Frauen, Menstruation und Kirchenbesuch

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Nassos
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Re: Frauen, Menstruation und Kirchenbesuch

Beitrag von Nassos » 18.12.2013, 23:21

Hermann hat geschrieben:Zu dieser Frage gibt es auch interessante Beiträge vom User "Protopeter" (=Erzpriester Peter Huber), etwa in diesem Faden viewtopic.php?f=13&t=1590

Und wer Englisch kann: Hier ein Artikel dazu von Sr. Vassa von der russischen Auslandskirche, die in Wien an der Universität arbeitet: On “Ritual Impurity”: by Nun Vassa Larin

LG, Hermann
Lieber Hermann,

auf diesen Artikel gibt es eine Entgegnung.

LG, Nassos

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MariaM
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Re: Frauen, Menstruation und Kirchenbesuch

Beitrag von MariaM » 20.12.2013, 08:05

Hallo,
ehrlich gesagt finde ich diese Entgegnung nicht sehr überzeugend... - wohingegen ich Sister Vassas Text als sehr treffend und einleuchtend empfinde - besonders den prägnanten letzten Absatz (Zusammenfassung):

"I shall conclude briefly, since the texts have spoken for themselves. A close look at the origins and character of the concept “ritual impurity” reveals a rather disconcerting, fundamentally non-Christian phenomenon in the guise of Orthodox piety. Regardless of whether the concept entered church practice under direct Judaic and/or pagan influences, it finds no justification in Christian anthropology and soteriology. Orthodox Christians, male and female, have been cleansed in the waters of baptism, buried and resurrected with Christ, Who became our flesh and our humanity, trampled Death by death, and liberated us from its fear. Yet we have retained a practice that reflects pagan and Old-Testament fears of the material world. This is why a belief in “ritual impurity” is not primarily a social issue, nor is it primarily about the depreciation of women. It is rather about the depreciation of the Incarnation of our Lord Jesus Christ and its salvific consequences."


In diese Richtung gingen ja auch meine in dieser Diskussion gestellten Fragen - dahingehend, ob diese Angst vor Blut und "Unreinheit" nicht eher aus vorchristlicher Zeit stamme... Aber OK, ich bin natürlich kein Theologe.

Vorweihnachtliche Grüsse an alle :-),
M.

Gruss, M.

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Mary
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Re: Frauen, Menstruation und Kirchenbesuch

Beitrag von Mary » 20.12.2013, 17:52

MariaM hat geschrieben:Hallo,
ehrlich gesagt finde ich diese Entgegnung nicht sehr überzeugend...
Hallo, Maria,

lass Dich nicht irremachen. Die Frage ist keine theologische, und sie ist keine Glaubensfrage. Sie geht nur DICH und Gott etwas an... allenfalls noch deinen Priester/Bischof (Falls dieser ein Problem hätte damit.)
Wenn ich die Entgegnung richtig lese, geht es vor allem um
leaving trails of menstrual blood in our sanctuaries is a bad idea
Nun, in Zeiten von Tampax dürfte das nun echt kein Problem sein. Macht ja auch der Autor die Ausnahme
abstain from entering a church, unless the flow of blood was stopped.
Tampon rein... problem solved.

Das Argument, das ich mal zu hören bekam, war übrigens... wenn ich während der Blutung kommunizierte, würde ich ja das Blut des Herrn gleich wieder verlieren. Hmm.... hat mein medizinisch geschultes Ego nicht überzeugen können,... MHO.

Lg von der anderen Maria
Let Your mercy, O Lord, be upon us, as we hope in You.

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Re: Frauen, Menstruation und Kirchenbesuch

Beitrag von songul » 20.12.2013, 20:07

Mary hat geschrieben:Tampon rein... problem solved.

Das Argument, das ich mal zu hören bekam, war übrigens... wenn ich während der Blutung kommunizierte, würde ich ja das Blut des Herrn gleich wieder verlieren. Hmm.... hat mein medizinisch geschultes Ego nicht überzeugen können,... MHO.

