Wie finde ich mich in der Orthodoxie zurecht?

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Martina
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Wie finde ich mich in der Orthodoxie zurecht?

Beitrag von Martina » 18.02.2019, 21:02

Seit ich versucht habe, in die katholische Kirche zurückzukehren, und feststellen musste, dass nichts davon übrig ist, bin ich nun schon seit mehreren Jahren auf der Suche. Über Umwege über die Piusbruderschaft bin ich schließlich bei der Orthodoxie gelandet und versuche, mich nun dort zurechtzufinden. Leider nur mit mäßigem Erfolg. Diverse Gespräche mit orthodoxen Priestern (immer bei derselben Gemeinschaft) haben bei mir den Eindruck hinterlassen, dass man nichts damit anfangen kann, wenn jemand nicht sofort auf den Zug aufspringt: „Bei uns ist alles besser“, und dass Fragen gestellt werden, die eben daraus resultieren, dass einem vieles bekannt vorkommt, und sich dann herausstellt, dass es doch nicht gleich ist.
Einige meiner Fragen sind:
• Der Rosenkranz hat ja, wie ich nun endlich herausgefunden habe, keineswegs dieselbe Funktion und Bedeutung wie bei den Katholiken. Wird er nur zum Jesusgebet verwendet? Und was genau ist das Jesusgebet. Ich kenne es eigentlich nur als Synonym für kontemplative Exerzitien (sofern die Exerzitien überhaupt noch christlichen Inhalt haben).
• Was ist mit den Kerzen in der Kirche? Kann man die einfach so nach vorne tragen, wenn man ein Anliegen hat, oder wird das von eigens Beauftragten getan?
• Wo finde ich die entsprechenden Tagesgebete und welche Gebete sollte ich morgens / abends beten? Das Repertoire an Online-Gebete für Morgens und Abends ist so umfangreich, dass es Stunden in Anspruch nehmen würde, wenn ich alles beten würde. Was ist das empfohlene Minimum, das einen nicht gleich so überfordert, dass man es nach kürzester Zeit wieder sein lässt?
• Wie finde ich eine Gemeinde, wo es für mich möglich ist, Fuß zu fassen? Muss ich die ganze Liturgie in der entsprechenden Sprache können oder reicht es, wenn ich die entsprechenden Stellen kann?
• Sollte ich die Gemeinde danach auswählen, welche ich am besten erreichen kann oder wo ich die neue Sprache am schnellsten erlernen kann (also wo ich auf bereits existierende Grundkenntnisse aufbauen kann)?
• Ich finde es extrem schwer, sich umzugewöhnen, wenn man nicht hineingewachsen ist und wenn keiner da ist, den man einfach nachmachen kann. So wird beispielsweise in manchen Gemeinden Wert darauf gelegt, dass Frauen und Männer getrennte Seiten haben, und in anderen wieder ist alles durcheinander. Wie finde ich da jemanden, der mir hilft?
• Hier im Forum habe ich gelesen, dass in der Orthodoxie ein ganz anderes Menschen- und Gottesbild herrscht. Wo finde ich da etwas dazu?
• Sind die Gebete in den unterschiedlichen Sprachen andere? Ich habe mir jetzt einfach Gebetbuch der russisch-orthodoxen Kirche in deutscher Sprache bestellt.
• Der Katechismus auf der Seite der St. Michael/Göttingen kommt mir so vor wie der Baseler Katechismus. Das verwirrt mich, da ich eigentlich etwas anderes erwartet hätte. Ist es wirklich derselbe?
• Welche Unterschiede bestehen zwischen der Russisch-Orthodoxen Kirche, der Griechisch-Orthodoxen, der Rumänisch-Orthodoxen Kirche, außer den Sprachen, und was ist die Genuin-Ortodoxe Kirche? Das erscheint mir sehr kompliziert.

Ich danke allen schon einmal vorab für die Hilfe und die Auskünfte.

SebastianS
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Re: Wie finde ich mich in der Orthodoxie zurecht?

