Wie oft im Jahr empfängst du die heilige Kommunion?

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Allons
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Re: Wie oft im Jahr empfängst du die heilige Kommunion?

Beitrag von Allons »

Nassos hat geschrieben:Hallo Allons, nein, ich bin nicht konvertiert. Die Null liegt einfach daran, dass ich es bis dato nicht gestiegen hatte, mir also die eigentliche Bedeutung der Hl. Kommunion nicht klar war. Aber ich bin Willens mich kontinuierlich zu verbessern.
Lieber Nassos, über die eigentliche Bedeutung der Hl. Kommunion ist sich nur einer klar: der sie gestiftet hat. Es gibt keinen Beipackzettel dafür. Im Mittelalter wurde die Kommunion, insbesondere der Wein derartig theologisch und mythisch überfrachtet dass die Gläubigen zum Schluß von dem Teufelszeug gar nichts mehr trinken mochten (sorry wegen der Wortwahl). Wäre ich der Teufel, ich hätte mir stolz auf die Schultern geklopft bei einer solchen Entwicklung. Unter allem Respekt vor mir unbekannten orthodoxen Vorbehalten: Just do it.

Grüße, Allons! (Der so ~alle 2 Monate kommuniziert)
Michael
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Re: Wie oft im Jahr empfängst du die heilige Kommunion?

Beitrag von Michael »

Wow, jeden Sonntag die Hl. Kommunion :shock:
„Heilig, heilig, heilig, furchtbar und groß, hoch(erhaben),
bewundernswert und verherrlicht ist der Herr in die Äonen der
Äonen!“
Sinaitis
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Re: Wie oft im Jahr empfängst du die heilige Kommunion?

Beitrag von Sinaitis »

Allons hat geschrieben:Grüße, Allons! (Der so ~alle 2 Monate kommuniziert)
??????????????????????????????????????????

Lieber Allons, bei allem Respekt, da täuschst Du Dich selbst! Leider.
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Allons
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Re: Wie oft im Jahr empfängst du die heilige Kommunion?

Beitrag von Allons »

Sinaitis hat geschrieben:
Allons hat geschrieben:Grüße, Allons! (Der so ~alle 2 Monate kommuniziert)
Lieber Allons, bei allem Respekt, da täuschst Du Dich selbst! Leider.
Lieber Sinaitis, die zwei Personen, die in dieser Umfrage Null angeklickt/kreuzt haben waren Nassos und ich, wie in diesem Strang weiter vorne zu lesen ist. Ihren Einwurf hatte ich also bereits antizipiert was ihn freilich nicht weniger berechtigt erscheinen läßt. Ich bedanke mich für Ihre seelsorgerliche Intervention (mir fällt auf, dass es keinen verbeugungs-smiley gibt).

Mir fällt zum Thema irren eine Geschichte ein. Zwei alte Menschen beschliessen, in Erwartung ihres Todes sich gegenseitig nach ihrem Ableben darüber zu informieren, was den Überlebenden erwartet. Etwa einen Monat nach dem Tod des ersten der beiden soll dieser eine kleine Nachricht schicken. Ja, wenn die Erlösung wartet, Nein wenn vermutlich die Hölle bereitsteht. Als der erste der beiden verstirbt wartet der andere auf Nachricht. Einen Monat später, abends, erscheint auf dem Fensterbrett eine kleine Amsel mit einem Briefchen im Schnabel. Der andere schickt ein Stoßgebet zum Himmel, nimmt der Amsel den Brief ab und öffnet ihn.

"Es ist alles ganz anders"

:D

Herzliche Grüße, Allons!
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Priester Alexej
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Re: Wie oft im Jahr empfängst du die heilige Kommunion?

Beitrag von Priester Alexej »

Liebe Freunde,

auf der einen Seite sagte und der Herr, nehmet, esset, das ist mein Fleisch..., wer es nimmt, wird errettet werden. Dabei gibt es keine Zeitangabe, zwei, 20, es ist eine Kontinuität. Und tatsächlich, die Heilige Liturgie ist du, um zu kommunizieren, und nicht um zu beten.

