Umgang mit Zorn im Gottesdienst

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Agnieska
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Umgang mit Zorn im Gottesdienst

Beitragvon Agnieska » 01.11.2016, 17:22

Im Abendgottesdienst (Ich bin Katholikin) wurde ich am SO 30.10.2016 jäh mit einem Predigtinhalt konfrontiert, mit dem ich nicht gerechnet hatte: Der Priester fand aus mir unerfindlichen Gründen in seiner Predigt ein aktuelles Beispiel aus meiner Diözese, wo es vor Jahren einen (juristischen) Konflikt wegen der Gültigkeit der Wahl eines verpartnerten homosexuellen Mannes zum Pfarrgemeinderat gegeben hatte, und wo unser Kardinal diese Wahl als gültig bestätigt hatte. Nicht nur das: Es gab auch eine Einladung der beiden verpartnerten Männer zu einem gemeinsamen Essen mit dem Kardinal (in sein Erzbischöfliches Palais, so weit ich mich erinnern kann.)
Der Prediger beendete seine Predigt mit den Worten: "Jesus hätte auch so gehandelt."
Da ich mich erinnern konnte, dass es damals vor ca. 4 Jahren, auch Priester gegeben hatte, die mit dieser Entscheidung des Kardinals sehr unzufrieden waren und ich überdies aus gesundheitlichen Gründen nach zweiwöchigem Fernbleibenmüssen vom Sonntagsgottesdienst eigentlich sehr schnell ermüdete, war dann für mich nach der Predigt die dringende Notwendigkeit da, innerlich darum zu beten, mich in meinem Herzen "beruhigen" zu können und mich mit Frieden im Herzen auf den Empfang der Hl. Kommunion vorbereiten zu können.

Ich betrachte es als Missbrauch der (erzwungenen) Aufmerksamkeit der Gottesdienstbesucher, dieses Thema, das der Hl. Paulus und auch das Kirchenrecht EINDEUTIG nicht unterstützen und somit auch biblisch begründet ist, und muss nun zwei Tage später ehrlich gestehen, dass ich diese Schlussargumentation des Predigers "Jesus hätte auch so gehandelt." als Blasphemie empfinde.

Ich habe mich entschlossen, die Gottesdienste dieser Pfarre nicht mehr zu besuchen. Überdies sehe ich es als Zumutung und Überforderung, wenn wenige Minuten vor dem Kommunionempfang seitens des zelebrierenden Priesters solch provokante Themen neu aufgerollt werden.
Andererseits war es für mich sicherlich auch wichtig, in der Tiefe meines Verstandes und meines Herzens herausgefordert zu werden, welche Antwort ich selbst auf diese Entscheidung jenes Kardinals gebe bzw. auch mit sehr vielen anderen "Vorfällen", die meine intensive hauptamtliche Tätigkeit für die Kath. Kirche geprägt haben. Ich bin diesem Kardinal keinen Gehorsam schuldig, weil ich eine Frau bin und nicht wie die Priester seiner Diözese ihm im Gehorsam unterstellt bin.

Ich habe mich endgültig entschlossen, von nun an den zeitlich minimalsten Aufwand zu betreiben, um die kath. Sonntags"Pflicht" zu erfüllen, obwohl ich über viele Jahrzehnte hinweg enorm viel Aufwand und Zeit in ein reiches liturgisches Leben "investiert" habe.

Mir scheint, die Zeiten sind in der Kath. Kirche so eisig geworden, dass ein intensives Gebetsleben nur mehr in der eigenen Kammer seinen wahren Platz hat, wo man mit Frieden im Herzen zum Vater im Himmel beten kann, der im Verborgenen ist.

Mein Anliegen an die beiden orthodoxen Priester, die hier in dieser Forenrubrik antworten, lautet:
Bitte beten Sie für mich um Gottes Führung, damit ich nicht so schnell in Zorn gerate. Ich finde das Mitfeiern von Gottesdiensten seit ca. 8 Jahren extrem anstrengend. Es ist für mich förmlich "spürbar", dass die Liturgie von sehr vielen Anwesenden wie eine langweilige Pflichtveranstaltung abgesessen wird.

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Thuja
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Re: Umgang mit Zorn im Gottesdienst

Beitragvon Thuja » 03.11.2016, 22:38

Liebe Agnieska,

ich habe mir erlaubt, Dein Anliegen hierher zu verschieben, weil es nicht zwingend NUR der Gebete von Priestern bedarf und niemandes sonst! Eine konkrete Frage ansonsten hast Du an einen Priester aber nicht gestellt, deshalb war dieses Thema bei "Fragen NUR an Priester" nicht ganz stimmig untergebracht.
Und mir ist auch aus Deinem Posting nicht klargeworden, weshalb ausgerechnet orthodoxe Priester für Dich beten sollen, dass Du als Katholikin in einem RÖMISCH-KATHOLISCHEN Gottesdienst nicht zornig werden sollst, zumal Du die Gottesdienste da als "Pflichtveranstaltung" empfindest. Oder willst Du orthodox werden, hast das bloß nicht konkret geschrieben?
Die Gottesdienst-Teilnahme sollte in erster Linie ein BEDÜRFNIS sein, kein "MUSS"! Gott ruft uns zu sich in SEIN Haus, lädt uns ein, wir dürfen darauf hören! Es geht dabei um uns, unsere Beziehung zu Gott, um SEINE Liebe zu uns...
So, wie wir eben auch gern Zeit mit geliebten Menschen verbringen möchten!! Wenn das nichts ist, was wir noch gern tun, sollten wir die Beziehung zu dem eigentlich geliebten Menschen auch 'mal genauer betrachten, was sich da verändert hat und was uns wichtig ist, etc.
Daher erkenne ich aus Deinem Posting einen ziemlichen Diskussionsbedarf, der hier sicher deutlicheren Widerhall finden kann, wenn Du möchtest.

Liebe Grüße
Thuja
Господи помилуй мя!

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MariaM
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Re: Umgang mit Zorn im Gottesdienst

Beitragvon MariaM » 04.11.2016, 12:17

Hallo Agnieska,
also ich finde, du hättest das dem Priester nach dem Gottesdienst sagen sollen, was dich geärgert hat bzw. du nicht zustimmen konntest (verständlicherweise). Was bringt es denn, wenn du einfach nicht mehr hingehst? Der Priester sollte doch eine Rückmeldung erhalten, damit er das Gesagte evt. nochmal überdenken kann und evtl. einsieht, dass es falsch war.

Das dazu. Da verstehe ich dich irgendwie nicht, muss ich sagen...

Ansonsten zu dir: Möchtest du denn orthodoxe Christin werden? Wie Thuja ist mir deine Position da nicht so klar geworden. Der Gottesdienst sollte doch nicht etwas sein, wozu man sich zwingen muss, wo man sich unwohl fühlt und womöglich gar ärgert!

Geh doch woandershin. Entweder in eine ander katholische Kirche, sofern du nach wie vor mir der kath.Lehre übereinstimmst. Oder such dir eine orthodoxe, falls du die kath. Lehre in Frage zu stellen begonnen hast und auf der Suche nach etwas "anderem/BesserenL bist... Du merkst ja dann wie du dich fühlst und mit der Zeit kommst du vielleicht zu einer Entscheidung, die für dich richtig ist... Wenn du dafür betest, dass Gott dich führen möge, tut er das bestimmt auch! :-)

Gruss, Maria


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