Wieviel Raum hat Gott in eurem Alltag?

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Djamila71
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Wieviel Raum hat Gott in eurem Alltag?

Beitrag von Djamila71 » 12.04.2010, 17:02

Nassos hat da ein ganz tolles und spannendes Thema angestoßen (mille grazie!! :mrgreen: )

Wie oft denkt ihr täglich an Gott?
Vielleicht gar nicht täglich, sondern nur einmal in der Woche?
Oder nur, wenn ihr euch in einer Notlage befindet, also in "dringenden Fällen"?

Wenn Nassos davon ausgeht, dass die meisten Leute kaum an Gott denken, dann bin ich wohl die große Ausnahme. Bei mir wird täglich an Gott gedacht, allein schon durch meinen Tagesablauf, in dem Gott immer vorkommt:
1. durch die Gebete
2. durch die Teilnahme an Gottesdiensten
3. durch die Teilnahme an sonstigen Tätigkeiten, die das Thema Gott betreffen, sei es hier das Forum usw.

Habt ihr das Bedürfnis, mit Ihm ins Gespräch zu kommen? Ist Er euch nahe (ja natürlich!) bzw. seid ihr Ihm auch nahe?

LG
Djamila
Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr an alle Mitglieder!

Unbekannt

Re: Wieviel Raum hat Gott in eurem Alltag?

Beitrag von Unbekannt » 12.04.2010, 17:37

Frage: Wieviel Raum hat Gott in eurem Alltag?
Meine Antwort: Zu wenig.
Gleiches bei mir :cry:

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Djamila71
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Re: Wieviel Raum hat Gott in eurem Alltag?

Beitrag von Djamila71 » 12.04.2010, 17:54

Wo liegen denn die Gründe, dass man Gott zu wenig Raum im Alltag gibt?
Ist es Zeitmangel?
Fehlender Bezug zu Gott?
Fehlen des Erlebens einer persönlichen Gotteserfahrung?
Generell mangelndes Interesse?
Blanker Unglaube?
Negative Erfahrungen im religiösen Bereich oder Schwierigkeiten mit dem Glauben an sich?
Mangelnde Begeisterung?
Gewohnheit, Ermüdung, Gleichgültigkeit?
Fehlende LIEBE zu Gott?
Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr an alle Mitglieder!

Unbekannt

Re: Wieviel Raum hat Gott in eurem Alltag?

Beitrag von Unbekannt » 12.04.2010, 18:02

Ich weiß eig. auch nicht so recht.
Denken tu ich wohl an Gott aber halt selten.
In der Schule z.B denk ich nie an Gott da bin ich ganz wo anders. Oder wenn ich mich irgendwo reinvertiefe dann denke ich nicht an gott oder halt an was anderes.

Andromachi
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Re: Wieviel Raum hat Gott in eurem Alltag?

Beitrag von Andromachi » 12.04.2010, 21:32

"Betet ohne Unterlass!" αδιαλείπτως προσεύχεσθε! schreibt der Apostel (1 Thess 5, 17). Und ein großer Heiliger sagt: "Man sollte lieber beten, als atmen" (Εἰ προσευχητέον παρά ἀναπνευστέον). Eigentlich sollten wir nie unsere Gedanken von Gott abgehen lassen. Die Mönche, aber auch viele Laien üben sich im Jesusgebet, bis es automatisch einsetzt und ununterbrochen in ihnen wirkt. Aber Altvater Sofronius aus Essex sagt unmissverständlich, dass dieses Gebet nicht als etwas Mechanisches angesehen werden sollte, sondern der Christ soll an erster Stelle dem Willen Gottes gehorchen und Reue haben. Mein Beichtvater hat es treffend ausgedrückt: So wie eine verheiratete Frau jederzeit weiß, dass sie verheiratet ist und danach handelt, so ist es auch bei dem Christen. Er sollte immer als Christ handeln. Doch alle unsere Handlungen sollten das Charakeristikum tragen, dass wir all das tun "um Seines Namens willen" (Mt 8,35, Lk 21,12).
Ich hatte einmal ein Erlebnis, das mir zeigte, wie falsch meine Reaktion immer ist. Ich war einmal im Freien und plötzlich sah ich einen riesigen Hund vor mir stehen, der zeigte, dass ich ihm nicht willkommen war. Ich blieb wie versteinert stehen und dachte: "Wenn du dich jetzt ganz ruhig zurückziehst, wird dir nichts passieren". Als der schwierige Moment vorbei war, sagte ich mir: "Du hast nicht christlich gehandelt. Du hättest in diesem Moment an Christus denken und Ihn um Hilfe bitten sollen. Dann wärest du nicht gerettet auf eigene Kraft, sondern "um Seines Namens willen".