Beitrag von SebastianS » 20.02.2019, 18:49

Hallo Martina,

herzlich Willkommen hier. Ich fange einfach mal an, auf ein paar Fragen zu antworten, auch wenn ich zeitlich nicht gleich alle schaffe :-)
Der Rosenkranz hat ja, wie ich nun endlich herausgefunden habe, keineswegs dieselbe Funktion und Bedeutung wie bei den Katholiken. Wird er nur zum Jesusgebet verwendet? Und was genau ist das Jesusgebet. Ich kenne es eigentlich nur als Synonym für kontemplative Exerzitien (sofern die Exerzitien überhaupt noch christlichen Inhalt haben).
Das Jesus-Gebet ist ein kurzes Gebet, meist in der Formulierung "Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich meiner, des Sünders!" oder auch einfach "Herr Jesus Christus, erbarme Dich meiner!". Man kann dieses Gebet auch einfach so sprechen, ohne Gebetsschnur. Die Gebetsschnur kann einem aber auch helfen, sich besser auf dieses Gebet zu konzentrieren, und man kann mit ihrer Hilfe auch zählen, wie häufig man das Gebet bereits gesprochen hat. Mönche haben hier richtige Gebetsregeln, in denen ihr geistlicher Vater ihnen aufgibt, wie häufig sie das Gebet pro Tag sprechen sollen. Für normale Weltmenschen ist die Anzahl aber meist nicht so wichtig.
Was ist mit den Kerzen in der Kirche? Kann man die einfach so nach vorne tragen, wenn man ein Anliegen hat, oder wird das von eigens Beauftragten getan?
Da antwortet besser jemand darauf, der sich in der entsprechenden Tradition besser auskennt. Ich glaube, bei den Rumänen habe ich mal gesehen, dass Kerzen in den Altar getragen wurden. Bei den Russen ist das aber nicht üblich. Hier kann man einfach Kerzen kaufen und sie neben den Ikonen aufstellen und dabei seine Gebete und Bitten an Gott und die Heiligen richten. Das kann auch jeder machen, ob er bereits orthodox ist oder nicht.
Wo finde ich die entsprechenden Tagesgebete und welche Gebete sollte ich morgens / abends beten? Das Repertoire an Online-Gebete für Morgens und Abends ist so umfangreich, dass es Stunden in Anspruch nehmen würde, wenn ich alles beten würde. Was ist das empfohlene Minimum, das einen nicht gleich so überfordert, dass man es nach kürzester Zeit wieder sein lässt?
Das überschneidet sich jetzt schon ein bisschen mit einer anderen Frage: Was die üblichen Morgen - und Abendgebete anbelangt, so gibt es hier unterschiedliche Traditionen in den unterschiedlichen Ortskirchen. Die Griechen beten häufig Teile aus dem kirchlichen Stundengebet und haben dafür spezielle Gebetbücher. In der Russischen Tradition gibt es spezielle Gebetbücher (so eines hast Du ja scheinbar schon bestellt), in denen Gebetsregeln für die Morgen- und Abendgebete enthalten sind. Diese bestehen vor allen Dingen aus Gebeten großer Heiliger. Du kannst ja einfach mal anfangen, diese Gebete zu sprechen. Man kann auch genauso gut am Anfang nur einen Teil dieser Gebete lesen und sich so langsam vortasten. Das wichtige dabei ist, dass man die Gebete mit Bedacht spricht und so dass man auch im Herzen versteht und nachvollzieht, was man mit dem Mund ausspricht.
Hier im Forum habe ich gelesen, dass in der Orthodoxie ein ganz anderes Menschen- und Gottesbild herrscht. Wo finde ich da etwas dazu?
Ich fand damals folgendes Buch sehr gut, um mich in die Orthodoxe Sicht auf den Menschen und auf Gott einzudenken

