Christus Geburt, christliche Weihnachten VS Illusionen

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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theofan
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Weihnachtstraditionen

Beitragvon theofan » 14.12.2006, 10:57

Liebe Gemeinde,

zu dem Thema Weihnachtschristbaum vs. Krippe: Ich hab in der Dresdner russ. Orth. Kirche beides nebeneinander stehen sehen; es ist aber schon ein paar Jahre her. Ich empfand es damals als "Neubekehrter" etwas unpassend, in einer russischen Kirche eine Krippe aufzustellen. Mittlerweile habe ich meine Meinung geändert.

Eine deutsche (österreichische, westliche..) Orthodoxie wird nach dem Grundsatz "Prüfet alles, das Gute behaltet" sehr behutsam mit den gewachsenen Weihnachtstraditionen umgehen und sie, ihrem Sinngehalt entsprechend, integrieren müssen, ohne dabei dem Konsumgott zu verfallen.

Es dürfte wohl kein Kind Schaden nehmen, wenn es "gezwungen" wird, an den Weihnachtsmann zu glauben. Kinder brauchen Märchen- und Phantasiewelten und nicht nur Religionsunterricht.

Wenn man die Entstehungsgeschichte von Pyramiden, Lichterbögen usw. sich bewusst macht (die Bergleute im Erzgebirge sahen den ganzen Winter über höchstens sonntags mal das Tageslicht! daher der ausgeprägte Lichterkult "unter christlichen Vorzeichen") und wenn man Traditionsbewahrung auch als Bindung an die eigenen Vorfahren versteht, hat man damit auch kein Problem.


Den Altkalendariern sei S. Rose ans Herz gelegt (Gott möge seiner Seele gnädig sein), der sinngemäß gesagt hat: Wie schön ist es doch, dass wir unser Weihnachtsfest in aller Stille dann feiern, wenn der Konsumrausch dieser Welt sich wieder gelegt hat und das laute und frivole Spektakel des Jahreswechsels vorbei ist. Gedankt sei dem Herrn!


Hans-Peter

protopeter
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Beitragvon protopeter » 14.12.2006, 14:25

Lieber Hans-Peter !

Danke für Ihren Beitrag - genau das von Ihnen erwähnte Wort des Apostels sollte als orthodoxes "Bewertungskriterium" Geltung haben; die Integration von kulturell gewachsenen Elementen, die grundsätzlichen Auffassungen unseres Glaubens nicht widersprechen, kann in diesem Sinne nur positiv-unterstützend sein.

Mit besten Segenswünschen und herzlichen Grüßen,
Erzpr. Peter

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Falsche Tradition sollte man nicht bewahren

Beitragvon talitaNeu » 14.12.2006, 23:37

Lieber Theophan,

ich muß dir da echt widersprechen. Warum sollte ich z. B das Heidentum, das im Slavischem Raum Gang und Gebe war behalten oder dessen Züge, nur weil ich mich zu meinen Vorfahren bekenne und sie vielleicht auch liebe.

Falscher weg ist falscher Weg. Aus einer Sentimentalität sollten wir nicht den Gottesweg verlassen, nach meiner Meinung. Das erste Gebot ist ganz wichtig!!!

Gruß Aleksandra
Mein Zuhause

Herr Gott mein Vater, (Psalm 61. V.5)
ich m?chte weilen in deinem Zelt in Ewigkeit, mich bergen im Schutz deiner Fl?gel.

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Differenzieren im Geist der Tradition !

Beitragvon protopeter » 15.12.2006, 00:41

Liebe Aleksandra !

Es handelt sich keineswegs darum, rein alles kritiklos zu übernehmen - der Weg der "Inkulturation" bestimmter Elemente, die eben der Grundlage gottmenschlicher Erlösungswahrheit nicht widersprechen, kann aber durchaus beschritten werden; dies ist im Laufe der Kirchengeschichte auch entsprechend geschehen. Das Leben der Kirche ist auch der Weg von Gottes Reich in dieser Welt - wir sind kraft unseres Sendungsauftrages dazu gerufen, dafür Zeugnis abzulegen; daraus ergibt sich eben auch die Notwendigkeit einer bewußten Auseinandersetzung mit den uns begegnenden Gegebenheiten.

