Wie ist Judas einzuschätzen?

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Nassos
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Wie ist Judas einzuschätzen?

Beitragvon Nassos » 11.12.2007, 21:20

Guten Abend,

ich habe ein Problem, mich mit dem Hass auf Judas anzufreunden.
Dass er einen Verrat an seinem Meister und Freund begangen hat, ist übel und unverzeilich, das meine ich aber nicht.

Wäre es ohne seinen Verrat zur Kreuzigung und im Endeffekt zur Auferstehung gekommen? Also zur eigentlichen Essenz unseres Glaubens?
War Judas eigentlich nicht eine Figur, die ihre Rolle spielen mußte, so dass das Werk Jesu vollendet werden konnte?

Euer naiver Nassos

prorokini
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Beitragvon prorokini » 11.12.2007, 23:39

Jesus sagt ja, daß er ein notwendig war, um die Passion zu "initiieren"?und daß es trotzdem besser für ihn gewesen wäre, er wäre nie geboren worden.
Freund?mit einem Kuß verrätst Du den Menschensohn?
Ich war schon ein Mak in einer Situation, wo ich mit Jesus wirklich mitfühlen konnte. Ein Mensch, der mir sehr nahe stand verriet mich, opferte mich einer Ideologie.
Die Figur des Judas hat schon viele fasziniert, und es gibt mehr als ein Judasdrama. Bei Pagnol ist Judas ein enttäuschter Patriot, der sich von Jesus etwas anderes erhofft hatte. -- Das Judasdrama von Goebbels habe ich bis jetzt noch nicht gelesen, wollte es aber schon immer.
Ich habe damals einmal im Fach "Polnische Literatur" verkündet: "Ich schreibe kein Judasdrama, ich schreibe ein Josefsdrama." Und daraufhin die Lehrerin: "Es tut mir leid, Dir das sagen zu müssen, aber so etwas gibt es bereits, von Jan Dobraczynski: 'Der Schatten des Vaters.'"
Späte Grüße von
Prorokini

IoannesProselytos
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Beitragvon IoannesProselytos » 12.12.2007, 11:32

Dominus vobiscum

Wäre es ohne seinen Verrat zur Kreuzigung und im Endeffekt zur Auferstehung gekommen? Also zur eigentlichen Essenz unseres Glaubens?


Mit dem "Hass auf Judas nicht anfreunden" ist eine Sache, eine andere Sache ist es hingegen, dieser Ansicht zuzuneigen. Das wirkt auf mich sehr, wie aus dem sog. gnostischen Judasevangelium geborgt und das freut mich absolut nicht ...

Judas, die Marionette, die Christus aus seinem sterblichen Leid befreit hat - nein, das ist, denke ich, nicht christlich, sondern mehr als dualistisch. Wir sind eben keine Marionetten, die einfach "eine Rolle spielen" müssten, sondern wir können uns entscheiden.
Judas hat das auch getan und just in diesem Augenblick fuhr der Satan in ihn.

Nassos
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Beitragvon Nassos » 12.12.2007, 17:30

Guten Abend,

ich bedanke mich sehr für Eure Antworten!

das gnostische Judasevangelium kenne ich nicht.
Es war einfach ein Gedanke, der zu dieser Frage führte.
Nicht mehr und nicht weniger.

Aber das ist ja das Gute an dem Forum: ich lerne dazu.

Nochmals danke, Leute!

Nassos

IoannesProselytos
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Beitragvon IoannesProselytos » 12.12.2007, 17:42

Xpristos anesti!

Nix für ungut: Auf mich hat das nur so den Eindruck gemacht, da es, von den Formulierungen, die du verwendet hast, wirklich Parallelen zu diesem gnostischen Pseudo-Evangelium gibt.

Nassos
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Beitragvon Nassos » 12.12.2007, 18:05

Alithos anesti!

War purer Zufall, tut mir wirklich leid.