Aber, auf der anderen Seite, lesen wir in der Schrift, dass wer unwürdig kommuniziert, es zu seiner Verurteilung tut.

Und dieser scheinbare Widerspruch hat nicht zur Lösung, die Kommunion zu nehmen, denn dann verstoßen wir gegen das erste Gebot. Die Lösung ist, dass der Mensch gerecht leben muss. Dann ist jede Woche, jeder Tag Vorbereitung auf das nächste Abendmal.

Natürlich geht man nicht zur Kommunion, wenn man am Samstag Abend gut gefeiert hat. Aber das tut man auch nicht, wenn man wies, ich werde morgen der Heiligen Gaben teilhaftig.


Lieber Allons, aus bestimmten Gründen stellt man heute alles in Frage - die Geschichte, die du geschrieben hast, ist ein Paradigma im Bewusstsein vieler Menschen. Alles anzuzweifeln, was immer für richtig oder falsch gegolten hat, gilt als modern und "zeitgemäß". Dabei fragt sich dieser zeitgemäße Mensch gar nicht, worum er etwas anzweifelt, und was er anzweifelt. Er folgt einfach dem genannten Paradigma.

Was die theologische Bedeutung der Eucharistie angeht, ist es ein Thema, an das sich kein Doktorand traut - es gibt so viele Meinungen und Sichtweisen. Deshalb bitte ich euch, darüber gar nicht zu diskutieren, niemand von uns hat dafür die Kompetenz. Und Allons besteht ja auch nicht auf eine "orthodoxe" Kommunion :v:

Viel wichtiger ist hier die geistliche Bedeutung - ein Mensch, der grade Kommuniziert hat, dem merkt man es immer an. Er strahl förmlich. Es ist auch ein wichtiger Moment bei der Mission, dass andere Menschen dieses Strahlen sehen, sich darüber wundern, und auch "so" sein möchten.

Stellt euch einen jungen Menschen vor, nach einer langen Diskotheknacht steht er morgens auf, und sieht seine Oma, die schon in der Kirche war und strahlend an ihm vorbeigeht, und es ist keine bloße Freude, es ist ein göttliches Licht. Es gibt keinen besseren weg, jemanden zum Glauben zu bewegen, denn früher oder später erinnert sich dieser junge Mensch an die morgenliche Erfahrung.

Herzliche Grüße!

L. Alexej
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.
peter
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Re: Wie oft im Jahr empfängst du die heilige Kommunion?

Beitrag von peter »

Liebe "Kommunizierenden",

also ich zähle mich zu denen, die so oft wie möglich an Christi Präsenz in der Eucharistie teilhaben möchten, so wie es nach verläßlichen Auskünften in der "Urkirche" selbstverständlich gewesen sein soll. Jene, die nicht an der Abendmahlsfeier teil-nahmen, hatten draußen zu stehen. Allerdings habe ich mir zur Regel gemacht, wie es in der russischen orthodoxen Kirche
auch geschieht, prinzipiell vorher zur Beichte zu gehen, um der "Unwürdigkeit" zumindest entgegenzuarbeiten, selbst wenn
diese Regel kanonisch nicht zwingend ist. Und "unwürdig", wie mein Priester sagt, sind wir grundsätzlich sowieso. Zweite
Regel sollte sein, stets mindestens vorher den Eucharistie-Kanon zu lesen, besser noch die drei Kanones zu Jesus Christus,
der Gottesgebärerin, dem Schutzengel, und nach Möglichkeit einen Akathistos. So manövrieren wir uns aus der Gefahren-zone, "einfach so", unvorbereitet, also ohne eigenes Interesse, dem Opfer unseres Herrn und Erlösers zu begegnen. Die
dafür erforderliche Zeit sollten wir einplanen, wie den Kinobesuch am Donnerstag, oder das Schwimmbad am Mittwoch,
oder den Einkauf am Montag. Was gibt es für uns Christen wichtigeres, als die Gnade der Heiligen Gaben so oft wie
möglich erfahren zu dürfen.

