Entkommen aus der Hölle möglich?

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Avner
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Entkommen aus der Hölle möglich?

Beitragvon Avner » 11.12.2007, 11:57

Hallo, ich grüße euch im Namen Christi!

Die Katholiken glauben ja an ein Fegefeuer. D.h. wenn jemand im Fegefeuer ist, dann hat er noch die Möglichkeit ins Paradies zu gelangen. Aber diejenigen, die in der Hölle sind, die hätten nie mehr die Möglichkeit ins Paradies zu gelangen, sie müssten für immer und ewig in der Hölle leiden.

Was lehrt die Orthodoxie? Ist Gott den nicht barmherzig, warum sollte er die Menschen für immer in die Hölle schicken?

LG

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Mary
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Re: Entkommen aus der Hölle möglich?

Beitragvon Mary » 11.12.2007, 12:04

Avner hat geschrieben:Hallo, ich grüße euch im Namen Christi!

Die Katholiken glauben ja an ein Fegefeuer. D.h. wenn jemand im Fegefeuer ist, dann hat er noch die Möglichkeit ins Paradies zu gelangen. Aber diejenigen, die in der Hölle sind, die hätten nie mehr die Möglichkeit ins Paradies zu gelangen, sie müssten für immer und ewig in der Hölle leiden.

Was lehrt die Orthodoxie? Ist Gott den nicht barmherzig, warum sollte er die Menschen für immer in die Hölle schicken?

LG


Hallo Avner,

nur zur Ergänzung: Die röm.kath. Kirche lehrt, dass die Seelen im Fegefeuer auf jeden Fall in die ewige Seligkeit gelangen, es ist nur eine Frage des "wann", nicht des "ob".
Hölle allerdings ist irreversibel, aber nicht als Strafe Gottes zu betrachten, sondern als vom Menschen "selbstgewählte" Ferne von Gott. Gott wäre nur allzu bereit, zu verzeihen, wenn denn der Mensch sich verzeihen lässt...

auf die diesbezügliche Lehre der orthodoxen Kirchen bin ich auch neugierig...

Johanna

holzi
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Re: Entkommen aus der Hölle möglich?

Beitragvon holzi » 11.12.2007, 12:11

Hallo Avner,

ich fürchte, du hast die römisch-katholische Lehre vom Fegefeuer (Purgatorium) ein wenig missverstanden - leider bist du da nicht allein, die meisten Leute meinen, es wäre eine Zwischenwelt zwischen Himmel und Hölle. Dem ist nicht so. In den orthodoxen Kirchen wird ja der Weg der Menschen, die ins Paradies kommen, gerne mit einem Weg an Zollstationen vorbei verglichen (bitte korrigiert mich, wenn ich Unsinn schreibe!), wo man nach und nach alle Sünden, die noch aus der Erdenzeit stammen, ablädt.

Im Fegefeuer wird ein etwas anderes Bild veranschaulicht, das aber eine ähnliche Bedeutung hat. Stell Dir vor, Du hast irgend etwas ausgefressen, Dein (irdischer) Vater sieht Dich aber dennoch liebend an. Du siehst seinen Blick, Du aber weisst um deine Schuld und etwas brennt in Deinem Herz. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Bild des Fegefeuers, wo den bereits geretteten Seelen in der ersten Anschauung der Herrlichkeit Gottes die Sünden aus dem irdischen Leben in ihnen brennen und noch Schmerzen bereiten, weil sie den sie liebenden Gott durch ihre Sünden beleidigt haben. So werden sie nach und nach wie durch das Feuer gereinigt. Man hat sich hier an das Wort aus dem ersten Korintherbrief 3, 11 ff angelehnt, wo Paulus schreibt:
Der Apostel Paulus hat geschrieben:11 Denn einen andern Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
12 Wenn aber jemand auf diesen Grund Gold, Silber, kostbare Steine, Holz, Heu, Stroh baut,
13 so wird eines jeden Werk offenbar werden; der Tag wird es klar machen, weil es durchs Feuer offenbar wird. Und welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erproben.
14 Wird jemandes Werk, das er darauf gebaut hat, bleiben, so wird er Lohn empfangen;
15 wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden, er selbst aber wird gerettet werden, doch so, wie durchs Feuer hindurch.


In der Heiligen Schrift wird oft das Bild der Läuterung durch das Feuer benutzt, denn so wie durch den Schmelzofen Gold, Silber und andere Metalle von ihren unreinen Bestandteilen gesäubert werden, so soll auch die gerettete Seele vom Sündenschmutz gereinigt werden, der ihr immer noch anhaftet.

In jedem Falle handelt es sich aber bei diesen Seelen um solche, die durch das Gericht nach dem Tod zum ewigen Leben im Himmel bestimmt wurden. Aus der Hölle dagegen, also der Verdammnis und der Gottesferne ist ein Entkommen nicht denkbar.

Meint Konrad

rafailia_3
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Beitragvon rafailia_3 » 11.12.2007, 12:34

Lieber Halil,

die Orthodoxe Kirche glaubt nicht an die Theorie des Fegefeuers, gerade der Heilige Markus der Evgenikos hat sich mit diesem thema useinandergesetzt und deutet die angefuhrte Bibelstelle so:
1) Der Apostel Paulus nennt dieses Feuer erprobend (auf griech dokimastiko) und nicht katharktiko (reinigend).
2) Die Bibelstelle bezieht sich nicht auf den seelishcen Zustand zwischen Tod und Himmel oder Hoelle, aber die Letzte Krisis
3) Alle Taten schlechte wie gute, werden durch dieses Feuer erprobt, brauchen deswegen nicht alle "gereinigt" zu werden
4) Die Bibelstelle zeigt, dass die schlechten Taten werden durch das Feuer offenbart werden und die Menschen mit den schlechten Taten werden bestraft werden(und nicht die guten durch das Feuer vollends gereinigt werden wie der Katholizismus es deutet)
5) Es gibt keine Bibelstelle die so gedeutet werden koennte, Christus unser Erloeser betont: "die einen werden in die unendliche Hoelle gelangen und die Gerchten in das unendliche Leben.

