Orthodoxie im Licht der Bibel

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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MariaM
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Re: Orthodoxie im Licht der Bibel

Beitragvon MariaM » 16.02.2014, 22:33

Hallo Miroslav, warum Löschung oder Sperrung? Das wäre doch schade.,,
Ich finde deine Fragen interessant und auch für mich aktuell, und sehe nicht warum sie nicht (auch) an dieser Stelle beantwortet werden könnten...?

Was genau meinst du mit "Geburt von oben"???

Ich selber wurde ja als Kind evangelisch getauft/"getauft", war dann in meiner Jugend, nach der Konfirmation, eine Zeitlang recht "suchend" unterwegs, wurde aber quasi nicht wirklich fündig... - und bin dann ein paar Jahre später, am Anfang meines Uni-Studiums aus der Ev.Kirche ausgetreten. Interessierte mich dann zwar auch noch für weltanschauliche und philosophische Fragen, aber eher nicht religiös bzw. christlich, da war ich eher kritisch eingestellt. Erst jetzt in den letzten ein bis zwei Jahren lerne ich die Orthodoxie kennen, nähere mich ihr an - und habe das Gefühl, etwas zu finden, was mir damals gefehlt hat...! Ich würde mich sehr gerne taufen lassen, und zwar diesmal "richtig" - orthodox. Und am Allerschönsten fände ich es, wenn wir alle zusammen, also mein Mann und unsere zwei Kinder im Schulalter (sie sind bisher gar nicht getauft, wir leben in einem sehr atheistischen Land) zur Taufe gehen würden!!! Und wenn mein Mann und ich dann auch orthoxox heiraten würden... :-) Er ist nicht ganz dagegen, aber doch recht skeptisch... Die Kinder sind durchaus interessiert, wissen aber halt bisher nicht sooo viel davon... Mich beschäftigt die Frage, ob mein Wunsch, meine Idee überhaupt so richtig ist? (Ich will ja niemandem etwas aufdrängen - was im Grunde aber ja eh nicht geht, niemand wird mit "Gewalt" Christ...) Und wenn die Idee OK ist, was ich dafür tun kann - ausser versuchen dafür zu beten...? Gruss an alle hier, M.

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Thuja
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Re: Orthodoxie im Licht der Bibel

Beitragvon Thuja » 16.02.2014, 22:40

Liebe Maria,

beten hilft auf jeden Fall!
Und mit den Kindern reden, ihnen das erklären, sie mit in die Kirche nehmen.. (es gibt ja auch ein paar deutschsprachige orthodoxe Bücher für Kinder mit Erklärungen der biblischen Geschichten etc.) Deinen Mann möglichst auch... ihnen "vorleben", wie das jetzt für Dich praktisch aussieht, dass sie es sehen und spüren, was Dir wichtig ist.
Und als ex-evangelische ist es durchaus wahrscheinlich, dass Deine Taufe von der orthodoxen Kirche nicht anerkannt wird und Du "richtig" orthodox getauft wirst - jedenfalls bei der sehr strengen russisch-orthodoxen Auslandskirche hast Du da gute Chancen... :wink: Ich drück' Dir die Daumen dazu!!! Das IST nämlich wirklich ein besonderes Erlebnis!

Liebe Grüße und Gottes Segen für Deinen Weg!
Thuja
Господи помилуй мя!

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MariaM
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Re: Orthodoxie im Licht der Bibel

Beitragvon MariaM » 16.02.2014, 22:42

Miroslav, noch zu dem Video:
Ich habe es gerade geschaut und gehört - und muss sagen, dass ich es nicht mag... Irgendwie hat es für mich etwas Fanatisches, diese Art wie der Mann redet, dieses fordernde Fragen... ich weiss nicht, irgendwie ist für mich der Geist der Orthodoxie, des Christentums so wie ich es anfange zu verstehen, anders... Klar ist das mein persönlicher Eindruck, aber ich wüsste gerne, was dich an dem Video angesprochen hat? Gruss, M.