Die Gnade des Herrn Jesus Christus sei mit Euch !

peter
"Selig sind die, die nicht gesehen und doch geglaubt haben" (Joh. 20,31)
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Jeremias
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Re: Wie oft im Jahr empfängst du die heilige Kommunion?

Beitrag von Jeremias »

peter hat geschrieben:Allerdings habe ich mir zur Regel gemacht, wie es in der russischen orthodoxen Kirche
auch geschieht, prinzipiell vorher zur Beichte zu gehen, um der "Unwürdigkeit" zumindest entgegenzuarbeiten, selbst wenn
diese Regel kanonisch nicht zwingend ist.
"Die Beichte ist keine Dusche, die man sich regelmässig abholt."
Ich schmeisse immer durcheinander, von wem dieses Zitat ist, aber ich glaube, es ist von Metropolit Augoustinos.

Grundsätzlich stimme ich allen Stimmen zu, die eine geistige Vorbereitung auf die Kommunion verlangen. Nur die Art der geistigen Vorbereitung halte ich manchmal für kritisch. Denn auch im Gebet bezeichnet man sich als unwürdig und bittet um die Gnade des Gottes, der auch des Zöllners Haus betrat. Diese Gebete sollte man dann aber auch sprechen!
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Allons
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Re: Wie oft im Jahr empfängst du die heilige Kommunion?

Beitrag von Allons »

Lieber Alexej,

sehr schöne Worte, gerade das mit dem "Strahlen". Meine Geschichte war ehrlich gesagt gar nicht geplant, und sollte auch gar keine Relativierung von irgentwelchen Überzeugungen sein, geschweige denn dazu aufrufen. Sie ruft in mir vielmehr eine Neugier und freudige Erwartung dessen hervor, was uns erwarten mag, eben etwas, was wir mit Worten nicht fassen können, was "etwas ganz anderes ist". Ich hatte sie fast schon wieder vergessen. OK, ihre Rezeptionsgeschichte im Forum scheint endlich zu sein :)

Herzlichen Dank für die Erläuterungen in der Abwägung zwischen würdig/unwürdig. So brauchte ich nicht zu fragen und muss meinen Hinweis an Nassos natürlich entsprechend relativieren.

Herzliche Grüße, Allons!
Nassos
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Re: Wie oft im Jahr empfängst du die heilige Kommunion?

Beitrag von Nassos »

Allons hat geschrieben:die in dieser Umfrage Null angeklickt/kreuzt haben waren Nassos
Njet.

Klar ist sich nur der Stifter im Klaren darüber. Aber nichtsdestotrotz gibt es auch die Kirche und ihre Väter, die bestimmt etwas mehr wußten als Otto Normalverbraucher. Und ich denke, das reicht, denn es geht nicht darum die Kommunion zu erklären, sondern zu kapieren, was es heißt, diese zu empfangen. (Und ich weiß sehr wohl, dass Du nicht etwas anderes behauptet hast - ich habe nur etwas ausgeführt).

Danke und lieben Gruß,
Nassos
Michael
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Re: Wie oft im Jahr empfängst du die heilige Kommunion?

Beitrag von Michael »

Alexander Schmemann spricht auch über die Beichte vor der Kommunion und kritisiert das auch.
„Heilig, heilig, heilig, furchtbar und groß, hoch(erhaben),
bewundernswert und verherrlicht ist der Herr in die Äonen der
Äonen!“
Nassos
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Re: Wie oft im Jahr empfängst du die heilige Kommunion?

Beitrag von Nassos »

Michael hat geschrieben:Alexander Schmemann spricht auch über die Beichte vor der Kommunion und kritisiert das auch.
Hallo Michael,

kannst Du das bitte etwas näher erläutern? Wo sagt Vater Schmeemann dies und was genau sagt er?

