Orthodoxes Gebetbuch (Gebetsregel)

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Bruder Damian O.S.B.
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Orthodoxes Gebetbuch (Gebetsregel)

Beitrag von Bruder Damian O.S.B. » 16.09.2010, 11:20

+ Liebe Freunde,

Es betrifft die Morgengebete und die Abendgebete im Orthodoxen Gebetbuch.

Werden die Gebete grundsätzlich alle Gebetet oder dürfen sie abgekürzt werde. Im Sinne von einer Auswahl.
verzeiht hört sich eventuell ziemlich (römisch an) soll es aber nicht sein.

mit Dank im voraus .

euer Damian

danadoina
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Re: Orthodoxes Gebetbuch (Gebetsregel)

Beitrag von danadoina » 16.09.2010, 15:12

Bruder Damian O.S.B. hat geschrieben:+ Liebe Freunde,

Es betrifft die Morgengebete und die Abendgebete im Orthodoxen Gebetbuch.

Werden die Gebete grundsätzlich alle Gebetet oder dürfen sie abgekürzt werde. Im Sinne von einer Auswahl.
verzeiht hört sich eventuell ziemlich (römisch an) soll es aber nicht sein.

mit Dank im voraus .

euer Damian
Lieber Damian,
generell soll jeder Gläubige gemeinsam mit dem Beichtvater das eigene Gebetsregel festlegen. Wenn aus irgendwelchen Gründe gekürzt werden soll und das dauerhaft dann braucht man sein Segen. Gelegentliches Kürzen oder Auslassen soll gebeichtet werden, da hier sind die Gründe wichtig (Zeitmangel, Krankheit, Faulheit... ).
grüße,
daniela

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songul
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Re: Orthodoxes Gebetbuch (Gebetsregel)

Beitrag von songul » 16.09.2010, 16:11

danadoina hat geschrieben:Gelegentliches Kürzen oder Auslassen soll gebeichtet werden, da hier sind die Gründe wichtig (Zeitmangel, Krankheit, Faulheit... ).
Zeitmangel und Krankheit sind Sünde?

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Re: Orthodoxes Gebetbuch (Gebetsregel)

Beitrag von danadoina » 16.09.2010, 16:38

songul hat geschrieben:
danadoina hat geschrieben:Gelegentliches Kürzen oder Auslassen soll gebeichtet werden, da hier sind die Gründe wichtig (Zeitmangel, Krankheit, Faulheit... ).
Zeitmangel und Krankheit sind Sünde?
krankheit, natürlich nicht...
zeitmangel, kann sein...(ob etwas unvorhergesen passiert ist das eine, wenn ich nachdem ich aufwache noch lange im bett liege obwohl ich meine gebete in der zeit machen könnte es ist etwas anderes...oder ? je nachdem und nach den gewissensbissen, nach häufigkeit etc. entscheidet der beichtvater ob man ein kanon als "medikament" verabreicht oder er es erst mal bei einer mahnung läßt... )
Zuletzt geändert von danadoina am 16.09.2010, 16:40, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Orthodoxes Gebetbuch (Gebetsregel)

Beitrag von Mops » 16.09.2010, 16:40

aber Krankheit kann eine Folge von Sünde sein ...

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Re: Orthodoxes Gebetbuch (Gebetsregel)

Beitrag von prorokini » 16.09.2010, 23:22

Kann, muß aber nicht. Denken wir an den Blindgeborenen im Evangelium.
Wenn man krank ist, fällt das Beten oft schwer…wenn man zum Beispiel zu schwach ist, um ein Gebetbuch zu halten, einem die Zähne klappern usw. Es ist dann nichts Schlimmes, von seiner gewohnten Gebetsregel abzuweichen.

Bruder Damian O.S.B.
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Re: Orthodoxes Gebetbuch (Gebetsregel)

Beitrag von Bruder Damian O.S.B. » 17.09.2010, 07:08

Grüß Gott,

Habt Lieben Dank für die schnellen antworten :)

Damian

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Re: Orthodoxes Gebetbuch (Gebetsregel)