Lg von der anderen Maria
Danke Mary! Bild
Mir ist im Laufe der Zeit schon öfters mal der Gedanke gekommen, den Besserwissern über den menschlichen (weiblichen) Körper mal in eine Schulung über dengleichen zu schicken....ich glaube das würde dann mal Welten öffnen - und wäre dann auch noch eine echte Demutsübung für so manchen(Mann)....
Aber eigentlich ist es letztlich nur wichtig oder problematisch für den der in einer der Kirchen kommuniziert die darauf noch dringen. Man kann ja dahin gehen wo's nicht mehr der Fall ist und a Rua is.

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Re: Frauen, Menstruation und Kirchenbesuch

Beitrag von Elias » 20.12.2013, 21:50

Danke Mary und Songul :)

Ein Priester darf eine Frau nicht nach ihren "Tagen" fragen und eine Frau ist auch nicht verpflichtet dies dem Priester zu erzählen! Es gibt Frauen, die wärend der Menstruation aus "Gewohnheit" oder "Ehrfurcht" nicht zur Kommunion gehen wollen aber es gibt auch Frauen die es denoch tun um durch die Kommunion mit Christus vereinigt zu sein! Die Fraue die es wärend ihrer Tage nicht tut ist jetzt nicht Demütiger oder Frommer und ich empfinde diese Diskussion auch etwas befremdend! Es liegt kein Verbot vor für die Frauen während ihrer "Tage" der Kommunion fern zu bleiben, den es ist IHR alleine Frei gestellt wie sie vorgehen möchte und ob Sie Kommunizieren möchte! Zumindest ist es bei den beiden Griechisch-Orthodoxen Metropolien, von Konstantinopel und Antiochien so! Beim MP, Roka und GOK ist es wohl nicht Erlaubt und es bleibt festzuhalten und wie es Vater Alexej hier richtig geschrieben hat, das die Regeln der jeweiligen Jurisdiktion zu Achten sind! Deshalb kann es hier auch keine für ALLE Orthodoxen Frauen Regeln oder Verbote geben da es eben Pastoral bedingt in den Juristiktion verschieden gehandhabt wird.

LG

Ilias

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Re: Frauen, Menstruation und Kirchenbesuch

Beitrag von Priester Alexej » 24.12.2013, 13:25

songul hat geschrieben:Man kann ja dahin gehen wo's nicht mehr der Fall ist und a Rua is.
Ist doch nicht dein Ernst, oder? Sollte es bei der Wahl der Kirche nicht eher um die Wahl des Beichtvaters gehen?

Ich habe meine Ansichten zu dem Thema ja schon geäußert. Allgemein gefasst finde ich es doch sehr problematisch, wenn Traditionen auf solch eine Art und Weise zerpflückt und breitgeredet, und, letzten Endes, aufgegeben werden. Da gibt es viele Beispiele - Bänke in den Kirchen, Beichte vor der Kommunion, Kommunion in Unreinheit, extrem verkürzte Gottesdienste, Kopftücher und allgemein angemessene Kleidung, Porofin statt Wachs, lockerung der Faßtenregeln bis hin zum Abschaffen des Fillipusfasten, Mädchen als Altardiener, Metanien, Privates Gebet usw. Bei all diesen Fragen wird zuerst aufgezeigt, dass sie keinen Einfluss auf unseren Glauben haben, und dann werden die oder jene Argumente genannt, warum wir es heute anders machen können oder sollen. Dabei wird aber die wichtigste Dimension der Kirche ignoriert - das geistliche Leben. All diese Regeln und Traditionen haben sich aus der jahrhundertealten Erfahrung herausgebildet, sie tragen dazu bei, dass der Mensch sich sammelt und geistlich reift. Vieles davon sind Grundsteine der Askese. Und wenn man zu viel und ohne Bedarf an diesen Traditionen rüttelt, verändert sich zwar der Glaube der Menschen nicht, wohl aber ihre Frömmigkeit.
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.