https://edition-hagia-sophia.de/index.p ... risti.html
Der Katechismus auf der Seite der St. Michael/Göttingen kommt mir so vor wie der Baseler Katechismus. Das verwirrt mich, da ich eigentlich etwas anderes erwartet hätte. Ist es wirklich derselbe?
Ich weiß leider nicht genau, welcher Katechismus auf der Seite steht. Auf jeden Fall ist er schon sehr knapp und lakonisch formuliert. Ein katholischer Katechismus ist es aber sicherlich nicht. Man muss dazu sagen, dass einige Katechismen in der russischen Kirche schon eine gewisse römisch-katholische Schlagseite in manchen Themen haben. Das liegt allein schon daran, dass das Konzept eines Katechismus überhaupt erst aus dem Westen nach Russland geschwappt ist, und dort vorher unbekannt war. Hier ist für den Anfang vielleicht wirklich das Buch von Professor Metallinos besser. Wenn auch Englisch geht, dann kann ich auch folgende Serie von Vater Thomas Hopko sehr empfehlen:

https://oca.org/orthodoxy/the-orthodox-faith

Weitere eher empfehlenswerte Katechismen aus der Russisch-Orthodoxen Kirche kenne ich leider noch nicht auf Deutsch. Ich kenne nur noch ein paar auf Russisch, die noch nicht übersetzt sind.

So viel erstmal.... Wenn ich später noch Zeit finde, werde ich noch ein paar weitere Fragen beantworten.

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Lazzaro
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Re: Wie finde ich mich in der Orthodoxie zurecht?

Beitrag von Lazzaro » 21.02.2019, 16:30

Liebe Martina, herzlich Willkommen im Forum.
Du hast schon einen wichtigen Schritt gemacht, als Du merktest, daß wir nicht so sind, wie man sich das "im Westen" so vorstellt und daß die Unterschiede zun den Katholiken sehr viel mehr in der Tiefe, denn an der rituellen Oberfläche sind. Leider ist es so, daß nicht immer alle hell begeistert sind, wenn man orthodox werden will.

zu 1. Rosenkranz: Ohne eine geistliche Begleitung halte ich es für problematisch das Jesusgebet erlernen zu wollen.
Unabhängig davon gibt es die Gebetsregel des hl. Serafim von Sarov zur Gottesmutter, die dem Rosenkranzgebet etwas näher steht.
https://de.wikipedia.org/wiki/Seraphim_von_Sarow ; siehe unten bei Weblinks

zu 3. Gebetsregel: besagter Serafim von Sarov empfielt morgens und abends je dreimal das Vater unser und das Gottesgebärerin Jungfrau und einmal das Glaubesnbekenntnis (von Nizäa). Wenn Du Dich an das Gebetbuch russischer Tradition halten möchtes gehe volgendermaßen vor: Einleitumgsgebete (Himmlischer König bis Kommt, laßt uns Anbeten...) und dann eine feststehende Auswahl der vorgeschlagenden Gebete. Gesammtlänge etwa genauso lang wie Du für 3x Vater Unser & Gottesgebärerin + 1x Glaubensbekenntnis brauchst. Das reicht ohne geistliche Betreuung völlig aus.
Die wechselnden Texte für die Sonn- und Feiertage findest Du hier:
https://www.facebook.com/orthodoxeLesun ... UY&fref=nf

zu 4. und 5. Gemeinde: Ein aktuelles Verzeichnis aller Gemeinden findest Du hier:
https://www.google.com/maps/d/viewer?hl ... 850053&z=6
Ich würde mit der nächstgelegenden anfangen, wenn sie Dir nicht zusagt, weiter suchen. Es ist schon richtig, daß Du gemerkt hast, daß Du dich mit Fremdsprachen außeinandersetzten mußt. Wie Du das machst, hängt von der Gemeinde und Deinen eigenen Möglichkeiten ab. Das ist aber schon der zweite Schritt. Darüber würde ich mir jetzt noch keine Gedanken machen. Ich zum Beispiel habe damals in Tschechien die Liturgie (auf tschechisch) ganz gut verstanden, könnte aber auf tschechisch nicht einmal ein Glas Bier bestellen.
Wichtig vor allen diesen Überlegungen ist, ob Du Dich in der Gemeinde angenommen fühlst, der Rest ergiebt sich dann von alleine.
Nur zur Info: Bei Russen dauert es relativ lange, bis sie auftauen. Zu Beginn scheinen sie sehr abweisend, was aber nicht so gemeint ist. Griechen sind da überschwenglicher, erwarten aber später daß Du "Griechin" wirst. Andere Nationalitäten haben andere Ticks, die ich nicht so kenne.