Beitrag von songul » 17.09.2010, 09:19

Nochmal von mir was:
Eine Gebetsregel ist richtig und gut, aber kein Muss.
Sie macht eigentlich auch überhaupt nur Sinn, wenn der Gläubige auch regelmässig in die Kirche geht und auch den Wunsch verspürt sein Glaubensleben durch zusätzliche religiöse Übungen zu vertiefen.
Dieser Wunsch wird in der Regel erst durch den regelmässigen Besuch der Kirche/Klöster geweckt. Es ist ein gradueller Prozess und geht Hand in Hand mit dem Empfang der Heiligen Gaben, denn: Ohne eine vorherige Beichte sind diese (sollten diese) unerreichbar sein und dann kennt der Priester den Betreffenden schon.
Es hängt dann von ihm ab ob er ihn dahin führt; das machen leider längst nicht alle.
Wie überhaupt die grosse Mehrheit der Gläubigen ja meist ein, zweimal im Jahr in die Kirche gehen und auch dann gehen ja auch nicht alle zur Kommunion. Das ist leider so und da muss noch viel Katechese geschehen.
Diese ganzen geistlichen Übungen (Fasten, Gebet, geistl. Literatur) wird nur von einer kleinen Minderheit so ausgeübt und dann nochmal von einigen als unabdingbar instruiert.
Wir sind schliesslich keine Moslems, bei denen ein verpasster Ramadan nachgeholt werden muss oder man für eine nicht vollzogene Gebetsregel in die Hölle kommt.
Gott sei Dank!
Ich wollte das nur mal so drastisch schreiben, weil es immer wieder Leute gibt, die das alles als Pflicht darstellen in der man sich versündigt wenn man mal nicht kann oder will (aus welchen Gründen auch immer).
Das Christentum ist doch keine Gesetzesreligion (im Sinne von Judentum und Islam) und auch in der Orthopraxie - in der es eine Menge Gebote und Empfehlungen gibt die zu erfüllen sind wenn man es ganz richtig machen will - beruht das auf einer richtigen Geisteshaltung und es ist freiwillig.
Einzig bei monastischen Personen oder Klerikern ist ein Muss dahinter und es wird bei Mönchen und Nonnen sehr darauf geachtet, dass die neben den öffentlichen Stundengebeten ihre Zellenregel erfüllen. Solche Leute sind aber schon einen anderen Weg der Nachfolge Christi eingeschlagen und es ist für Weltleute unsinnig das nachzuahmen über den gegebenen Rahmen hinaus.
Die Orthodoxie bietet alles an was an Orthopraxie vorhanden ist und legt auch den grössten Wert darauf, dass auszuüben, aber freiwillig und von ganzem Herzen; das ist der Unterschied zu Moslems und Juden.
Wer einfach etwas anderes behauptet, selbst mit der besten Absicht, ist in meinen Augen unlauter.

LG Songul

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Re: Orthodoxes Gebetbuch (Gebetsregel)

Beitrag von Mops » 17.09.2010, 10:34

so absolut kannst du das nicht sagen. Warum heißt es denn Gebetsregel? Klar hat jede Regel auch Außnahmen, aber diese sollten wiederum nicht zur Regel werden.
Was ist denn ein Gebet? Gespräch mit Gott? Schau doch an, die Gebete die unter Morgen oder Abendgebete zu finden sind. Dann sieht man auch warum.
"Das Gebet ist Lebensgemeinschaft mit Gott und nicht nur Bitten und Bereuen. Die Heilige Schrift lehr uns ständig zu beten. Dennoch gibt es im Laufe der Tage besondere Stunden, die der christ dem Gebet widmen sollte. Das ist der Morgen, wenn wir aufstehen und uns auf die tägliche Arbeit vorbereiten, aber auch der Abend, wenn wir uns zur Ruhe begeben. Die Kirche hat diese Stunden nicht zufällig für das Gebet bestimmt..."(aus "Orthodoxes Glaubensbuch").
Natürlich, wenn der geistliche Vater etwas anderes für wichtiger hält, dann hat er Grund dazu. Er kennt sein geistliches Kind und weiß was es gerade braucht. Natürlich brauchen wir besonders Demut und Liebe.
Wie oft ist man - auch in der Kirche - nicht demütig, unkonzenriert usw...
Was läßt uns denn abkehren vom Gebet? Der Alltag z.B.! Man gibt sich den weltlichen Sorgen und Problemen hin, Job, Familie,Studium, Fußball, Disko... und vergisst Gott dabei oft (Bsp. LK 10, 42) oder entschhuldigt sich mit 1000 Gründen (LK 14, 19-20).
Und was sagt der Herr? Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach Seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles andere dazugegeben.
So hatte ich es in dem kleinen Büchlein "Vergöttlichung, Das Ziel des Menschenlebens" gelesen.
Sicher, der Besuch der Kirche gehört auch dazu, nicht nur 1 mal im Jahr. Wer schonmal längere Zeit nicht zu Kirche ging, spürt das es fehlt, spürt Leere usw... um es ganz vereinfacht auszudrücken. Nicht Gott entfernt sich von uns, wir entfernen uns von Gott!
Gott ist immer da, ER ist die Liebe. ..
Auch bei Kallistos Ware finde ich Hinweise darauf. Zum einen schreibt er, dass wir ohne Gottes Gnade nichts tun können, doch ohne unsere Mitwirkung wird Gott nichts tun. "Der Wille ist eine wesentliche Vorraussetzung, denn ohne ihn tut Gott nichts"-aus den Homilien des hl. Makarius. Aus den Seiten 151-153 (Der Aufstieg zu Gott), kann man mehr darüber lesen. Klar, es ist schwer und ist jeden Tag ein neuer Kampf. Wenn es nicht gelingt z.B. die Morgengebete zu sprechen, dann kann ich immernoch die Regel für berufstätige Laien beten und ab und zu das Jesusgebet sprechen in einer freien Minute oder einfach aus dem Herzen beten.
Aber generell ist niemand unlauter, der auf die Wichtigkeit der Gebetsregel hinweist!