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songul
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Re: Frauen, Menstruation und Kirchenbesuch

Beitrag von songul » 24.12.2013, 14:11

Priester Alexej hat geschrieben:Ist doch nicht dein Ernst, oder? Sollte es bei der Wahl der Kirche nicht eher um die Wahl des Beichtvaters gehen?
Mein Ernst ist das insofern, als das es jedem frei steht, die Jurisdiktion wählen zu können, in der er sich wohl fühlt. In der Regel kommt dann erst der Beichtvater (der dann meist in derselben ist)
Niemand hat das Recht seine Jurisdiktion über die andere zu erheben; jede kanonische orth. Kirche ist gleichwertig.
Wer das nicht so sieht ist hochmütig....
Priester Alexej hat geschrieben:Ich habe meine Ansichten zu dem Thema ja schon geäußert. Allgemein gefasst finde ich es doch sehr problematisch, wenn Traditionen auf solch eine Art und Weise zerpflückt und breitgeredet, und, letzten Endes, aufgegeben werden. Da gibt es viele Beispiele - Bänke in den Kirchen, Beichte vor der Kommunion, Kommunion in Unreinheit, extrem verkürzte Gottesdienste, Kopftücher und allgemein angemessene Kleidung, Porofin statt Wachs, lockerung der Faßtenregeln bis hin zum Abschaffen des Fillipusfasten, Mädchen als Altardiener, Metanien, Privates Gebet usw
Du findest es problematisch und das ist dein gutes Recht. Es ist aber nicht recht, anderen orthodoxen Kirchen in denen das, in der Regel auch nur im Rahmen der Orthodoxie, gelockert oder erweitert wird, nur weil es einem nicht passt oder man halt selbst in einer Kirche Mitglied ist wo es nicht so ist, dann gar die Rechtgläubigkeit oder ähnliches abzusprechen. Genauso geht es nicht, Gläubigen aus diesen Kirchen dann Dinge zu verwehren weil man es selber anders macht...
Natürlich gibt es unter den von dir genannten Zuständen welche die wirklich problematisch sind - aber wohl auch nur wenn es übertrieben ist. Der Glauben, die Frömmigkeit liegt sicherlich nicht in den Kopftücher, Bänken, Beichtzwang vor der Kommunion, Paraffin statt Wachs oder noch schlimmer: elektrische Kerzen etc.
Priester Alexej hat geschrieben:...lockerung der Faßtenregeln bis hin zum Abschaffen des Fillipusfasten, Mädchen als Altardiener, Metanien, Privates Gebet usw. Bei all diesen Fragen wird zuerst aufgezeigt, dass sie keinen Einfluss auf unseren Glauben haben, und dann werden die oder jene Argumente genannt, warum wir es heute anders machen können oder sollen.
Niemand zeigt auf dass sie Einfluss auf unsere Frömmigkeit hätten oder keinen Einfluss... Sie haben ohnehin nur Einfluss auf unsere Frömmigkeit wenn sie mit dem Herzen konform gehen. Das endlose herunterbeten von Gebeten macht einen nicht heiliger. Mädchen als Altardienerinnen: du und andere haben nur dann ein Problem damit, wenn sie in Kirchen sind in denen sie ein absolutes No go sind und sonst eben nicht. Verurteilen steht dir nicht zu, Kritik schon aber die geschieht halt auch nur weil du in deiner Kirche bist....wärst du bei den anderen wäre es wohl egal.
Ist doch schön wenn jemand nach fast jedem Wort eines Gebet eine Metanie macht - milimetergenau und im rechten Winkel - und der andere bekreuzigt sich im Hauch; kannst du in deren Herzen schauen wie um der Frömmigkeit wirklich bestellt ist? Wohl kaum. Und Gott könnte es durchaus egal sein....
Priester Alexej hat geschrieben:All diese Regeln und Traditionen haben sich aus der jahrhundertealten Erfahrung herausgebildet, sie tragen dazu bei, dass der Mensch sich sammelt und geistlich reift.
Der Mensch sammelt sich und reift geistlich wenn er dazu bereit ist und nicht durch Befastung oder Bebetung nach Vorschrift. Und das die Zeiten sich ändern und mit ihnen die Menschen ist auch nichts besonderes und muss auch nicht bekämpft werden; was ist falsch daran dass man heutzutage die Menschen mit Argumenten, Liebe und Ehrlichkeit für die Kirche gewinnt und nicht nur mit Regeln und Traditionen?
Das zeigt lediglich, dass unsere Zeiten (bei allem was einem nicht gefällt) eben mehr von den Kirchen verlangen als nur Gebote und die (oft praktizierte) Einschüchterung und das kann nur gut sein.
Priester Alexej hat geschrieben: Und wenn man zu viel und ohne Bedarf an diesen Traditionen rüttelt, verändert sich zwar der Glaube der Menschen nicht, wohl aber ihre Frömmigkeit.
Wenn du diesen Bedarf nicht einsehen kannst oder willst - alles wunderbar. Die Frömmigkeit eines Menschen kann nur Gott wissen und beurteilen.
Nur wie der Bedarf in anderen Völkern und deren Kirchen (orthodoxen meine natürlich) ist, ist der Beurteilung durch deren Kirchenoberen zu sehen und nicht durch uns...
Alle orthodoxen Kirchen sind gleichwertig und gleichberechtigt; wem was in der anderen nicht passt: ok, aber verurteilen hat keiner das Recht dazu.

