Sexualität und Orthodoxie

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Fragender
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Sexualität und Orthodoxie

Beitrag von Fragender » 13.10.2011, 14:53

Guten Tag, liebe Forumteilnehmer,
meine Frau ist fest im orthodoxen Glauben verwurzelt, ich bin es eher nur auf dem Papier.
An zwei Tagen in der Woche, Samstagabend und Mittwochabend, darbei uns die Sexualität nicht gelebt werden, weil dies angeblich religiäs-orthodox begründet sei.
Kann mich hier bitte jemand aufklären, warum dies so ist und wie sich dies theologisch/orthodox begründen lässt?

Vielen Dank an Euch alle!

Mops
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Re: Sexualität und Orthodoxie

Beitrag von Mops » 13.10.2011, 19:08

ich denke mal das damit die generellen Fastentage gemeint sind. Mittwochs und Freitags (manche dehnen es auch auf den Montag aus), sind Fastentage und Fasten bezieht sich nicht nur auf die Nahrung...
zudem soll man vor der Kommunion (Sonn- und Feiertags) auch 3 Tage Fasten, aber da wird euch euer geistlicher Vater beratend zur Seite stehen.

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songul
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Re: Sexualität und Orthodoxie

Beitrag von songul » 13.10.2011, 19:16

Wenn man am Sonntag zur Kommunion möchte ist man ab Samstag Mitternacht bis zur Kommunion nüchtern und hat abends eben auch keinen Sex, sprich: ist abstinent.
Warum das bei euch auch Mittwochabend sein muss (der nach kirchlicher Aufteilung eigentlich schon zum Donnerstag gehört) weiss ich nicht; frag deine Frau oder den Priester eurer griechischen Kirche.
Die Fastenregeln hinsichtlich der Kommunion sind nicht in allen orth. Kirchen dieselben.

rafaella
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Re: Sexualität und Orthodoxie

Beitrag von rafaella » 13.10.2011, 19:42

Hallo,

Mittwoch und Freitag sind immer Fasten- und natürlich auch Enthaltsamkeitstage für einen gläubigen Orthodoxen, da am Mittwoch unser Herr verraten und am Freitag gekreuzigt wurde. Genauso während der großen Fastenzeiten (zB Osternfastenzeit). Ausserdem ist die Enthaltsamkeit auch drei Tage vor der Heiligen Kommunion zu halten, wie Mops bereits sagte. Das mit dem abend, der zum nächsten Tag gehört, wird eigentlich nur in Klöstern gehalten, aber selbst wenn man es so lebt, dann darf man halt nicht Dienstag abend bis Mittwoch nachmittag und von Donnerstag abend bis Freitag nachmittag... :roll: ich glaube, damit bringen wir Fragenden nur durcheinander......

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christodoulos
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Re: Sexualität und Orthodoxie

Beitrag von christodoulos » 13.10.2011, 20:09

Fragender hat geschrieben:Guten Tag, liebe Forumteilnehmer,
meine Frau ist fest im orthodoxen Glauben verwurzelt, ich bin es eher nur auf dem Papier.
An zwei Tagen in der Woche, Samstagabend und Mittwochabend, darbei uns die Sexualität nicht gelebt werden, weil dies angeblich religiäs-orthodox begründet sei.
Kann mich hier bitte jemand aufklären, warum dies so ist und wie sich dies theologisch/orthodox begründen lässt?

Vielen Dank an Euch alle!
Hallo,

welch seliger Mann du bist - der eine solche Frau hat. Wieviele orthodoxe Frauen wird es geben (natürlich auch Männer) denen das WURST ist.
Und noch um viel mehr ist deine Frau zu preisen - denn sie tut dies trotz deines Unverständnisses - und trotzdem hält sie daran fest.

Also danke Gott für so eine gläubige und starke Frau.

Wer hält sich schon daran, dass man den Samstagabend eigentlich in Vorbereitung auf den Herrentag verbringen sollte. Also mit Gebeten, Stille usw...Die meisten gehen ja am Samstag fort und feiern usw...

Der Hl. Johannes von Shanghai zelebrierte mal eine Vesper am Samstagabend (eigentl. Vigill) und es waren sehr wenige Leute anwesend. In seinem Bezirk war nämlich ein Bankett. Und so sind die Leute lieber zum Bankett als zur Vigill. Da hat sich Vladyka Ioan aufgemacht und ist auch zum Bankett - als er dort erschien verstummten alle und senkten ihre Köpfe - denn sie hatten alle ein schlechtes Gewissen. Er sah sich jeden an und ging wieder ohne ein Wort zu sagen.

