Was tun bei Kinderlosigkeit ?

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Röde Orm
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Was tun bei Kinderlosigkeit ?

Beitragvon Röde Orm » 10.03.2009, 15:15

Mich würde interessieren, was die Kirche empfiehlt, wenn ein orthodoxes Ehepaar sich Kinder wünscht, aber ein Ehepartner steril, also zeugungsunfähig, ist.

In fraglichen Fall war vor der Eheschliessung nicht bekannt, dass der Ehemann eine so schwere und unheilbare Erkrankung hat, weil es bei diesen Krankheiten sonst keine Symptome gibt.

Eine "Samenspende" durch einen anonymen Fremdspender kommt aus religiösen Gründen und wegen des offensichtlichen Gräuels überhaupt nicht in Frage.

Die Frau ist aber ganz gesund; nur der Mann ist (unheilbar) krank und war dies - wie man aus der Art der Krankheit schliessen kann - auch schon, seit er ein kleines Kind war.

Sonst gibt es keine Gründe für eine Scheidung, aber die römisch-katholische Kirche schlägt (wie im Internet zu finden ist) für diese Fälle eine Annulierung der Ehe vor.

Der gesunde Partner kann dann wieder mit dem Segen der Kirche heiraten und ein normales Leben führen.

Der kranke Partner hatte eben Pech ....

Ich kann nirgends finden, was die orthodoxe Kirche zu diesen Fällen sagt.

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Priester Alexej
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Beitragvon Priester Alexej » 10.03.2009, 15:53

Guten Abend!

Wenn ich es richtig weiß, ist für die katholische Kirche eine Ehe nur ein Mittel zum Zweck - Kinder zu gebären. Können keine Kinder geboren werden, hat eine Ehe auch keinen Sinn mehr.

Die orthodoxe Kirche sieht in der Ehe eher das Mysterium der Liebe, das sich zwischen zwei Menschen abspielt. Mit anderen Worten - in der Ehe muss geliebt werden, das ist das Wichtigste.

http://bogoslov.ru/de/text/385096.html

Die Zeugungsunfähigkeit ist somit kein Grund für eine Scheidung (auch nach den Kanones).

Ein Kind zu adoptieren kann eine Lösung sein, aber auch nicht umbedingt. Es ist schwierig ein Kind zu lieben, was nicht das Eigene ist, selbst wenn man es von kleinauf aufzieht. Das ist immer eine herausragende Tugendtat. Un ob ein Ehepar dazu fähig ist, muss es mit viel Gebet und Rat entscheiden.

Und außerdem sollte ein Ehepar nicht vergessen, dass ein Kind immer ein Geschenk Gottes ist. Ob zeugungsfähig oder nicht - für Gott ist nichts unmöglich.

Gott segne sie!

Alexej
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.

Nassos
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Beitragvon Nassos » 27.04.2009, 21:38

Guten Abend,

geht es bei dieser Frage ausschließlich um die Einstellung der orthodoxen Kirche oder steht dieses Thema auch zur allgemeinen Diskussion?

Vielen Dank,
Nassos

Loukia
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Re: Was tun bei Kinderlosigkeit ?

Beitragvon Loukia » 28.04.2009, 07:10

Röde Orm hat geschrieben:
Ich kann nirgends finden, was die orthodoxe Kirche zu diesen Fällen sagt.


Das wäre deine Antwort, lieber Nassos...
Ἡ χάρις τοῦ Κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ μεθ' ὑμῶν. 1. Korinther 16,23

stefan1800
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Beitragvon stefan1800 » 28.04.2009, 09:10

@Alexej:
Als (noch) römischer Katholik möchte ich Deine Aussage etwas korrigieren:
Nach römischer Auffassung ist der Zweck der Ehe zweierlei:
1. Die Liebe der Partner untereinander
2. Die Zeugung von Kindern

Die Liebe der Partner spielt also sehr wohl eine Rolle, für eine Scheidung besteht daher kein Anlaß !

LG, Stefan

danadoina
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Re: Was tun bei Kinderlosigkeit ?

Beitragvon danadoina » 28.04.2009, 10:28

Röde Orm hat geschrieben:Mich würde interessieren, was die Kirche empfiehlt, wenn ein orthodoxes Ehepaar sich Kinder wünscht, aber ein Ehepartner steril, also zeugungsunfähig, ist.

In fraglichen Fall war vor der Eheschliessung nicht bekannt, dass der Ehemann eine so schwere und unheilbare Erkrankung hat, weil es bei diesen Krankheiten sonst keine Symptome gibt.

Eine "Samenspende" durch einen anonymen Fremdspender kommt aus religiösen Gründen und wegen des offensichtlichen Gräuels überhaupt nicht in Frage.