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MariaM
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Re: Orthodoxie im Licht der Bibel

Beitragvon MariaM » 16.02.2014, 22:48

Liebe Thuja, die Taufe wäre wahrscheinlich in Griechenland oder in Tschechien. :-) In beiden Fällen habe ich Informationen, dass es nur diesen Weg gibt, also die evang. Taufe eh nicht anerkannt würde - und ich würde es eigentlich auch nicht anders wollen... ;-)
Vielen Dank für deine ermutigenden Worte! Gruss, M.

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Re: Orthodoxie im Licht der Bibel

Beitragvon Trust-in-CR » 17.02.2014, 11:14

Hallo Maria

Es geht mir um das Gespräch zwischen Herrn Jesus und Nikodemus, dem Schriftgelehrten:

Johannes 3, 1-13

Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern namens Nikodemus, ein Oberster der Juden. Der kam bei Nacht zu Jesus und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, daß du ein Lehrer bist, der von Gott gekommen ist; denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn, daß Gott mit ihm ist. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen! Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Er kann doch nicht zum zweitenmal in den Schoß seiner Mutter eingehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen! Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, daß ich dir gesagt habe: Ihr müßt von neuem geboren werden! Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist jeder, der aus dem Geist geboren ist. Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie kann das geschehen? Jesus erwiderte und sprach zu ihm: Du bist der Lehrer Israels und verstehst das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und wir bezeugen, was wir gesehen haben; und doch nehmt ihr unser Zeugnis nicht an. Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch von den himmlischen Dingen sagen werde? Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel, außer dem, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, dem Sohn des Menschen, der im Himmel ist.

Warum fragt Nikodemus wie ein Mensch geboren werden kann, wenn er "alt" ist?

Findet die Wiedergeburt aus Wasser und Geist gleichzeitig statt oder zuerst aus Wasser, da man als Kind getauft wurde, und aus Geist später im reifen Alter, da wir Orthodoxe Christen die Taufe als Wiedergeburt verstehen?

Ich persönliche sehe nicht wirklich den Zusammenhang bei dieser Auslegung, da ich als Kind getauft wurde (Wiedergeburt aus Wasser) und bis 25 Jahren nie eine geistliche Wiedergeburt erleben durfte, da ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal erkannt habe, was Sünde ist.

Erst als ich Anfing im Wort Gottes zu lesen, fing mein Glauben an zu leben und mein Herz für Herrn Jesus Christus zu brennen.

Daher würde es mich interessieren, wie die Wiedergeburt tatsächlich verstanden wird. Geschieht dies gleichzeitig aus Wasser und Geist oder nicht?

Liebe Maria, das Video selber hat tatsächlich was fanatisches, aber das ist nicht der Grund warum es mir gefällt..sondern eher um die Frage ob das Herz für Herrn Jesus genau so brennt wie am Anfang als Ihr zum Glauben gekommen seid?

Kannst du dich erinnern, als du über den Namen Jesus mehr in Erfahrung bringen wolltest durch das Evangelium z.B. und auf einmal das Herz anfing zu brennen, für den Namen, welcher den Menschen unter dem Himmel gegeben ist, damit Sie sich retten? Als dich ausser Gott niemand interessierte und du immer mehr in Erfahrung bringen wolltest?

Mich würde aus diesem Grund neben der Wiedergeburt auch die Erfahrung von einem Bruder oder Schwester in Christus interessieren, welcher seit mehreren Jahren im Glauben ist und beurteilen kann, ob die Liebe welche er am Anfang gegenüber Gott spührte immer noch in diesem Ausmass vorhanden ist oder ob es zur Gewohnheit wurde, dass man an Gott glaubt?

Ist das brennende Herz wie am Anfang als man zum Glauben gekommen ist, immer noch vorhanden?