zu 7. Die Umgewöhnung. Das hast Du richtig beobachtet. Aber das geht uns auch so: Es ist in jeder Gemeinde ein wenig anders. Helfen kann mann da wenig: Mach einfach die Augen auf, schau wie es dort üblich ist. Wenn es ganz schlimm kommt: Einfach hinausgehen, einmal durchatmen und wieder hineingehen und es anders machen. Habe ich auch schon gemacht, als ich mich als einziger Mann auf der Frauenseite wiedergefunden habe.

zu 8. unterschiedlichen Sprachen: Die Gottesdienste sind in allen Sprachen die Gleichen, nur sie werden je nach Gebräuchen verschieden gekürtzt. Das griechische Gebetbuch für Laien enthält andere Morgen und Abendgebete, die aus den Texten des Stundenlobes (=Stundengebet) entnommen sind. Man kann durchaus in der Kirche dem einen Brauch und zu Hause dem anderen folgen. Das sind Feinheiten, die für den Anfang unwichtig sind.
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Re: Wie finde ich mich in der Orthodoxie zurecht?

Beitrag von Lazzaro » 21.02.2019, 16:56

zu 10. Katechismus: Ich empfehle Alfejev, Hilarion: Geheimnis der Glaubens. Einführung in die orthodoxe dogmatische Theologie Freiburg in der Schweiz 2005 und ich enpfehle: https://orthodoxe-katechese.jimdo.com/ mit allen Unterseiten und sehr, sehr viel Text und Material rund ums orthodox sein und orthodox leben.

zu 11. Es gibt im Christentum keinen Unterschied zwischen Juden und Griechen, wie der Apostel Paulus sagt, und auch keinen zwischen Russen, Griechen, Rumänen, Japanern, Polen, Albanern und Deutschen. Naja, jedenfalls in der Theorie. In der Praxis machen nur die Russen alles richtig, die Griechen sind das Original, die Serben werden einen eigenen serbischen Himmel bekommen und die Ukrainer rauben gerade den Moskauern die Kirchen. Ok, ich werde ein bißchen gehässig. Theorie und Praxis liegen manchmal sehr weit auseinander.

Die Mitglieder der genuin-orthodoxen Kirche in Thüringen mögen ganz nette Menschen sein (ich kenne sie nicht), vielleich auch sehr fromme Christen, aber - auch wenn sie so heißen und so aussehen - sie sind keine orthodoxe Kirche.

In Christo
Lazarus
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Re: Wie finde ich mich in der Orthodoxie zurecht?

Beitrag von Lazzaro » 21.02.2019, 17:10

Nachtrag zu 7. Menschenbild: Ich habs noch nicht angegesehen:
https://www.br.de/mediathek/video/campu ... 001294d3ab

L.
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Martina
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Re: Wie finde ich mich in der Orthodoxie zurecht?

Beitrag von Martina » 21.02.2019, 20:45

Lazzaro hat geschrieben:
21.02.2019, 16:56

Die Mitglieder der genuin-orthodoxen Kirche in Thüringen mögen ganz nette Menschen sein (ich kenne sie nicht), vielleich auch sehr fromme Christen, aber - auch wenn sie so heißen und so aussehen - sie sind keine orthodoxe Kirche.

In Christo
Lazarus
Hallo Lazarus,

vielen Dank für all die Ausführungen. Warum sind aber diese Leute keine orthodoxe Kirche?