Nassos
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Re: Sexualität und Orthodoxie

Beitrag von Nassos » 13.10.2011, 21:07

Hallo Fragender,

sei herzlich willkommen und gedankt für Dein Interesse.
Komische Bräuche, so von außen betrachtet, nicht wahr?
Die meisten Gucker bekommt man, wenn man sagt, dass man während der Großen Fastenzeit zu Ostern (und die ist nicht eine Woche, sondern rund 50 Tage) Enthaltsamkeit übt...

Mich würde interessieren, ob Deine Frau weiß, warum sie das macht, wnen ich Dir mit dieser Frage nicht zu nahe trete.

Vielen Dank und lieben Gruß,
Nassos

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Elias
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Re: Sexualität und Orthodoxie

Beitrag von Elias » 13.10.2011, 21:12

rafaella hat geschrieben: Ausserdem ist die Enthaltsamkeit auch drei Tage vor der Heiligen Kommunion zu halten, wie Mops bereits sagte.
Hallo Fragender, jetzt gebe ich auch noch meinen Senf dazu:) Im Grunde genommen haben die anderen das schon richtig gesagt aber das mit den drei Tagen vor der Kommunion gilt vor allem für Gläubige die selten zur Kommunion gehen, sie ist aber meines Wissens nicht Obligatorisch, denn ansonsten müssten wir ja zuhause wie im Kloster leben. Das hängt aber meist auch vom geistlichen Vater ab. Obligatorisch sind eigentlich nur der Mittwoch, der Freitag und der Samstagabend (Nicht der ganze Samstag), denn der Samstagabend dient zur Vorbereitung auf die Auferstehung Christi am Sonntag, wo dann für die meisten die Kommunion sein sollte. Der Mittwoch, Freitag und der Samstagabend sind tatsächlich Religiös begründet aber es gibt auch geistliche Väter die den Mittwoch und Freitag für ehelichen Verkehr erlauben, wenn es z.b ein junges (Ehe)paar ist, damit der eheliche Verzicht kein falsches Signal ist. Das ist etwas verwirrend (Ich weiß..) aber wichtig ist was deine Frau mit ihrem geistlichen Vater ausgemacht hat.

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Re: Sexualität und Orthodoxie

Beitrag von Ehemaliger » 13.10.2011, 21:58

Lieber Fragender,

möglicherweise bist du jetzt verwirrt wegen der Unterschiedlichkeit der Antworten. Nun,sowas kommt vor.

Ich frage mich: Warum stellst du diese Frage hier in einem öffentlichen Forum? Ich finde du hast doch mindestens zwei Adressen, die dir weiter als unsere Antorten helfen könnten.
1. Deine Frau (sie wird dir kaum eine Antwort verweigern) und für den Fall, dass ihr zu keiner befriedigenden Antwort/Übereinkunft kommen könntet:
2 Der Priester. Auch wenn du dich als 'Papierorthodoxen' bezeichnest hast/habt du/ihr einen. Und Fragen zur Gestaltung eines Lebens gehören dort hin. Immerhin scheint es deiner Frau wichtig zu sein. Vielleicht hilft es ja, zum Verstehen, wenn nicht gar zum Mitvollziehen.

Liebe Grüsse
Benedikt

P.S. Auf theoretische Fragen erhält man eben nur theoretische Antworten. Auf Fragen, die einen 'wirklich' betreffen, eher richtige

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Re: Sexualität und Orthodoxie

