Orthodoxie im Licht der Bibel

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Priester Alexej
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Re: Orthodoxie im Licht der Bibel

Beitragvon Priester Alexej » 10.03.2017, 22:44

Lazzaro hat geschrieben:
Priester Alexej hat geschrieben: Und für heutige Jugendliche ist die Konfiszierung des Smartphones schon die Strafe schlechthin.

nach Sprüche 13, 24: ''Wer ihm sein Smartphone läßt, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der zieht es beizeiten ein.''
nach (Spr 19,18 ) "Konfisziere das Smartphone deines Sohnes, solange noch Hoffnung ist, doch lass dich nicht hinreissen, es zu zerstören."

:lol: Vielleicht ist der Sinn dieser Texte jetzt leichter verständlich.
Lazarus

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Mary
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Re: Orthodoxie im Licht der Bibel

Beitragvon Mary » 10.03.2017, 23:07

Lazzaro hat geschrieben:
Priester Alexej hat geschrieben: Und für heutige Jugendliche ist die Konfiszierung des Smartphones schon die Strafe schlechthin.

nach Sprüche 13, 24: ''Wer ihm sein Smartphone läßt, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der zieht es beizeiten ein.''
nach (Spr 19,18 ) "Konfisziere das Smartphone deines Sohnes, solange noch Hoffnung ist, doch lass dich nicht hinreissen, es zu zerstören."

:lol: Vielleicht ist der Sinn dieser Texte jetzt leichter verständlich.
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DerFragende
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Re: Orthodoxie im Licht der Bibel

Beitragvon DerFragende » 10.03.2017, 23:08

Hetairos hat geschrieben:Lieber Fragender,
Worauf wir uns als Orthodoxe doch verlassen können, ist, dass wir keine Evangelikalen sind. Das heißt, nicht alles beim Wort, sondern beim Sinn zu nehmen und aus der Tradition und dem Kontext zu sehen. Die Bibel ist NICHT aus dem Himmel gekommen, sondern wurde, inspiriert vom Heiligen Geist, zusammengestellt. Zu aller erst aber das Neue Testament mit den Worten und Wirken Jesu. Dort wird schon vieles aufgehoben, was uns aus dem Alten Testament martialisch vorkommt.
Ein Bsp. aus dem Evangelium nach Matthäus:

34 Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! 35 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. 36 Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.
37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? 38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet? 39 Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? 40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Auch wenn sich dies "dem Wort nach" nur an die Behandlung Fremder richtet, so handelt es sich doch auch immer um die Nächsten - denen, den wir begegnen! Also auch Nachbarn, Freunde und Verwandte. Diesen Kontext würde ich nie aus dem Auge lassen. Und auch nicht vergessen, dass das Bild Gottes im Alten Testament sich zum Neuen stark gewandelt hat.
Dazu habe ich noch die Aussage eines Vaters im Ohr, ich weiß leider nicht mehr wer, der die Gewalt gegen alle Lebewesen als Gewalt gegen die Schöpfung betrachtet hat. Weshalb man in seinem Bsp. Esel nicht prügeln sollte. Dann gilt das erst Recht für unsere Kinder, Partners und Anvertrauten.
Ich habe Dir übrigens zu einem anderen Thema noch eine PN gesendet.

Grüße, Hetairos


Vielen Dank für deine Antwort lieber Hetairos,
mir ist bewusst das sich vieles im neuen Testament geändert hat, trotzdem entspricht es der Tatsache das Gott, Gewalt gegen Kinder befohlen hat, oder wie soll ich denn im Kontext beispielsweise: "Züchtige deinen Sohn, solange Hoffnung da ist, aber lass dich nicht hinreißen, ihn zu töten"(Spr. 18,19) verstehn, damit komme ich nicht klar zumal Gott sich nicht ändert.

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Re: Orthodoxie im Licht der Bibel

Beitragvon DerFragende » 10.03.2017, 23:20

Priester Alexej hat geschrieben:Lieber Fragender,

körperliche Züchtigung ist in Deutschland so verschmäht und strafrechtlich verfolgt, dass sich niemand trauen wird, dieses Thema ernsthaft zu disskutieren.

Wenn man über den Sinn dieser Aussagen im Alten Testament nachdenkt, würde ich folgendes anführen:

1) Für Gott ist das Wichtigste - die Errettung. Wenn der Mensch in diesem Lebens leiden muss, jedoch dadruch zur Errettung kommt - hat es sich gelohnt. So war es z. B. mit dem Blindgeborenen, der sein ganzes Leben lang wegen seiner Behinderung gelitten hat, jedoch dadurch Christus begegnete. Auch heute lässt Gott oft Leiden und Krankheiten zu, damit Menschen durch diese zu Ihm finden. Dieser Gedanke steckte auch hinter der Züchtigung - es war besser, das Kind mit der Rute vom Bösen abzuhalten, als dass es auf den sündigen Weg käme.

2) Eltern müssen ihre Kinder erziehen. Ich sehe heute nicht selten in Familien, dass Eltern sich nicht um Kinder kümmern, bzw. ihnen alles erlauben. Es reicht aber nicht, ein Kind in die Welt zu setzen und sich nur um Äußerliches zu kümmern. Man muss Kindern eine klare Richtung aufzeigen, in der sie sich entwickeln sollen, Grenzen setzen, Konsequenzen aufzeigen. Der Sinn ist aber tatsächlich nicht eine körperliche Schtrafe. So bringen Kindern aus der Schule Zusatzaufgaben mit oder müssen Nachsitzen, wenn sie sich daneben benommen haben. Und für heutige Jugendliche ist die Konfiszierung des Smartphones schon die Strafe schlechthin.