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songul
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Re: Orthodoxes Gebetbuch (Gebetsregel)

Beitrag von songul » 17.09.2010, 12:20

Mops,
du hast recht und ich ebenso; und ich gehe auch in deinen Ausführungen konform.
Nur unser beider Betrachtungsweisen sind verschieden, d. h. sie haben verschiedene Ausgangspunkte.
Und wenn man meinen kleinen Aufsatz ganz genau liesst, dann sollte einem schon auffallen, dass ich den Zustand der Allgemeinheit wiedergebe und nicht wie es idealerweise sein sollte. Ich stehe natürlich auch hinter diesem Ideal und wer sich auch einmal darauf eingelassen hat, für den ist dein Text genau richtig.
Alldieweil wird aber eben immer wieder so getan als ob es immer und überhaupt und für alle - egal wer, und unter der Prämisse wer's nicht tut, der ist ein Sünder, die Orthopraxie verkündet wird.
Das nenne ich dann unlauter.
Und natürlich ist niemand der auf die Wichtigkeit des Gebetsleben hinweist unlauter, aber eben hinweist und nicht mehr.

LG Songul

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Re: Orthodoxes Gebetbuch (Gebetsregel)

Beitrag von danadoina » 17.09.2010, 12:46

songul hat geschrieben:Nochmal von mir was:
Eine Gebetsregel ist richtig und gut, aber kein Muss.
Sie macht eigentlich auch überhaupt nur Sinn, wenn der Gläubige auch regelmässig in die Kirche geht und auch den Wunsch verspürt sein Glaubensleben durch zusätzliche religiöse Übungen zu vertiefen.
...

aus der Kirchenlehre:
"Das Gebet ist Lebensgemeinschaft mit Gott und nicht nur Bitten und Bereuen. Die Heilige Schrift lehr uns ständig zu beten. Dennoch gibt es im Laufe der Tage besondere Stunden, die der Christ dem Gebet widmen sollte. Das ist der Morgen, wenn wir aufstehen und uns auf die tägliche Arbeit vorbereiten, aber auch der Abend, wenn wir uns zur Ruhe begeben. Die Kirche hat diese Stunden nicht zufällig für das Gebet bestimmt..."(aus "Orthodoxes Glaubensbuch").


Liebe Songul,
"uns" und " Der Christ " bezieht sich auf normalsterbliche wie wir und nicht nur auf mönche oder nonnen ( der einzige unterschied ist ihre gebetsregel, die ist von monastischen regeln und dem geistigen vater bestimmt...bei laien wird es in der absprache mit dem geistigen vater festgelegt...) ; andersrum werden diejenigen die eine gebetsregel haben mit sicherheit mehr als zweimal im jahr zur kirche gehen...

PS: unter Gebetsregel (pravila) versteht man die gebete, die der einzelne orthodoxe christ täglich beten soll / muß wenn er ein leben in Christus führt... ob viele getaufte orthodoxe christen dies einhalten oder nicht war hier nicht die frage und ist auch nicht entscheidend für das was jeder machen sollte/müßte ...

gruß,
daniela

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Re: Orthodoxes Gebetbuch (Gebetsregel)

Beitrag von Nassos » 17.09.2010, 17:58

Hl. Ioannis Chrysostomos hat geschrieben:Das Gebet braucht nicht eine bestimmte Körperhaltung, bestimmte Orte und Zeiten, aber ein mutige und lautere Überzeugun
Habe ich heute auf der Rückseite des Tageskalenderblattes vom 12. September gesehen.

Mops
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Re: Orthodoxes Gebetbuch (Gebetsregel)

Beitrag von Mops » 17.09.2010, 18:02

dann lügen also die anderen Väter alle? :shock:

ElvisVrinic
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Re: Orthodoxes Gebetbuch (Gebetsregel)

Beitrag von ElvisVrinic » 17.09.2010, 18:06

Mops hat geschrieben:dann lügen also die anderen Väter alle? :shock:
nein glaub ich nicht. :cop:

es muss nicht immer ein und die selbe "haltung" sein - jenes ist halt zur hilfestellung das du die innere haltung bekommst und die ist sehr wichtig.

Gruß

elvis
Am Anfang war das Wort und das Wort war bei GOTT und GOTT war das Wort. Dieses war im Anfang bei GOTT. Alles ist durch es geworden, und ohne es ist nichts Geworden. Was geworden ist - in IHM war das Leben, und das Leben war das Licht des Menschen und das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht ergriffen (begriffen, erfasst). (EVANGELIUM nach Johannes)

Ehre Sei dem Vater und den Sohn und den Heiligen Geist.
Jetzt und immerdar und in alle ewigkeit. Amen

IC XC
NI KA

Nassos
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Re: Orthodoxes Gebetbuch (Gebetsregel)

Beitrag von Nassos » 17.09.2010, 18:08

Nein, nur Ioannis Chrysostomos. :roll:

Ich formuliere es für Dich mal anders: das Gebet macht keinen Sinn, wenn es nicht aus reinem Herzen kommt. Wenn es nur runtergerasselt wird, dann nützt die demütigst scheinende Haltung nicht, egal ob zu Hause oder in der Kirche, egal ob am Morgen oder Abend.

Warum zieht Ihr immer alles gleich ins Extrem ("lügen die Väter")?

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