Liebe Grüsse
In Christus
Miroslav

Lazzaro
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Re: Orthodoxie im Licht der Bibel

Beitragvon Lazzaro » 17.02.2014, 15:13

Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen!
Miroslav fragt: Findet die Wiedergeburt aus Wasser und Geist gleichzeitig statt oder zuerst aus Wasser?

Ein paar Gedanken von mir:

1. Was sagt die Hl.Schrift?
Lieber Miroslav, zum besseren Verständnis des oben erwähnten Herrenwortes empfehle ich die Lektüre der Apostelgeschichte: Sie berichtet immer wieder von der Taufe und dem Empfang des Hl.Geistes, den ich mit der Widergeburt im Geiste gleichsetze. Ich hab in der Kürze der Zeit nicht die Möglichkeit alle Belegstellen zu suchen, aber Du wirst entdecken, daß dort von Empfang des Hl.Geistes (teilweise längere Zeit) nach, während und vor (sic!) der Taufe die Rede ist: Apg. 8:15-17 / 10:44-48 / 19:2-6 Auch wenn die Handauflegung zur Wiedergeburt im Geiste nach der Taufe der Normalfall ist, gibt es grundsätzlich auch die Möglichkeit, daß es anders kommen kann. Die Wiedergeburt aus Wasser und Geist kann gemäß der Apostelgeschichte gleichzeitig oder in verschiedener Reihenfolge stattfinden.

2.Was sagt die Tradition der Kirche?
Im Gebet zur Myronsalbung heißt es:
Gelobt seist du, Herr Gott, du Allmächtiger, du Quelle der Güter, Sonne der Gerechtigkeit, der du das Licht des Heiles durch die Erscheinung deines eingeborenen Sohnes, unseres Gottes, denen in der Finsternis erstrahlen ließest, und der du uns Unwürdigen die selige Reinigung in der heiligen Taufe und die göttliche Heiligung in der lebendigmachenden Salbung verliehen hast, der du auch jetzt geruht hast, deine(n) neu erleuchtete(n) Diener (Dienerin) N.N. aus dem Wasser und dem Geist wiedergeboren werden zu lassen, ihm (ihr) auch die Vergebung der vorsätzlichen und nicht vorsätzlichen Sünden geschenkt hast, du selbst nun, Gebieter, barmherziger König der Könige, gewähre ihm (ihr) auch die Besiegelung der Gabe deines heiligen und anbetungswürdigen Geistes ...
Nach diesem Gebet salbt der Priester den Getauften ... wobei er jedesmal spricht:
Siegel der Gabe des Heiligen Geistes. Amen. (Der Fettdruck stammt von mir.)

Der gesammte Text des Taufgottesdienstes befindet sich hier:
http://www.orthodoxia.de/Taufe.htm

Mit anderen Worten: Die Wiedergeburt im Geiste folgt durch die Myronsalbung im Anschluß an die Taufe. Lieber Miroslav, wenn Du orth. getauft, daß heißt gleich danach "gefirmt" wurdest, wurdest, darfst Du in der Gewißheit leben, daß Du im Sinne des Johannesevangeliums "aus Wasser und Geist geboren" bist. Dabei spielt es keine große Rolle ob Du dich dessen verstandesmäßig bewußt bist oder nicht. Sich dessen bewußt zu sein ist schön und eventuell auch eine größere Verantwortung, aber nicht expressis verbis heilsnotwendig.

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Re: Orthodoxie im Licht der Bibel

Beitragvon Lazzaro » 17.02.2014, 16:20

3. Wie kommt es zu dem Unterschied zwischen der orth. und des evangelikal. Interpretation?

Die OK hat die Tradition, daß Taufe und empfang des Hl. Geistes unmittelbar zusammen gehöhren nicht verlassen, ihr Nachteil ist allerdings, daß sie die Abläufe erstens sehr ritualisiert hat und zweitens alle Zeremonien, die früher zu verschiedenen Zeiten (Aufnahme ins Katechumenat / Taufe) oder an verschiedenen Orten (Taufkapelle - Bischofskirche) stattfanden, heute hintereinander und an der gleichen Stelle feiert. Das hat zur Folge daß die Grundstruktur sehr unübersichtlich ist und die Myronsalbung nicht von allen als Besiegelung des Hl. Geistes erkannt wird.