Die Frau ist aber ganz gesund; nur der Mann ist (unheilbar) krank und war dies - wie man aus der Art der Krankheit schliessen kann - auch schon, seit er ein kleines Kind war.

Sonst gibt es keine Gründe für eine Scheidung, aber die römisch-katholische Kirche schlägt (wie im Internet zu finden ist) für diese Fälle eine Annulierung der Ehe vor.

Der gesunde Partner kann dann wieder mit dem Segen der Kirche heiraten und ein normales Leben führen.

Der kranke Partner hatte eben Pech ....

Ich kann nirgends finden, was die orthodoxe Kirche zu diesen Fällen sagt.



Christus ist auferstanden !
1. warum suchen sie nicht einen orthodoxen Priester auf ?
2. der sinn der ehe aus orthodoxer sicht ist die erretung der beiden eheleute durch liebe zur Gott und gegenseitige liebe, die in eine gegenseitige ünterstüzung auf dem weg zur Gott sich ausdrückt
( ...ob mit oder ohne kinder ; die kinder sind ein geschenck Gottes in der Ehe )

Kirillos
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Beitragvon Kirillos » 29.04.2009, 06:32

Zum katholischen Eheverständnis


Ein Segensgebet über das Brautpaar

Das folgende Segensgebet über das Brautpaar bringt zum Ausdruck, wie die katholische Kirche das Sakrament der Ehe versteht.

Der Segen macht deutlich, aus welcher Kraft heraus die Ehe gelingen kann, welche Bedeutung der Ehebund hat und wofür er ein Zeichen ist.

Wir preisen dich, Gott unser Schöpfer, denn im Anfang
hast du alles ins Dasein gerufen. Den Menschen hast du erschaffen als Mann und Frau und ihre Gemeinschaft gesegnet. Einander sollen sie Partner sein
und ihren Kindern Vater und Mutter. Wir preisen dich, Gott, unser Herr, denn du hast dir ein Volk erwählt
und bist ihm in Treue verbunden; du hast die Ehe zum Abbild deines Bundes erhoben.

Dein Volk hat die Treue gebrochen,
doch du hast es nicht verstoßen. Den Bund hast du in Jesus Christus erneuert und in seiner Hingabe am Kreuz
für immer besiegelt. Die Gemeinschaft von Mann und Frau
hast du so zu einer neuen Würde erhoben und die Ehe als Bund der Liebe
und als Quelle des Lebens vollendet.
Wo Mann und Frau in Liebe zueinander stehen
und füreinander sorgen,
einander ertragen und verzeihen,
wird deine Treue zu uns sichtbar.


So bitten wir dich,
menschenfreundlicher Gott, schau gütig auf N. und N., die vor dir knien (stehen)
und deinen Segen erhoffen.

Dein Heiliger Geist
schenke ihnen Einheit und heilige den Bund ihres Lebens. Er bewahre ihre Liebe in aller Bedrohung; er lasse sie wachsen und reifen und einander fördern in allem Guten.

Hilf ihnen, eine christliche Ehe zu führen und Verantwortung in der Welt zu übernehmen; verleihe ihnen Offenheit für andere Menschen und die Bereitschaft, fremde Not zu lindern.

Schenke ihnen das Glück,
Vater und Mutter zu werden,
und hilf ihnen,
ihre Kinder christlich zu erziehen.

Gewähre ihnen Gesundheit und Lebensfreude
bis ins hohe Alter, schenke ihnen Kraft und Zuversicht
in Not und in Krankheit. Am Ende ihres Lebens
führe sie in die Gemeinschaft der Heiligen, zu dem Fest ohne Ende, das du denen bereitest, die dich lieben.
Wer den Herrn fürchtet, ist nicht ungehorsam gegen sein Wort;
wer ihn liebt, hält seine Wege ein.
Wer den Herrn fürchtet, sucht ihm zu gefallen;
wer ihn liebt, ist erfüllt von seinem Gesetz. (Sir 2,15-16)

Kirillos
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Beitragvon Kirillos » 29.04.2009, 06:35

Katholisches Ehe-Verständnis

Eheverständnis


' Was Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen '

Mit diesem Satz wird das kirchliche Eheverständnis auf eine knappe Formel gebracht.

Die Ehe ist ein Bund, durch den Mann und Frau unter sich die Gemeinschaft des ganzen Lebens begründen, die auf das Wohl der Gatten und die Erziehung von Kindern hingeordnet ist. Dieser Bund, der zwischen Getauften durch Christus zum Sakrament erhoben wurde, ist wesentlich bestimmt durch die Treue und die Unauflöslichkeit.

Für die katholische Kirche ist die Ehe eingebettet in die Schöpfungsordnung. Durch die Schöpfung als Mann und Frau ist die Verbindung zwischen ihnen Teil des göttlichen Schöpfungsplanes (Gen 2, 18-24).


