Widerspruch ?ber Jesu Tod??

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Avner
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Widerspruch über Jesu Tod??

Beitrag von Avner » 11.10.2007, 02:15

:shock:

Ich grüße euch im Herrn!

Brüder, ich habe heute etwas in der Bibel gelesen, was mich zum Nachdenken gebracht hat...

Ist das kein Widerspruch??
Nach den synoptischen Evangelien sei Jesus am Tag nach dem Passah gestorben. Davor habe er das Passahlamm mit seinen Jüngern gegessen. Aber nach Johannes hat Jesus ein normales Abendessen mit seinen Jüngern gemacht, und er ist am Passah gestorben, genau zur gleichen Zeit wurden die Passahlamme geopfert.

Matthäus 26:17-21

Am ersten Tag der Festwoche, dem Tag der ungesäuerten Brote, kamen die Jünger zu Jesus und fragten: "Wo sollen wir das Passahmahl für uns vorbereiten?" Er antwortete: "Geht in die Stadt zu dem, und dem - er nannte den Namen - und teilt ihm mit: "Unser Meister sagt: Meine Zeit ist gekommen. Ich will mit meinen Jüngern in diesem Haus das Passahmahl feiern". Die Jünger führten den Auftrag aus und bereiteten alles vor. Am Abend dieses Tages saß Jesus mit den zwölf Jüngern beim Essen. Während sie aßen, sagte er: ""Einer von euch wird mich verraten!".

Also am Tag vor seiner Verhaftung feiert Jesus das Passah mit seinen Jüngern, und er isst das Passahlamm. Dieser Tag ist der erste Tag der Ungesäuerten Brote, an dem die Lamme ab 12 Uhr (also ab der 6. Stunde) für das Abendessen geopfert werden.

Markus 14:12-18


Am ersten Tag des Festes der ungesäuerten Brote, an dem das Passahlamm geopfert wurden, fragten die Jünger Jesus: "Wo sollen wir für dich das Passahmahl vorbereiten?". "Geht in die Stadt", beauftragte Jesus zwei von ihnen. Dort wird euch ein Mann begegnen, der einen Wasserkrug trägt. Diesem Mann folgt, bis er in ein Haus geht. Dem Besitzer des Hauses sollt ihr sagen: "Unser Herr lässt fragen: Wo ist der Raum, in dem er mit seinen Jüngern das Passahmahl feiern kann?". Er wird euch einen großen Raum im Obergeschoss zeigen, der für das Festmahl hergerichtet ist. Bereitet dort alles Weitere vor". Die beiden Jünger gingen in die Stadt und fanden alles so vor, wie Jesus es ihnen gesagt hatte, so dass sie das Passahmahlherrichten konnten. Am Abend kam Jesus mit den zwölf Jüngern. Während sie miteinander aßen, sagte er zu ihnen: "Ich weiß, dass mich einer von euch, der jetzt mit mir isst, verraten wird!".

Das gleiche findet man in Lukas. Aber die vom "Johannes" erzählte Geschichte sieht anders aus. Am Tag seiner Verhaftung nimmt Jesus ein einfaches Abendessen mit seinen Aposteln. Wir sind am Tag vor dem Passah.

Johannes 13:1-2

Am Vorabend des Passahfestes
wusste Jesus, dass nun die Zeit gekommen war, diese Welt zu verlassen und zum Vater zurückzugehen. Er hatte die Menschen geliebt, die sich in dieser Welt zu ihm bekannten, und er hörte nicht auf, sie zu lieben. An diesem Abend, als Jesus mit seinen Jüngern beim Essen war, hatte der Teufel Judas Ischarioth schon zum Verrat an Jesus verführt.

Am nächsten Tag, als Pilatus ihn befragt, können die Juden nicht in den Palast eintreten, um nicht unrein zu werden. Sonst würden sie das Passahmahl nicht essen dürfen. Johannes 18:28

In den frühen Morgenstunden brachten sie Jesus von Kaiphas zum Amtssitz des römischen Gouverneurs. Die Juden selbst betrachten dieses Gebäude nicht, weil sie dadurch nach ihren religiösen Vorschriften unrein geworden wären und nicht am Passahmahl hätten teilnehmen dürfen.

Johannes 19:14

Das war um die Mittagszeit, am Tag vor dem Passah, an dem sich alle auf das Fest vorbereiten. Pilatus sagte zu den Juden: "Da habt ihr euren König!".
Das Wort Gottes kann sich doch nicht widersprechen?? bitte klärt mich auf.

Euer müder, sündiger Bruder...

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Mary
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Beitrag von Mary » 11.10.2007, 09:15

Lieber Avner,

Dieser Widerspruch an so zentraler Stelle lässt aufhorchen, da hast Du recht. Ich kann das Rätsel nicht für Dich lösen, dazu verstehe ich zu wenig von Exegese.

Es ist aber tatsächlich so, dass sich die Bibel an vielen Orten widerspricht. ein bekanntes Beispiel ist die Frage, wie Judas zu Tode gekommen sei.

Gottes Wort kann sich nicht widersprechen, ja. Wenn Du die Bibel als von Gott diktiertes Wort verstehst, dann hast Du ein Problem mit solchen Widersprüchen. Wenn Du aber glaubst, dass Gottes Wort - das viel mehr ist als ein Buch, sondern der Herr selbst! - sich unter anderem auch durch die Bibel offenbart hat, Gottes Wort im Menschenwort, dann löst sich Dein Problem.