Im Westen ist die Entwicklung ganz anders verlaufen. Ich versuche eine grobe Zusammenfassung zu erstellen:
Die Myronsalbung wurde in der röm. Kirche von der Taufe getrennt, damit sie von den Bischöfen als Nachfolger der Apostel gespendet werden kann, vergl. Apg 8:14-17 .

Die Reformation verlor zusammen mit dem Bischofsamt die Myronsalbung, stellte aber bald fest, daß "irgendetwas" fehlte und führte die Konfirmation ein: Diese ist eine Erneuerung des Taufversprechens durch den nun (rechtlich) mündigen Christen. Allerspätetstens hier wirkt sich die fatale Übersetzung des Ausdruckes MYSTERION (=Geheimnis) mit dem lat. SACRAMENTUM (= heiliger Eid) aus!

Über die theologische Vorarbeit der methodistische Kirche und andere Gemeinschaften kam in es in der evangelikalen Bewegung zu einer Art "Rückbesinnung" auf das Wirken des Hl.Geistes. Die Wiedergeburt aus Wasser und Geist wird hier aber komplett anders interpretiert: Sie setzt eine Gewisse "Rechtsfähigkeit" voraus. Das heißt der Wiedergeborene muß in der Lage sein zu verstehen, was er tut, beziehungsweise was mit ihm geschieht, und muß in der Lage sein das zu Bezeugen. Das bedeutet häufig in der Praxis: Heilsnotwendig ist eine spirituelle Erfahrung und die dieser folgende Buße. Die Taufe ist die feierliche Beeidigung dieses Geschehens, nicht durch Worte sondern durch einen Ritus. Praktisch ist das so etwas wie ein militärischer Fahneneid, den die alten Römer eben exakt mit SACRAMENTVM bezeichteten.

Aus konfessionell orthodoxer Sicht ist das folgendermaßen zu beurteilen:
Grundsätzlich haben wir weder das Recht den Anhängern dieser Theologie ihren persönlichen Glauben noch das Christentum als solches abzusprechen.
Anderseits müssen wir dringend darauf bestehen, daß wir durch Taufe, Myronsalbung und unserem persönlichen Bekenntnis als mündige Menschen alle von ihnen gestellten juridischen Bedingungen des Christseins erfüllen, und daß sie es akzeptieren müssen, daß wir uns dabei anderer Formen bedienen.

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Re: Orthodoxie im Licht der Bibel

Beitragvon Lazzaro » 17.02.2014, 16:50

Miroslav fragte:
Brennt dein Herz immer noch gleich für Jesus wie am Anfang als du zum Glauben kamst?

Ich fasse mich kurz:
Jede Beziehung besteht aus vielen verschiedenen Phasen. Ein altes Ehepaar wird sicherlich zur Goldenen Hochzeit nicht die selben leidenschaflichen Spiele genießen wie "beim ersten mal".
Auch bei mir ist im Laufe der Zeit die Beziehung zu Gott -wie soll ich sagen- rutinierter geworden. Es war aber früher auch mal heißer und auch mal frostiger. Mach Dir bitte keine Sorgen, wenn Gott jetzt eher Deine Ausdauer in Anspruch nehmen will.
:chef: Ich glaube es ist wie mit einem Braten: Erst muß man ihn auf dem heißen Feuer anbraten, dann bei mittlerer Temperatur in die Röhre schieben. Es braucht Beides damit er gut schmeckt. *

Lazarus
* PS: Immer noch das gleiche Bild benutzend: Ich glaube der Prediger in dem von Dir verlinkten Video will den Braten (= die Liebe zu Gott) die ganze Zeit auf höchsten Temperaturen zubereiten. Was wird das Ergebnis sein? Außen verkohlt, innen roh: Beide Hälften ungenießbar.

