Orthodoxe Leistungen in Philosophie & sonstiger Wissensc

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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IoannesProselytos
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Orthodoxe Leistungen in Philosophie & sonstiger Wissensc

Beitrag von IoannesProselytos » 22.10.2007, 12:09

Mich würde interessieren, was die Orthodoxie als Gesamtheit bzw. einzelne Vertreter (von ganz "normalen" Gläubigen, bis zu den Heiligen und Kirchenlehrern) auf dem Gebiet der Philosophie bzw. der Naturwissenschaft geleistet haben und leisten (insofern es in der Jetztzeit große orth. Vertreter dieser Richtungen gibt)?

Es wären auch solche Dinge von Interesse, wie z. B. die Adaption und Begriffsbestimmung, -neubildung und -interpretation von philos. Begriffen wie "Hypostase", "Ousia", "Idea" etc. vlt. im Besonderen im Zusammenhang mit der Trinitätslehre bzw. auch der Ikonographie (Ausströmung der Wesenheit Gottes usw.) durch die christl. Väter und Lehrer der späteren Kirche.

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Beitrag von protopeter » 22.10.2007, 13:25

Lieber Ioannes !

Das von Dir zur Diskussion gestellte Themengebiet ist in seiner Weise sehr bedeutsam, da das orthodoxe Weltbild in der Tat keine dualistische Gegenüberstellung von "Geist" und "Materie" kennt. Auf Grundlage dieser All-Einheit des Seins, das seinen Ursprung gänzlich in Gott hat, entwickelte sich eine universelle Sicht der Dinge, die eben auch den Wissenschaften ihren entsprechenden Rang zubilligten; diverse Entwicklungen in der byzantinischen Geistesgeschichte legen dafür ein deutliches Zeugnis ab.

Gleichsam als Einleitung möchte ich den Kirchenvater Johannes von Damaskus erwähnen, der in der Beantwortung der Frage, was denn eigentlich philosophia in ihrer umfassendsten Bedeutung sei, eben auch auf die Wissenschaften als Möglichkeit der Erkennnis des Wirkens der Göttlichen Weisheit - also Christus Selbst - in der Welt verweist. Von diesen Vorbedingungen ausgehend kann sich nur ein grundsätzlich positiver Zugang zu wissenschaftlichem Wirken in orthodoxem Verständnis ergeben; es darf allerdings nicht vergessen werden, daß gerade in diesem Betätigungsfeld der Mensch zur besonderen Wahrnehmung seiner Verantwortung gerufen ist.

In diesem Zusammenhang erlaube ich mir einen Literaturhinweis - leider wieder "nur" in englischer Sprache :wink: :

A.V. Nesteruk, Light from the East. Theology, Science and the Eastern Orthodox Tradition, Minneapolis 2003

In der Liebe Unseres Herrn grüßt
Erzpr. Peter

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Beitrag von Ieromonach » 22.10.2007, 13:43

Hallo JohannesProsyletos, guck einmal nach google:
Bulgakov Sergij,Schmeeman, Zander Lev, iOlivier Clement, Johannes Meyendorf,Danielou usw.. Es ist unmöglich all die Bücher (auch in deutcher Sprache) zu nennen. Bei den modernen Naturwissenschaftlern ist es nicht leicht da viele ihre Namen latinisiert (amerikanisiert) haben.
Viel Freude bei Wikipeda oder Google. +Pth

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nika
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Beitrag von nika » 22.10.2007, 15:48

nikola tesla

mhhh bob marley war auch orthodox
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IoannesProselytos
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Beitrag von IoannesProselytos » 22.10.2007, 16:18

Das von Dir zur Diskussion gestellte Themengebiet ist in seiner Weise sehr bedeutsam [...]
Dieser Themenbereich ist höchst bedeutsam. Gerade die von Ihnen, Vater Peter, genannten Entwicklungen innerhalb der Geistesgeschichte des byzantinischen Reiches sind höchst bedeutsam.

(Wenn es Ihnen nichts ausmacht, könnten Sie vlt. in groben Zügen schreiben, was sich dort genau entwickelt hat [in der Waffentechnik fällt mir jetzt spontan das sog. "Griech. Feuer" ein]?)

Gerade der Bereich der Orthodoxie bzw. das orth. Christentum in diesem Bereich wird absolut vernachlässigt, wie mir scheint. Es wird z. B. fast nie von den Byzantinern gesprochen, wenn von diversen philos., naturwiss. und med. Einflüssen und Anstößen auf das Abendland gesprochen wird, sondern nur von den Arabern, von denen altes, griech. Wissen nach Europa kam, wobei aber zumeist unberücksichtigt bleibt, woher diese eben jenes genomomen haben ...
Also, wie gesagt, es ist auffällig, dass die Orthodoxie dahingehend weitgehend übergangen wird.