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Re: Wieviel Raum hat Gott in eurem Alltag?

Beitrag von Nemanja » 13.04.2010, 02:08

Also alleine durch die Gebete die ich Morgends, Mittags und Abends jeden Tag verrichte, dann auch die Gebete beim Essen.Ich lasse viel Raum für den lieben Gott in meinem Leben zu, so gut und so viel es geht.Ich lese auch jeden Tag die Bibel, in die Kirche gehe ich derzeit nicht, erst nächsten Monat wahrscheinlich dann wieder regelmäßig.Ich bin eigentlich bereit mich vollkommen Gott hinzugeben :)

Ich glaube sehr stark daran und will jetzt auch nicht damit prahlen oder sowas, es ist aber die Wahrheit und mir liegt sehr viel daran Gott nahe zu sein und mich an seine Gebote zu halten.

Also ich finde die regelmäßigen Gebete halt sehr wichtig.So kann man eigentlich Gott nicht in Vergessenheit verschwinden lassen.Sobald ich mein Morgengebet spreche, starte ich meinen gesegneten Tag mit dem lieben Gott.Oder vor dem Fußballtraining , bekreuzige ich mich und sage zb.: ( Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen) vielleicht bitte ich noch dazu, dass ich mich nicht verletze.

Natürlich bin ich aber ein Sünder wie jeder Andere, doch gebe ich mein Bestes und bleibe immer daran es gut zu machen und bitte um Vergebung.Und bei mir kann man wircklich sagen, dass ich alles aus Liebe zu Gott mache

Djamila, bei dir find ich das auch toll.Weiter so.

Edit: Ach ja noch zum Gespräch.Eigentlich bete ich nach dem Gebetsbuch was ich habe, womit ich mich am Anfang eigentlich schwer tat, da ich vorher gewöhnt war meine eigenen Gebete zu sprechen, diese spreche ich auch manchmal kurz nach den Gebeten aus dem Buch.Wenn ich mal richtig verzweifelt bin, rede ich auch mit Gott, als würde ich zb.: mit einem Menschem im Raum reden, ich bitten Ihn mir zu helfen usw.Es gab auch öfters richtig verzweifelte Situationen bei mir , wo ich mich dann auch richtig ausgeweint habe bei Gott.Und als ich Ihm dann all meine Probleme dargelegt habe, konnte ich auch besser einschlafen im Glauben ,dass mir Gott hilft.
Andromachi hat geschrieben:Und ein großer Heiliger sagt: "Man sollte lieber beten, als atmen"
Da siehste wie wichtig das ist, und ich kann es mir auch gut vorstellen.

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Djamila71
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Re: Wieviel Raum hat Gott in eurem Alltag?

Beitrag von Djamila71 » 13.04.2010, 06:44

Ich denke auch, dass das tägliche Wiederholen von Gebeten (in meinem Fall ist es das Rosenkranz-Gebet) ein guter Weg ist, immer unterwegs zu sein zu Gott.
Als Christ ist man ja ein Pilger. Und als Pilger soll man auf dem Weg immer ins Gebet vertieft sein. Dann kann man auch das Ziel nicht verfehlen. :)
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Re: Wieviel Raum hat Gott in eurem Alltag?