Beitrag von Igor » 14.10.2011, 07:11

Lieber Fragender,

meine Mitforer haben ja schon umfassend dargelegt, wann Enthaltsamkeit geboten wäre:
Ilija hat geschrieben: Im Grunde genommen haben die anderen das schon richtig gesagt aber das mit den drei Tagen vor der Kommunion gilt vor allem für Gläubige die selten zur Kommunion gehen, sie ist aber meines Wissens nicht Obligatorisch, denn ansonsten müssten wir ja zuhause wie im Kloster leben. Das hängt aber meist auch vom geistlichen Vater ab. Obligatorisch sind eigentlich nur der Mittwoch, der Freitag und der Samstagabend (Nicht der ganze Samstag), denn der Samstagabend dient zur Vorbereitung auf die Auferstehung Christi am Sonntag, wo dann für die meisten die Kommunion sein sollte. Der Mittwoch, Freitag und der Samstagabend sind tatsächlich Religiös begründet aber es gibt auch geistliche Väter die den Mittwoch und Freitag für ehelichen Verkehr erlauben, wenn es z.b ein junges (Ehe)paar ist, damit der eheliche Verzicht kein falsches Signal ist. Das ist etwas verwirrend (Ich weiß..) aber wichtig ist was deine Frau mit ihrem geistlichen Vater ausgemacht hat.
rafaella hat geschrieben:Das mit dem abend, der zum nächsten Tag gehört, wird eigentlich nur in Klöstern gehalten, aber selbst wenn man es so lebt, dann darf man halt nicht Dienstag abend bis Mittwoch nachmittag und von Donnerstag abend bis Freitag nachmittag...
Zu den Punkten, die Benedikt anmerkte, möchte ich noch ergänzen, dass – ob Enthaltsamkeit oder nicht – beides nur in gegenseitigem Einvernehmen zwischen den Ehepartnern geschehen kann.

In den Briefen des Apostels Paulus heißt es dazu:
Der Mann soll seine Pflicht gegenüber der Frau erfüllen und ebenso die Frau gegenüber dem Mann.
Nicht die Frau verfügt über ihren Leib, sondern der Mann. Ebenso verfügt nicht der Mann über seinen Leib, sondern die Frau.
Entzieht euch einander nicht, außer im gegenseitigen Einverständnis und nur eine Zeit lang, um für das Gebet frei zu sein. Dann kommt wieder zusammen, damit euch der Satan nicht in Versuchung führt, wenn ihr euch nicht enthalten könnt.
Das sage ich als Zugeständnis, nicht als Gebot.
:arrow: 1 Kor 7,3-6

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Igor
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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

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Re: Sexualität und Orthodoxie

Beitrag von rafaella » 14.10.2011, 12:58

Igor hat geschrieben: Zu den Punkten, die Benedikt anmerkte, möchte ich noch ergänzen, dass – ob Enthaltsamkeit oder nicht – beides nur in gegenseitigem Einvernehmen zwischen den Ehepartnern geschehen kann.

In den Briefen des Apostels Paulus heißt es dazu:
Der Mann soll seine Pflicht gegenüber der Frau erfüllen und ebenso die Frau gegenüber dem Mann.
Nicht die Frau verfügt über ihren Leib, sondern der Mann. Ebenso verfügt nicht der Mann über seinen Leib, sondern die Frau.
Entzieht euch einander nicht, außer im gegenseitigen Einverständnis und nur eine Zeit lang, um für das Gebet frei zu sein. Dann kommt wieder zusammen, damit euch der Satan nicht in Versuchung führt, wenn ihr euch nicht enthalten könnt.
Das sage ich als Zugeständnis, nicht als Gebot.
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Igor
Lieber Igor,

die Frage ist jedoch, wenn der Mann oder die Frau ungläubig sind? Soll man dann heilige Tage brechen, weil der Mann einen kurzen Spass will? grosse Woche, Freitags, etc? Das ist eine schwierige Frage. Ich denke, das Gott VOR dem Mann und der Frau steht. Apostel Paulus sagt ja auch nur, dass man sich nicht dauerhaft, für immer, ohne einvernehmen, enthalten soll, sondern immer wieder fatsen und wieder zusammmenkommen.

Lieber Ilija...
sehr viele leben so, und sie sind keine Mönche. Das ist nicht schwer, Freitags hält man ja sowieso ein, also eigentlich zwei Tage.
Die drei Tage stehen im Pidalion, dem Regelwerk der Kirche, aufrund einer synodischen Entscheidung unter Patriarch Lukas, der 13en und 5en Regel des Timotheus Alexandriens und 3e Regel des Dionysios Alexandriens.

Aber es gibt ja auch immer die Oikonomia, wenn es Gründe gibt. ZB Paare mit Kinderlosigkeit oder andere krankhafte Zustände. Die Priester, die andere Regeln auferlegen, haben wohl ihre Gründe.