Mit dem erwaehnten Feuer ist wahrscheinlich um die Charis Gottes, die auch als "Feuer" bezeichnet wird, die die Gerchten erhellt und die Suendigen "verbrennt".
Trotzdem koennen die Gebete fuer einen Verstorbenen seiner immer noch Seele helfen.

En Christo

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Beitragvon Avner » 11.12.2007, 12:55

Und wie sieht die Hölle laut Orthodoxie aus? Ist das ein Ort wo man für eine Weile bleibt und dann in den Himmel kann?

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Beitragvon rafailia_3 » 11.12.2007, 13:01

Lieber Halil,

leider nicht, Jesus Christus hat von unendlicher Hoelle und unendlichem Leben gesprochen, deswegen muessen wir alles tun, um schon in diesem Leben Gott "zum Freund" zu haben un den seelischen Zustand zu erreichen, der es uns moeglich macht, zu Gott zu kommen.

EN CHristo

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Beitragvon IoannesProselytos » 11.12.2007, 20:01

Dominus vobiscum

Das wurde schon einmal bei einem Strang im Bereich Interreligiöses besprochen.

An sich ist die Hölle ewig und ein für alle Mal, für diejenigen, die drinnen sind. Niemand kommt jemals hinaus.

Manche finden das hart - ist es in gewisser Weise auch, aber die Beleidigung Gottes ist auch eine Härte für sich. Es ist ja nicht so, dass sich irgendjemand rausreden oder sonst irgendwie rauslammentieren könnte; jeder hat sich die Sache selbst eingebrockt, der dort die Ewigkeit verbringen muss. Die Hölle als Konsequenz der Abwendung von Gott: Wenn jemand nicht zu Gott möchte - den einzigen Quell ewigen Glücks - dann kann derjenigen nur noch leiden, zumindest kann er/sie nie mehr glücklich werden, in dem (freiwilligen) Getrennt-sein von Gott.

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Beitragvon Avner » 11.12.2007, 20:05

Hallo,

aber es heißt ja, dass Jesus im Totenreich gepredigt hätte. Wofür denn, wenn die eh für immer in der Hölle bleiben müssen?

LG

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Beitragvon IoannesProselytos » 11.12.2007, 20:29

Dominus tecum

Das sog. "Reich des Todes" ist nicht die Hölle. In der Röm.-Kath. Kirche sagt man, das war der Limbus Patrum oder Abrahams Schoß.

Die Gerechten, die vor Christus gelebt haben wurden von Ihm zur ewigen Seligkeit geführt (wenn ich mich nicht absolut täusche). Das sieht man schön auf den Auferstehungsikonen, auf denen Christus den gefallenen Adam aus dem Totenreich herausführt und rundherum stehen die Propheten und Heiligen des Alten Bundes.

Bzgl. Hölle, dazu schreibt St. Johannes Chrysostomos etwas Interessantes in Homilie 23 zu Matthäus - nämlich das, was hier schon ausgeführt wurde bzgl. der Strafe durch den Entzug Seiner unmittelbaren Herrlichkeit.

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Beitragvon rafailia_3 » 12.12.2007, 07:38

Lieber halil,

damals gab es nur das "Reich des Todes" (Ades). Es gab kein Paradies und keine Hoelle. Nur Ades, ein grausamer Ort.
Nachdem Jesus Christus in den Ades hinabstieg, fuehrte er die Gerechten zur ewigen Seligkeit. Seitdem ist es uns frei mit unseren Taten zu entscheiden, wo wir in der Unendlichkeit leben moechten.

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Beitragvon IoannesProselytos » 12.12.2007, 11:20

Dominus tecum

Es gab kein Paradies und keine Hoelle.


Ich lasse mich gerne belehren, aber: Ich denke, dass es sehr wohl mindestens das himmlische Paradies gab - nur dass kein Mensch dort Einlass fand.
Genauso denke ich auch, dass es eine Hölle gab, das hebr. Wort Gehenna wurde auch schon entsprechend in vorchristlicher Zeit verwendet (nicht nur als die Bezeichnung, für jenes unselige Tal) ...

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Beitragvon rafailia_3 » 12.12.2007, 11:39

Ich moechte Dich zwar nicht belehren, antworte trotzdem, dass ich meinte, dass es Himmel und Hoelle fuer den Menschen nicht gab. Das Himmelreich gab es natuerlich immer . Danke, dass Du dies korrigiert hast.
Der Ades war ja auch eine Art Hoelle, da es ein negativer Zustand war, deswegen hat Jesus die Gerechten von dort befreit.

En Christo

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Beitragvon IoannesProselytos » 12.12.2007, 11:54

Dominus tecum

Ja, so kann man es natürlich auch ausdrücken - "für die Menschen nicht".

Aber an sich hat es sie wohl schon zu Anfang der Schöpfung gegeben, denke ich zumindest. Nur war das den Menschen noch nicht bekannt und sie kamen auch noch nicht jeweils dort hin.
Erst mit fortschreitendem Offenbarwerden von Gottes Plan, kamen auch die entsprechenden Begriffe in der Hl. Schrift (und im Bewusstsein der Menschen) vor.


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