Außerdem würde es mich auch interessieren, wie die Orthodoxie mit neuen Erkenntnissen der Wissenschaft umgeht bzw. wie sie diese im Licht des Ewigen Wortes sieht - will heißen, ich möchte die korrekte christl. Bedeutung dieser Dinge in der Wahrheit des orth. Glaubens sehen (deswegen auch mein Thread zur Gentechnik u. Orthodoxie).

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Beitrag von protopeter » 22.10.2007, 16:29

Lieber Ioannes !

Der bisherigen Auflistung orthodoxer Wissenschaftler wären noch der Physiker Mihajlo Pupin oder der Humangenetiker Theodosius Dobzansky hinzuzufügen; als Theologe, Religionsphilosoph und Kulturwissenschaftler war Nikolaj Arseniev bedeutend. Gegenwärtig gilt beispielweise der amerikanische Bioethiker Herman T. Engelhardt als eine herausragende Persönlichkeit auf seinem Gebiet.

Es grüßt
Erzpr. Peter

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Beitrag von protopeter » 22.10.2007, 17:06

Lieber Ioannes !

Die zur Zeit des Byzantinischen Reiches entwickelte Wissenschaftskultur fußte einerseits auf den Erkenntnissen, die schon in der Antike gewonnen wurden; darüberhinaus sind wohl Einflüsse chinesischen und persischen Ursprungs zu benennen - daraus folgten dann auch entsprechende Resultate auf die Entfaltung vor allem der Naturwissenschaften.

In Konstantinopel gab es eine kaiserliche Akademie (die im Übrigen auch unter kirchlicher Patronanz stand), an der man anatomische Studien betrieb und zum Teil äußerst komplexe Operationen durchführte. An der Universität wurde unter anderem auch Astronomie gelehrt; nach einem aus dem 6. Jahrhundert stammenden Zeugnis war den Byzantinern zu dieser Zeit beispielsweise die Kugelgestalt der Erde schon bekannt.

Es trifft fraglos zu, daß in der Entwicklung der europäischen Zivilisation nahezu einziges Augenmerk den Vorgängen in West-, und Mitteleuropa geschenkt wird; man sollte darüberhinaus auch nicht vergessen, daß die "wissenschaftliche Revolution" von Renaissance und Aufklärung unter anderem auch durch das ab dem 15. Jahrhundert ins Abendland gekommene byzantinische Erbe entscheidend vorangetrieben wurde.

Sämtliche wissenschaftliche Erkenntnisse - daran hat sich seit der schon erwähnten Definition des Johannes von Damaskus im Wesentlichen nichts geändert - unterliegen nach orthodoxem Verständnis dem (wie es die Kirchenväter formulierten) guten Gebrauch. Man könnte hierzu stets mit dem Apostelwort, das sich bei I Thess 5,21 findet: "Prüft alles, das Gute behaltet", antworten. Das rechtgläubige Menschen-, und Weltbild, sowie die uns übergebene Verantwortung fordern von uns eine (im besten Sinne des Wortes) kritische - unterscheidende - Bewertung der Dinge. Dies war im Übrigen auch immer die Haltung der Kirchenväter, unter denen sich zu allen Zeiten auch Persönlichkeiten fanden, die durchaus als Universalgelehrte gelten konnten - wie etwa Basilios der Große im 4. , Johannes von Damaskus im 8., Gregor Palamas im 14. oder Nektarios von Ägina im 19. Jahrhundert.

Zum Gesagten noch ein Literaturhinweis: G. Kapriev, Philosophie in Byzanz, Würzburg 2005

Herzlich grüßt
Erzpr. Peter

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Beitrag von Deki_3 » 23.10.2007, 21:41

Guten Abend liebe Brüder und Schwestern!

Eine kurze Anmerkung meinerseits. Gemäß Jesaja 40:22* bestätigte der Schriftprophet bereits ca 700 v. Chr. das Wissen über die Form der Erde.

"Er ist es, der über dem Erdenrund thront; / wie Heuschrecken sind ihre Bewohner. Wie einen Schleier spannt er den Himmel aus, / er breitet ihn aus wie ein Zelt zum Wohnen."

Darüberhinaus beinhaltet die Heilige Schrift weitere wissenschaftliche Informationen, wie zB über Entropie* und Ozeanographie**.



* Es dauerte bis Mitte des 19.Jahrhunderts bis Rudolf Clausius bewies, dass das Universum nicht ewig ist, sondern zerfällt.

"Vorzeiten hast du der Erde Grund gelegt, / die Himmel sind das Werk deiner Hände.
Sie werden vergehen, du aber bleibst; / sie alle zerfallen wie ein Gewand; du wechselst sie wie ein Kleid / und sie schwinden dahin."

Psalm 102:26-27

"Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen."