Die Frage, die sich mir stellt ist vielmehr: Was machen solche Widersprüche mit uns?
Lassen sie uns irre werden an Gott? Zweifeln an der Richtigkeit der Lehre?

und deshalb frage ich gerne zurück, Avner: Warum hast Du gefragt?

In der Liebe Christi
Johanna

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Avner
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Beitrag von Avner » 11.10.2007, 12:58

Hallo,

weil ich in der Tora - im Alten Testament - solche Widersprüche nicht finden konnte und ich glaube daran, dass die Tora von Gott diktiert wurde. Beim NT dachte ich mir das gleiche, bis ich mir mal einige Ereignisse unter die Lupe genommen hatte.

Ich bitte Vater Peter um eine Stellungnahme, die anderen die darüber etwas sagen könnten bitte auch :cry:

LG

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Beitrag von protopeter » 11.10.2007, 14:20

Lieber Halil !

Es wäre mir zunächst hilfreich, zu wissen, woher das von Dir benannte Zitat stammt; ehrlich gesagt, bin ich durch die im Text vorkommenden Zwischenerläuterungen etwas irritiert. Was nun generell sogenannte "Widersprüche" in den biblischen Texten anbelangt, ist darauf zu achten, was mit der tradierten Botschaft ausgesagt werden soll und ob die Details der Überlieferung zur grundsätzlichen Aussage der Offenbarungswahrheit wirklich entscheidend im Widerspruch sind.

Es ist bekannt, daß die synoptischen Evangelien an bestimmte "Adressaten" gerichtet sind und von da her gewisse Akzentuierungen besitzen: Matthäus richtet sich an Christen, die aus dem traditionellen Judentum stammen; Markus schreibt für die griechischsprachigen judenchristlichen Gemeinden der Mittelmeerländer; Lukas verfaßt sein Evangelium für sogenannte "Heidenchristen", die mit jüdischen Traditionen so gut wie keine Berührung hatten.

Im Johannesevangelium wird die umfassende Verkündigung des Gottmenschen Jesus Christus und Seiner Erlösung gezeigt; dementsprechend nun auch die symbolhafte Sprache. Im Kontext des Evangelienberichtes über das Pessachfest ist klar die Analogie zwischen dem Inhalt des alttestamentlichen Festes, wie es im 12. Kapitel des Buches Exodus (2. Buch Mose) dargestellt ist und Christus, der in der kirchlichen Überlieferung als das Neue Pascha gilt, gezeigt.

Wie gesagt handelt es sich keinesfalls darum, in der biblischen Offenbarung Ungereimtheiten wahrzunehmen; viel eher ist im genannten Kontext die Intention zu erkennen, die endgültige Erfüllung der messianischen Prophetien und Erlösungserwartung in der Person Jesu Christi zu verkünden.

Mit Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter

IoannesProselytos
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Beitrag von IoannesProselytos » 11.10.2007, 16:49

Na ja, also ich persönlich sehe dertartige Dinge nicht als Widerspruch in dem Sinn an. Glaubst du, du wärst der Erste, dem das aufgefallen ist? Schon seit es es ein Evangeliar gab, in dem alle vier Evangelien nebenbeinander gestellt wurden, ist diese Sache schon frommen Männern und Frauen bekannt, die die Hl. Schrift gelesen haben - die haben sich anscheinend auch nicht in der Form eines Ungläubigen daran gestört.
Also Bruder, einen Grund, über den Glauben negative Schlüsse zu ziehen, ist das gewiss nicht.

Ah ja, noch etwas, Bruder Avner:

Das Fest der ungesäuerten Brote und das Passah flossen praktisch zusammen. Das Passah wurde am 14. und 15. des Monats Nisan gefeiert. Am Nachmittag des 14. wurden die Passahlämmer im Tempel geschlachtet, und am Abend desselben Tages (nach unserer Zeitrechnung) fand das Fest statt. Da der jüdische Tag jedoch bei Sonnenuntergang begann, wurde das Passah in Wirklichkeit in den ersten Stunden des 15. Nissan gefeiert. Das Fest der ungesäuerten Brote währte dann vom 15. bis zum 21. Nisan. In Lk 22,7 wird der 14. als der erste Tag der ungesäuerten Brote bezeichnet; dies geschieht möglichweise, weil die Feste eng miteinander verknüpft waren und Lukas für Leser schrieb, für die der Tag (wie für uns) um Mitternacht begann. Das ist auch, was Vater Peter meint bzgl. der Intention der Evangelien.

Manche versuchen es auch durch die Abweichungen im Kalender der Essener, vom "üblichen" Kalender zu erklären - wobei, mich darfst du dazu nichts Genaues fragen. Bzw. hab' ich noch etwas "herausgefunden" (was sicher schon einige wissen) und zwar, dass es zwischen Pharisäern und Sadduzäern Differenzen in ihrer Zählung hatten und zwar wenn das Passah unmittelbar auf den Wochensabbat fiel, was beim Tode Jesu der Fall war. So könnten beide Gruppierungen unter Umständen jeweils zu ihren Zeiten gefeiert haben ...
Auch gibt es wiederum Leute, die meinen, dass Christus im Bewusstsein, das Passah nicht mehr zur "richtigen Zeit" feiern zu können, es einen Tag früher feierte.

Also, es gibt einige Erklärungsversuche, wobei die Sache wohl halb so tragisch ist.

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