Konvertieren zur Orthodoxie - was hindert mich daran?

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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stefan1800
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Beitrag von stefan1800 » 07.09.2007, 23:42

Hallo zusammen,

ich bin wie Konrad römisch-katholisch. In letzter Zeit habe ich aber so meine Zweifel und hinterfrage sehr viel. Die Gründe dafür sind folgende:

1. Im Streitpunkt über das "Filoque" scheint mir eher die orthodoxe Auffassung die richtige zu sein, weil die Schrift selbst uns dies in Joh 15, 26 zeigt.
2. Andere Lehren Roms wie die scholastische Auslegung der Hl. Wandlung, die Unfehlbarkeit des Papstes und der Primat des Papstes über die Konzilien zählen historisch betrachtet nicht zu den Glaubenssätzen, die immer und überall geglaubt wurden.
3. Ich sehe die nationalkirchliche Verfaßtheit der orthodoxen Kirchen nicht als Nachteil an. Sie berücksichtigt eben besser als die römische Kirche die einzelnen Kulturen und Völker als gegebene natürliche Ordnung unter dem Dach der der einen Kirche, die Christus gestiftet hat. Denn der Glaube bleibt natürlich derselbe.
4. Teile der römischen Kirche nutzen bestimmte Erscheinungen, wie die Botschaft von Fatima, für politische Propaganda-Zwecke aus. In dieser Botschaft ist ja davon die Rede, dass Russland die Welt mit seinen Irrtümern überziehen wird. Dies mag zur Zeit des Kommunismus bis 1989 richtig gewesen sein, aber heute halte ich das für fragwürdig. Es scheint nicht nur darum zu gehen, Russland für die römische Kirche zu gewinnen, sondern man möchte auch weiterhin die Menschen gegen Russland aufwiegeln.

Ich freue mich auf Eure Antworten !

Viele Grüße in Christus,
Stefan

Milo
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Beitrag von Milo » 08.09.2007, 00:41

Hallo Stefan1800,


die einzelnen Punkte geben berechtigterweise Anlass genug das Ganze mal auf "Herz und Niere" zu prüfen. Deinen Ansatz finde ich pers. gut, das Du sowohl die Hl. Schrift, als auch die Hl. Tradition nicht vernachlässigst dabei...

Deine Frage konnte ich dennoch nicht herauslesen...ich nehem an das Du evtl. fragen wolltest ob wir diese Punkte als korrekt sehen. Wenn ja, dann würde ich meinerseits sagen wieder: ja! Ich sehe auch in der rk- Kirche ein zentralistisches menschliches Machtsystem, das sich versucht durch die Geschichte politsch "durchzumogeln" als die allreine Glaubenslehre...
aber wir Orthodoxe stellen dabei den berühmten Stolperstein dar - und das nicht zum Spaß, oder aus Konkurenzkampf... sondern aus selbstbewusster Verantwortung die wir gegenüber unserem HErrn aber auch unseren Nächsten haben.

Lass Dich bitte nicht irritieren von der Ökumene-Courtoisie...da hat uns der "Dritte im Bunde" dazu verleitet :wink:

Gegenfrage: glaubst Du pers. das Rom irgendwann je bereit wäre wirklich alle unorthodoxe Dogmen zu verwerfen, sich an seine Platz zurückzieht und somit in den Schoß der einen heiligen Kirche zurückkehr? Ich denke das muss die eigentliche Entscheidungsfage sein für jene die sich überlegen: konvertieren oder warten?


Herzliche nachtwächliche Grüße aus Stuttgart

Milo

Deki_3
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Beitrag von Deki_3 » 08.09.2007, 00:55

Es gab einmal eine große Stadt, in dessen Zentrum ein dermaß hohes Gebäude stand, daß die Spitze bis zum
Himmel reichte. Man sagte, daß jeder der diesen Punkt erreicht sehr, sehr glücklich sei.
Man vermag zu glauben, daß jeder zur Spitze hinauf wollte. Das aber war nicht der Fall.