Hier ist dann das schon genannte Apostelwort nochmals zu betonen - die Pflicht zur "kritischen" (=unterscheidenden) Betrachtung der Dinge; davon ausgehend mag man sich bei tieferer Kenntnis der Zusammenhänge dann ein Urteil bilden - so wie es etwa auch die frühen Kirchenväter taten, die beständige Wertvorstellungen der hellenistischen Kultur in das theologische Denken und die kirchliche Praxis integrierten. "Orthodoxia" impliziert eben Weite des Herzens und des Geistes - gerade auch daran sei unser Zeugnis vor der Welt gemessen !

Mit herzlichen Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter

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theofan
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Beitragvon theofan » 15.12.2006, 15:58

Liebe Aleksandra,

vielen Dank für den Widerspruch. Juhu!

Mir gehts aber nicht um heidnischen Kult, sondern um kulturelles Erbe, welches (offensichtlich immer wieder neu, wie das bevorstehende Xmas :x beweist) durch den Glauben veredelt und befruchtet werden muss.

Zum Weihnachtsmann vielleicht noch folgender Link:

http://www.nikolaus-von-myra.de/lexikon/weihnachtsmann.html
(köln-katholisch)

Was würdest du denn zu einem orthodoxen St.-Martins-Umzug sagen? :wink:

Mit Segensgruß
Hans-Peter

1389.

Beitragvon 1389. » 04.05.2007, 20:32

macht es einfach wie sehr viele serben,...

geschenke und weihnachtsman kommen zu silvester (31. dezember) und 7 jänner ist halt weihnachten,....

Nassos
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Beitragvon Nassos » 11.12.2007, 02:39

Hallo,

da die Zeit wieder naht...
ich erinnere mich immer wieder an eine Predikt vor ein paar Jahren. Der Priester rezitierte einen Dichter (Schriftsteller?), der zu Weihnachten sagte.

"Licht! Licht! Überall sehe ich Licht! Aber wo ist DAS Licht?"

In der Hoffnung, die Menschheit möge wirklich ein besinnliches Weihnachten haben,
Nassos

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Beitragvon danadoina_3 » 11.12.2007, 03:35

Nassos hat geschrieben:Hallo,

da die Zeit wieder naht...
ich erinnere mich immer wieder an eine Predikt vor ein paar Jahren. Der Priester rezitierte einen Dichter (Schriftsteller?), der zu Weihnachten sagte.

"Licht! Licht! Überall sehe ich Licht! Aber wo ist DAS Licht?"

In der Hoffnung, die Menschheit möge wirklich ein besinnliches Weihnachten haben,
Nassos



Diese vielen "lichter" haben mich sehr, sehr beeindruckt als ich nach Deutschland zum ersten Mal kam. Jetzt nach bald 16 (licht )jahren 8) hier merke ich, umso mehr von diese Lichter, desto weniger dahinter. Am meisten beleuchtet sind die großen...Einkaufstrassen :wink: ! Vergleiche man es mit der Hütte eines Athosmönchs, z.B. wo warscheinlich eine einzige Öllampe brennt....

stefan1800
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Beitragvon stefan1800 » 11.12.2007, 16:59

Hallo Daniela,

wir Deutsche haben es nun einmal gerne mit den Lichtlein, das ist ein Teil unserer Tradition. Daher auch das Lied "Am Weihnachtsbaume die Lichtlein brennen". Daß der heutige Kommerz in keinem Verhältnis mehr steht, ist eine andere Sache.

LG, Stefan

Lisa
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Beitragvon Lisa » 12.12.2007, 10:09

Liebe Schwestern und Brüder,

wir als Deutsche behalten die Tradition des Tannenbaumes bei.

Aber warum sollen wir unseren Kindern was über den Coca-Cola Weihnachtsmann erzählen?

Bei uns wird am 6. Dezember dem hll.Nickolaus gedacht. Dieser brachte unseren Kindern immer die kleinen Geschenke. Und dies waren wirklich nur Kleinigkeiten. Irgendwann in unterschiedlichen Altern wussten unsere Kinder, das die Geschenke nicht vom Nikolaus waren, sondern von den Eltern. Aber zu seinen Ehren.