Bitte nimm den Aufwand auf Dich, ich danke Dir.
Nassos
Michael
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Re: Wie oft im Jahr empfängst du die heilige Kommunion?

Beitrag von Michael »

Ja mach ich gerne.
Ich versuche es mal.

Beichte und Kommunion

Quelle: Die Große Fastenzeit - Askese und Liturgie in der Orthodoxen Kirche -
von Alexander Schmemann

Seite 102-103
Welchen Stellenwert nimmt in der Vorbereitung zur Kommunion die sakramentale Beichte ein?
Wir müssen diese Frage stellen und eine Antwort darauf versuchen, weil in vielen orthodoxen Kirchen die heutzutage allgemein
angenommene Auffassung vertreten wird, daß die Laien unmöglich ohne sakramentale Beichte und Absolution zur Kommunion gehen können. Selbst wenn jemand häufig die Kommunion empfangen möchte, müßte er jedesmal zur Beichte gehen oder wenigstens die sakramentale Absolution empfangen.
Was auch immer die verschiedenen und teilweise ernstzunehmenden Gründe für diese Auffassung auch sein mögen, muß hier offen festgestellt werden, daß diese nicht nur keine Grundlage in der Tradition haben, sondern im Gegenteil zu alarmierenden Entstellungen in der orthodoxen Lehre von der Kirche, der Eucharistie und dem Bußsakrament selbst führen.
Um sich hiervon zu überzeugen, braucht man sich nur das ursprüngliche Verständnis der Kirche von dem Bußsakrament ins Gedächtnis zurückrufen. Nach den wesentlichen Aussagen in der kirchlichen Lehre war und ist das Bußsakrament auch heute noch das Sakrament der Versöhnung mit Gott, der Rückkehr zur Kirche und ihrem Leben durch jene, die exkommuniziert worden waren, d. h. von der eucharistischen Versammlung der Kirche ausgeschlossen waren. Zunächst erlaubten der hohe moralische Standart, der von den Mitgliedern der Kirche in ihrem Leben erwartet wurde, und die strenge kirchliche Ordnung nur eine solche Wiederversöhnung: >> Wenn jemand nach dem großartigen und heiligen Aufruf [zur Taufe] vom Teufel versucht wurden ist und sündigt, hat er nur eine Möglichkeit zur Buße <<, lesen wir in der Hirte von Hermas, einem christlichen Dokument des zweiten Jahrhunderts, >> denn wenn jemand häufig sündigt und Buße tut, dann wird diese Buße für ihn keinen Nutzen haben <<. Später und besonders nach der Christianisierung der Massen im Reiche nach der Konversion von Kaiser Konstantin, lockerte sich die Bußdisziplin etwas, das Verständnis des Sakramentes selbst änderte sich jedoch keineswegs: Es war nur für jene bestimmt, die aus der Kirche ausgeschlossen worden waren wegen Handlungen und Sünden, die in der kanonischen Tradition der Kirche eindeutig definiert waren. Und dieses Verständnis des Bußsakramentes gilt auch noch heute, wie sich eindeutig aus dem Absolutionsgebet ergibt: >> ... versöhne ihn (sie) mit deiner Heiligen Kirche in Jesus Christus unserem Herrn ...<< (Dies ist nebenbei das Abslutionsgebet, das allgemein in der Orthodoxen Kirche angewandt wird. Was ein zweites Gebet anbetrifft, das in vielen orthodoxen Kirchen unbekannt ist, - >>... und ich, ein unwürdiger Priester, vergebe dir und spreche dich frei durch die mir verliehene Gewalt ...<< - so ist dieses westlichen Ursprungs und wurde in unsere liturgischen Bücher zu einer Zeit ausgeprägter >> Latinisierung << der orthodoxen Theologie eingefügt.)
Bedeutet dies aber, daß die Nicht-Exkommunizierten, die Glaubenstreuen von der Kirche als sündlos angesehen werden? Natürlich nicht. Es ist ja die Lehre der Kirche, daß außer Gott niemand sündlos ist und deshalb >> niemand der Lebenden ohne Sünden ist <<. Aber es ist auch immer die Lehre der Kirche gewesen, daß es gewisse Sünden gibt, die einen Christen exkommunizieren, während andere Sünden nicht zu einer Trennung von dem Leib der Gläubigen und von der Teilnahme an den Sakramenten führen. Nikolaos Kabasilas schreibt:

Es gibt Sünden, die nicht tödlich sind nach der Lehre des hl. Johannes. Denn diese Christen, die keine sie von Christus trennenden und sie zum Tode führenden Sünden begangen haben, durch nichts am Empfang der Heiligen Mysterien und an der Teilnahme an der Heiligung gehindert sind, nicht nur äußerlich, sondern auch in Wirklichkeit, denn sie bleiben weiterhin lebendige mit dem Haupte verbundene Glieder ...

Das heißt aber nicht, daß diese Sünden - die allgemeine Sündhaftigkeit, Schwäche und Unwürdigkeit unseres ganzen Lebens - keines Bereuens und keiner Vergebung bedürften; die ganze Vorbereitung auf die Kommunion ist, wie wir gesehen haben, in der Tat ein solches Bereuen und ein Aufschrei nach Vergebung. Sie bedürfen nur keines sakramentalen Bekenntnisses und keiner sakramentalen Absolution; die letztere wird nur über Exkommunizierte gesprochen. Unsere "nicht tödlichen" Sünden und unsere allgemeine Sündhaftigkeit werden von den Gliedern der Kirche jedesmal bekannt, wenn wir uns zum Sakrament der Gegenwart Christi versammeln. Das ganze Leben der Kirche bildet eine städnige Buße. Während der göttlichen Liturgie selbst bekennen wir unsere Sünden und bitten um Vergebung im Gebet des Trisagion:

... Vergib uns jede absichtliche und unabsichtliche Sünde. Heilige unsere Seelen und Leiber und befähige uns, dir zu dienen in Heiligkeit alle Tage unseres Lebens ...

Auch wenn wir uns dem Heiligen Kelch nähern, bitten wir Vergebung der " absichtlichen und unabsichtlichen Sünden, begangen in Worten und Werken, wissentlich oder unwissentlich", und wir glauben, daß uns durch die Teilnahme an den Sakrament der Vergebung und der Heilung im Maße unserer Reue vergeben wird.

Erstmal Pause. Nachher mehr. :)
„Heilig, heilig, heilig, furchtbar und groß, hoch(erhaben),
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Michael
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Re: Wie oft im Jahr empfängst du die heilige Kommunion?

Beitrag von Michael »

Weiter geht's.