Laut Wikipedia wurde 1924 wurde die Kirche der wahren orthodoxen Christen Griechenlands gegründet,und in den folgenden Jahrzehnten entstanden weitere kleine Kirchen als Abspaltungen. Außerdem verstehen sie sich - nach Wikipedia, wohlgemerkt - als Teil einer kirchlichen Bewegung. Sie sind theologisch sehr traditionell ausgerichtet, die Neuerungen der griechischen und russischen Kirchen lehnen sie ab. Sie lehnen auch die Sakramente und Weihen der großen Kirchen ab.

Wer bestimmt, ob eine Gemeinschaft zu einer orthodoxen Kirche gehört?

Vielen Dank
Martina

Martina
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Re: Wie finde ich mich in der Orthodoxie zurecht?

Beitrag von Martina » 21.02.2019, 20:46

sorry, irgenwie habe ich da beim Antworten falsch geklickt. Da war eine Antwort auf meine Fragen einfach noch mal zitiert, ich habe es gelöscht. Dafür lest ihr jetzt diesen Text. :cry: Bitte ignorieren.

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Lazzaro
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Re: Wie finde ich mich in der Orthodoxie zurecht?

Beitrag von Lazzaro » 22.02.2019, 16:04

Hallo Martina!
Wer bestimmt, ob eine Gemeinschaft zu einer orthodoxen Kirche gehört?

Zum einen:
Es heißt im Glaubensbekenntnis: "Ich glaube ... an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche."

Das heißt es gibt nur eine einzige Orthodoxe Kirche. Es gibt keine zwei, drei oder mehr (z. B. griechisch, russisch, albanisch) orthodoxe Kirchen. Die russ.-orth. Kirche ist die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche in Rusland, die polnische orthodoxe Kirche ist die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche in Polen, die Orthodox Church of America ist ist die eine, heilige, katholische und apostolische Kirchein den USA & Kanada und so weiter. Wer dazu gehöhrt entscheidet der gemeinsame Glaube und damit auch die Eucharistiegemeinschaft. (Deshalb dürfen andersgläubige Christen nicht in der OK die Heiligen Gaben empfangen.)
Die Frage lautet also immer: Gehöhrt eine Gemeinschaft zu der orthodoxen Kirche?

Zum anderen:
Die "genuin-orthodoxe Kirche" hat sich von der Orthodoxie getrennt, weil sie der Meinung ist, mit der Einführung eines neuen Kalenders würden die die Sakramente ungültig. Dabei sind die Gültigkeit der Sakramente und der Kalender zwei völlig verschiedene Dinge. Kirchengemeinschaft zwischen zwei Kirchen verschiedenen Kalenders ist in der orth. Kirche völlig normal, z. B. sind die Kirchen von Moskau und Antiochien trotz des Kalenderunterschiedes eng befreundet.

Oder anders ausgedrückt: Die "genuin-orthodoxe Kirche" verhält sich zur orthodoxen Kirche wie die Bruderschaft Pius X. zur römischen Kirche. Wenn also jemand von der goK zur FSSPX wechseln würde, käme er von einer Sondergruppierung zur nächsten. Katholisch im allumfassendem Sinne des Wortes sind beide nicht.

In Christo
Lazarus
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Re: Wie finde ich mich in der Orthodoxie zurecht?

Beitrag von Martina » 22.02.2019, 16:39

Danke für die erschöpfenden Antworten, Lazzaro

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Re: Wie finde ich mich in der Orthodoxie zurecht?

Beitrag von Martina » 22.02.2019, 16:50

ich habe jetzt eben den Fastenkalender http://www.holytrinityorthodox.com/calendar/ angeschaut und gesehen, dass heute, Freitag kein Fastentag ist. Ich dachte immer, Freitag und Mittwoch wären grunsätzlich Fastentage. Oder liege ich da völlig falsch?

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Re: Wie finde ich mich in der Orthodoxie zurecht?