En Christo
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rafaella
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Re: Sexualität und Orthodoxie

Beitrag von rafaella » 15.10.2011, 19:12

Dazu ein Auszug aus einem interessanten Text zu diesem Thema:
Die Reinheit müssen wir alle befolgen, Weltliche (Laien) wie Mönche, und Christus nachahmen, denn deswegen heissen wir Christen. Wir sollen Christus in allem ähnlich sein. Wie er rein ist, so müssen wir uns alle "reinigen". Das erreichen wir, wenn wir richtig in der Kirche leben, als ihre lebendige Mitglieder. Die Ehe ist ein martyrischer Weg mit asketischem Charakter. Das Fasten, die Enthaltsamkeit, das Gebet sind nicht nur für die Mönche da, aber auch für die Verheirateten. Was für den Mönchen das Kloster ist, ist für den Verheirateten die Familie. Dort soll er das Wort Gottes in die Tat umsetzen.
Priestermönch Savvas

Wenn wir den asketischen Aspekt des Christentums, also der Wahrheit Gottes, aus unserem Leben nehmen, so werden wir uns innerlich kaum wandeln. aslo ist die Enthaltsamkeit sehr wichtig in der Ehe, wie auch das Fasten. Christus sollte der Mittelpunkt unseres Lebens sein, und der Körper der Tempel unserer Seele. Nur so kann man nach höherem streben.
"Liebet ihr Mich, so werdet ihr Meine Gebote halten", Jo 14,15

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Re: Sexualität und Orthodoxie

Beitrag von Fragender » 15.10.2011, 19:29

Liebe Forumsteilnehmer, vielen Dank für Eure vielen Antworten.
Da ich - wie gesagt - der Kirche nicht besonders nahestehe, meine Frau umso mehr, habe ich meine Frage in diesem Forum aus ehrlichem Interesse platziert. Warum ich mich nicht an unseren Prister wende? Nun, hierzu müsste ich ein besonderes Vertrauensverhältnis zu eben jenem haben und auch der Kirche innerlich verbunden sein, und meiner Frau ist es etwas peinlich, das Thema Sexualität bei unserem Priester anzuschneiden.
Logisch nahvollziehbar aus theologischen Gründen erscheint mir Laien die Begründung des Vorabends des Freitags und des Sonntags und die Enthaltsamkeit während der Fastenzeit vor Ostern.

Und was das gegenseitige Einvernehmen angeht: Wenn es nach mir ginge, dann würde ich ehrlich gesagt vor dem Hintergrund, dass meine Frau und ich als Eltern und beide beruflich voll beansprucht sowieso durch das Alltagsleben sehr, sehr enthaltsam sind, auf "Sexualität nach Fahrplan" verzichten. Aber so, wie meine Frau meine kirchenkritische Ansicht akzeptiert, respektiere ich ihre Verbundenheit mit der orthodoxen Kirche und beuge mich eben zusätzlich zu der alltäglich begründeten Enthaltsamkeit der additiven theologischen Enthaltsamkeit.

Nassos
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Re: Sexualität und Orthodoxie

Beitrag von Nassos » 15.10.2011, 19:39

Nun, wenn man dem Priester beichtet, dann wird man sowieso in Demut geübt, lieber Fragender.

Und ganz so einfach "nach Fahrplan" ist es nicht. Wieviele Väter und Mönche haben nicht insgeheim ihr Fasten gebrochen, um ihren Mitmenschen nicht vor den Kopf zu stoßen? Wenn zum Beispiel der Partner das mit dem Fasten nicht mitbekommen hat, so könnte er durchaus - wenn er den Geist des Fastens würdigt - durchaus zur Frage kommen "darf ich jetzt meinen Partner vor den Kopf stoßen" (natürlich nicht in dem Sinne, dass er eigene Gelüste befriedigen will).

Und da könnte der Priester durchaus gute Anweisungen geben.

es geht nämlich nicht nur um den Beischlaf als Leidenschaft, sondern im Geiste des Fastens um jede Leidenschaft der wir erliegen können. Sei es Gelaber, Freußsucht, Trinkerei, sei es aber auch schlimmeres: Hass auf jemanden, böse Gedanken, Neid, Zorn - also Sachen, die einen wirklich selber auch häßlich machen: diese Leidenschaften versucht man zu "töten" durch das Fasten - und nicht um eine to do Liste abzuarbeiten.
Was nützt mir der Verzicht auf Fleisch udn Fisch und Milchprodukte, wenn ich nicht versuche, mich selber ein bißchen in Demut und Zurückhaltung zu üben.

Eben, nichts.

Aber der große Unterschied zu den anderen Leidenschaften ist, dass der Beischlaf keine Sünde ist. Nein, er ist - eben weil zur Ehe gehörend - geheiligt. Der Verzicht dient der alleinigen Ausrichtung auf Gott, und ja, es soll durchaus ein (harter) Verzicht sein.