Einige lebten in Teilen der Stadt, von wo aus sie das große Gebäude nicht mal sahen. Andere widerum sahen es, wußten
aber nicht was in ihm verborgen war. Weitere, obwohl sie hörten wie glücklich machend die Spitze doch
sei, glaubten es nicht oder lehnten es ab, mit der Begründung an ihrem gewohnten Ort zufrieden zu sein.

Nichtsdestotrotz war die um das Gebäude umherlaufende Menge riesig. Viele versuchten hinein zu
treten, schafften es aber nie obwohl die Türen weit geöffnet waren. Sie sagten die Türen seien zu
schmal. Manche versuchten es durch ein Fenster oder suchten andere Türen. Ohne Erfolg.
Andere haben aus Neugier versucht durch die Türen zu schauen, wobei wenige hinein gingen und
schnell wieder heraus kamen, da ihnen das Erdgeschoß nicht gefiel.

Im Erdgeschoß waren viele Leute die es eilig hatten. Manche suchten nach den Fahrstühlen
die neu installiert wurden, die den antiken Treppenweg ersetzen sollten. Viele fanden die Aufzüge
und benutzten sie; doch die Aufzüge waren defekt und fuhren nicht sehr weit. Einige erkannte dies,
und verließen den Fahrstuhl mit Empörung. Wenige verließen ihn um eine Alternative, die antike
Treppe aufzusuchen.

Zu ihrer Überraschung entdeckten sie diese Treppe, auf der schon viele auf dem Weg nach oben
waren. Leider gab es auch Einige, die diese Treppe nicht besteigen wollten. Sie standen einfach davor,
und bewunderten den Teppich; Andere betrachteten die Holzarbeit, und verglichen sie mit der im
Aufzug. Weiterhin gab es Manche die einfach dort verharrten und Bücher über die Herrlichkeit der
Spitze verfassten, ohne niemals dort gewesen zu sein - welch eine Fantasie.

Von denen, die die Treppe hinauf gingen gab es auch einige die sich nur umschauten und wieder
umkehrten. Viele hörte man stöhnen, daß es zu schwer sei hinauf zu kommen.

Doch gab es einige die diese alte Treppe hinauf gingen und nicht mehr herunter kamen, viele gingen
hoch zur Spitze. Ich weiß es, weil eine Wolke aus Zeugen es mir sagte. Und obwohl ich noch
am Anfang der Treppen bin, beschloß ich endlich mit ganzem Herzen hinauf zu gehen und nicht
zurück zu schauen.

Brüderliche Grüße
In Demut Deki

Deki_3
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Beitrag von Deki_3 » 08.09.2007, 00:59

Allen ein gesegnetes Wochenende!

stefan1800
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Beitrag von stefan1800 » 08.09.2007, 19:05

Lieber Bruder Milo,

vielen Dank für Deine Antwort. Du fragst mich, ob Rom die neuen, unorthodoxen Dogmen je verwerfen wird. Nun, ich denke, dass es nicht die Art Roms ist, jemals einen Irrtum zuzugestehen. Wenn man Lehrsätze als falsch oder somindest als problematisch erkennt (siehe Vatikanum II), wird man sie heimlich, leise und still unter den Teppich fallen lassen und warten, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Es wird dann niemals mehr die Rede davon sein. Man wird in Geschichtsbüchern dann nur noch von einem unbedeutenden Konzil lesen, auf dem nicht allzu viel beschlossen wurde.

Mit besten Grüßen in Christus !

Stefan

@Deki:
Diesen Segenswunsch gebe ich gerne zurück, natürlich auch an alle.

Dinos
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Beitrag von Dinos » 21.09.2007, 13:24

Lieber stefan,
wenn du wirklich bereit bist christus zu folgen und dein persöhnliches
Kreuz zu tragen ,um dadurch geistliche Früchte zu erwerben , dann
kommst du an eine orthodoxe Taufe nicht herum.
Wenn man der Sache offen und mit guten Vorsatz beginnt , so ist das
Kreuz Christi nicht schwerer als wir aushalten können.
ich wünsch dir ein gutes Unterscheidungsvermögen bei deinen Überlegungen .
Verbleibe bis weiteres...
DINOS
gebe blut und schwei?
und nehme geist

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