Beichtpraxis in der OK

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Marypoppins
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Beichtpraxis in der OK

Beitrag von Marypoppins » 15.10.2007, 12:37

Guten Tag!

Heute würde ich mich von Euch gerne etwas in die Beichtpraxis der Orthodoxen Kirche einführen lassen.

Dabei denke ich nicht nur an die heutige Praxis, sondern auch an deren historischen Werdegang.

Ich kenne das ja bisher nur aus der RKK.

Da hat es durch die Zeit viele Unterschiede gegeben.

Mal wurde die Sündenvergebung nur einmal im Leben erteilt.
Mal hatte ein Fürst für beabsichtigte Untaten 200 stellvertretende
Bußfertige :-( zur Hand (Ein Missbrauch der natürlich abgeschafft wurde)...und viele andere Variationen...

Heute kann der r.k. Christ beichten, wann immer er sich dazu getrieben fühlt.

Hattet Ihr auch so einen Wechsel durch die Zeiten, oder ist bei Euch alles unverändert bis heute?

Wie praktiziert Ihr Beichte überhaupt?

Beste Grüße
Mary

nik
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Beitrag von nik » 15.10.2007, 20:22

Ich kenne das aus der russischen Kirche so, dass eine kürzlich abgelegte Beichte die Voraussetzung für die Teilnahme an der Kommunion ist. Bei den anderen Slaven ist das auch oft so. Die Russen beichten generell sehr oft.

Die Griechen beichten nicht sehr oft, da man in Griechenland nicht bei jedem Priester beichtet, sondern dass "Beichtvater" fast so etwas wie ein Ehrentitel ist.

Ich nehme an, dass das aber trotzdem in jeder Gemeinde etwas anders sein könnte. Außerdem sollte man da den Rat von seinem Beichtvater bitten.

Rene

Beitrag von Rene » 15.10.2007, 20:50

nik hat geschrieben:Ich kenne das aus der russischen Kirche so, dass eine kürzlich abgelegte Beichte die Voraussetzung für die Teilnahme an der Kommunion ist. Bei den anderen Slaven ist das auch oft so. Die Russen beichten generell sehr oft.

Die Griechen beichten nicht sehr oft, da man in Griechenland nicht bei jedem Priester beichtet, sondern dass "Beichtvater" fast so etwas wie ein Ehrentitel ist.

Ich nehme an, dass das aber trotzdem in jeder Gemeinde etwas anders sein könnte. Außerdem sollte man da den Rat von seinem Beichtvater bitten.
Hallo,

das Wort BeichtVATER spricht schon für sich. Ich persönlich kann nicht jeden Priester als geistlichen Vater ansehen. Das ist auch bei den Russen so. Der Geistliche Vater kennt mich und kennt so meinen Lebensweg, meine Entwicklungen, Sünden, Ängste usw...
Deshalb soll man ihn auch nicht laufend wecheln.

Auf folgender Seite ist unter Orthodoxe Katechese einiges kurz dazu gesagt.
"Man soll so oft wie möglich beichten. Die Beichte ist für die Seele das Gleiche, wie ein Bad für den Körper. Je öfter man sich badet, desto sauberer bleibt der Körper. Wer sich selten wäscht, bleibt schmutzig und riecht übel. Auch die Seele, die nicht oft von ihren Sünden befreit wird, wird unrein, so dass sich der Mensch schließlich selbst vor der eigenen Seele ekelt."
QUELLE.

Auch HIER einige Worte zum Thema.

Beichte und Eucharistie sind nicht unbedingt zusammenhängende Sakramente. Ich kann auch so beichten, wann immer ich dies möchte.
Sinnvoll ist es, wenn möglich, am Samstag zu beichten und am Sonntag zur Kommunion zu gehen. Am Samstag beweinen wir unsere Sünden, treten mit zerknirschtem Herzen zum Evangelium und am Sonntag freuen wir uns auf die Vereinigung mit dem Herrn.
L.G. Rene

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Mary
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Beitrag von Mary » 15.10.2007, 21:25

Guten Abend an alle,

ich möchte hier noch eine Frage anhängen. Im link von rené sind Auflagen erwähnt, die der Priester geben kann. Könnt ihr mir Beispiele nennen, wie eine solche Auflage aussehen kann? Gebete? Fasten, ein Werk?

