Kalenderfrage

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Nassos
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Re: Kalenderfrage

Beitrag von Nassos » 02.01.2014, 00:04

Hallo Pavle,

wahrscheinlich meinst Du nicht das Datum, sondern die Gleichzeitigkeit.

In den 1920ern verlangte der griechische Staat von der Kirche, den gregorianischen Kalender anzunehmen. Die Kirche tat das für die unbeweglichen Feiertage, so z.B. Weihnachten. Dies widersprach keinem Kirchenkonzil, denn der Osterkreis wird hiervon nicht verändert oder verfälscht. Der Osterkreis beinhaltet alle beweglichen Feiertage, weil diese sich alle nach dem jährlichen Osterdatum richten. Das heißt, dass alle orthodoxen Jurisdiktionen Ostern und die beweglichen Feiertage nicht nur am gleichen, sondern sogar am selben Tag - nach dem julianischen Kalender - feiern.

Der gemischte Kalender an sich ist nicht falsch (über viele Jahrtausende würde sonst irgendwannmal tatsächlich Ostern und Weihnachten zusammenfallen können...). Das Unglückliche an der Sache war, dass diese Umsetzung von der griechischen Kirche im Alleingang gemacht worden war. Ein paar Jurisdiktionen sind ihr nachgefolgt (Rumänen).

Gruß,
Nassos

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Elias
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Re: Kalenderfrage

Beitrag von Elias » 02.01.2014, 08:30

Nur eine Ergänzung zu dem was richtigerweise Nassos sagte, man muss daz erähnen das am Anfang des Jahrhunderts schon ein Konzil einberufen werden sollte und ein Thema dabei auch eine Kalenderreform. Alle Kirchen außer die des Patriarchat von Jerusalem waren Aufgeschlossen dem Thema gegenüber, hatten aber Bedenken ob die Zeit Reif sei! IM Laufe der Zeit wurden Panorthodoxe Konferenzen einberufen und dieses Thema ist auch zur Sprache gekommen. In den 20er Jahren beschloß eine Konferenz die Kalendererform (Ohne der russischen Kirche, da sie aufgrund der Oktoberrevolution nicht kommen konnte) aber diese Konferenz hatte kein Verbindlichkeitscharakter für die Kirchen! Einige Kirchen begannen dan den Mischkalender einzuführen, darunter, die Patriarchate von Konstantinopel, Alexandira, Antiochea, Griechenland, Zypern und Rumänien! Die serbische Kirche wollte diese auch ändern, aber wegen einer drohenden Spaltung haben sie dann die Finger davon gelassen. Es war kein Alleingang, sondern eine Sache, die schon länger in Planung war, die aber nicht alle Kirchen aus bekannten Gründen mittragen konnten.

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Kalenderfrage...

Beitrag von MariaM » 10.09.2015, 17:07

Hallo, vorab bitte ich um Verzeihung, dass ich einen neuen Strang aufmache, aber die Stränge, die ich zu dem Themenbereich durch die Suchfunktion fand, waren gesperrt - keine Ahnung warum - und ich konnte also nicht einfach daran anknüpfen...

Also, vielleicht ist meine Frage eine etwas "dumme", unbedarfte, aber was solls... ;-) Sie lautet: Was ist eigentlich an der Altkalendarier/Neukalendarier-Thematik so brisant oder problematisch? Soviel ich weiss, wurde in Griechenland (und später auch anderswo - Rumänien???) irgendwann zu Beginn des 20.Jahrhunderts unter dem Druck von weltlicher und/oder "ökomenistischer" Seite der Gregorianische Kalender eingeführt. Die Orthodoxe Kirche hat diesen übernommen, bzw. es entstand der heutige "Mix", also dass man die beweglichen Feste normal nach "altem", aber die unbeweglichen nach "neuem", greg. Kalender feiert. OK, soweit, so "gut". Aber die meisten orth.Kirchen haben doch heute den "alten" Kalender, oder? Warum wird dann diese Auffassung, die ja anscheinend die Mehrheit der Orth. Christen in der Welt teil, als etwas Extremes, Fanatisches etc. hingestellt??? Oder hab ich da jetzt was völlig falsch verstanden???