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Re: Orthodoxie im Licht der Bibel

Beitragvon Trust-in-CR » 17.02.2014, 17:28

Hallo Lazzaro

Herzlichen Dank für deine ausführliche Antwort. Das mit dem Braten war eine gute und simple Erklärung ;-)

Im 2. Petrus 3, 15-16 können wir folgendes lesen:

"Und seht die Langmut unseres Herrn als [eure] Rettung an, wie auch unser geliebter Bruder Paulus euch geschrieben hat nach der ihm gegebenen Weisheit, so wie auch in allen Briefen, wo er von diesen Dingen spricht. In ihnen ist manches schwer zu verstehen, was die Unwissenden und Ungefestigten verdrehen, wie auch die übrigen Schriften, zu ihrem eigenen Verderben."

Die Auslegung der Heiligen Schrift kann meines Erachtens nur dann korrekt ausgelegt werden, wenn der Heilige Geist anwesend ist.

Da unsere Orthodoxe Kirche der Leib Christi ist, und der Heilige Geist im Haus Gottes wohnhaft ist, muss die Auslegung der Kirche Christi richtig sein, welche seit 2000 Jahren das Evangelium der Welt verkündet.

Herr Jesus Christus hat ja seinen Aposteln gesagt, dass der Tröster, der Heilige Geist kommen wird welcher Sie in die vollkommene Wahrheit leiten und bis ans Ende der Welt mit Ihnen sein wird.

Daher leuchtet es mir nicht ein, warum andere Gemeinschaften, welche sich Christen nennen, unsere Kirche sowie die Katholische komplett ablehnen.

Obwohl sich diese Gemeinschaften unterscheiden, in einem sind Sie sich alle einige, dass es keine Apostolische Sukzession geben kann, wie es die Orthodoxie lehrt.

Sie alle berufen sich auf das allgemeine Priestertum, was sagt die Heilige Schrift bezüglich dem allgemeinen Priestertum?

Wir lehnen es doch ab, wer hat Ihnen die Vollmacht gegeben zu predigen?

Da nach unserem Glauben die Bischöfe die Nachfolge der Aposteln sind, sind wir davon überzeugt, dass die Protestantischen Prediger nicht die Wahrheit erzählen, oder habe ich da etwas falsch verstanden?

Warum wird die Oikumene immer mehr gefördert? Es ist uns Orthodoxen Christen verboten, mit anders gläubigen zu beten geschweige den die Eucharistie zu feiern, liege ich da richtig?

In Christus
Miroslav

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Re: Orthodoxie im Licht der Bibel

Beitragvon Trust-in-CR » 17.02.2014, 17:32

Hallo Lazzaro

Herzlichen Dank für deine ausführliche Antwort. Das mit dem Braten war eine gute und simple Erklärung ;-)

Im 2. Petrus 3, 15-16 können wir folgendes lesen:

"Und seht die Langmut unseres Herrn als [eure] Rettung an, wie auch unser geliebter Bruder Paulus euch geschrieben hat nach der ihm gegebenen Weisheit, so wie auch in allen Briefen, wo er von diesen Dingen spricht. In ihnen ist manches schwer zu verstehen, was die Unwissenden und Ungefestigten verdrehen, wie auch die übrigen Schriften, zu ihrem eigenen Verderben."

Die Auslegung der Heiligen Schrift kann meines Erachtens nur dann korrekt ausgelegt werden, wenn der Heilige Geist anwesend ist.

Da unsere Orthodoxe Kirche der Leib Christi ist, und der Heilige Geist im Haus Gottes wohnhaft ist, muss die Auslegung der Kirche Christi richtig sein, welche seit 2000 Jahren das Evangelium der Welt verkündet.

Herr Jesus Christus hat ja seinen Aposteln gesagt, dass der Tröster, der Heilige Geist kommen wird welcher Sie in die vollkommene Wahrheit leiten und bis ans Ende der Welt mit Ihnen sein wird.

