auch die Gleichheit der Kleidung aller bis zur Verhüllung sogar der Haare zeigt - die eigene Person völlig zurück und verbirgt sich die persönliche Lebensgeschichte.
Zu verstehen, was Orthodoxie ist und bedeutet, ist das eine. Das andere ist, zu verstehen, warum die Freundin, Tochter, Schwester fortgegangen ist, mit dem alten Leben gebrochen hat um ein völlig neues Leben zu beginnen, das sich ganz anders darstellt als das bisherige. Wer zurückbleibt kann das auch als massive Kritik an sich und seiner Lebenswelt verstehen. Das führt dann wieder zur ersten Frage zurück, was Orthodoxie sei; warum orthodoxe Menschen so anders denken, empfinden und sind, warum diese Welt so anders und fremd erscheint, warum andere Maßstäbe und Lebensgesetze zu gelten scheinen. Es scheint sich zu bestätigen, dass anders lebt, wer anders glaubt. Und schließlich bleibt das schwierigste Thema für Verwandte und Freunde, was das für eine Kirche sein mag, die Menschen ins Kloster gehen lässt, in der es Menschen als den höchsten Sinn ihres Lebens ansehen, alles zu verlassen um in völligem Gehorsam zu leben. Es bohrt sogar auch in mancher griechischen Mutter die Frage, ob da nicht jemand wie ein Menschenfänger ihr Kind verwirrt und gestohlen habe.
Indem Ilka Piepgras diesen Fragen beharrlich nachgeht und schließlich auch bis zum Geistlichen Vater Dionysios vordringt, der sich mehr mit Ilka beschäftigt als über Diodora zu reden, entsteht ein erstaunlich differenziertes Bild orthodoxer Lebens- und Glaubenswirklichkeit, welches über die Person der Protagonistin hinausgeht, sich aber in ihr konkretisiert und in authentischer und auch vorbildlicher Form darstellt. Mutter Diodora ist eine außergewöhnlich starke, eindrucksvolle und warmherzige Persönlichkeit und eine vorbildlich Glaubende, eine ganz besondere Orthodoxe.

Nassos
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Re: Meine Freundin, die Nonne

Beitragvon Nassos » 10.02.2014, 12:17

Guten Tag,

auf dem Blog light of desert ist ein Interview mit Ilka Piepgras gepostet worden.

Herzlichen Dank an das Wüstenlicht.

Gruß,
Nassos

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Re: Meine Freundin, die Nonne

Beitragvon Stephanie » 24.02.2017, 19:50

Bericht über Mutter Diodora (aus "Meine Freundin die Nonne" bei uns bekannt), die mittlerweile wohl 3 Klöstern vorsteht und für ihre geistige ARbeit gewürdigt wird.
Zu den Aussagen bzgl. des gegenwärtigen orthodoxen Klosterlebens kann ich selbst nichts Erhellendes beitragen, finde die Beobachtungen aber interessant und sie passen schon auch zu Beobachtungen meinerseits in den Kirchen oder Zeitungsmeldungen. (Im Sinne, wir sollten mal nicht so hochmütig tun, denn Vieles ist nur oberflächliches und vermeintlich schön blitzendes Getue oder hässlicher Fanatismus, und leider eben in der Tiefe gerade nicht orthodox.)


https://www.domradio.de/themen/weltkirc ... iechenland

Möge Gott das WErk von Mutter Diodora weiterhin reichlich mit Segen bedenken!

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Dschorik
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Re: Meine Freundin, die Nonne

Beitragvon Dschorik » 05.03.2017, 18:49

...auch in Griechenland laufen nicht alle Wege geradeaus...
An jedem Ort sind die Augen Jahwes, / wachend über Böse und Gute! (Spr. 15, 3)


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