Gruß,
Nassos

IoannesProselytos
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Beitragvon IoannesProselytos » 12.12.2007, 18:10

Dominus tecum

Ja, ja, das mit dem Zufall ... - nein, ernsthaft, ich glaub' dir schon, dass du da nichts dafür kannst; ist schon in Ordnung.

holzi
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Beitragvon holzi » 13.12.2007, 07:57

IoannesProselytos hat geschrieben:Xpristos anesti!

Nix für ungut: Auf mich hat das nur so den Eindruck gemacht, da es, von den Formulierungen, die du verwendet hast, wirklich Parallelen zu diesem gnostischen Pseudo-Evangelium gibt.
Hallo Joannes,
erst letzte Woche wurde bekannt, dass National Geographic, die das Judasevangelium publizieren liessen, einige grobe Schnitzer bei der Übersetzung desselben aus dem Koptischen passiert sind: http://www.nytimes.com/2007/12/01/opini ... ref=slogin

Grüße
Holzi

rafailia_3
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Beitragvon rafailia_3 » 13.12.2007, 13:31

Liebe Brueder und Schwestern,

Ein paar Gedanken von mir..
Ich empfinde keinen Hass gegenueber Ioudas, sondern denke, dass er das bemitleidenswerteste Geschoepf ist, das jemals auf diese Welt gekommen ist. Denn Jesus Christus hat es selbst gesagt: es waere besser gewesen, wenn er nie geboren worden waere.
Es kann kein groesseres Verbrechen an Gottes Liebe geben als der Verrat des Ioudas!

Wo mag er jetzt wohl sein? Welche Qualen leidet er? Der Hass ist wohl unnoetig..

Ich denke manchmal, wir Orthodoxen Christen sollten wir uns darauf besinnen, die Suende zu hassen, und nicht den Suendigen, und ausserdem nie selbst zu "Ioudes" zu werden. Wie oft wird unser Jesus Christus jeden Tag verraten! Menschen, die sich Christen nennen, aber unseren Jesus CHristus in ihren Worten und ihren Taten staendig verraten.
Die mal zu Jesus Christus stehen, mal andere "Theorien" vertreten, die mal das Richtige vertreten, mal ihre Suenden "herunterreden".
Oft denke ich darueber nach, dass ich Ihm mein Leben schulde, es gaebe nichts schlimmeres fuer mich, als zum Ioudas zu werden. Im schlimmsten Falle zu Petrus, der um seinen kurzfristigen "Verrat", um seine Suende weinte, den Erlass von Jesus bekam und sein Leben Gott widmete.

En Christo

IoannesProselytos
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Beitragvon IoannesProselytos » 13.12.2007, 17:45

Xpristos anesti!

Na ja, ob Übersetzungsfehler oder nicht - es bleibt trotzdem ein gnostisches Machwerk ... aber schön zu wissen, was sie da zusammen übersetzen, besitze ja auch die National Geographic-Version dieses Pseudo-Evangeliums ...

rafailia_3
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Beitragvon rafailia_3 » 13.12.2007, 17:50

Lieber IoannesProselytos (Von wem eogentlich proselytos?) :D ,

ich hoffe diese Nachricht war nicht fuer mich, ich habe dieses Werk nicht unterstuetzt und moechte auch nichts damit zu tun haben.
Wollte dies nur betonen.

Ich habe zu diesem Thema nur eigene Gedanken zum Ausdruck gebracht.

En Christo

IoannesProselytos
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Beitragvon IoannesProselytos » 13.12.2007, 18:02

@ rafailia

Konrad war gemeint.


(Von wem eogentlich proselytos?)


Na ja, von der Röm.-Kath. Kirche, zu euch.

rafailia_3
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Beitragvon rafailia_3 » 13.12.2007, 18:09

Lieber Bruder,
ich dachte, Du haettest mich gemeint, ist schon in Ordnung.
Irgendwie ist dieses Wort (proselytos) doch negativ behaftet, oder?

En Christo

IoannesProselytos
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Beitragvon IoannesProselytos » 13.12.2007, 19:27

Das musst du halt im ursprünglichen Wortsinne verstehen: Proselyt = "Hinzugekommener" oder Konvertit ... so in dem Sinne ...


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