Es muß klar sein, daß die Lehre, die das Bußsakrament zu einer sine qua non Bedingung für die Zulassung der Laien in der Kirche zur Kommunion macht, nicht nur eine Abweichung von der ursprünglichen und universalen Tradition der Kirche darstellt, sondern auch eine Verstümmelung der orthodoxen Lehre der Kirche, Eucharistie und Bußsakrament selbst bedeutet. Sie verstümmelt die Lehre der Kirche, weil sie de facto ihre Mitglieder in zwei Kategorien einteilt; für die eine von ihnen (die Laien), werden die Wiedergeburt durch die Taufe, die Heiligung durch die Heilige Salbung, das "Miterbesein mit den Heiligen im Hause Gottes" als nicht ausreichend betrachtet, um die volle Mitgliedschaft zu vermitteln, d. h. die Teilnahme an dem Sakrament, in dem sich die Kirche selbst darbietet als der leib Christi und als Tempel des Heiligen Geistes. Sie verstümmelt die Lehre von der Eucharistie deshalb, weil sie für den Kommunionempfang andere Bedingungen setzt als für die Mitgliedschaft in der Kirche und weil es hierdurch praktisch unmöglich ist, die Eucharistie als das Hauptsakrament der Kirche zu sehen und zu erfahren, als eine Handlung, durch welche, wie es die Liturgiedes hl. Basileios ausdrückt, " alle von uns, die an dem einen Brot und dem einen Kelch teilnehmen untereinander vereinigt werden in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Und schließlich verstümmelt sie die Lehre des Bußsakramentes selbst, da dieses nunmehr eine formale und die einzige Bedingung für den Kommunionempfang geworden ist; die Beichte tritt an der Stelle der wahren Vorbereitung auf die Kommunion, die - wie wir sahen - in einer echten inneren Buße besteht. Die Betonung, die ganze Praxis dieses Sakramentes verlagert sich von der Reue zur Absolution und wird in den Begriffen einer fast magischen Macht gesehen. Man sucht heute vor allem diese formale, halb magische, halb legalistische "Absolution" in dem Bekenntnis und nicht die Versöhnung mit der Kirche, von welcher der einzelne durch seine Sünden exkommuniziert worden ist. Der einzelne sucht sie nicht, weil ihn seine Sündhaftigkeit etwa stören würde (diese findet er im allgemeinen natürlich und unvermeidbar), sondern weil sie ihn "berechtigt", sich den Heiligen Gaben mit gutem Gewissen zu nähern. Als bloße "Bedingung" für die Kommunion hat das Bußsakrament - das in der frühen Kirche so entscheidend und ehrdruchtgebietend war - in Wirklichkeit seine wahre Funktion und seinen Platz in der Kirche verloren. Wie konnte dann diese Lehre in der Kirche entstehen und zur Norm werden, zumal sie von so vielen beinahe als die Quintessenz der Orthodoxie verteidigt wurde? Drei Faktoren sind hierfür verantwortlich. Einen haben wir bereits erwähnt: Es ist jenes nominelle, minimalistische und laue Reagieren auf die Forderung der Kirche, jene Vernachlässigung der Sakramente, welche die Väter angeprangert haben und die zunächst zu einer immer selteneren Kommunion führte und schließlich in der Vorstellung einer " Einmal-im-Jahr-Verpflichtung" mündete. So wird offensichtlich, daß ein Christ, der seltener zu den Heiligen Mysterien geht und für die ürige Zeit mit dieser de facto "Exkommunikation" ganz zufrieden lebt, zuächst mit der Kirche versöhnt werden muß und somit zur Kommunion nicht zugelassen werden kann, wenn er nicht zunächst das Bußsakrament empfängt.
Ein zweiter, von dem ersten völlig verschiedener Faktor lag in dem innerkirchlichen Einfluß des monastischen Bekenntnisses - die geistliche Anleitung eines weniger Erfahrenen Mönches durch einen erfahrenen - wobei der weniger erfahrene Mönch seine Gedanken ständig dem erfahrenen offenlegte. Der "Ältere", dem die geistliche Führung und das Anhören des Bekenntnisses anvertraut war, war nicht notwendigerweise Priester (in ihren Anfängen wurde die monastische Lebensweise tatsächlich als mit dem Priestertum unvereinbar betrachtet) und dieses Bekenntnis stand keineswegs in Beziehung zu Bußsakarament. Es war integraler Bestandteil des monastischen Lebens, dessen Ordnung auf absolutem Gehorsam, auf dem Verzicht des Mönches auf einen eigenen Willen gegründet war. Entsprechend der byzantinischen monastischen Typika des 12. bis 13. Jahrhunderts war es den Mönchen sowohl untersagt, ohne vorherige Erlaubnis durch den Abt oder seinen geistlichen Vater nach eigener Entscheidung die Kommunion zu empfangen als auch auf sie zu verzichten, denn so diese Typika, "sich selbst von der Kommunion auszuschließen bedeutet, seinem eigenen Willen zu folgen". In Frauenklöstern kam die gleiche Gewalt der Äbtissin zu. So haben wir es hier mit einem nicht-sakramentalen Bekenntnis zu tun, das mutatis mutandis in etwa unserem heutigen "Beichtgespräch" oder der "geistlichen Führung" entspricht. Historisch gesehen übte es jedoch einen entscheidenen Einfluß auf das sakramentale Bekenntnis aus. In einer Zeit geistlichen Niedergangs (ein Beispiel hierfür bieten die Beschlüsse des sogenannten Quinisext Konzils in Trullum, in Konstantinopel im Jahre 691) und des moralischen und geistlichen Autoritätsverlustes der "Welt"-Priester, wurden die Klöster zu den eigentlichen Zentren wahrer geistlicher Führung und die Mönche die einzig zuverlässigen geistlichen Ratgeber des orthodoxen Volkes. Ganz allmählich verschmolzen die beiden Bekenntnistypen, der "sakramentale" und der "spirituelle" zu einem: der "spirituelle", der zur Vorbereitung auf die Heilige Kommunion wurde und der "sakramentale", der nunmehr die ursprünglich ausgeschlossenen Probleme mit einschloß.