Beitrag von ElvisVrinic » 13.04.2010, 08:46

Djamila71 hat geschrieben:Ich denke auch, dass das tägliche Wiederholen von Gebeten (in meinem Fall ist es das Rosenkranz-Gebet) ein guter Weg ist, immer unterwegs zu sein zu Gott.
Als Christ ist man ja ein Pilger. Und als Pilger soll man auf dem Weg immer ins Gebet vertieft sein. Dann kann man auch das Ziel nicht verfehlen. :)
Liebe Brüder und Schwestern,

wie hat unser hl. Apostel Paulus in seinen Briefen geschrieben, Betet ohne Unterlass. Das bedeutet ja das immer wieder Gebetet werden MUSS, also sollte man versuchen im Gebet zu leben. Hört sich jetzt schwer an, ist es auch wenn man kein Mönch oder Nonne ist. Aber man sollte sich besinnen, das zum Beispiel ohne den Segen des HERRN gar nichts gelingen kann. Also kann man ja auch wenn man im Alltag ist doch auch kurze stoßgebete verrichten, das Jesusgebet ist am besten dafür geeignet und auch andere wie "HERR erbarme dich" oder einfach mal aus heiteren stücken ein Vater unser.

Also ich mache es so, vorwiegend am Abend und auch in der Früh, falls ich nicht zu spät aufstehe, Bete ich zu meinen Tagzeitengebeten auch noch den Rosenkranz bzw. diverse andere Gebetsregeln wobei ich auch öfters das Jesusgebet rezitiere oder mich auch an meinen Namensheiligen wende und natürlich auch an unsere Gottesmutter.

Das gebet sollte man als eine art "Mahl" für deinen Geist ansehen indem man gefüttert wird. Daher sollte man sich Zeit lassen. :angle:

der HERR schütze euch
Am Anfang war das Wort und das Wort war bei GOTT und GOTT war das Wort. Dieses war im Anfang bei GOTT. Alles ist durch es geworden, und ohne es ist nichts Geworden. Was geworden ist - in IHM war das Leben, und das Leben war das Licht des Menschen und das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht ergriffen (begriffen, erfasst). (EVANGELIUM nach Johannes)

Ehre Sei dem Vater und den Sohn und den Heiligen Geist.
Jetzt und immerdar und in alle ewigkeit. Amen

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Andromachi
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Re: Wieviel Raum hat Gott in eurem Alltag?

Beitrag von Andromachi » 13.04.2010, 09:49

ElvisVrinic hat geschrieben:mich auch an meinen Namensheiligen wende
Welches ist dein Namensheiliger, Elvis? Hast du sein Synaxari? Das würde mich wirklich interessieren.

ElvisVrinic
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Re: Wieviel Raum hat Gott in eurem Alltag?

Beitrag von ElvisVrinic » 13.04.2010, 11:33

Liebe Brüder und Schwestern,

tja die Slava die wir feiern sind heilige Georg der Märtyrer, den Erzengel Michael, den Hl. Nikolaus (Namensheiligen meines leiblichen Vaters).

Mein persönlicher Namensheiliger ist schätze ich der hl. Johannes der Täufer. Den mein Eigentlicher name ist Jovan/Johannes.

Ausserdem sollten wir niemals unsere Gottesgebärerin vergessen. Sie steht, so viel ich weiss, allen Heiligen vor.

der HERR schütze euch.
Am Anfang war das Wort und das Wort war bei GOTT und GOTT war das Wort. Dieses war im Anfang bei GOTT. Alles ist durch es geworden, und ohne es ist nichts Geworden. Was geworden ist - in IHM war das Leben, und das Leben war das Licht des Menschen und das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht ergriffen (begriffen, erfasst). (EVANGELIUM nach Johannes)

Ehre Sei dem Vater und den Sohn und den Heiligen Geist.
Jetzt und immerdar und in alle ewigkeit. Amen

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Nassos
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Re: Wieviel Raum hat Gott in eurem Alltag?