Durch Christus erhält die Verbindung zwischen Mann und Frau eine neue 'Qualität', wird zum Sakrament erhoben. Jede Ehe, die zwischen Christen geschlossen wird, ist demnach Zeichen für Gottes Neuen Bund mit den Menschen (Eph 5, 21-33; Vgl. die Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute: Gaudium et spes, 48).

Aus der Sakramentalität der Ehe folgt ihre Unauflöslichkeit: weil Gottes Zusage an die Menschen in Christus einen unwiderruflichen Bund begründet, kann das 'Ja' der Brautleute am Altar als Abbild dieses Bundes nicht widerrufen werden. Durch ihr Jawort entsteht ein Band, das nicht gelöst werden kann.


Diese Lehre, auf Bibel und Tradition gründend, gilt der Kirche als unverfügbar und nicht veränderbar. Deshalb halten das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) und darauf aufbauend das kirchliche Gesetzbuch von 1983 (c. 1056 CIC) an der Unauflöslichkeit der Ehe fest, trotz einer gewandelten Sicht der Ehe. Entgegen dem mehr vertragsrechtlichen Denken (Ehe als Vertrag mit Kindern als Hauptzweck) früherer Zeiten steht nunmehr die Lebens- und Liebesgemeinschaft der Ehepartner im Mittelpunkt, der Ehebund, durch ein unwiderrufliches personales Einverständnis gestiftet.


Welches Menschenbild korrespondiert mit der Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe?

Die Grundaussage ist, dass Gott den Menschen nach seinem Abbild geschaffen hat (GS 12). Von daher kommt dem Menschen eine besondere Würde, aber auch eine besondere Verantwortung zu. Zu dieser Sicht des Menschen gehört die Auffassung von seiner Entscheidungsfreiheit. Jedem sittlichen Determinismus gegenüber wird vom II. Vatikanischen Konzil die Verantwortung des Menschen herausgestellt (Gaudium et spes, 17). Die mit der Würde des Menschen verbundene Freiheit und Fähigkeit zur Entscheidung bedeutet im Hinblick auf die Ehe, dass ihm die Fähigkeit zugestanden wird, eine Entscheidung zu treffen, die ihn ein Leben lang bindet.

Die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe ist demnach nur vom Glauben her zu verstehen, weil der Ehebund Abbild des Bundes Gottes mit den Menschen ist. Jede Glaubenskrise wirkt sich somit auch auf das Verständnis der Menschen von Ehe aus. Wer in der Ehe eine Gemeinschaft sieht, die keine Verbindung zu Gott hat, wird wohl kaum Verständnis für die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe aufbringen können.
Wer den Herrn fürchtet, ist nicht ungehorsam gegen sein Wort;
wer ihn liebt, hält seine Wege ein.
Wer den Herrn fürchtet, sucht ihm zu gefallen;
wer ihn liebt, ist erfüllt von seinem Gesetz. (Sir 2,15-16)

Kirillos
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Beitragvon Kirillos » 29.04.2009, 10:41

Was ist eine kirchliche Eheannullierung? (Katholisch)

Weil die sakramentale und vollzogene Ehe unauflöslich ist, kann es im Falle ihres Scheiterns keine kirchliche Ehescheidung geben. Unabhängig davon ist es jedoch möglich, vom zuständigen kirchlichen Gericht prüfen zu lassen, ob die Ehe rechtmäßig geschlossen wurde bzw. ob sie gültig zustande kam oder nicht. Die Feststellung der Ungültigkeit eines Eheabschlusses nennt man Ehenichtigkeitserklärung oder Eheannullierung.

Als Gründe für eine von Anfang an ungültige Ehe werden vom Recht anerkannt:

a) Mängel in der verbindlich festgelegten Eheschließungsform (z.B. Trauung katholischer Partner nur vor dem Standesbeamten),

b) Vorliegen eines Ehehindernisses (z.B. Bindung durch eine frühere Ehe; zu enge Verwandtschaft),

c) Fehlen des notwendigen Ehewillens (z.B. Heiratsschwindler; Vorbehalte gegen die Unscheidbarkeit der Ehe oder gegen die Treuepflicht; grundsätzliche Kinderablehnung; Heirat aus Zwang),

d) psychisch bedingtes Unvermögen zur Verwirklichung dessen, wozu sich die Brautleute bei ihrer Trauung verpflichtet haben (z.B. Unfähigkeit zur Treue infolge einer abnormen Veranlagung
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wer ihn liebt, hält seine Wege ein.
Wer den Herrn fürchtet, sucht ihm zu gefallen;
wer ihn liebt, ist erfüllt von seinem Gesetz. (Sir 2,15-16)

Kirillos
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Beitragvon Kirillos » 29.04.2009, 17:04

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