Matthäus 24:35

** In der Vergangenheit war man der Meinung, dass der Meeresboden flach und glatt geformt ist, aber moderne Ozeanographen wissen es nun besser. Es gibt tausende von Bergen unter Wasser, sog. Meeresberge, manche bis zu mehrere tausend Meter hoch. Der Autor des Buches Jonas gibt uns folgende Informationen im Jahre 860 v.Chr. :

"Du warfst mich in die Tiefe mitten im Meer, daß die Fluten mich umgaben; alle deine Wogen und Wellen gingen über mich, daß ich gedachte, ich wäre von deinen Augen verstoßen, ich würde deinen heiligen Tempel nicht mehr sehen. Wasser umgaben mich bis an mein Leben; die Tiefe umringete mich; Schilf bedeckte mein Haupt. Ich sank hinunter zu der Berge Gründen; die Erde hatte mich verriegelt ewiglich. Aber du hast mein Leben aus dem Verderben geführet, Herr, mein Gott!"



Liebe Grüße
Deki

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Beitrag von protopeter » 24.10.2007, 11:40

Lieber Deki !

Es sei mir folgende zusätzlichen Anmerkung zu Jes 40,22 gestattet: Hier handelt es sich um den Begriff Erdkreis, der in der Antike durchaus als gängige Bezeichnung für die gesamte Welt gebraucht wurde. Im Wesentlichen steht er natürlich im Kontext biblischer Kosmologie, dergemäß die Erde als flache, kreisförmige Scheibe gedacht wurde; über dieser spannte sich der Himmel als Kuppel, an der Sonne, Mond und Sterne befestigt waren.

Mit herzlichen Grüßen und Segenswünschen,
Erzpr. Peter

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Beitrag von IoannesProselytos » 24.10.2007, 20:02

Na ja, Vater Peter, was verstehen Sie da unter "biblischer Kosmologie"? Wie sich die Menschen aus der Zeit des AT die Welt vorstellten oder wie es in der Hl. Schrift, die von Gott selbst stammt, steht? Der Allmächtige, der alles weiß und alles geschaffen hat, wird wohl nicht von flacher Scheibe sprechen, wenn es nicht stimmt ...

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Beitrag von Deki_3 » 24.10.2007, 21:37

Sehr geehrter Vater Peter,

meines (beschränkten) Wissens nach, wird in Jesaja 40:22 der hebräische Begriff "chug" verwendet, was mit Gewölbe, Kugel und wie Sie erwähnten Kreis übersetzt werden kann. Schauen wir uns aber Hiob 22,14 und Sprüche 8,27 an, so wird deutlich, dass "chug" nicht einen zweidimensionalen Kreis bezeichnet, sondern eine Wölbung, eine Sphäre - und so wird die Erdkugel in der Bibel hier treffend beschrieben.

LG aus Dortmund
Deki

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Beitrag von protopeter » 24.10.2007, 22:11

Lieber Ioannes !
Na ja, Vater Peter, was verstehen Sie da unter "biblischer Kosmologie"? Wie sich die Menschen aus der Zeit des AT die Welt vorstellten oder wie es in der Hl. Schrift, die von Gott selbst stammt, steht? Der Allmächtige, der alles weiß und alles geschaffen hat, wird wohl nicht von flacher Scheibe sprechen, wenn es nicht stimmt ...
Mit dem Ausdruck "Biblische Kosmologie" bezeichnet man das in der Heiligen Schrift (in erster Linie des Alten Testaments) geprägte Weltbild; dies entsprach natürlich den Erkenntnissen und dem Wissenstand der damaligen Zeit; von diesen Umständen ist - ich denke, das müßte nicht eigens betont werden - der Offenbarungscharakter der Schrift gänzlich unberührt.

Es wäre allerdings verderblich, wenn man die Heilige Schrift aufgrund diverser kosmologisch-naturwissenschaftlicher Angaben gleichsam als "biologisches Lehrwerk" mißbrauchen würde; davon distanzierten sich bereits die Väter - ich denke hier an Basilios den Großen, der davor warnte, das Sechstagewerk der Schöpfung nach irdischen Maßstäben zu berechnen.

Gruß von Erzpr. Peter

IoannesProselytos
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Beitrag von IoannesProselytos » 25.10.2007, 13:14

Ehrwürdiger Vater Peter!
Es wäre allerdings verderblich, wenn man die Heilige Schrift aufgrund diverser kosmologisch-naturwissenschaftlicher Angaben gleichsam als "biologisches Lehrwerk" mißbrauchen würde; davon distanzierten sich bereits die Väter - ich denke hier an Basilios den Großen, der davor warnte, das Sechstagewerk der Schöpfung nach irdischen Maßstäben zu berechnen.

Das hatte ich auch nicht vor; mir sind ja auch die Confessiones St. Augustins bekannt und die habe ich auch gelesen.
Dass es nicht das primäre Ziel der Hl. Schrift ist, ein Einführungsbuch in die Biologie zu sein, ist klar, aber ich hoffe schon sehr, dass zumindestens das, was mehr oder weniger nebenbei über die materiell-profane Welt gesagt wird, auch tatsächlich der Wahrheit entspricht.

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