Ich hoffe, ich konnte das etwas verständlicher wiedergeben. Was ich nicht will, ist dass Sex in der Ehe tabuisiert oder verteufelt wird. Das ist nämlich nicht in Ordnung.

Lieben Gruß,
Nassos

rafaella
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Re: Sexualität und Orthodoxie

Beitrag von rafaella » 15.10.2011, 19:54

Ich kann nur Nassos zustimmen, dass der Beischlaf in der Ehe natürlich keine Sünde darstellt, andererseits kommt es darauf an, wie wir diesen leben.
Das Essen ist keien Sünde, aber die Freßsucht schon,
Der Wein ist keine Sünde, aber das Betrinken schon,
Das täglich Brot ist keine Sünde, aber die Gier schon,
so ungefähr ist es wohl auch mit dem Beischlaf, da wir als Christen nach Vervollkommnung im Sinne Christi streben müssen, um nicht nach dem Fleische sondern nach dem Geiste zu leben. Das ist eine höhere und bewusstere Daseinsform, so könnte man es sagen. In diesem Sinne unterscheiden sich die Christen tatsächlich von anderen Paaren. Deswegen müssen wir uns in der Enthaltsamkeit üben, um keine Leidenschaft zu entwickeln, die uns von unserem Ziel abbringt.

Lieber Fragender,
ich finde Deine Haltung durchaus positiv, da Du als nicht praktizierender Christ die Gefühle deiner Frau akzeptierst und versuchst zu verstehen, anstatt Dich negativ zu positionieren und somit vielleicht Deine Ehefrau zu verletzen und Deiner Ehe zu schaden. Das ist nicht für alle selbstverständlich.

En Christo
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Ehemaliger
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Re: Sexualität und Orthodoxie

Beitrag von Ehemaliger » 15.10.2011, 22:41

Lieber Fragender,
ich finde deine Antwort RICHTIG GUT !

Sie ist bei mir sehr ehrlich angekommen . . und problematisch.
Problematisch dahingehend, dass es einfach nicht gut sein kann, euer Problem hier in aller Öffentlichkeit breitzutreten.
Nur ein paar kleine Anmerkungen:
1. Wieso muss es so sein, dass du ein "besonderes Vertrauensverhältnis" zu einem Priester brauchst, mit dem du dich über Sex beraten/fragen willst?
Der tut es auch. Und ich auch, und Rafaella und Nassos und Igor und eigentlich fast alle. Wenn man Statistiken glauben kann, dann ca 2 Mal in der Woche, mal mehr mal weniger . . .
Was ist das Problem damit? Wir reden mit Priestern über Notlügen und Versagen, über Essensdisziplin und Wut, über Schminken und blöde Kollegen (usw). Das sind Dinge, die mal mehr mal weniger als 2 X /Woche relevant sind und, von allen wohl anerkannt, als (geradezu unvermeidlicher) Teil des menschlichen Lebens gelten. Oder? Was ist also so besonderes daran, darüber zu reden?

2. Die Sache mit dem "Fahrplan" scheint recht nahegehend zu sein. Hmmm, hier breche ich lieber ab

3. Lass uns nur einen kleinen Blick auf die Frage werfen: Warum eigentlich solch ein komisches Gehabe (kirchlicherseits)? Nun, Rafafaella, Nassos und auch andere haben dir schon mal nahezubringen versucht, dass da mehr als Regulierungswut und Kontrollbedürfnis oder auch kirchliches Machtgehabe dahinter stecken könnte. Vielleicht wäre das ein Ansatzpunkt, weiter zu suchen und Antworten jenseits des "Eingebundenseins" oder auch "Fernstehens" zu finden.


Sag mal? Wie oft betet ihr eigentlich in der Woche miteinander? (ICH WILL KEINE ANTWORT, die brauche ich nicht, DIE BRAUCHT IHR).
Meine Anfrage beinhaltet: Wie steht es "wirk-lich" um eure Kirchenverbundenheit und Kirchenkritik? Routine? Angelebt? Substanz? im Eigentlichen?
Diese Fragen finde ich, wären euren Schweiss und Einsatz wert

Liebe Grüsse
Benedikt

Schon wieder ein P.S. Ich bin ein "Heiliger Geist"- Fan und ich finde, Er hat euch am Wickel ;)

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