Vielen Dank lieber Vater für Ihre Antwort,
ich verstehe Sie absolut wenn Sie schreiben das es für Gott wichtiger ist, dass wir alle irgendwann im Himmel bei ihm sind, selbst wenn dies hier Leid auf Erden bedeutet. Hat allerdings Gott etwa nicht gewusst, dass man durch bewusste Misshandlung der Kinder im jungen Alter über psychische Krankheiten im Erwachsenenalter zu leiden hat. Gibt es nicht schon genug Leiden auf Erden das von Menschen verursacht wird? Hat Gott nicht gewusst das es noch andere Strafen gibt als die "Rute" oder das halb Tod schlagen wie es aus den Spr. 18,19 zu lesen ist, siehe: " Züchtige deinen Sohn, solange Hoffnung da ist, aber lass dich nicht hinreißen, ihn zu töten"?

Ebenso bin ich absolut bei Ihnen wenn Sie schreiben das man konsequent in der Erziehung sein soll und das man auf jeden Fall, Grenzen aufzeigen soll, aber warum befahl das Gott nicht, warum befahl Gott hier noch hätere Strafen die später für's Leben zeichnen?

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Re: Orthodoxie im Licht der Bibel

Beitragvon Priester Alexej » 11.03.2017, 01:01

Nun, von "halb tod" schlagen steht dort nichts.

Es steht nicht töten, da es in jender Gesellschaft und Zeit durchaus anders sein konnte. Der Vater hatte ohne Gericht das Recht, über das Leben seiner Kinder zu entscheiden. Da setzt die Bibel eine Grenze, was zu jeder Zeit ein großer Schritt nach vorne war. Wenn wir heute das Alte Testament lesen, hört sich für uns manches barbarisch an, wobei das zu jener Zeit ganz anders wahrgenommen wurde, die Sitten waren viel rauer.

Es gibt da eine Regelmäßigkeit - je weiter eine Gesellschaft entwickelt ist, desto leichter wird die Bestrafung. In Länder mit geringer Kriminalität gibt es leichtere Bestrafung. In Länder mit höherer gibt es strengere Gesetze, manchorts sogar noch die Todesstrafe.
So könnte man das auch in dem Kontext sehen - früher waren die Menschen auf einem anderen intelektuellen Niveau, und die körperliche Strafe war gerechtfertigt, heute kriegt man das auch anders geregelt.

DerFragende hat geschrieben:Hat allerdings Gott etwa nicht gewusst, dass man durch bewusste Misshandlung der Kinder im jungen Alter über psychische Krankheiten im Erwachsenenalter zu leiden hat.


Nun, da Gott allwissend ist, ist es logisch anzunehmen, dass eine körperliche Bestrafung nicht zwingend zu psychischen Krankheiten führt. "Mißhandeln" sollte man die Kinder auch im Alten Testament nicht, davon ist keine Rede. Eine Bestrafung hat in der klassischen Definition den Sinn, ein Kind vom Schlechten fernzuhalten, eine Mißhandlung ist aber eine Sinnlose Zufügung von Leid, die Schaden anrichtet. Das kann man auch an nicht körperlichen Strafen sehen. Will ein Kind nicht lernen, kann man ihm für ein paar Tage vor der Klassenarbeit Hausarest geben, das ist eine Erziehungsmaßnahme. Würde man aber ein Kind Monatelang nicht aus seinem Zimmer lassen, wäre das eine psychische Mißhandlung.
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Re: Orthodoxie im Licht der Bibel

Beitragvon Nikolaj » 13.03.2017, 14:42

Natürlich ändert Gott sich nicht. Die Bibel ist zwar das Wort Gottes, jedoch durch Propheten geschrieben, welche Menschen waren. Ich denke nicht, dass die Inspiration des Heiligen Geistes immer als ein Diktat der Worte verstanden werden sollte. Den Propheten wurde etwas von Gott eingegeben, jedoch mussten diese die Worte irgendwie ausdrücken. Der sprachliche Ausdruck ist aber stark an die herschende Kultur gebunden. Man muss einfach mit einbeziehen, in welchen Umständen die Worte gesagt (oder aufgeschrieben) wurden. Vielleicht hat der Prophet beim Nachdenken über mögliche Strafen hierbei eher zur Zurückhaltung bei der körperlichen Züchtigung aufgerufen, aber er musste es ja verständlich ausdrücken.

Im Alten Testament waren die Menschen noch zu weit von der vollkommenen Liebe Gottes entfernt. Daher haben die Propheten gesagt: "Auge um Auge, Zahn um Zahn" und erst mit dem Kommen Jesu Christi, der die vollkommene Liebe nicht nur gepredigt sondern auch gelebt hat, heißt es: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" oder " Liebt eure Feinde" - Diese Liebe ist doch erst verständlich, wenn man merkt, dass Christus freiwillig für alle auf dem Kreuz gestorben ist.

Das Alte Testament ist der Erzieher des Menschen, es versucht den Menschen so nah an Gott zu bringen, damit der Messias kommen kann. Es spricht mit den gewalttätigen Menschen in einer gewalttätigen Art.

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Re: Orthodoxie im Licht der Bibel

Beitragvon holzi » 13.03.2017, 19:24

Lazzaro hat geschrieben:
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nach Sprüche 13, 24: ''Wer ihm sein Smartphone läßt, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der zieht es beizeiten ein.''
nach (Spr 19,18 ) "Konfisziere das Smartphone deines Sohnes, solange noch Hoffnung ist, doch lass dich nicht hinreissen, es zu zerstören."

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Du bist aber arg grausam!
So mancher Teenie würde sich lieber tot schlagen lassen als das Handy rauszurücken! :mrgreen:
Das Christentum nimmt den Menschen, wie er ist, und macht ihn zu dem, was er sein soll. (Adolph Kolping 1813-1865)


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