Natürlich wurde dabei immer die Geschichte des heiligen Mannes erzählt. Wer braucht da noch einen Weihnachtsmann?

Zu Weihnachten ist das Fest doch im Kirchbesuch eingebettet.

Unter den Tannenbaum wird von uns die entsprechende Ikone gestellt.

Als meine Kinder im Alter der Gedichte waren, haben sie das Weihnachtstropar auswendig gelernt und vorgetragen.

Die Geschenke brachte lange Jahre nach schöner deutscher Tradition das Christkind. Allerdings wurde ihnen von klein an die Weihnachtsgeschichte vorgelesen. So das eigentlich immer klar war, dass das "Christkind" eine Figur war, die für den geborenen Heiland die Kinder beschenkt.

Als uns klar war, das (auch durch die Verwandten) das das Weihnachtsfest zu überfrachtet wurde, haben wir eine Kehrtwende gemacht.

Zu Weihnachten gibt es immer noch Geschenke, von uns kleinere, die größeren vom Opa.

Aber wir beschenken unsere Kinder auch zu Ostern. Um dieses Fest zu würdigen. Denn unser Glaube beruht auf der Auferstehung.

Dies war aber oft auch einfach nur praktisch. Was sollten die Kinder an Weihnachten mit Rollschuhen? Zu Ostern sind diese viel angebrachter.

Unsere Kinder haben von klein auf erlebt und verstanden, dass es unterschiedliches Brauchtum gibt.

Wir gehen am Weihnachtstag in die Kirche. Anschliessend gibt es am 1.Weihnachtstag ein wunderschönes Frühstück, welches nach der Fastenzeit besonders geschätzt wird. Während die Erwachsenen noch gemütlich beim Kaffee sitzen, haben die Kinder die Geschenke ausgepackt. Und am Nachmittag ging es dann wieder in die Kirche.

So haben wir viel Ruhe und Besinnlichkeit in das Fest gebracht.

Und der Inhalt, der Grund der Feier war den Kindern von Anfang an klar.

Aus Freude über die Geburt unseres Herrn erfreuen wir uns gegenseitig.

Was kann es schöneres geben?

Ein besinnliches Weihnachtsfest und Gottes Segen für das neue Jahr.
Lisa

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retro24
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Beitragvon retro24 » 12.12.2007, 11:12

Lisa, feiert ihr Weihnachten am 24./25. Dezember oder am 6./7. Januar?
Господи, сподоби мя любити Тя от всея души моея...

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Beitragvon Lisa » 12.12.2007, 11:29

Meine Liebe,

Wir feiern wie die Griechen am 25.12.
Lisa

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Beitragvon rafailia_3 » 12.12.2007, 11:44

Liebe Lisa,

eine kleine Korrigierung: es feiern nicht alle Griechen am 25.12, der Heilige Berg Athos feiert mit dem alten Kalender, auch die Menschen, die dem alten Kalender folgen moechten, Jerusalem feiert mit dem alten Kalender (auch das dortige griech Patriarchat) etc etc. .

En Christo

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Beitragvon Lisa » 12.12.2007, 12:14

Da habe ich mich wohl ausgedrückt:

Wir feiern Weihnachten wie das Pariarchat Konstantinopel und die Kirche von Griechenland.

Wir sind ja keine Athos Mönche sondern gehören der kanonischen Kirche von Griechenland, bzw. des Patricharchats Konstantinopel an.

Und die feiern am 25.12. Weihnachten!
Lisa

Nassos
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Beitragvon Nassos » 12.12.2007, 18:18

Hallo Leute,

soviel ich weiß ist die Geschenketradition in Griechenland anders. Da gibt es Geschenke vom Hl. Basilius, am 1. Jänner. Der Hl. Nikolaus wird natürlich auch am 6. Dezember gefeiert, steht aber nicht in einer Relation zu Weihnachten - soviel ich weiß. Die Weihnachtsphase beginnt mit der Geburt des Herrn und endet mit dem Lichterfest (<= ist das der richtige Ausdruck?), genannt Phota.

ICXC NIKA,
Nassos


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