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Re: Frauen, Menstruation und Kirchenbesuch

Beitrag von Priester Alexej » 24.12.2013, 15:14

Richten ist etwas, was Gott allein zusteht, ganz richtig. Wohl stimmt auch, dass es keine Oberkirche oder ähnliches gibt. Aber das habe ich auch nirgends behauptet.

Ich höre oft (grade von seiten derer, die Traditionen etwas "zeitgemäßer" hanbhaben), dass es in den einzelnen autokephalen Kirche verschiedene Traditionen gibt. Das heißt aber nicht, dass alle Traditionen und vor allem Entwicklungen gut sind. Auch in der Orthodoxen Geschichte gab es oft genug Fehlentwicklungen, die korrigiert werden mussten, manchmal sogar zum Abfall einer ganzen Kirche von der Orthodoxie führten (z.B. römische Katholiken). Ich stelle keine Kirche über der anderen, aber Besorgnis zeigen über die eine oder andere Entwicklung halte ich für wichtig. Dabei geht es nicht darum, dass es "mir nicht passt", oder dass etwas in der ROK anders gemacht wird. Es geht um Folgen, die die eine oder andere Veränderung der Tradition mit sich bringt.

Tradition in der Orthodoxie ist nicht gleich dem, was man heute unter "streng katholisch" vorstellt. All unsere Traditionen schließen nicht "Argumente, Liebe und Ehrlichkeit" aus, sondern unterstützen diese, helfen dem Menschen auf seinem geitslichen Weg. Du sagst, wir könnten nicht die Frömmigkeit eines Menschen beurteilen und dass das Einhalten von Regeln nicht auf ein fortgeschrittenes Geistliches leben hinweist. Aber das stimmt nur bedingt. Frömmigkeit ist nicht gleich geistlichem Leben, es ist eine äußere und innere Verhaltensweise, welche Ehrfurcht, Respekt vor den Traditionen der Kirche und Gottesfurcht ausdrückt. Auch Christus hat die Frömmigkeit nicht abgeschafft, er sagte den Menschen - tut so, wie die Pharisäer euch lehren. Du hast recht - äußere Frömmigkeit ist nicht gleich Heiligkeit, aber ohne Frömmigkeit können die meisten Menschen nicht zu Gott kommen.

Es ist richtig, man kann das geistliche Leben eines Menschen oder einer Gruppe nicht so beurteilen, wie z.B. die Glaubenslehre. Aber dennoch kann dieses geistliche Leben beurteilt werden. Das geistliche Leben eines einzelnen oder einer Gemeinde wird von ihrem geistlichen Vater beurteilt und gelenkt, und über größere Gruppen können geistliche Autoritäten wie Starzen oder Altväter urteilen. Orthodoxe Christen haben sich immer an diese geistlichen Väter orientiert, Väter, die durchdringt vom Heiligen Geist waren. Und von diesen geistlichen Vätern haben wir unsere Traditionen, die nicht durch theorethisieren entstanden, sondern durch Beobachtung ihrer geistlichen Kinder in ihrem geistlichen Leben. Genau das ist der Grund, warum wir uns nicht daran orientieren, was Vater N aus Berlin oder Pater Y aus München gesagt hat, sondern an anerkannte Heilige der Kirche. Das ist kein starres festhalten an veralteten Meinungen, sondern festhalten an der Heiligen Überlieferung.
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Re: Frauen, Menstruation und Kirchenbesuch