Daher leuchtet es mir nicht ein, warum andere Gemeinschaften, welche sich Christen nennen, unsere Kirche sowie die Katholische komplett ablehnen.

Obwohl sich diese Gemeinschaften unterscheiden, in einem sind Sie sich alle einig, dass es keine Apostolische Sukzession geben kann, wie es die Orthodoxie und der Katholizismus lehrt.

Sie alle berufen sich auf das allgemeine Priestertum, was sagt die Heilige Schrift bezüglich dem allgemeinen Priestertum?

Wir lehnen doch das allgemeine Priestertum ab, wer hat Ihnen die Vollmacht gegeben zu predigen?

Da nach unserem Glauben die Bischöfe die Nachfolge der Aposteln sind, sind wir davon überzeugt, dass die Protestantischen Prediger nicht die Wahrheit erzählen, oder habe ich da etwas falsch verstanden?

Warum wird die Oikumene immer mehr gefördert wenn uns Orthodoxen Christen verboten ist mit "anders" gläubigen zu beten, geschweige den die Eucharistie zu feiern?

In der Hoffnung uns besser kennen zu lernen?

In Christus
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Re: Orthodoxie im Licht der Bibel

Beitragvon Trust-in-CR » 10.06.2014, 20:38

Liebe Brüder und Schwester

Ich hoffe euch geht es allen bestens.

Vor einer Woche hat mir ein Protestant, welche ich mal kurz kennengelernt habe, folgende Bibelversen zukommen lassen. Ich frage mich was er wohl mir damit sagen wollte oder in diesen Vers widersprüchliches meint gesehen zu haben was unseren orthodoxen Glauben betrifft?

Der Herr tadelt den falschen Gottesdienst

Jesaja 1, 10-20:

Hört das Wort des Herrn, ihr Fürsten von Sodom! Nimm zu Ohren das Gesetz unseres Gottes, du Volk von Gomorra! Was soll mir die Menge eurer Schlachtopfer? spricht der Herr. Ich bin der Brandopfer von Widdern und des Fettes der Mastkälber überdrüssig, und am Blut der Jungstiere, Lämmer und Böcke habe ich kein Gefallen! Wenn ihr kommt, um vor meinem Angesicht zu erscheinen — wer verlangt dies von euch, daß ihr meine Vorhöfe zertretet? Bringt nicht mehr vergebliches Speisopfer! Räucherwerk ist mir ein Greuel! Neumond und Sabbat, Versammlungen halten: Frevel verbunden mit Festgedränge ertrage ich nicht! Eure Neumonde und Festzeiten haßt meine Seele; sie sind mir zur Last geworden; ich bin es müde, sie zu ertragen. Und wenn ihr eure Hände ausbreitet, verhülle ich meine Augen vor euch, und wenn ihr auch noch so viel betet, höre ich doch nicht, denn eure Hände sind voll Blut! Wascht, reinigt euch! Tut das Böse, das ihr getan habt, von meinen Augen hinweg; hört auf, Böses zu tun! Lernt Gutes tun, trachtet nach dem Recht, helft dem Bedrückten, schafft der Waise Recht, führt den Rechtsstreit für die Witwe! Kommt doch, wir wollen miteinander rechten! spricht der Herr. Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, sollen sie weiß werden wie der Schnee; wenn sie rot sind wie Karmesin, sollen sie [weiß] wie Wolle werden. Seid ihr willig und gehorsam, so sollt ihr das Gute des Landes essen; wenn ihr euch aber weigert und widerspenstig seid, so sollt ihr vom Schwert gefressen werden! Ja, der Mund des Herrn hat es gesprochen.

Mir wurde von der Seite des Protestanten keine Antwort geliefert was er mit diesen Versen an der Orthodoxie falsch sieht aber da es um Festgedränge und um ausbreiten der Hände geht, habe ich einen leichten Verdacht, dass er allgemein unseren Gottesdienst meint, bei welchem unser Priester die Hände im Gebet in die Höhe ausbreitet..