Lieben Dank
Johanna

Dinos
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Beitrag von Dinos » 21.10.2007, 14:59


Liebe Johanna ,
Die Auflagen eines Beichtvaters sind individuell zum Beichttenden
zugeschnitten.
Beispiele könnten sein :
Tägliches Lesen im NT , Sexuelle Enthaltsamkeit (unverheiraterter) über
eine Periode als Voraussetzung für die Erlaubnis zur Kommunion ,
Philantropische Werke (an Arme etwas abgeben)
gebe blut und schwei?
und nehme geist

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Mary
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Beitrag von Mary » 21.10.2007, 19:08

Dinos hat geschrieben: Liebe Johanna ,
Die Auflagen eines Beichtvaters sind individuell zum Beichttenden
zugeschnitten.
Beispiele könnten sein :
Tägliches Lesen im NT , Sexuelle Enthaltsamkeit (unverheiraterter) über
eine Periode als Voraussetzung für die Erlaubnis zur Kommunion ,
Philantropische Werke (an Arme etwas abgeben)
Lieber Dino,
danke für Deine Antwort.
Eine Zusatzfrage, die sich für mich daraus ergibt: Ist denn nicht die sexuelle Aktivität an die Ehe gebunden? Ist das für Orthodoxe anders als bei uns Katholiken?
Lieben Gruss
Johanna

Milo
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Beitrag von Milo » 21.10.2007, 20:09

Liebe Johanna,

Br. Dinos hat hier sicher gemeint eine langfristige Entsagung (Jahre sogar) jener unverheirateter Christen (Bußer), die umkehren von ihren sexuellen Lebschaften, gerade weil sie ausserhalb der Ehe geführt waren, und die nun wieder hl. Gaben in der Kommunion empfangen wollen.
Es war also nicht so gemeint das in der Orthodoxen Kirche Sexualität ausserhalb der Ehe unterstützt wird.

Hoffe etwas weitergeholfen zu haben.

Gruß
Milo

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Mary
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Beitrag von Mary » 22.10.2007, 17:54

administrator hat geschrieben:Liebe Johanna,

Br. Dinos hat hier sicher gemeint eine langfristige Entsagung (Jahre sogar) jener unverheirateter Christen (Bußer), die umkehren von ihren sexuellen Lebschaften, gerade weil sie ausserhalb der Ehe geführt waren, und die nun wieder hl. Gaben in der Kommunion empfangen wollen.
Es war also nicht so gemeint das in der Orthodoxen Kirche Sexualität ausserhalb der Ehe unterstützt wird.

Hoffe etwas weitergeholfen zu haben.

Gruß
Milo
Lieber Milo,
ja, das hilft mir, danke! Hätte mich doch jetzt sehr erstaunt... :?

Liebe Grüsse
Johanna

Marypoppins
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Beitrag von Marypoppins » 24.10.2007, 07:51

Guten Morgen!

Vielen Dank für die aufschlußreichen Antworten.


Zitat:
"Einzige Form des Sakramentenvollzugs ist die der Ohren­beichte. Das Beichtgeheimnis ist zwingend. Die Kirche bietet dieses Sakrament zu jeder Zeit. Gefordert wird es von allen Gläubigen, die das siebente Lebensjahr erreicht haben."

Entnommen aus:
http://home.arcor.de/dvbajin/Die%20Saeule.htm#DieBusse


Lieber Rene,

aus dem Zweiten Deiner Links habe ich oben aufgeführtes entnommen.

Dann ist es so, daß die Kinder mit 7 Jahren zum ersten Mal zur Beichte und Kommunion gehen?
Gibt es davor irgendwelche praktischen Unterweisungen, irgendeinen Unterricht?
Wie sieht das genau aus?
Hat ein Priester bei Euch feste Zeiten zum Beichte hören, oder ruft man ihn an und bittet um einen Termin ?

Gibt es bei Euch einen "Ausschluß" von manchen Sakramenten?
Das die Kirche beispielweise einem Mitglied die Möglichkeit zur Beichte und Eucharestie versagt?

Beste Grüße
Mary

Milo
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Beitrag von Milo » 24.10.2007, 22:43

Liebe Mary,

ganz kurz zu Deinen Fragen:

Christliche Kinder erfordern zwingend christliche Eltern, sprich haben diese das Kind taufen lassen dann liegt es auch in ihrer Verantwortung das Kind in das Kirchenleben einzuführen und vorzubereiten. Meine Meinung.

Ein Priester, wenn er orthodox ist, sollte für alle und zu jeder Zeit da sein. Wieder meine Meinung.

Ausschluss kann es für einen Christen geben je nach dem, jedoch für das Sakrament der Beichte nie. Nicht meinen Meinung :wink:

Hoffe Du fängst damit was an!

Nächtliche Grüße sendet Dir,

Milo

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Lelic_3
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Beitrag von Lelic_3 » 25.10.2007, 10:30

Liebe Brüder und Schwestern, hochwürdige Väter
Auch ich habe eine Frage zu diesem Thema:

Die Beichte (samstags) ist also Voraussetzung zur Entgegenahme der heiligen Kommunion (sonntags).

@ diejenigen von Euch, die vor Ort leben und die Möglichkeit dazu haben:
Praktiziert Ihr das tatsächlich Woche für Woche?