Diese allerdings historisch und spirituell gerechtfertigte und in dem Bedingungsrahmen, in dem sie stattfand, auch segensreiche Entwicklung, führte nichtsdestoweniger zu einer Verwirrung, die aus heutiger Sicht mehr schadet als nützt. Die Notwendigkeit nach pastoraler und geistlicher Führung und Anleitung in der Kirche steht außer Frage. Aber die eigentliche Frage ist doch: kann dieser Notwendigkeit in unseren z. Z. üblichen kurzen Drei-bis-Fünf-Minuten-Beichten überhaupt entsprochen werden, wenn eine ganze Reihe der Einmal-im-Jahr-Büßer nur darauf wartet, "seine Pflicht zu erfüllen", und es unter diesen Umständen nicht möglich ist, zum Kern der Sache vorzutoßen und wo das Bekenntnis seinen einhelligen Charakter als Nur-Sündenbekenntnis verloren hat, ohne schon zu einem rein geistlichen Gespräch geworden zu sein? Als nächste schließt sich folgende Frage an: Ist jeder Priester, besonders ein junger, ausreichend erfahren und angemessen ausgebildet, um alle Probleme zu lösen oder wenigstens zu verstehen? Wie viele schwerwiegende Fehler, wie viele spirituelle schädliche Ratschläge, wie viele Mißverständnisse hätten vermieden werden können, wenn die eigentliche Tradition der Kirche beibehalten worden wäre, nach der das sakramentale Bekenntnis einem Bekenntnis der Sünden druch einen Büßer vorbehalten war und ein wirklich notwendiges pastorales und geisltiches beratendes Gespräch zu einer anderen Zeit und in einem eigenen Rahmen geführt werden konnte; dies würde dem Priester die Gelegenheit bieten, in gewissen Fällen seine eigenen Unzugänglichkeiten zu erkennen und selbst Hilfestellung und Anleitung zu suchen - bei seinem Bischof, bei einem anderen Priester, so die spirituelle Erfahrung der Kirche nutzdend.
Bei dem dritten und ach so entscheidenden Faktor handelt es sich erneut um den Einfluß der westlichen Scholastik mit ihrem juristischen Verständnis der Buße. Vieles wurde über die "westliche Gefangenschaft" der orthodoxen Theologie geschrieben, aber nur wenige Menschen machen sich den wirklichen Umfang und die Tiefe der Verzerrung klar die durch die westlichen Einflüsse auf das Leben der Kirche und vor allem auf das Sakramentenverständnis hervorgerufen wurde. Dieser westliche Einfluß führte zu dem (oben erwähnten) Bedeutungswandel von Reue und Versöhnung mit der Kirche, die das Wesen des Bußsakramentes ausmacht, zu einer fast ausschließlich unter dem Gesichtspunkt eines verbindlichen Rechtsaktes gesehenen Absolution. Wenn nach ursprünglich orthodoxen Verständnis die Absolution vom Priester erteilt wird, der Zeuge einer wirklich echten Bußfertigkeit geworden und deshalb berechtigt ist, die göttliche Vergebung und die "Versöhnung des Büßers mit der Heiligen Kirche in Jesus Christus" zu verkünden und zu "besiegeln", so wird im westlichen Rechtsrahmen die Absolution zu einer "eigenständigen Rechtsnorm" - so daß sich mancherorts die wahrlich seltsame Praxis herausbildete, die "Absolution" ohne Sündenbekenntnis allein auf eine entsprechende Bitte hin zu erteilen! Die anfängliche, bei Kabasilas erwähnte, Unterscheidung zwischen Sünden, die zur Exkommunikation führen und solchen, die nicht zu einer Trennung von der Kirche führen, wurde im Westen rationalistisch in einen Unterschied zwischen einerseits "Todsünden", - die den Sünder des "Standes der Gnade" berauben und deshalb eine sakramentale Absolution erforderlich machen - und andererseits "läßlichen Sünden" umgedeutet, - die den "Stand der Gnade" nicht beeinträchtigen und für die ein Akt der Zerknirschung ausreicht. Im orthodoxen Osten und besonders in Rußland führte diese Lehre (unter Einfluß der latinisierenden Theologie eines Peter Moghila und seiner Gefolgsleute) zu einer zwingend erforderlichen Verbindung zwischen Beichte und einer jeden Kommunion. Ironischerweise wird dies, tatsächlich von allen lateinischen "Einflüssen" am meisten ins Auge fallende, von vielen Orthodoxen für die typisch orthodoxe Norm gehalten, während bereits der bloße Versuch zu einer nach der echten orthodoxen Tradition durchgeführten Neubewertung oft als römisch-katholische Abweichlertum abgetan wird.