Beitrag von Priester Alexej » 24.12.2013, 15:25

songul hat geschrieben:Mädchen als Altardienerinnen: du und andere haben nur dann ein Problem damit, wenn sie in Kirchen sind in denen sie ein absolutes No go sind und sonst eben nicht.
Ich will dieses konkrete Thema nicht neu aufrollen, nur soviel: Wenn es diesbezüglich Jahrhundertelang eine einheitliche Tradition gab und diese aufeinmal in einzelnen Kirchen verändert wird, sollten wir darüber nicht doppelt und dreifach nachdenken, bevor wir sagen - "gut so, jede Kirche kann das tun, was sie will"?
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songul
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Re: Frauen, Menstruation und Kirchenbesuch

Beitrag von songul » 24.12.2013, 16:09

Priester Alexej hat geschrieben:
songul hat geschrieben:Mädchen als Altardienerinnen: du und andere haben nur dann ein Problem damit, wenn sie in Kirchen sind in denen sie ein absolutes No go sind und sonst eben nicht.
Ich will dieses konkrete Thema nicht neu aufrollen, nur soviel: Wenn es diesbezüglich Jahrhundertelang eine einheitliche Tradition gab und diese aufeinmal in einzelnen Kirchen verändert wird, sollten wir darüber nicht doppelt und dreifach nachdenken, bevor wir sagen - "gut so, jede Kirche kann das tun, was sie will"?
Wenn du wirklich wissen willst weshalb es das in der einen oder anderen orthodoxen Kirche gibt, dann solltest du die Kirchen und dort bestimmenden fragen, weshalb sie das getan haben....
Tradition kommen und gehen, das war schon immer so und auch die Traditionen der orth. Kirche gab es auch mal nicht und kamen irgendwann mal im Laufe der Geschichte hinzu. Sie sind keine Gottesgesetze.
Priester Alexej hat geschrieben:Das geistliche Leben eines einzelnen oder einer Gemeinde wird von ihrem geistlichen Vater beurteilt und gelenkt, und über größere Gruppen können geistliche Autoritäten wie Starzen oder Altväter urteilen. Orthodoxe Christen haben sich immer an diese geistlichen Väter orientiert, Väter, die durchdringt vom Heiligen Geist waren. Und von diesen geistlichen Vätern haben wir unsere Traditionen, die nicht durch theorethisieren entstanden, sondern durch Beobachtung ihrer geistlichen Kinder in ihrem geistlichen Leben. Genau das ist der Grund, warum wir uns nicht daran orientieren, was Vater N aus Berlin oder Pater Y aus München gesagt hat, sondern an anerkannte Heilige der Kirche. Das ist kein starres festhalten an veralteten Meinungen, sondern festhalten an der Heiligen Überlieferung.
Sicherlich, Vater - nur die geistlichen VäterAltväter/Starzen sind aber nicht Gott und haben sich in ihren Ansichten eg gros auch immer mal wieder verändert/entwickelt seit Anfang des Christentums. Es geht auch nicht um irgendwelche Patres oder Väter in München oder sonstwo, sonder darum dass auch die Orthodoxie in ihrem Selbstverständnis durch die Zeiten eben nicht nur ein starres Korsett ist sondern eine lebendige Kirche.
Kleine Nebenbermekung zu den Mädchen als Altardiener: sie dienen in den äusseren Rängen und nur bis zur ihrer Adoleszens (d.h. bis zu ihrer Regel) dann ist Schluss. Das zeigt eigentlich nur zu gut, dass man sich hier doch an klare Grenzen hält und nicht etwa dem Frauenpriestertum eine Vorstufe erschaft.... Deswegen hat man auch den Brauch abgeschafft, neugeborene Mädchen nicht durch den Altar zu führen und nicht nur Jungen. Dennoch halten sich alle an die 40 Tagesfrist bis eine Wöchnerin wieder in die Kirche geht...das zeigt doch klar dass hier nicht einfach alles über den Haufen geschmissen wird sondern man sich um die Bedürfnisse der Gläubigen auch kümmert und da wo es den Pastoral eher hinderlich ist oder eben dann doch die Tradition einfach aushebelt man beim alten bleibt wie eh und je.