Herzlichen Dank im Voraus für eure Ansicht was hier der HERR durch seinen Propheten Jesaja meint und inwiefern dies mit unserem orthodoxen Glauben in Widerspruch sein soll.

Eure Meinung interessiert mich sehr, da es immer Interessant zu sehen ist, wie schnell jemand falsch die Schrift auszulegen versucht!

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Re: Orthodoxie im Licht der Bibel

Beitragvon Trust-in-CR » 10.06.2014, 20:41

Und vor allem wie ist das mit dem Räucherwerk als Greuel zu verstehen?

Das Räucherwerk war ja damals auch mit Weihrauch oder?

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Re: Orthodoxie im Licht der Bibel

Beitragvon Igor » 10.06.2014, 21:35

Grüß Gott!

Die ganze Passage ist im Zusammenhang zu sehen und nicht zu zerpflücken, wie es Dein Bekannter anscheinend tun möchte und dabei zu verstehen meint, dass Weihrauch nicht in den Gottesdienst gehöre, wie das z.B. beim orthodoxen der Fall ist.

Gemeint ist eigentlich damit, dass es nichts nützt, Gott formal Opfer zu bringen (z.B. Weihrauch) und dabei aber sein eigentliches Leben nicht an seinen Geboten auszurichten (Sodom/Gomorra).

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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

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Re: Orthodoxie im Licht der Bibel

Beitragvon Quinni » 10.06.2014, 22:10

Ich kann Igor da nur zustimmen: wenn ich immer nur einen Satz aus der Bibel rauspflücke und ihn aus dem Kontext reiße, dann werde ich für jeden Satz einen anderen finden, der genau das Gegenteil sagt. Wir hatten hier einen sehr guten evangelischen Pfarrer, der leider zu früh verstorben ist. Er kannte die Bibel in und auswendig und hat uns herausgefordert. Er hat tatsächlich für jeden Satz, den wir ihm nannten, einen anderen gefunden, der das Gegenteil behauptete. Die geht vor allem dadurch, dass er altes und neues Testament benutzte. Dein protestantischer Bekannter nimmt einen Satz aus dem alten Testament, dem alten Bund. Durch Jesus wurde aber ein neuer Bund geschlossen, die drei Weisen brachten ihm zu Ehren Gold Weihrauch und Myrrhe mit. Warum soll es also auf einmal falsch sein, Weihrauch in der Kirche zu verbrennen? Doch nur, wenn es wie eine seelenlose Handlung, ein Ritual durchgeführt wird, man aber den Rest seines Lebens nicht im Sinne der Gebote Christi führt. Wenn ich nicht meine, was ich sage oder tue, dann ist die Gott ein Greul, nicht aber, wenn ich meinen Gott mit meinem ganzen Herzen liebe und das, was ich tue in seinem Sinne ist und das, was ich bete auch genauso meine.

Und ob ich nun meine Hände ausbreite, falte oder die Finger ineinander verschränke, wie die Evangelischen, es ist vollkommen egal. Wichtig ist das es nicht nur eine heuchlerische geste ist. Und genau das meint Jesaja wohl. Breitet eure Hände nicht zum Gebet und verbrennt keinen Weihrauch, bringt mir keine Opfer, wenn ihr danach wieder in Sünde weiterlebt, wenn ihr meint, dass es damit getan ist, Gott Opfer zu bringen und zu beten und alles ist dann vergeben und vergessen, egal wie ihr sonst lebt.

Nikolaj
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Re: Orthodoxie im Licht der Bibel

Beitragvon Nikolaj » 11.06.2014, 08:40

Man könnte diese Stelle aus Jesaja auch als Widerlegung des evangelischen Grundsatzes nutzen: Glauben, Beten und Bibellesen ist nicht ausreichend, es müssen auch Taten folgen.


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