@ diejenigen, die -wie ich- von weit her kommen oder aus anderen Gründen die Gottesdienste nur in größeren Abständen besuchen können:
Wie handhabt Ihr das?

Kann ich die Beichte evtl. auf einem anderen Weg ablegen?
Verzeiht mir, falls dies ein vollkommen absurder Gedanke sein sollte ... evtl. über Internet?

Oder würde es genügen, wenn ich z.B. diesen Samstag zur Beichte ginge und nächsten Sonntag um die heilige Kommunion zu empfangen?

Ich habe , außer meinem Taufpriester, der in Serbien lebt, hier noch keinen Priester.
Am 04.11. werde ich nun zum ersten Mal den Gottesdienst in Nürnberg besuchen und dort dann wohl auch den Priester kennenlernen.

Wie verhält sich das mit dem geistigen Vater von dem Ihr immer sprecht?
Ist das (automatisch) mein Taufpriester oder "regelt sich das von selbst", wenn man regelmäßig die Gottesdienste besucht und dann wohl auch beim dortigen Priester beichtet usw.?

Ich danke Euch für Eure verständnissvollen und geduldigen Antworten.

S Bogom

Katarina

protopeter
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Beitrag von protopeter » 25.10.2007, 14:30

Liebe Katarina !

Ich möchte auf Folgendes hinweisen - nur um eventuelle Mißinterpretationen zu vermeiden: Das Mysterion der Beichte ist nach orthodoxem Verständnis keine zwingende Vorbedingung zum Eucharistieempfang; daß es in der Praxis allerdings oft so gehandhabt wird, ist eine andere Sache. Mit der damit zum Ausdruck gekommenen gleichsam "formellen Verpflichtung" zur Beichte erfährt dieses Mysterion in seiner Bedeutung eine deutliche Minderung; die Beichte sollte in diesem Sinne ihre Eigenständigkeit behalten.

Wiederum anders verhält es sich, wenn über längere Zeit die Gelegenheit zur Beichte nicht wahrgenommen wird und damit dann auch der Empfang der Eucharistie verbunden wird; in jedem Fall gilt aber, daß der formale Vollzug der Beichte nach orthodoxem Verständnis nur "in direktem Weg" - also vor einem Priester - geschehen kann.

Mit herzlichen Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter

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theofan
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Beitrag von theofan » 26.10.2007, 15:01

Guten Tag, Katarina,

ich gehöre zu den @weiter weg Wohnenden, die dürfen in unserer Gemeinde früh vor der Liturgie beichten.
In russischen Kirchen ist häufig ebenfalls früh noch Beichtgelegenheit. In der ROK sind Beichte und Kommunionsempfang gekoppelt. Man nimmt nicht jede Woche teil, weil ja auch die Vorbereitung (3-5 Tage Fasten, Gebete) recht umfangreich ist, wenn man sie ernst nimmt.
Die Praxis, jede Woche zu kommunizieren und nur monatlich oder in jeder großen Fastenzeit zu beichten, birgt auch ihre Gefahren, z.B. einen Mangel an Ehrfurcht bzw. die Vernachlässigung der Beichte, die ja eigentlich kein Zwang, sondern Arbeit an sich selbst ist. Eigentlich müsste man zur Beichte jeden Tag :wink:

Gottes Segen
Hans-Peter

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Lelic_3
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Beitrag von Lelic_3 » 28.10.2007, 14:50

Hochwürdiger Vater Peter!

Vielen Dank für Ihre aufschlussreiche Antwort.

In Christo,
Katarina

Marypoppins
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Beitrag von Marypoppins » 29.10.2007, 21:52

Lieber Milo,

die Verpflichtung der Eltern gegenüber ihren Kindern sehe ich genauso wie Du.

Allerdings meine ich, daß eine Gemeinde, die den Täufling ja in ihrer Mitte aufgenommen hat, auch eine Verpflichtung den Kindern gegenüber hat.

Was ist nun, wenn die Eltern religiös unwissend und gleichgültig sind, und die Religion nicht so an die Kinder weitergeben, wie es zu hoffen wäre???

Ob es an Schulen einen Unterricht für orthodoxe Kinder gibt, entzieht sich meiner Kenntnis.

Habt ihr denn Euer religiösen Unterweisungen ausnahmslos von Euren Eltern und aus den Sonntagsgottesdiensten?

Daß es bei Euch keinen Ausschluß vom Sakrament der Beichte gibt finde ich sehr erfreulich.


TheoFan schreibt:

" Man nimmt nicht jede Woche teil, weil ja auch die Vorbereitung (3-5 Tage Fasten, Gebete) recht umfangreich ist, wenn man sie ernst nimmt. "

Wow!!! Hut ab!!!

Tun das einige Wenige, oder alle Aktiven???

Ihr seid wirklich bemerkenswert!

Einen gesegneten Abend wünscht
Mary

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