Beitrag von Lazzaro » 22.02.2019, 17:32

Sei doch froh darüber!
Die 10. Woche vor Ostern, also die Woche nach dem Sonntag des Zöllners und Pharisäers und die Osterwoche und die Pfingstwoche und die Zeit zwischen Christgeburt und 4. Januar sind fastenfrei.
Keine Angst, wir haben ca. 200 Fastentage im Jahr, Du kommst noch auf Deine kosten, auch wenn du heute fleisch essen mußt. :lol:
L.
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Re: Wie finde ich mich in der Orthodoxie zurecht?

Beitrag von Martina » 22.02.2019, 19:11

:shock: Dann stimmt der Kalender also - und ich hab's mit den katholischen Regeln verwechselt :shock:
Gibt es denn da keine App :mrgreen: , damit man nicht durcheinander kommt :mrgreen: ?

Martina
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Re: Wie finde ich mich in der Orthodoxie zurecht?

Beitrag von Martina » 23.02.2019, 12:51

Ich möchte mich - bevor ich es vergesse - bei allen sehr herzlich für diese Fülle an Informationen bedanken. Es hat mir wirklich alles sehr weitergeholfen und ich habe jetzt viele Anhaltspunkte, mit denen ich weitermachen kann.
Ich denke, ich werde dieses Jahr Ostern orthodox begehen. An den anderen Kalender muss ich mich erst noch gewöhnen. Ich konnte gerade noch eine Zimmerbuchung ändern und auf die Orthodoxe Osterzeit umbuchen. Ich muss ehrlich gestehen, ich habe noch nie die Auferstehung gefeiert, sondern immer nur Ostern.

Kai
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Re: Wie finde ich mich in der Orthodoxie zurecht?

Beitrag von Kai » 23.02.2019, 15:38

Liebe Martina,
ich benutze diese App, in einer griechischen Gemeinde ist wahrscheinlich diese hier gut.
Als Katechismus und Nachschlagewerk kann ich Vr. Sergius' Christus in euch sehr empfehlen.
In dem dritten Band Mysterium der Anbetung sind die täglichen Gebete, die Liturgie und allerlei andere Texte. Ich habe mir die entsprechenden Seiten (243-269) als Broschüre ausgedruckt, das ist zu Hause einfach handlicher.
Wenn du etwas über das Menschen- und Gottesbild der Kirche aus den Texten des Kirchenjahres erfahren willst, kann ich Gott ist anders empfehlen. Das Buch kannst du während des Kirchenjahres immer wieder zur Hand nehmen und so die Feste und Fastenzeiten tiefer ergründen.
Wenn du uns verrätst, in welcher Ecke von Deutschland du wohnst, bzw. zur Kirche gehen möchtest, findet sich bestimmt jemand, der dir eine Gemeinde in deiner Nähe empfehlen kann oder dir sogar vor Ort helfen kann.
In Christo
Kai

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Re: Wie finde ich mich in der Orthodoxie zurecht?

Beitrag von Martina » 23.02.2019, 17:07

Lieber Kai,

herzlichen Dank für dei tollen Büchertipps! Ich hatte übrigens gar nicht erwartet, dass es WIRKLICH Apps gibt. Ich bin sehr angenehm überrascht.

Ich wohne in Nordthüringen und die nächste orthodoxe Gemeinde ist in Weimar. Ich bezweifle, dass es hier in der Nähe Unterstützung gibt. Hier ist alles weitgehend religionsleer. Dann gibt es noch in Leipzig und Göttigen Gemeinden, das ist aber weiter weg. Wenn ich wegen der Arbeit nach Niedersachsen muss, könnte ich es Braunschweig und Hildesheim versuchen.
Eben habe ich den Pfarrer in Weimar angeschrieben, denn ich halte es für wichtig, dass ich nicht zu weit fahren muss. Letzten Sonntag war ich dort im Gottesdienst und es war so voll, wie ich es das letzte Mal im Heiligen Jahr in Santiago de Compostela erlebt habe.
Das Buch "Gott ist anders", werde ich mir gleich bestellen. Der Titel klingt sehr vielversprechend.

Ich bin wirklich dankbar für all die Antworten und Tipps hier im Forum.
Vergelt's Gott!
Martina

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