Beitrag von Nassos » 14.04.2010, 22:04

Hallo,

vielen Dank für Eure Ausführungen. Bedenkt bitte, dass die Frage sich nicht nur auf das Gebet bezieht, auch wenn das das zentrale Element unseres Denkens an Gott ist.

Ein paar Denkanstöße: man mag an Gott denken, wenn man entsprechendes im Radio hört. Heute zum Beispiel hörte ich ein Review zum neuen Film "Das Bildnis des Dorian Gray". Dort wird gesagt, dass die Götter uns hassen, gaben sie uns doch Alter, Hässlichkeit und Tod.
Während viele Menschen dem wohl zustimmen könnten, sollten wir uns in eine anderer Richtung bewegen. Zürnt uns Gott? Was hat es mit der Erlösung auf sich? Wie schuld ist der Mensch an sein Sterben?
Auch das sind Gedanken an Gott.

Die Katastrophen auf der Welt, aber auch die anscheinend kleinen Ereignisse - im Guten wie im Bösen - sind ausschlaggebend. Alles dient Gott.
Von vielen bezweifelt, aber hier nochmal angeführt: Wunder. Eindeutige Wunder.

Eine Ikone im Auto, im Büro.

Vergessen wir nicht: tagtäglich schreiten wir durch das Wunder der Schöpfung. Wer hat diese Schönheit erschaffen?

Einfache Gedanken. Wenn man will, kann man Gott finden: er ist zu überall zu jeder Zeit.
Selbst in diesem Forum.

Desweiteren ist es ja so - wir schaffen es ja nicht ohne Unterlass an Gott zu denken und nach Seinem Willen zu handeln - dass es über die Zeit im Jahr wohl verschiedene Gewichtungen gibt. Denken wir an die Fastenzeiten, die - wenn gut und richtig ausgeführt - uns auf eine andere Ebene des Gottesdenkens führen, da wir in dieser Zeit erhöhten Wert auf unsere Reinheit legen.
Die Freude an der Hl. Kommunion und auch das Erschlagenwerden von der Größe der Gnade, diese erhalten zu dürfen.

Und abschließend noch der Gedanke zur Frage: Gott hat den nicht den Raum in unserem Leben, den er einnimmt, sondern den wir Ihm zugestehen. Es liegt an uns (mit Gottes Hilfe, wenn wir bitten).

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Re: Wieviel Raum hat Gott in eurem Alltag?

Beitrag von Djamila71 » 29.04.2010, 07:31

@ Nassos:
Besonders gefällt mir die Formulierung "Das Erschlagenwerden von der Größe der Gnade".

Da hast du wohl schon einschneidende persönliche Erlebnisse gehabt.
Auch ich durfte schon große Gnaden erleben, die ich in Staunen und tiefer Dankbarkeit angenommen habe.
In solchen Momenten wird einem wieder bewusst, dass wir tatsächlich in Gottes Hand sind. :)
Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr an alle Mitglieder!

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Re: Wieviel Raum hat Gott in eurem Alltag?

Beitrag von Nassos » 30.04.2010, 00:45

Djamila71 hat geschrieben:Da hast du wohl schon einschneidende persönliche Erlebnisse gehabt.
Eigentlich ist es für mich beeindruckender und erfreulicher, wenn ich anderen beim Empfang der Hl. Kommunion sehe, vor allem Kinder!

Nein, nein, manchmal schreibe ich mich bei Beiträge irgendwie warm, da leuchtet dann auch mein Heiligenschein stärker. :mrgreen:

Liebe Grüße,
Nassos

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Re: Wieviel Raum hat Gott in eurem Alltag?

Beitrag von Djamila71 » 01.05.2010, 14:36

Aha. Bin schon ganz geblendet von dem Glanz :mrgreen:
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Re: Wieviel Raum hat Gott in eurem Alltag?

Beitrag von Nassos » 01.05.2010, 14:45

Nun, nicht unselten wachsen mir auch Hörner... :cry:

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