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Re: Frauen, Menstruation und Kirchenbesuch

Beitrag von Priester Alexej » 24.12.2013, 20:05

Es ist schön, dass es mit den Altardienerinen bewusst gehandhabt wird! Du hast mich glaube ich nicht ganz richtig verstanden. Die Liste oben ist keine Liste von Dingen, die ich persönlich für schlecht halte. Nur - wenn es auf einmal zuviele Veränderungen gibt, dann ist das für mich ein alamierendes Zeichen. Man muss immer nach dem Geist einer Veränderung fragen, nach ihrem Ursprung und ihrem Sinn. Wenn die Mädchen im Altar eine durchdachte Entscheidung der Antiochener waren, dann waren z.B. die Bänke in Girechenland ein Import aus den USA. Oder gab es da doch eine Synode, welche diese Veränderung bewusst eingeführt hat?

Dir Tradition der Kirche hat sich natürlich verändert, aber nicht so viel, wie man es oft darzustellen versucht. Die meisten Veränderungen haben in den ersten Jahrhunderten stattgefunden, und das war eher ein Reifungs- und Wachstumsprozess. Dann gibt es immer mehr Stabilität, und grade im letzten Jahrtausend gibt es kaum Veränderungen der Tradition. Übrigens - nach dem kanonischen Verständnis der Orthodoxen Kirche sind Traditionen gleich ungeschrieben Gesetzen. Natürlich, es sind keine Dogmen und können verändert werden, aber - man darf es nicht ohne wichtiger Gründe tun und man muss dabei immer die langfristigen Auswirkungen auf das geistliche Leben der Gläubigen berücksichtigen, die dadurch aufkommen können. Und genau das ist mein Punkt bei der oberen Diskussion - man darf nicht das Thema als theologisch unbedeutend Disqualifizieren und durch das Prisma unserer soziologischen Ansichten Kanones aus dem Korpus (auf Griechsich - Pedalion) einfach ignorieren. Grade Gregor der Große hat da viele Argumente aufgeführt, die man beherzigen muss. Vielleicht haben auch die Kirchen, die nicht mehr darauf achten entsprechende seriöse Argumente, aber die fehlen mir in dieser Diskussion. Es reicht nicht zu sagen, bei uns ist das halt so, und das ist gut. Es kann gut sein - nur bitte Begründen. Diese Seriösität, theologische Tiefe fehlt mir in vielen Diskussionen (nicht nur hier im Forum). Deswegen auch der Hinweis auf Väter N und Y - es ist kein Argument zu sagen, dass ein Priester irgendwo dieser Meinung ist. Ist man sein geistliches Kind kann man die Meinung natürlich ohne zu hinterfragen annehmen, aber in einer Diskussion zählt er nicht.

Übrigens - ich beharre auf dieser ernsten Auseinandersetzung grade deshalb, weil wir in Deutschland viele Traditionen haben. Wäre ich in Russland, würde ich mich nicht groß drum kümmern, was irgendwo anders passiert. Aber hierzulande sind wir nicht nur mit anderen autokephalen Kirchen konfrontiert, sondern haben ja das oft verkündete Ziel, irgendwann eine Jurisdiktion zu werden. Und das geht nicht, ohne eine Tradition zu haben.
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Re: Frauen, Menstruation und Kirchenbesuch

Beitrag von Elias » 24.12.2013, 21:24

Wenn wir mal über vereänderte Traditionen sprechen die nicht gut sind, sollten wir mal über die (Nicht alte) Praxis des Beichtzwangs in der russischen Kirche vor der Kommunion nachdenken. Sie ist eine spätere Entwicklung und auch eine Fehlentwicklung, die es selbst auf dem Athos nicht gibt! In anderen Kirchen, die eine ähnliche Praxis hatten, haben diese schon längst Korrigiert. Was die Alradienerinnen angeht sollten wir nicht vergessen das vor dem Einfall der Osmanen in Konstantinopel es in der Kirche normal war, das auch Frauen, die Dienst in der Kirche hatten, den Altar betreten durften, auch war es normal das auch die neugetauften Mädchen wie die Jungen um den Altar geführt wurde! Das die antiochenische Kirche in den 60er Jahren den Mädchen (wieder) erlaubt hat, als Altardienerinnen Dienen zu dürfen wurde in Anbetracht der Jahrhundertenlangen ungerechtigkeit der orth. Frauen geschuldet! Anfangs empfand ich es auch als Fremd, als ich von der serbischen in die antiochenische Kirche gewechselt bin aber mittlerweile freue ich mich darüber wenn meine Tochter im Altar helfen kann wenn sie es möchte! Ich empfand es früher als Suspekt das unseren orth. Frauen der Altar verwehrt wird und aus unserer Sicht ungetaufte Männer bei Fernsehliveauftritten diesen betretten dürfen! TRaditionen haben sich im Laufe der Zeit entweder verändert oder angepasst und natürlich ist es in dieser Zeit nicht anders! Manche Veränderungen in einigen orth. Landeskirchen gehen wohl auf die Panorthodoxen Konferenzen zurück, die auf das neue Konzil hinarbeitet. Auch unsere Kirche richtet sich danach, das wir nicht für die Gesetze leben sondern die Gesetze für uns. In diesem Strang geht es aber um den Kommunionsverbot für FRauen die ihre Menstruation haben und auch dort gilt der Satz den Metropolit Augostinos mal sagte:" Orthodoxie bedeutet Freiheit!"