Hoffe das reicht.
„Heilig, heilig, heilig, furchtbar und groß, hoch(erhaben),
bewundernswert und verherrlicht ist der Herr in die Äonen der
Äonen!“
Nassos
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Re: Wie oft im Jahr empfängst du die heilige Kommunion?

Beitrag von Nassos »

Lieber Michael,

vielen Dank für den Aufwand, Gott vergelt's.

Es ist ein Text, der mehr als einmal gelesen werden muss. Ich denke, man muss das Buch ganz lesen, damit sich der Geist dessen vollends erschließt, was gemeint ist.

Ich habe das Buch tatsächlich letzte Woche geschenkt bekommen und verschlinge es mit Heißhunger. Es hat eine unglaubliche Tiefe, und Vt. Schmeemann muss wissen, wovon er spricht. Ein großer Theologe, mir sehr sympathisch (wenn auch manchmal schwer verständlich - aber das liegt an mir).

Lieben Gruß,
Nassos
Aleks

Re: * gelöscht von mir selbst *

Beitrag von Aleks »

* Dieses Thema wurde von mir selbst gelöscht *

Grund: Aus Büchern der Heiligen Altväter habe ich erfahren, dass man andere orthodox-christliche Geschwister in Christo nicht nachfragen sollte ob sie zB zur Kirche gegangen sind, gefastet haben oder zB die Hl. Kommunion erhalten haben... Wieso? Man sollte es im Verborgenen tun, so das es nur der Herr weis (siehe Bibel). Dazu fällt mir ein Zitat der Heiligen Synkletike von Alexandria ein: "Ein Schatz ist so lange sicher, solange man es verbergt. Sobald man es der Öffentlichkeit zur Schau öffnet, wird es schnell geplündert werden. Dasselbe gilt für die geistlichen Schätze. Sie sind solange sicher solange man sie verschlossen (in sich) hält, aber sobald man es veröffentlicht hat, dünsten sie so schnell wie Rauch aus."
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