Ein Erlebnis hierzu, recht aktuell: Vor cca. einem Monat in Griechenland bei unseren Freunden (es war noch vor dem 15.8.- Entschlafung der Panagia)erwähnte ich, dass ich meinen geistlichen Vater gefragt hatte, ob ich nach "altem" Kalender fasten könnte, da wir vom 4.-18.8. in GR waren und ich es schwer fand, den Grossteil des Aufenthalts keinen griechischenJoghurt, Tzatziki, Fetakäse und andere Leckereien zu essen (Fleisch ess ich eh nicht, es ging um die Milchprodukte). Er meinte, ja das sei kein Problem und eigentlich sogar angebracht, denn "mein" Kloster, wo er ist und wo ich getauft wurde, habe ja eh den Athos-Kalender und somit wäre es nur logisch, mich auch danach zu richten (Fastenbeginn somit erst am 14.8. - wobei ich auch das letztendlich nicht sooo ganz einhielt, am 15. gab es bei unseren Freunden so viele Leckereien, das war echt schwer... :oops: ). Und meine Freundin darauf: "Ach, sind das Altkalendarier?"(Sie meinte "mein" Kloster in Tschechien.) Ein bisschen so, als ob sie "Exoten" seien. Ich sagte daraufhin, dass sie einfach nur den Kalender haben, den die meisten orth.Kirchen auf der Welt haben, sowie auch der Berg Athos. Und dass sie absolut keine Extremisten oder sonstwas sind ;-), wie sich das in GR oft anhört, wenn man "Altkalendarier" sagt.
Hm... aber woher kommt dies überhaupt? Wie kann es als etwas Extremes angesehen werden, es so zu machen wie auf dem Athos? Ist dieser nicht sonst immer Vorbild und Inspiration, gerade auch in Griechenland?

Und warum wird eigentlich der "alte" Kalender nicht wieder für alle eingeführt? Ich meine, man liest doch eher kritische Stimmen zu dem "neuen" - z.B. d ass man so Weihnachten mit den Häretikern, Schismatikern und Atheisten feiert statt mit den "eigenen" Leuten, und inmitten des ganzen kommerziellen Humbugs...

Danke! Gruss, M.

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Re: Kalenderfrage

Beitrag von Igor » 10.09.2015, 18:07

Liebe MariaM,

ich habe Deinen Beitrag in den Kalenderstrang verschoben, der "offen" ist. Hier findest Du Antworten zum Thema des Kalenderstils.
Dich interessieren aber auch die "Altkalendarier", dazu findest Du :arrow: in diesem Strang mehr.

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Re: Kalenderfrage

Beitrag von ARI » 11.09.2015, 22:21

Nassos hat geschrieben:Hallo Pavle,

wahrscheinlich meinst Du nicht das Datum, sondern die Gleichzeitigkeit.

In den 1920ern verlangte der griechische Staat von der Kirche, den gregorianischen Kalender anzunehmen. Die Kirche tat das für die unbeweglichen Feiertage, so z.B. Weihnachten. Dies widersprach keinem Kirchenkonzil, denn der Osterkreis wird hiervon nicht verändert oder verfälscht. Der Osterkreis beinhaltet alle beweglichen Feiertage, weil diese sich alle nach dem jährlichen Osterdatum richten. Das heißt, dass alle orthodoxen Jurisdiktionen Ostern und die beweglichen Feiertage nicht nur am gleichen, sondern sogar am selben Tag - nach dem julianischen Kalender - feiern.

Der gemischte Kalender an sich ist nicht falsch (über viele Jahrtausende würde sonst irgendwannmal tatsächlich Ostern und Weihnachten zusammenfallen können...). Das Unglückliche an der Sache war, dass diese Umsetzung von der griechischen Kirche im Alleingang gemacht worden war. Ein paar Jurisdiktionen sind ihr nachgefolgt (Rumänen).

Gruß,
Nassos
Wieso verlangté der gr Staat von der Kirche den Kalender zu ändern? Was hat der gr Staat damit zu tun ??
Ist der gregorianisches Kalender nicht von der orthodoxen Kirche verurteilt worden ? Deshalb wurde auch nur ein modifizierter Julianischer Kalender eingeführt oder??? (ich habe nicht viel Ahnung über Kirchengeschichte und Kirchenthemen)..´Für mich ist auch die Grundlage dafür, also dass es mal in 8000 Jahren Weihnachten und Ostern aufeinander treffen könnte.. nicht wirklich überzeugend, wieso hat man dies zu diesen Zeitpunkt getan ...man hat ja noch so viel Zeit)

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Re: Kalenderfrage

Beitrag von Elias » 12.09.2015, 20:12

Lieber Ari,

Es fand 1923 eine Paanorthodoxe Konferenz in Konstantinopel Statt, bei der alle Autokephalen Orth. Kirchen anwesend waren und sie beschlossen damals die Einführung des neojulianischen Kalenders, da die Heimatstaaten vor einiger Zeit den Gregorianischen Kalender angenommen haben und es Schwierigkeiten gab. Das wurde auf der Synode korrigiert. Einige Autokephalen Kirchen haben dies schnell geändert und einige konnten es nicht ändern, da sie andere Probleme hatten und einige wollten es nicht ändern wie der Athos. Jetzt möchten es einige nicht ändern, da es wohl Spaltungen verursachen würde. Das der neue Kalender anathemisiert wurde wäre mir neu und unlogisch da die Kalenderfrage keine Dogmafrage ist! Wohl eher eine Sentimentale und eine neu traditionelle, da sich das bei vielen schon eingebürgert hat das es ein "orthodoxes" Weihnachten am 7. Januar (Eigentlich 25.Dez.) gibt aber ich persönlich finde das der staatliche und kirchliche Kalender eine einheitliche sein sollte aber wie gesagt ist es nur meine persönliche Meinung.

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