Ich wünsche euch allen Frohe Weihnachten zum Fest der Geburt unseres Herrn Jesus Christus! Für diejenigen die dieses Hochfest am 7. Januar feiern wünsche ich noch etwas Geduld!

LG
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Re: Frauen, Menstruation und Kirchenbesuch

Beitrag von Elias » 24.12.2013, 22:08

Priester Alexej hat geschrieben:Aber hierzulande sind wir nicht nur mit anderen autokephalen Kirchen konfrontiert, sondern haben ja das oft verkündete Ziel, irgendwann eine Jurisdiktion zu werden. Und das geht nicht, ohne eine Tradition zu haben.
Davon sind wir ja noch weit enfernt und in einer Jurisdiktion können auch mehrere Traditionen nebeneinander leben! Auch das ist Tradition in der Kirche :) Irgendwann wird es sowieso ein Prozess geben.. Traditionen haben sich auch im 2. Jahrtausend verändert, z.b auch in Russland! Ab dem 15 Jahrhundert stockte es durch die Osmanen, den zu dieser Zeit hatte man andere Sorgen! Wie du schon mal über die ROK während der Sowjetzeit geschrieben hast, war es ein Überlebenskampf der Kirche! Die Veränderungen muss man Pastoral sehen und natürlich gab es trifftige Gründe für Veränderungen aber wenn jemand diese nicht hören möchte, dann versteht er auch nicht diese Argumente! Seit der Einberufung des ersten Panorthodoxen Kongress gab es Bestrebungen die Kirche nach den Fesseln der Osmanenherrschaft zu Erneuern und daher kam auch der Wunsch auf nach einem Konzil! Wir Denken das wir auf das neue Konzil warten weil es noch nicht einberufen wurde, dabei ist das Konzil schon längst im Gang. Entscheidungen oder Problembehandlungen während der Panorthodoxen Konferenzen im Laufe der Jahre wirken schon längst in gewissen orth. Ortskirchen!

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Re: Frauen, Menstruation und Kirchenbesuch

Beitrag von Priester Alexej » 24.12.2013, 23:07

Und wiederum - bitte etwas fundierter. Du sprichst von Argumenten und pastoralen Gründen, nennst aber keine. Mit welcher Begründung ist der Beichtzwang eine Fehlentwicklungen? Warum wurde esden Mädchen der Altardienst untersagt und warum sollten wir es wieder einführen? Nur weil etwas früher so was, bedeutet das nicht, das wir es wieder machen sollten. Alles auf den Urzustand setzen zu wollen, das ist Protestantismus. Da wären wir wieder bei Agapen.
Und den Satz des Metropoliten kann ich nicht einordnen. Wenn Orthodoxie nur Freiheit ist, dann kann der Mensch ja auch seine Familie verlassen, nur weil er sich in jemand anderen verliebt hat.
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Re: Frauen, Menstruation und Kirchenbesuch

Beitrag von Priester Alexej » 25.12.2013, 00:06

By the way - das wirklich interessante Thema ist für mich nicht die Frage, ob Frauen in den Altar dürfen, sondern ob es gut für Kinder ist - ob Jungen oder Mädchen -, den Altardienst zu tragen. Das gab es meines Wissen vor kurzer Zeit in der Kirche nicht, und auch der Dienst selbst hat oft negative Wirkung auf die Kinder.
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